Katharina Szabo / 04.12.2015 / 17:19 / 7 / Seite ausdrucken

Duett der Idioten

Jürgen Todenhöfer, IS-Erklärer, Hamas-Sympathisant ‚Israelkritiker‘ und willkommener “Experte” in jeder Nahost-Runde des öffentlich rechtlichen Rundfunks, macht seinem islamistisch, vielleicht rechts- oder linkspopulistisch, auf alle Fälle aber antisemitisch veranlagtem Fanclub auf facebook ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Der Sänger Xavier Naidoo habe ihm ein ergreifendes Lied geschickt, schreibt Todenhöfer vor Euphorie bebend, welches den Titel “Nie mehr Krieg” trage und unbedingt weiterverbreitet werden müsse. Denn schließlich entscheide der Bundestag nun über “den Krieg in Syrien”. Nicht um den Islamischen Staat zu bekämpfen, vermutet der Experte, da gäbe es klügere Strategien, sondern aus Bündnisgründen. Aus Liebe zum französischen Präsidenten Holland. Also aus reiner Lust an westlicher Kriegstreiberei. Nun aber, Gott sei Dank, gibt es ein Mittel, um die Welt in einem finalen Rettungsschlag zu einem besseren Ort zu machen, ganz ohne Waffen: Das Herbeisingen des Weltfriedens durch einen deutschsprachigen Sänger. Wünschen wir uns nicht alle ein bisschen Frieden?

Xavier Naidoo, ideologisch verwirrter Gutmensch, macht in der auf facebook veröffentlichten „Weltpremiere“ seines Anti-Kriegs Liedes nun also reichlich Gebrauch von einer klügeren Strategie, wie sie Jürgen Todenhöfer vorschwebt. Gilt es den bewaffneten Einsatz gegen Islamisten zu verhindern, müssen falsche Rücksichtnahmen über Bord geworfen, muss die Wahrheit in die Welt gesungen werden: „Muslime tragen den neuen Judenstern“, intoniert Naidoo deprimiert, „alles Terroristen, wir haben sie nicht mehr gern“. Das sitzt.

„Uh, Uh,“ setzt ein Gospelchor im Hintergrund ein und bekräftig die traurige Botschaft. Wer jetzt nicht zustimmt, hat kein Herz. Bomben auf den Islamischen Staat, also die “Juden von heute”? Wo soll das hinführen? „Das Schlachtfeld ist schon abgesteckt, doch wir sind auch nur einen Hauch weit weg, Uh, Uh.“ Heute bombardiert von der Leyen den IS und morgen vielleicht schon Köln, schwant es da dem Hörer. „Ich weiß, es ist schwer zu glauben, doch man will dir deinen Platz im Paradiese rauben“, beendet Xavier Naidoo den Gedankengang.

„Wir leben im Jahr 2015“, erregt sich Jürgen Todenhöfer einleitend, „doch unseren Politikern fällt nichts anderes ein als Krieg!“  Völlig sinnlos, weiß der Nahostkenner, denn immerhin würden “wir” seit 14 Jahren die Taliban bombardieren, ohne dass wir sie besiegen konnten. „Beim viel gefährlicheren IS wird die planlose Bombardiererei noch weniger erfolgreich sein“, warnt er. Denn eines ist klar, umso gefährlicher ein Gegner ist, umso weniger Widerstand sollte man leisten. 

„Uh, Uh, nie mehr Krieg, nie mehr Krieg, wenn wir das nicht sagen dürfen, dann läuft doch etwas schief“, singt Naidoo ungehindert. „Wir rüsten ab und nicht auf, immer noch Schwerter zu Pflugscharen, die Schwerter sind verkauft, ok, ich hab‘ noch eines, aber das kommt aus dem Mund“, streckt der Erweckungs-Sänger Naidoo schlussendlich radebrechend die Waffen.

Inzwischen ist bekannt, dass der Bundestag trotz des Widerstandes von Jürgen Todenhöfer und Xavier Naidoo einem Einsatz gegen den IS in Syrien zugestimmt hat. Freilich nicht um Bomben auf die Wächter des islamistischen Paradieses auf Erden zu werfen, wie die beiden Anti-Kriegs Aktivisten befürchteten, das überlässt man lieber den anderen. Deutschland steuert lediglich Tornado-Flugzeuge und Satelliten zur Aufklärung bei und beteiligt sich mittels Luft-zu-Luft-Betankung von Militärjets am Kriegsgeschehen. Getötet wird nicht.  Auch die deutsche Bundesregierung hat schließlich dem Ruf moralischer Überlegenheit gerecht zu werden.

