Martin Lewis, Gastautor / 09.12.2018 / 10:00 / Foto: Pixabay / 4 / Seite ausdrucken

Die Andersgrünen: Der Mythos vom edlen Wilden (6)

Von Martin Lewis.

Es beeindruckt schon, im Rückblick festzustellen, wie wenig sich in den zwanzig Jahren nach der Veröffentlichung von Green Delusions verändert hat. Die neo-malthusianischen Argumente Ehrlichs und seiner Mitstreiter aus den 1970er Jahren wurden zu wissenschaftlich klingenden Begriffen wie „planetare Grenzen“ und „ökologischer Fußabdruck“ recycelt. Auch wenn sich die Ursache der Umweltapokalypse verschoben hat – damals waren es der Oberboden, Pestizide und Ressourcenknappheit, heute sind es Klimawandel, schrumpfende Biodiversität und nicht spezifizierte planetare Kipppunkte –, so ist das Apokalyptische mit Sicherheit erhalten geblieben.

Die Grünen ehren auch weiterhin die indigenen Völker als natürliche Bewahrer der Umwelt und glauben noch immer, dass die Revolution der sanften Energien kurz bevorstehe. Auch der idyllische Umweltschutzgedanke entfaltet in der ökologischen Vorstellung weiterhin seine Kraft. Die „Zurück-aufs-Land-Hippies“ von gestern sind die Lokavoren mit ihrem regionalen Speiseplan von heute. Die kurz vor der Jahrtausendwende geborenen Anhänger des Do-it-yourself züchten Hühner und produzieren traditionellen Essig in den Hinterhöfen und Kellern Brooklyns und Berkeleys.

Atome spalten und nicht Holz

Und doch hat sich etwas Wichtiges verändert. Das Umweltschutzbewusstsein war in den 1970er Jahren neu. Auch wenn die Untergangsvorhersagen nicht zutrafen, so erschienen sie doch plausibel, genauso wie der Glaube an ein nahes Kommen der neuen Ordnung. Heute hingegen sind radikale ökologische Visionen eher eine kulturelle Einstellung als ein ernsthaftes politisches oder wirtschaftliches Programm.

Im Jahr 2002 kehrten meine Frau und ich nach Nordkalifornien zurück, nach einem Jahrzehnt mit akademischen Stellen in anderen Staaten. Ich bin froh, mehr Pragmatismus zu sehen, der den Idealismus meiner naturliebenden Studenten in Stanford antreibt, als das zu meiner Schulzeit der Fall war. Sie neigen eher dazu, die Technologie als Kraft zu sehen, die zum Erhalt der Natur und zur Hebung der Menschenwürde beiträgt. Es ist kaum anzunehmen, dass die jungen Grünen von heute, besorgt um Klimawandel und Abholzung, Schwarznussbäume roden müssen für die Erkenntnis, dass wir besser dran sind, wenn wir Atome spalten und nicht Holz.

Martin Lewis ist Dozent für Geschichte an der Stanford University. Bei dieser Serie handelt es sich um eine Übersetzung eines Artikels bei The Breakthrough.

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Margit Broetz / 09.12.2018

Daß sich Paul Ehrlich auf zu dünnes Eis gewagt hat, als er Jahreszahlen für die Krisen angab, und - in dieser Hinsicht - widerlegt ist, nutzen seit Jahrzehnten Lobbyisten, die für ein Weiter-so arbeiten, darunter Ehrlichs Gegner Julian Simon und der inzwischen diskreditierte Björn Lomborg. Solche “Wissenschaft” wird von mächtigen Konzernen und Baronen wie den Koch-Brüdern finanziert, die mit Öl reich wurden und denen Umwelt und Klima egal ist. Die weltweit bebaubare Agrarfläche schrumpft seit Jahren, und nicht nur das Öl, sondern jede Menge anderer Rohstoffe sind endlich, sogar Sand (mal die Baubranche fragen). “Wer an ewiges Wachstum glaubt ist entweder Ökonom, oder verrückt” lautet ein treffendes Bonmot, und das gilt natürlich auch für das Bevölkerungswachstum. Inzwischen ist es wohlbekannt, daß die amerikanischen Ureinwohner eine Menge Fauna ausrotteten, als sie den Kontinent besiedelten. Und im Vergleich zu den 20000 Jahre später eintreffenden Europäern waren sie oft in der Tat “edle Wilde”, Glaubenskriege und Völkermord waren kaum bekannt (außer in den mittelamerikanischen Hochkulturen).  Wir Europäer und die Nachkommen der “Migrationswelle” nach Nord- und Südamerika haben uns aber seither weiterentwickelt.

