Fundstück / 07.08.2013 / 22:13 / 1 / Seite ausdrucken

Zum Gangbang in die Urania

Sehr geehrter Herr Dr. Bleyer,

Am 16. August findet in den Räumlichkeiten der Berliner Bildungseinrichtung URANIA eine Propaganda-Veranstaltung der Kulturabteilung der Botschaft der Islamischen Republik Iran statt, die sich gegen die Existenz Israels richtet.

Wir fordern Sie als Verantwortlichen hiermit auf, diese Veranstaltung abzusagen, und dem iranischen Regime keine Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, um eindeutig zu vermeiden, dass die URANIA das iranische Regime indirekt bei seiner Propaganda unterstützt.

Was die Kulturabteilung des iranischen Regimes unter “Frieden auf der Basis von Gerechtigkeit“ versteht (so der Titel der Veranstaltung), ist die Auslöschung Israels von der nahöstlichen Landkarte.

Deutlich wird dies bereits in der Einladung, in der von „sieben Jahrzehnten Besatzung“ phantasiert wird. Damit richtet sich die Veranstaltung gegen einen jüdischen Staat Israel schlechthin.

Israel zu zerstören, ist das erklärte politische Ziel des iranischen Regimes seit der islamischen Revolution vor über drei Jahrzehnten. Erst kürzlich hat der oberste religiöse Führer Khamenei getwittert, die westlichen Regierungen unterstünden zionistischer Kontrolle, Palästina erstrecke sich vom Meer bis zum Jordan.  An anderer Stelle bezeichnete Khamenei Israel als ein Krebsgeschwür, das entfernt werden müsse.

Für die antizionistische Stoßrichtung der Veranstaltung stehen ebenfalls die eingeladenen Referenten, neben deutschen und palästinensischen Israelfeinden vor allem der Islamist Yavuz Özoğuz, dessen Internetportal „Muslim-Markt“ für die Terrororganisation Hisbollah agitiert und israelfeindlichen Antisemitismus verbreitet.

Was das iranische Regime unter „Kultur“ versteht, belegen Todesfatwas wie die gegen den Schriftsteller Salman Rushdie 1989 oder den in Deutschland lebenden Musiker Shahin Najafi 2012. Die diplomatischen Einrichtungen des iranischen Regimes im Ausland sind Terrorzentralen, von denen aus Anschläge gegen iranische Exiloppositionelle und andere Regimegegner geplant wurden und werden. 

Wir glauben kaum, dass die Hetze und Propaganda des iranischen Regimes mit der selbstgestellten Programmatik Ihres Vereins - „wissenschaftliche Bildung“ als „demokratische Aufgabe“ - vereinbar sind. Wir fordern Sie daher auf, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen und die Veranstaltung abzusagen.
Mit freundlichen Grüßen,

Michael Spaney, Ulrike Becker, Andreas Benl und Jörg Rensmann

für die STOP THE BOMB Kampagne
[1] Vgl. z.B. den Dokumentarfilm „Zeuge C: Genf, Stadt der Schatten“ (Preview)
Offener Brief online: http://de.stopthebomb.net/de/aktionen/protestbrief-urania.html

Und das sind die Teilnehmer von Frau Gabis Tafelrunde:

Petra Wild
Autorin des Buches „Apartheid und ethnische Säuberung in Palästina. Der zionistische Siedlerkolonialismus in Wort und Tat“.

Interview des „Muslim Markt“ vom 30. April 2013: http://www.muslim-markt.de/interview/2013/wild.htm (Ausschnitt: „Wiederherstellung der Gerechtigkeit bedeutet zuallererst die Umsetzung des von der UNO garantierten Rechts auf Rückkehr und Entschädigung der 1948 und danach vertriebenen Palästinenser zu ihren Herkunftsorten. Wie antizionistische Israelis und Palästinenser gleichermaßen betonen, bedeutet Entkolonisierung in Palästina Entzionisierung. Das schließt die Beseitigung der Apartheidgesetze und -infrastruktur, die Rückgabe des geraubten Landes und Eigentums und die Überwindung der rassistischen zionistischen Ideologie ein.“)

(Zustimmende) Besprechung des notorischen Antisemiten Arn Strohmeyer auf Arendts Seite: http://tinyurl.com/l8thygc (Resümee: „Dieses Buch überzeugt durch seine eindeutig wissenschaftlich-aufklärerische Grundposition, die Darbietung einer Fülle unleugbarer Fakten über die fatalen Folgen des Zionismus in der nahöstlichen Region und eine humane, auf internationalem Recht und den Menschenrechten beruhende Position.“)

(Zustimmende) Besprechung von Moshe Zuckermann in der „Süddeutschen Zeitung“, er ärgert sich allerdings ein bisschen über den Begriff „schleichender Genozid – nicht weil er ihn für grundsätzlich falsch hält, sondern weil er befürchtet, „dass solche Parallelen eher den Anlass bieten könnten, von der Auseinandersetzung mit der Unsäglichkeit des real Bestehenden abzulenken, um sie durch dezidierte Polemik über die Validität des Vergleichs aus dem Blickfeld geraten zu lassen“: http://tinyurl.com/msvldot

