Günter Keil, Gastautor / 05.10.2017 / 10:57 / Foto: Eric Staller / 2 / Seite ausdrucken

Elektrisch um die Ecke biegen: Die Physik gibt keinen Idiotenrabatt (8)

Von Günter Keil.

Die Physik gibt keinen Idiotenrabatt

Viele Medien haben beschlossen, den von den Autokäufern weitgehend boykottierten Durchbruch der Elektroautos, den sie ständig beschwören, propagandistisch herbeizuschreiben. Kürzlich las man sogar von einem „Quantensprung“ in der Batterieentwicklung, der nun bevorstehen würde. Die Quanten wollen aber nicht springen. Dass die Entwicklung einer neuen Technik sehr viel länger dauert, als eine Legislaturperiode des Parlaments, haben die Politiker, die finanzielle Förder-Töpfe mit Steuergeld verwalten und einsetzen, zu ihrem Leidwesen schon immer erfahren müssen. Niemals stellt sich ein Erfolg in 4 Jahren ein. Wenn überhaupt, dauert es mindestens 12 bis 15 Jahre. Misserfolge allerdings zeigen sich schneller, was dazu führt, dass weitere Mittel den bereits verlorenen Millionen hinterher geworfen werden, um die Pleite zeitlich hinauszuschieben – zumindest in die nächste Legislaturperiode, wenn ein anderer auf dem Ministerstuhl sitzt.

Die Entwicklung besserer, neuer Batterien allerdings vollzieht sich in einem Sektor der Physik, in dem es den Forschern und Entwicklungsingenieuren sehr schwer gemacht wird, Erfolge oder gar Durchbrüche zu erzielen. Die mit 136 Jahren nahezu unendliche und erfolgsarme Geschichte der Antriebsbatterien für Autos zeigt vielmehr, dass man eine Technologie für langlebige, bezahlbare und zuverlässige Batterien schon zu Beginn dieses Zeitraums ausgewählt hat – gemeint ist die Blei-Säure-Batterie – und seither mit ihren Limitierungen (Gewicht, und Speicherkapazität) leben muss.

Man hat seither eine unbekannte, aber gewiss riesenhafte Menge Geld ausgegeben, um neue, in jeder Hinsicht überlegene Konzepte für die elektrochemischen Speicher zu finden und zur Einsatzreife zu bringen – das einzige, bedingt brauchbare Ergebnis von mehr als 130 Jahren Arbeit scheint die Lithium-Ionenbatterie zu sein, die zumindest Anwendungen mit geringem Strombedarf wie Laptops, Elektrowerkzeuge, Mobiltelefone usw. erobert hat und für diese einen großen Fortschritt darstellt.

Dass diese Technik aber nicht im Entferntesten den ganz normalen Ansprüchen von Autofahrern an ihre Fahrzeuge genügt, ist ebenso klar. Daran ändert auch die nahezu religiöse Verehrung der Tesla-Autos durch eine Gemeinde von Anhängern nichts, die sich damit als Öko-Vorbilder präsentieren wollen und dafür gerne extreme Kosten und reale Gebrauchsnachteile in Kauf nehmen. Die Physik ist unpolitisch und bietet Ideologen keine Rabatte.

In der nächsten Folge morgen: Gasantrieb – Die bessere Alternative 

Autor Dr. Ing. Günter Keil ist ehemaliger Ministerialdirigent im Bundesforschungsminsiterium

Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Institutes für Klima und Energie (Eike) hier

Teil 1

Teil 2

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Teil 7

Teil 9

Foto: Eric Staller GFDL via Wikimedia Commons

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Leserpost (2)
mike loewe / 06.10.2017

Autokäufer, die Elektroautos weitgehend boykottieren, sind in Deutschland stärker vertreten als anderswo, wahrscheinlich aus Solidarität mit den deutschen Autoherstellern, die dabei sind, den weltweiten Trend zum Elektroantrieb zu verschlafen. Deren Lobbyarbeit spielt sicher auch eine Rolle. Um Elektroautos angenehm zu finden, muss man außerdem kein Ökofreak sein, denn alleine die Laufruhe und das gute Fahrgefühl rechtfertigen die Technik. Staatliche Subventionen dafür sollten sich allerdings in Grenzen halten. Fahrzeughersteller können das auch selbst meistern, wenn sie denn wollen.

Frank Hill / 06.10.2017

Es wird nichts helfen, aber man sollte immer wieder daran erinnern: Ein “Quantensprung” ist mitnichten eine riesige, sondern die kleinstmögliche (!) Veränderung zwischen zwei physikalischen Zuständen (klassischerweise zwischen zwei Energieniveaus eines Elektrons in einem Atom oder Molekül). Erst eine große Anzahl von “Quantensprüngen” bringt überhaupt einen makroskopisch messbaren Effekt. Es liegt allerding eine gewisse Komik darin, dass es sich bei vielen medial frenetisch gefeierten “Quantensprüngen” bei genauerem Hinsehen tatsächlich nur um solche handelt….

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