Gastautor / 04.10.2017 / 10:00 / Foto: Eric Staller / 0 / Seite ausdrucken

Elektrisch um die Ecke biegen: Bringen es neue Batterien?  (7)

Von Günter Keil.

Bringen Batterie-Neuentwicklungen den Durchbruch ?

Die zahlreichen in der Presse erwähnten neuen Batterieentwicklungen sollte man also vor dem Hintergrund der trotz ihrer wenig eindrucksvollen Speicherkapazität nach wie vor in militärischen Anwendungen favorisierten Blei-Säure-Akkus betrachten. Folgendes gab es in letzter Zeit zu lesen:

– Es wird intensiv an der Weiterentwicklung der Li-Ionenbatterie gearbeitet – vor
allem geht es dabei um deren Kosten, Effizienz und Sicherheit. Das DLR-   Institut für Technische Thermodynamik in Stuttgart arbeitet im Verbundprojekt „Li-EcoSafe“ daran.

– Der Aluminiumkonzern Alcoa und der israelische Akkuhersteller Phinergy arbeiten an einer Kombination einer herkömmlichen Li-Ionenbatterie und einer Aluminium-Luft-Batterie. Letztere kann nicht aufgeladen werden; stattdessen muss das Auto in die Werkstatt, wo die aufgebrauchten Al-Anoden ausgetauscht werden. Man will damit eine Reichweite von 1.600 km ermöglichen. Die Umständlichkeit dürfte dem Konzept keinen Erfolg bringen.

Es gibt eine Reihe weiterer Entwicklungsarbeiten an verschiedenen Batterietypen, aber vor allem gibt es eindrucksvolle Ankündigungen für die angestrebten Ladungskapazitäten, Gewichte und Kosten. Dabei wird oft unglaublich übertrieben. „Der SPIEGEL unternahm im Februar 2017 einen Praxistest mit dem E-Mobil Zoe von Renault. Bei der Autobahn-Richtgeschwindigkeit von 130 km/h war an die im Normzyklus ermittelte Reichweite von 400 km nicht mehr zu denken. Übrig blieben etwa 150 km. Auch die wundersamen Reichweiten der teuren Tesla-Modelle werden in einem realistischen Reiseszenario nicht annähernd erzielt. In der amtlichen Kriechfahrt der Prüfzyklen hat der Elektroantrieb perfekte Bedingungen, um sparsam zu sein. Fernreisen mit heute auf Autobahnen üblichen Geschwindigkeiten zehren die Batterie dagegen im Schnellgang aus“. (SPIEGEL 34/2017: „Der große Schwindel mit den Elektroautos“.)

Derartige Angebereien und Übertreibungen sind typisch für eine Situation, in der es staatliche Fördermittel für Innovationen gibt. Wer nicht bei den behaupteten Projektergebnissen bedenkenlos übertreibt, muss befürchten, von den Beamten kein Geld zu bekommen. (Der Autor war 30 Jahre im Bundesforschungsministerium in der Projektförderung tätig. Die obige Aussage beruht auf eigener Erfahrung.) Die oben zitierten Aussagen von Prof. Endres sind dagegen nüchterne Beschreibungen der Realität. Seine Bewertungen der politischen Zielsetzungen und Erwartungen sollten ernst genommen werden.

Es gibt somit reihenweise gute Gründe dafür, dass auch die derzeitige erneute Beschwörung des Elektroantriebs für Automobile das Schicksal aller vorangegangenen Versuche teilen wird: Die stillschweigende Aufgabe dieser Idee. Damit das aber nicht erneut geschieht, scheint es jetzt der Plan der Politiker zu sein: Wir zwingen die widerspenstige Automobilindustrie mit immer schärferen Abgas-Grenzwerten, sich dem Elektroauto zuzuwenden und wir subventionieren deren Anschaffung, damit auch die widerspenstigen Autofahrer ihre Zurückhaltung aufgeben. Also wieder einmal Planwirtschaft, die bekanntlich noch nirgends funktioniert hat.

In der nächsten Folge morgen: Die Physik gibt keinen Idiotenrabatt

Autor Dr. Ing. Günter Keil ist ehemaliger Ministerialdirigent im Bundesforschungsminsiterium

Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Institutes für Klima und Energie (Eike) hier

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Teil 6

Teil 8

Teil 9

Foto: Eric Staller GFDL via Wikimedia Commons
Leserpost (0)

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können wir meist nur während der ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung eines Artikels annehmen.

Verwandte Themen
Gastautor / 24.11.2017 / 10:52 / 1

Lieber Partypupser als Bettvorleger

Von Jesko Matthes. Der erste bedeutende Vorsitzende der FDP, an den ich mich dunkel erinnere, war Jurist, eine distinguierte, ritterliche Gestalt, ein schwarzhaariger, graumelierter „Herr“,…/ mehr

Gastautor / 24.11.2017 / 06:14 / 5

Die Fußball-WM in Katar als Motor des Scharia-Kapitalismus

Von Sascha Adamek. Vom Fußball zum Terror ist es in Katar manchmal nicht weit. Denn der seit 2013 als Terrorfinanzier gelistete Geschäftsmann al-Nuaymi war Jahre…/ mehr

Gastautor / 23.11.2017 / 16:55 / 3

Gipfeltreffen der Irren und Bekloppten

Am 14. Dezember 2017 sollte im Berliner Kino Babylon eine Preisverleihung stattfinden, bei der so ziemlich alle Typen geladen waren, die in der Szene der Verschwörungstheoretiker, Israelhasser…/ mehr

Gastautor / 23.11.2017 / 13:00 / 3

Keine katalanische Rebellion

Von Wolfgang Mayr.  Wissenschaftliche Schützenhilfe für die katalanischen Träumer: Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München hat eine Forschungsarbeit zur politischen Ökonomie von Sezessionen veröffentlicht. Die…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com