Siehe auch: Hier und hier.

Leserpost (7)
Klaus Schricker / 06.12.2015

Todenhöfer und Naidoo, ein bemerkenswertes Pärchen. Trotzdem: Nach 45 hieß es: “Nie wieder Krieg”. Es dauerte nicht lange, dann hieß es: “Ohne uns!”. Seit längerem heißt es aber: “Nie wieder ohne uns!”.

Helmut Driesel / 06.12.2015

Dieser Herr Todenhöfer ist in der Lage, mit seinem demonstrativ bodenständig bescheidenen Gestus und seiner effektvoll tatortnah vorgetragenen Erfahrung ein gewaltiges Potential an Medienwirkung zu entfalten. Er ist um vieles intensiver als z.B. Herr Sarrazin. Wenn eine Partei hinter ihm stünde, würde ich nicht zögern, ihm eine große politische Zukunft vorherzusagen. Aber da steht wohl niemand. Es scheint, als würde sich das künftige politische Unglück Deutschlands im Schatten seiner tragigkomischen Figur aufbauen. Ich sehe nicht, dass es rechts sein wird. Faschistisch vielleicht, aber nicht rechts.

Olaf Knolaf / 06.12.2015

Ich bin kein Pazifist und mein Mitleid mit Islamisten hält sich in sehr engen Grenzen. Aber um einen Krieg gegen Partisanen und Terroristen zu gewinnen, muss man es richtig krachen lassen. Das ist grausam, blutig und produziert derart scheußliche Bilder, dass die deutsche Öffentlichkeit das keine Woche dulden wird. Anschließend muss das Land über Jahrzehnte besetzt bleiben und jegliche islamistische Opposition muss brutal unterdrückt werden. Doch nach drei oder vier Jahren sieht die deutsche Öffentlichkeit keinen Sinn und keine Notwendigkeit mehr, Besatzungsmacht zu bleiben. Und wenn das alles gelingt, wobei fraglich bleibt, ob es möglich und überhaupt wünschenswert ist: Einige Jahrzehnte später wählen die nun säkularen Moslems einen Erdogan, die Kopftuchquote schießt nach oben, die Erwerbstätigkeit der Frau geht in den Sinkflug, “westliche” Flaniermeilen mit Bars und Cafés werden verdrängt, das Mittelalter macht sich wieder breit. Dieser Krieg ist nicht zu gewinnen, indem man einige tausend feindliche Kämpfer abknallt. Die Bundeswehr sollte lieber bei ihrer Kernaufgabe bleiben und Deutschland verteidigen.

Peter Zeller / 05.12.2015

Ich kann mir nicht vorstellen, daß viele Menschen diese beiden Herren ernst nehmen.

Dr. Bettina Gruber / 04.12.2015

Ganz so einfach liegen die Dinge nicht. Über den geistigen Zustand von Naidoo und Todenhöfer braucht man zwar keine Worte zu verlieren, die ideologische Islampropaganda von ersterem halte ich darüberhinaus für ausgesprochen gefährlich. Dennoch ist ein Kriegseinsatz in diesem Fall kein sinnvolles Mittel: Die geleisteten Hilfsdienste fallen eher unter Kosmetik als unter wirksame Unterstützung. Um sich mit dieser Kosmetik brüsten zu können, wird mit dem Leben der eigenen Bürger gespielt. Nicht nur können deutsche Bundeswehr-Piloten, die dieser Krieg nicht das Geringste angeht (Soldaten sollte man besser zur Verteidigung der Grenzen einsetzen!), von Boden-Luft-Raketen getroffen werden, ein angesichts der geringen Effizienz des Einsatzes gänzlich überflüssiges Menschenopfer; es steigt auch die Gefahr von Terroranschlägen im Inland, wie sogar die systemfromme FAZ soeben erkannt hat. Wer den Einsatz befürwortet hat, muss dann bitte auch Verantwortung für diese Opfer übernehmen und dies gilt für Journalisten ebenso wie für Politiker… Ich werde bei Zeiten daran erinnern, liebe Achse! P.S. Über journalistische Verantwortung findet sich einiges in Karl Kraus’ “Letzten Tagen der Menschheit”, auch über die von Journalistinnen, die kriegsbegeistert von Front zu Front eilten - sie waren es ja schließlichnicht, die den Kopf hinhalten mussten… Vielleicht mal nachlesen, Frau Szabo!

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