Antje Sievers / 05.08.2016 / 12:50 / 12 / Seite ausdrucken

Sawsan Chebli: Jung, hübsch, muslimisch, gut integriert und ignorant

Jung, hübsch, weiblich, muslimisch – Erklärbärin Sawsan Chebli, die stellvertretende Sprecherin des auswärtigen Amtes, erläutert in der FAZ im Gespräch mit dem Berliner Bürgermeister Müller, warum Muslime immer Opfer sind und die Sharia problemlos kompatibel mit dem Grundgesetz ist.

Chebli ist alles, was man einfach liebhaben muss: Eines von zwölf Kindern palästinensischer Asylanten, aus dem Arbeiterviertel Moabit und gläubige Muslimin, die eigentlich auch liebend gern ein Kopftuch tragen würde, was aber nach ihrer eigenen Aussage nicht geht, weil man damit in Deutschland keine Karriere machen kann. Wenn sie sich nicht gerade durch Pressekonferenzen stammelt und stottert, ist Frau Chebli in einem vom Bundesfamilienministerium finanzierten Projekt aktiv, das „JUMA“ heißt, wie das islamische Freitagsgebet, aber auch die Abkürzung für „Jung, muslimisch, aktiv“ ist. Auf dessen lahm frequentierter Facebookseite tauschen sich verschleierte Frauen nicht nur über schwer traumatisierende Diskriminierungserfahrungen aus, sondern auch darüber, wie schick und trendy es sein kann, Kopftuch zu tragen.

Ihr Vater spreche kaum deutsch und sei Analphabet, aber weitaus besser integriert als viele Funktionäre der AFD, haut Chebli gleich zu Anfang des Interviews zackig raus. Wie der Mann die vierzehn Personen seiner Familie ernährt, erfahren wir hingegen nicht. Obwohl seine Tochter auf das Übelste am Lernen gehindert wurde, weil ihre Lehrer meinten, „ein Flüchtlingskind gehöre nicht auf die höhere Schule“ , meisterte Chebli Abitur und Studium. Sie ist zweifellos ein Beispiel dafür, dass Integration und eine erfolgreiche Karriere auch unter den widrigsten Bedingungen gelingen können. Ausgezeichnet, genau das, was man braucht.

Eine Verurteilung zu tausend Peitschenhieben auf dem Weg zur Quelle

Was man hingegen nicht braucht, sind die hundertfach wiedergekäuten Belehrungen darüber, dass verschleierte Frauen wie ihre fünf Schwestern das Kopftuch gänzlich freiwillig und darüber hinaus auch noch gegen den Widerstand ihrer Männer tragen. Wie könnte es auch anders sein in einem Haushalt, in dem fünf Gebete am Tag Pflicht waren und nach der Schule der Koran auswendig gelernt wurde.

Alle reden über Sharia, aber kaum jemand wisse, was das bedeutet, sagt Chebli und klärt auf: Sharia bedeute Weg zur Quelle oder Weg zu Gott und regele das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen. Und da gehe es hauptsächlich um Gebet, Fasten und Almosen. Pipifax also. Das sieht in den muslimischen Ländern, wo die Sharia die Grundlage von Verfassung und Rechtssprechung bildet, allerdings ganz anders aus. Dort wird man auf dem Weg zur Quelle schon mal mit einer Verurteilung zu tausend Peitschenhieben überrascht, so wie der Saudi-arabische Blogger Raif Badawi. Von der Pervertierung des kuchenguten Islam durch den IS redet Chebli, der die muslimische Gemeinschaft in Geiselhaft nehme. Von Massenprotesten der Geiseln gegen diese Zumutung ist allerdings weit und breit nichts zu hören und zu sehen, und das, obwohl Muslime laut Chebli nach mehr Demokratie hungern sollen.

Wenn Muslime für Aliens gehalten werden, wie Chebli meint, könnte das daran liegen, das Muslime Aliens sind, denn bevor die ersten sogenannten Gastarbeiter aus den Balkanländern und der Türkei nach Deutschland kamen, waren Muslime in der deutschen Gesellschaft praktisch nicht präsent. Es kann auch daran liegen, dass gerade muslimische Frauen bemüht sind, sich äußerlich deutlich von ihrer Umgebung abzugrenzen, indem sie sich verschleiern.

Eine plumpe Propagandashow wird vom Berliner Bürgermeister abgenickt

Dass davon nicht jeder Indigene begeistert sein kann, damit sollte man schon rechnen. Nun habe ich es in Ägypten und in Jerusalem auch erlebt, dass ich von arabischen Männern beschimpft, angetatscht und mit Dreck beworfen wurde. Aber dennoch würde ich so schnell nicht auf den Gedanken kommen, dass diese Männer sich gefälligst mit einem Outfit abzufinden hätten, das in ihrer Kultur nicht üblich ist. Jedenfalls habe ich zu diesem Thema keine Jammergedichte verfasst, wie die „Jumanerinnen“ auf der Facebookseite von Cheblis Projekt es tun.

Und ja, ich behaupte steif und fest, verschleierte Frauen sind unterdrückt von einer frauenverachtenden Ideologie, in der sie Menschen zweiter Klasse sind, von denen in der Öffentlichkeit so wenig wie möglich sichtbar sein sollte, oder die, wie Zehra Yilmaz es einmal bei Maischberger erklärte: Das Kopftuch solle die Frau in der Öffentlichkeit möglichst wenig, am besten aber gar nicht reizvoll machen.

Auf wen hören nun aber die Muslime in Deutschland? Auf niemanden, behauptet Frau Chebli. Ein Muslim sei nur Gott gegenüber zur Rechenschaft verpflichtet, so als gebe es keine Islamverbände, keine Imame und keine Freitagspredigten. Bürgermeister Müller sitzt daneben und nickt die plumpe Propagandashow weise ab, sagt Ja und Amen und bescheinigt der Religion an und für sich eine „wichtige, ja auch eine stabilisierende Funktion“. Wie hatte Volksbischöfin Margot Käßmann schon gesagt? Wer Angst vor dem Islam hat, soll mehr in die Kirche gehen. Durch die zunehmende Islamisierung wittern Evangelen und Katholiken seit einiger Zeit wieder Morgenluft. Von Klerikern kann man so was erwarten. Aber wenn Politiker so anfangen, haben wir ein ernstes Problem.

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Leserpost (12)
Peter Christian Nowak / 06.08.2016

Sehr gut beobachtet. Und ich füge hinzu, nun verstehe ich Israel noch viel besser! Danke für den Beitrag.

Helmut Herfel / 06.08.2016

Das Schlimmste ist allerdings, dass den FAZ-‘Journalisten’ keine kritische Nachfrage bei Frau Cheblis Verharmlosungen zum Thema ‘Scharia’ über die Lippen kam. Beißhemmung aus Angst um’s Gehalt?

Karl Baumgart / 06.08.2016

“..., so als gebe es keine Islamverbände’ - so als GÄBE es keine Islamverbände, werte Frau Sievers, denn das Traurige ist ja, dass es sie gibt. Also Konjunktiv II.

Paul Siemons / 06.08.2016

Wie kam Frau Chebli an den Job? Sie hat sich wohl hoch gebetet.

Alexander Rostert / 05.08.2016

Das uns zugemutete Gestammel ist vermutlich das Ergebnis dessen, was Frau Schwesig und Herr Maas meinten mit “die Quote wirkt”. Ich bin jetzt dringend für Edmund Stoiber als Bundespressesprecher.

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