Wolfram Ackner / 15.11.2016 / 17:16 / 3 / Seite ausdrucken

Die Tagesschau bastelt ein Mississippi Burning

Zum Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland gehört zweifelsohne Aufklärung über Skandale, Kriege, Hungersnöte, Staatsverbrechen. Egal, ob der IS sprichwörtliche Rooftop-Partys mit Homosexuellen "schmeißt" - oder eine Nummer kleiner - linksradikale Schmierereien zu Gewalt aufrufen, islamistische Schmierereien Kirchen "verschönern" oder rechtsradikale Graffiti irgendeinen Hinterhof zur "Whites-Only-Zone" ausrufen, keine Ungerechtigkeit lassen die Öffis undokumentiert, nirgends.

Gut, von den amerikaweiten Kristallnächten der Anti-Trump-Randalierer, die beispielsweise mit "Rape Melania"-Schilder durch die Straßen zogen, hatte man vermutlich weder Bilder noch wollte man die ohnehin traumatisierte deutsche Kundschaft noch weiter verstören, aber dafür sind der ARD bei Episcopal Church of Our Saviour in Silver Spring, Maryland, sensationelle Bilder für die Prime-Time gelungen, die man aus Gründen der Aktualität und der Größe und Bedeutung dieses Ereignisses keineswegs so lange zurückhalten konnte, bis die Polizei ihre Ermittlungen abgeschlossen hat.

Diese Zeit nimmt man sich nur, wenn hunderte von dankbaren Flüchtlingen in der Kölner Silvesternacht etwas über die Stränge schlagen. Schließlich hat es sich auch als gut und richtig herausgestellt, damals mit dieser Berichterstattung vier Tage zu warten, denn es stellte sich heraus, dass es nichts mit nichts zu tun hatte, sondern sich um allgemeinen Alltagssexismus in einer sexistischen Gesellschaft handelte. Kurz und gut, dass Problem auf den Namen "Mann" hört.

Außerdem kommen False-Flag-Aktionen bekanntlich nur vor, wenn sich beispielsweise der IS zu einem Messermord in Hamburg bekennt. Da werden Hinz und Kunz und der unvermeidliche Professor Pfeiffer vor die Kameras geholt, um der Welt zu beteuern, dass es sich um Trittbrettfahrerei handeln muss. In Maryland ist dies ausgeschlossen, schließlich ist ja jedem deutschen Medienkonsumenten bekannt, dass mit Ausnahme der linksliberalen Küstenbewohner alle Einwohner von "Fly-Over-America" hasszerfressene Rassisten sind und dieser Hass durch Trumps Wahl überall im Land neue Brände entfacht.

So haben sie in der gestrigen 20 Uhr Tagesschau ab Minute 7 vom neuen Trump Berater Bannon berichtet und ihn  als Ex-Chef einer ultrarechten und antisemitischen Webseite charakterisiert, um dann dieses Bild einzublendend, das wirkte, als hätte man vor einer Kirche ein rassistisches Poster aufgestellt - dabei ist es nur eine Kritzelei auf der Rückseite des Kirchenbanners, das dort immer steht. Irgendwie aus Versehen wurde die welterschütternde rassistische Schmiererei in Maryland so abgebildet, als hätten eine Bande White Power-Typen mit spitzen weißen Hüten ein riesiges Transparent vor der Kirche aufgebaut. In Wahrheit wurde von einem Einzeltäter die Rückseite eines bereits vorhandenen Transparents beschmiert. So bastelt man aus einer Deppenkritzelei am Ende der Welt, die sonstwer hingeschmiert haben könnte, zur Prime Time eine Mississippi Burning Nummer. .

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Leserpost (3)
Rudi Knoth / 16.11.2016

Aber ich dachte immer Maryland wäre ein Ostküstenstaat. Unter Fly-Over Amerika verstand ich immer ein Staat wie Ohio oder Kansas.

Thomas Rießinger / 15.11.2016

Das kann kein Einzeltäter gewesen sein. Einzeltäter und Einzelfälle gibt es nur, wenn es sich um muslimische Täter handelt, und dann liegt das Motiv immer nur in der Diskriminierng durch die unverständigen Gastgeber.

Wolfgang Richter / 15.11.2016

Derartige als Journalismus “verkaufte” Meinungsmache ist ja nun schon länger üblich und hat den “Machern” den Titel “Lügen-” oder auch “Lückenpresse” eingebracht, worüber die so Titulierten entsprechend aufgebracht sind, aber nicht zu der Erkenntnis gelangen, sich wieder auf wirklich journalistische Arbeit zu besinnen.  Und sie werden so lange weiter machen, bis auch das letzte Abo der MSM-Print- Ausgaben gekündigt ist u. belegt wird, daß kaum noch jemand die Machwerke der Öffentlich-Rechtlichen konsumiert. Selbst aus dem Ergebnis der verdrehenden Verkündungen zum US-Wahlkampf ist man nicht bereit zu lernen.

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