Rainer Bonhorst / 30.01.2013 / 21:17 / 0

FC Nachhaltigkeit

Der VFL Wolfsburg ist der erste nachhaltige Fußballklub in Deutschland. Die Ehre wurde den Wölfen, wie sie schon seit vornachhaltigen Zeiten genannt werden, von einer internationalen Nachhaltigkeitsgesellschaft offiziell verabreicht.

Bisher ist nicht geklärt, ob die Herren des FC Bayern München und der Borussia Dortmund vor Neid erblasst sind, als sie diese Nachricht aus Wolfsburg erhalten haben. Aber man darf es vermuten. Denn kann es für einen Fußballer Schöneres geben, als mit einer Nachhaltigkeitsmedaille am Trikot auf den Platz zu laufen?

Wie aber wird man Nachhaltigkeitssieger? Nur durch massiven fußballerischen Einsatz gegen die Erderwärmung, sowohl im Sturm wie auch in der Verteidigung. Es fängt schon mit dem Rasen an. Der Rasen eines Vereins, der sich den Ehrentitel FC Nachhaltigkeit verdienen will, sollte garantiert genfrei sein und ausreichend Nestflächen für gefährdete Bodenbrüter vorhalten. Kunstrasen kommt nur in Frage, wenn er rückstandslos biologisch abbaubar ist und sich nach dem Spiel selbst aufrollt.

Kaum weniger entscheidend ist der Ball. Er darf zwar im Sinne von Sepp Herberger weiterhin rund sein. Wer aber wirklich nachhaltig kicken will, muss mit einem Ball aus nachwachsenden Kuhhäuten auf den Platz laufen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Herkunft des Leders vom Stall bis zur Arena lückenlos nachgewiesen wird.

Ein ganz wichtiger Faktor im Kampf um Nachhaltigkeit und gegen die Erderwärmung sind die Trikots. Sie sollten, wo immer möglich, aus ungefärbtem, zu fairen Preisen erworbenem Hanf hergestellt sein. Durchgeschwitzte Hemden sollten nach dem Spiel nicht in die Waschmaschine kommen sondern an Wäscheleinen über dem Spielfeld aufgehängt werden.

Die Schuhe spielen im Nachhaltigkeitsfußball eine Schlüsselrolle. Für das Oberleder gelten die gleichen strengen Regeln wie für den Ball. Aber das allein reicht nicht aus. Auf die Stollen kommt es an. Sie sollten unbedingt aus nachwachsenden Rohstoffen und keinesfalls aus seltenen Erden hergestellt sein. Besonders preiswürdig wäre eine Stollentechnologie, die noch während der Abnutzung gleich am Schuh nachwächst. So könnte man eine Menge Energie sparen.

Die Spieler selbst sollten mit ihrem Energiehaushalt ebenfalls vernünftig umgehen. Beim Kampf gegen den Klimawandel kommt es bekanntlich nicht nur darauf an, klimafreundliche Rohstoffe zu benutzen. Ebenso wichtig ist das Energiesparen. In dieser Hinsicht kann auf dem Fußballplatz noch viel geschehen. Hier ist eine Win-Win-Situation möglich: Fußballer, die Energie sparen schonen zugleich den Rasen.

Der VfL Wolfsburg hat auf diesem Feld zwar schon beachtliche Fortschritte gemacht. Sein zurückhaltender Tabellenplatz darf als Beleg dafür gelten. Die Wölfen haben ihr Energiesparpotenzial zwar noch nicht ganz ausgeschöpft. Aber sie sind vorbildlich im Vergleich zu anderen Vereinen, die sich als rücksichtslose Energieverschwender ohne jedes Umweltbewusstsein gebärden. Einige Spieler führender Klubs laufen sich jede Woche regelrecht die Lunge aus dem Leib, ohne auch nur im geringsten auf ihren Energiehaushalt zu achten.

Zu einer umfassenden Politik der Nachhaltigkeit gehört schließlich auch, dass die an den Gegner ausgeteilten Fouls dem Prinzip der Nachhaltigkeit folgen. Viele Fouls mit kurzfristiger Wirkung dienen im Grunde nur der momentanen Wunschbefriedigung. Wenige nachhaltige Fouls hingegen, die den Gegner dauerhaft außer Gefecht setzen, zeugen von effektivem Energieeinsatz. Allerdings ist noch nicht mit letzter Sicherheit erforscht, ob solche nachhaltigen Fouls zu einer Klimaerhitzung oder einer Abkühlung des Klimas führen.

Kurz und Gut: Die Bayern und die Borussen mögen die Meister der kalten Fußballkunst sein. Die Wölfe aber sind die Meister der Herzen. Und das natürlich nachhaltig.

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