Thilo Thielke / 02.03.2016 / 09:30 / 2 / Seite ausdrucken

Merkel und ihre Gäste

Österreichs Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil meint, Merkel solle doch die Flüchtlinge in Griechenland abholen und sie direkt nach Deutschland bringen – schließlich lehne sie Obergrenzen ab, heiße folglich alle willkommen. Dieser Satz wird in den Medien gemeinhin als bissige, gar provokante Bemerkung verstanden. Ich finde das nicht.

Die Menschen, die Merkel in Deutschland ansiedeln möchte, dort abzuholen, wo sie sich befinden, ist die einzig vernünftige Lösung: zumindest für die Neubürger, denen viel Leid erspart bliebe, und den Staaten, die auf dem Weg liegen. Denn die haben ja im Gegensatz zu Merkel und Ihrer Clique ganz offensichtlich kein Interesse an dieser Form der Zuwanderung.

Im Frühjahr 1992 bestieg ich, damals als Redakteur bei Spiegel TV, im kroatischen Karlovac einen Zug mit dem Fahrtziel Hamburg. Kurz zuvor hatte sich der Balkankrieg auf Bosnien ausgedehnt. Sarajevo war belagert, aus der Gegend um Banja Luka flüchteten die Menschen vor den ethnischen Säuberungen der Tschetniks. Wer es nach Kroatien schaffte, wurde nun mit der Eisenbahn nach Deutschland gebracht – der Zug hielt viele Male, irgendwo in Bayern, in Osnabrück, in Bremen.

Niemand zwang die Armen, zu Fuß über die Alpen zu marschieren und durch Grenzflüsse zu schwimmen. Die Bosnier wurden an den Bahnhöfen abgeholt und in Unterkünfte gebracht. Dann bekamen die Kriegsflüchtlinge (in diesem Fall traf der Begriff zu) eine Duldung – solange in ihrer Heimat Krieg tobte, durften sie sich in Sicherheit wähnen. Danach kehrten sie in ihre Heimat zurück. Ein paar Hunderttausend wurde so geholfen, eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Das hätte man mit den syrischen Bürgerkriegsopfern auch machen können, und wahrscheinlich hätte ein Großteil der Bevölkerung Verständnis für diese Form der Nothilfe gehabt. Aber die Bosniaken hatten Glück. Damals wurde Deutschland noch nicht von einer planlosen Größenwahnsinnigen regiert. Das Problem wurde pragmatisch gelöst.

Kürzlich traf ich Arusha, einen bekannten kenianischen Wirtschaftsexperten. Wenn er sieht, was Merkel mit ihrer wirren Einladungspolitik auf dem afrikanischen Kontinent derzeit anrichtet, schüttelt er nur den Kopf. Er plädiert für Zentren in Afrika, in denen sich Möchtegern-Migranten auf einen Job und eine Arbeitserlaubnis in Deutschland bewerben können. Er kann nicht verstehen, wie Merkel massenhaft Menschen einladen kann – und sie dann nicht abholt, sondern sie zwingt, mit ihren Ersparnissen kriminelle Schleuserbanden zu finanzieren und auf dem Mttelmeer das eigene Leben aufs Spiel zu setzen. Und das womöglich alles, um am Ende wieder abgeschoben zu werden. „Merkel muß verrückt sein“, sagt er. Und hat recht.

Ich weiß nicht, wie groß die Chancen der Afrikaner wären, in Deutschland Arbeit zu bekommen, wenn die Bundesrepublik ein vernünftiges Einwanderungsgesetz hätte. Vermutlich gäbe es sehr viel besser Qualifizierte in anderen Ecken der Erde. Immerhin würde man den Unglücklichen den Streß und den finanziellen Ruin ersparen. Daß viele, die es bis nach Deutschland geschafft haben, abtauchen, um sich der drohenden Abschiebung zu entziehen, halte ich nur für menschlich. Sie haben sich eingeladen gefühlt, sie sind gekommen. Nun sind sie erschöpft und pleite und erfahren von Mutti, daß sie zurück sollen.

