Gunnar Heinsohn / 21.06.2017 / 06:05 / Foto: Tim Maxeiner / 11 / Seite ausdrucken

Merkels Afrikarettung – und jetzt die Zahlen

Gut, dass Papst Franziskus die für den Süden kämpfende Kanzlerin „ermutigt, auf diesem Weg weiterzugehen“. Immerhin sieht ihr Entwicklungsminister Gerd Müller alsbald 100 Millionen Afrikaner auf dem Weg zu den 82 Millionen Deutschen und ihren westlichen Nachbarn.

Die Zahlen klingen extrem, sind aber noch untertrieben. Von 180 Millionen auf eine Milliarde Einwohner 2017 springt allein der Subsahara-Raum seit 1950. Im selben Gebiet verlieren nach der Befreiung vom Kolonialismus rund 18 Millionen Menschen in Genoziden und Kriegen ihr Leben. Zudem ertrinken Tausende auf dem Weg nach Europa. Schon für 2009 ermittelt das Gallup-Institut zwischen Sahara und Kapstadt 38 Prozent Auswanderungswillige. Bei unveränderten Wünschen würden momentan also 380 Millionen übersiedlungsbereit für Europa sein. Niemand kann dem Minister Alarmismus vorhalten.

Bis 2050 sieht die UNO für Schwarzafrika zwar eine bedeutende Verlangsamung des Wachstums, aber immer noch 2,1 Milliarden Menschen. Während auf dem Höhepunkt des Imperialismus (1914) die heutige EU-Lokomotive Frankreich/Deutschland – bei jeweils rund 100 Millionen Einwohnern – gegen den Subsahara-Raum ein 1:1 schafft, soll es 2050 mit 1:15 aussichtslos hinten liegen (140 zu 2.100 Millionen).

Bis dahin muss der Aufschwung auf der Gegenküste des Mittelmeers gelungen sein. Dem Subsahara-Länderblock mit seinen 950 Millionen Menschen (ohne die Republik Südafrika RSA) gelingen 2014 Exporte von knapp 70 Milliarden Dollar. Damit liegen sie noch hinter den 5,4 Millionen Slowaken mit 74 Milliarden US-Dollar. Diese Differenz um den Faktor 175 entscheidend zu verringern, stellt der Jugend beider Kontinente die entscheidende Zukunftsaufgabe.

Gesamt-Europa (mit Russland) hat heute weniger als 140 Millionen Bürger unter 18 Jahren. In Gesamtafrika sind es rund viermal so viele. Ein junger Europäer muss eines Tages die vergreisende Heimat versorgen und sie gegen die Musterschüler Ostasiens in der Weltspitze halten. Dort gibt es 320 bis 500 Mathematik-Asse (Japan beziehungsweise Singapur) unter 1.000 Kindern. In Deutschland sind es 50 und in Frankreich sogar nur 20 (Siehe hier, Seite 11).

Hinzu kommt nun Berlins Forderung an jeden jungen Europäer, vier junge Afrikaner für die globalen Märkte fitzumachen. 2050 – mit dann 125 Millionen jungen Leuten in Europa gegenüber 1000 Millionen in Afrika – verlangen hierzulande noch mehr Rentner und Hilflose eine menschenwürdige Bezahlung, während pro Nachwuchskraft acht gleichaltrige Afrikaner nach vorne gebracht werden müssen. Ein Spaziergang wird das nicht, weshalb Merkels Initiative keinen Tag zu früh kommt.

Foto: Tim Maxeiner

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Leserpost (11)
Fritz Hoffmann / 21.06.2017

Ich habe Zweifel, dass die 1 zu 4 Rechnung aufgeht. Es steht ja keinesfalls fest, dass die jungen Afrikaner gleichmäßig über Europa verteilbar sind. Ob jetzt personell oder lediglich monetär, sei dahingestellt. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass etliche Staaten Europas sich gewiss ausklammern werden.

Helmut Bühler / 21.06.2017

Allein an den genannten Zahlen kann man ablesen, dass es für Afrika nur einen Weg geben kann, aus der Krise zu kommen und die Zukunft zu meistern: eine rigide Geburtenkontrolle. Das ist aber ein Tabu-Thema, das auch von der Afrika-Retterin Merkel entschlossen totgeschwiegen wird. Wenn vor allem die islamischen Staaten wie Niger oder Mali mit 7 Kindern pro Frau aufwarten, dann verpufft jede Hilfe. Die perspektivlosen jungen Männer werden versuchen, nach Europa zu gelangen oder sie bringen sich gegenseitig um. Solange man sich vor diesem, politisch sehr unkorrekten Problem wegduckt, wird jede Hilfe vergeblich sein. Das Problem wird aber irgendwann zu uns kommen und kriegerische Auseinandersetzungen auslösen, wenn wir uns noch lange unseren “wir haben alle lieb und alles wird gut”-Träumen hingeben.

Sven Zander / 21.06.2017

Eine Begrenzung der Kinderzahl auf 2 würde das Problem innerhalb von einer Generation lösen. Wäre sogar nicht einmal teuer und könnte mit Prämien für das Einsetzen der Spirale sogar zum Vorteil aller ablaufen. 500 Euro für einmal Spirale wäre sicherlich ein guter Anreiz und würde bei 5 Mio infrage kommenden Frauen pro Jahr nicht mehr als 10 Mrd kosten. Offenbar hat man in den Hinterzimmern der Macht anderes vor.

C.Meier / 21.06.2017

Afrika ist nicht zu retten, jedenfalls nicht von der jetzigen und nahzukünftigen Bevölkerungsstruktur in Europa. Wir hier in Europa können froh sein, wenn wir selber überleben. Alles was in Politik hier in Zentraleuropa Rang und Namen hat arbeitet heute doch nur daran selbst das unmöglich zu machen. Wo soll außerdem die Motivation des Ur-Europäers liegen Afrika retten zu wollen ? Was hat er davon ? Gibt es dort einen Markt mit dem sich etwas verdienen ließe ? Außer das von Europa dorthin Geld geschafft wird, damit dort dann hier einkauft wird, läuft doch eh nichts an Handel. Rohstoffe ?  Keine Sorge, die Clans sind längst abgesteckt und gesichert, da brennt nix mehr an, oder weg.

Alexander Rostert / 21.06.2017

Die eine Alternative, eine Flutung Europas mit afrikanischen Migranten zu vermeiden (beziehungsweise einen Absturz Europas in afrikanische Verhältnisse), besteht also darin, Afrika auf (annähernd) europäisches Niveau zu heben. Das klingt mir arg technisch und noch mehr fiktiv. Wäre es so einfach, dass es die zahlenmäßig wie qualititiv erodierende Jugend Europas neben dem eigenen Altenproblem bis 2050 stemmen könnte, hätte es die zahlreichere und besser ausgebildete Jugend der Babyboomer schon längst nebenher geschafft. Stattdessen würde es bei einer unvermeidlich anhaltenden Wanderungsbewegung wohl eher so sein, dass die Jugend Afrikas das Wohlstandsgefälle auf ihre Art beseitigt, nämlich in Europa und zu Lasten Europas, ohne Afrika irgendwie voranzubringen. Und so kommt die zweite Alternative ins Spiel, die mir mit unseren zukünftig begrenzten Mitteln machbarer und daher als Ausblick weitaus realistischer erscheint: Festung Europa. Es gibt nämlich keine moralische Verpflichtung zur Selbstzerstörung, Peter Sloterdijk hatte da schon recht. Zwischen diesen beiden Polen fällt mir nicht viel ein, was sich entwickeln könnte.

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