Bernhard Moos / 09.12.2018

Vom Autor scharfsinnig und richtig beobachtet: Das war eine sehr gute Serie. Es ist klar, dass ihn seine “alten Freunde” ausgestoßen haben. So mancher Umweltschützer glaubt wirklich, dass traditionelle Wirtschaftsweisen der weniger entwickelten Völkerschaften das Heil der Welt wären. Tatsächlich ist das fast immer Unsinn. Man blicke nur auf die Devastierung von Weideland durch überhöhte Rinderdichten bei den Massai in Ostafrika. Ein anderes Beispiel ist die beinahe erfolgte Ausrottung der Biber im Nordosten der USA im 17. und 18. Jahrhundert durch indianische Felljäger. Die “Weißen” schufen einen Markt für Biberfelle, den die Indiander mit Fleiß belieferten. Nix war es mit dem großen Blick auf das ökologische Gleichgewicht und schonende Nutzung der Resourcen. Ach so, die Europäer haben ja den Markt geschaffen, die Indianer konnten das ja nicht umreißen und mussten einfach mitspielen (Ironie). Die Prärie-Indianer schufen auch einen Markt für Büffelzungen - eine hochpreisige Delikatesse. So beschleunigten sie das Massaker an den Büffeln in manchen Regionen. Wie doof, dass auch die “edlen Wilden” nur Menschen sind. Vorbilder können solche Völker nur in wenigen speziellen Situation sein: Etwa wie man im nährstoffarmen amazonischen Urwald überleben kann, ohne dass der Wald besonderen Schaden nähme. Man kann auch festhalten, dass traditionelle Wald-Bewirtschaftungsmethoden in Korsika und Korea (Eichelmast von Schweinen zum Beispiel) die dortigen Wälder weitgehend vor der Vernichtung bewahrt haben und heute noch bewahren (können). Aber das sind ja auch so verdammte “Weiße” und teilweise sogar noch Europäer. Darum zählt das nicht.

Peter Adel / 09.12.2018

In diesen sehr guten Beitrag kommt gut zum Ausdruck, wie die Grünen Gruppen einerseits eine unrealsitische Naturromantik pflegen und ständig den Untergang erwarten. Dabei sehen sie meist nicht wie Probleme gelöst werden und stellen sich diesen Lösungen oft sogar in den Weg. So stellte die Landwirtschaft in den USA verbreitet auf Direktsaat um. Dies vermindert die so problematische Bodenerrosion durchschnittlich um 75% und sorgt zusätzlich für eine bessere Wasseraufnahme des Bodens und somit für weniger Hochwasser. Ermöglicht wurde dies erst durch Glyphosat, insbesondere in Kombination mit Gentechnik, , was von den Grünen massivst bekämpft wird. Verantwortungsvolle Atomkraftnutzung ist ebenfalls weit umweltfreunlicher als Wälder zu übernutzen oder gar abzuholzen, wie heute noch weitverbreitet in Afrika. Es hat auch weit geringere klimatische Folgen wie eine intensive Windkraftnutzung, welche die natürlichen Stömungsverhältnisse deutlich beeinflussen dürfte. Während eine verantwortungsbeweusste Umweltpolitik gerade Verbesserungen für Mensch um Umwelt durch den technischen Fortschritt erzielt, steht heute “(ideologisch) grüne” Umweltpolik solchen Verbesserungen heute oft in den Weg. Wenn Naturmystik höher gewichtet wird als Vernunft und Wissenschaft, dann ist dies zwar vielleicht gut gmeint, aber schlecht gemacht.

Wilfried Cremer / 09.12.2018

Summa Summarum: Egal, was das Objekt des Untergangs auch ist, Hauptsache, der apokalyptische Schauer wird befeuert. Denn: Ohne Grusel geht der Grüne nicht ins Bett.

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