So wie Merkel auf ihrem Egotrip ein Konjunkturprogramm für die Schlepper-Mafia geschaffen hat, treibt sie nun auch massenhaft Menschen in die Illegalität. Wirklich ekelhaft daran ist, daß sie ihr Nichtstun auch noch Humanität verkauft.

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Leserpost

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Gerd Brosowski / 02.03.2016

Wirklich „ekelhaft“ ist, um ein Wort aus dem Artikel aufzugreifen, dass Merkel in ihrem Verhalten unterstützt und befeuert wird. Obwohl diejenigen, die das tun, die hier aufgeführten offenkundigen Tatsachen kennen- die Spatzen pfeifen sie doch von den Dächern, wie das Sprichwort so schön sagt. „Ekelhaft“ ist beispielsweise die Lüge, unsere Grenzen seien offen. Zwar bestimmt die Bundespolizei seit Monaten nicht mehr, wer das Bundesgebiet betreten darf und wer nicht. Aber offen sind die Grenzen mitnichten. Denn die Banden der Schleuser bestimmen jetzt, wer herkommen darf und wer zu Hause bleiben muss. Weshalb reagiert der Bundestag nicht angemessen? Weshalb lassen die Abgeordneten es sich bieten, wenn die Kanzlerin ihre politischen Erklärungen nicht im Hohen Haus sondern in einer Séance im Fernsehen abgibt? Wieso gibt es beispielsweise kein vernünftiges Einwanderungsgesetz, wie im Artikel zu recht angemahnt wird?  Weshalb muss ein ehemaliger Reporter hier im Artikel daran erinnern, wie man mit echten Kriegsflüchtlingen umzugehen hat, wie man in diesem Fall gesetzestreu und erfolgreich handeln kann? Kennt denn das gesamte diplomatische Korps das hier geschilderte Vorbild des Umgangs mit den bosnischen Kriegsflüchtlingen nicht?  Es läuft im übrigen alles so ab wie damals nach der sog. Energiewende. Die es besser hätten wissen müssen, die Funktionäre der Verbände der Industrie beispielsweise, schwiegen und klatschen Beifall. Hinter vorgehaltener Hand mokierte man sich über die Kanzlerin und versuchte, seine Schäfchen irgendwie ins Trockene zu bringen. Das war „ekelhaft“. Und das Beifallklatschen aller, die es in der jetzigen Krise besser wissen müssten, ist ebenfalls ekelhaft.

Martin Wolff / 02.03.2016

Es wird ja viel darüber spekuliert, welche Ziele Merkel letztendlich verfolgt, vor allem ja auch deshalb, weil sie selbst keine Auskunft geben mag. Ich denke, es ist Ausdruck machiavellistischen Machtstrebens, auch erkennbar an ihrem Verhalten bei der “Energiewende”.  Sie wählt einen gesinnungsethischen Ansatz und ist in Deutschland damit sehr erfolgreich: die Erhaltung der Gattung, Rettung der Menschheit, usw. Wer kann da schon dagegen sein. Sie ist dabei, einen Ein-Parteien-Staat zu formen. Die Einwanderer sind jedoch bloß Mittel zum Zweck. Deren weiteres Wohlergehen hängt ja nicht von Merkel ab, sie kann als Gesinnungsethikerin bei Problemen jederzeit sagen: ” ... nicht mein Fehler, Amtsleiter xy hat versagt.” Sie bedient brachliegende religiöse Bedürfnisse in der dt. Bevölkerung. Diese Erkenntnis verbindet sie mit den Grünen. Nun versucht Merkel das gleiche Spiel auf europäischer Ebene, um eine deutsche Vorherrschaft zu etablieren. Das scheitert. Im Machtkampf darum, wie das zukünftige Europa aussehen soll, wird sie eine Niederlage einstecken.

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