Stefanie Landgraf und Johannes Gulde
Macher des Films „Wir weigern uns Feinde zu sein – den Nahostkonflikt verstehen lernen“

Nürnbergs dritter Bürgermeister Klemens Gsell und der Nürnberger Pfarrer Hansjürgen Kitzinger haben ausdrücklich vor diesem Film gewarnt und sich dagegen gewandt, dass er in Schulen gezeigt wird (Kitzinger sagte, der Film fördere „Antisemitismus und Antiisraelismus“ in Deutschland und unterstütze „die Neonaziszene und andere israelfeindliche Gruppierungen mit vorhandenem Gewaltpotential“); Arno Hamburger nannte den Film ein „verheerendes Machwerk“: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/15705

Bei der „Neuen Rheinischen Zeitung“ dagegen ist man erwartungsgemäß sehr angetan von dem Film: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=18678

Auch die Neonazis von „Freies Netz Süd“ loben den Streifen als „Aufklärungsfilm über die zionistische Terrorpolitik“.
Und Ken Jebsen („KenFM“) interviewt die beiden Filmemacher über eine Stunde lang: http://www.youtube.com/watch?v=y482xQPACUc

Gabi Weber
Mitgründerin und -organisatorin des antisemitischen „Café Palestine“ in Freiburg: http://tinyurl.com/psoqdn5 und http://tinyurl.com/kwq5j9p

Interview des „Muslim Markt“ vom 12. Januar 2012: http://www.muslim-markt.de/interview/2012/weber.htm (Auszug: „Ich habe mich noch nie so sicher in Gaza gefühlt, wie bei meinem letzten Besuch im September 2010 – abgesehen von der israelischen Bedrohung von Außen. Es gab kaum Polizisten oder Soldaten in den Straßen und auch sonst habe ich keine Gewalt erlebt.“)

Noch ein Beitrag zum „Café Palestine“: http://www.publikative.org/2013/05/30/muss-die-freiburger-uni-hetze-gegen-israel-raum-geben/

Raif Hussein
Vorsitzender der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft Deutschland e.V. (DPG) und Vorsitzender der Palästinensischen Gemeinde Deutschland e.V. (PGD). Homepage: http://www.raif-hussein.de/

Interview der Website „Die Freiheitsliebe“ vom 27. April 2011: http://diefreiheitsliebe.de/allgemein/gesprach-mit-raif-hussein (Auszüge: „Eine Alternative für die Palästinenser, die wir von der palästinensischen Gemeinde schon seit unserer Gründung fordern, wäre eine Distanzierung der politischen Führung der Palästinenser, von allen Verträgen die seit Oslo unterschrieben wurden. Diese Verträge wurden von der Seite Israels niemals gehalten und können daher von der palästinensischen Regierung für ungültig erklärt werden, damit ist nicht nur der Osloer Friedensprozess, sondern auch auf ihn folgende Verträge gemeint. [...] Ein wirklicher Frieden kann nur erreicht werden, wenn die internationalen Beschlüsse akzeptiert werden, damit ist besonders die UN Resolution 194 gemeint, die das Rückkehrrecht aller Flüchtlinge nach Israel beinhaltet.“)

Yavuz Özoguz
Betreiber von „Muslim Markt“, Sprachrohr des iranischen Regimes in Deutschland

Mitglied der deutschen Reisegruppe, die Mahmud Ahmadinedschad im Frühjahr 2012 besucht hat. Hier ein Foto, das Özoguz mit seiner Frau und Ahmadinedschad zeigt (sowie Jürgen Elsässer und die beiden „Arbeiterfotografen“ Fikentscher und Neumann): http://exportabel.files.wordpress.com/2012/04/1063161.jpg

Interview im deutschen Programm des iranischen Radios mit Özoguz zu dieser Reise: http://tinyurl.com/pl7t29b

Alles Weitere – auch zur Beobachtung von Özoguz durch den Verfassungsschutz und zum Urteil gegen ihn wegen Volksverhetzung – in seinem Wikipedia-Eintrag: http://de.wikipedia.org/wiki/Yavuz_%C3%96zoguz

Leserpost (1)
Karl Krähling / 08.08.2013

Es sollte langsam Schluss damit sein, dass bestimmte Interessengruppen andere Interessengruppen daran hindern, ihre Veranstaltungen durchzuführen. Das Recht auf eine freimütige Meinungsäußerung sollte für alle in Deutschland lebenden ein sehr hohes Gut sein, gerade weil dies in den beiden Diktaturen der nationalen und die der internationalen Sozialisten nicht möglich war. Etwas mehr angelsächsische Gelassenheit und Mut zur Freiheit wäre sehr angebracht.

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