Alex Feuerherdt / 27.01.2017 / 11:22 / 2 / Seite ausdrucken

Rote Karte für den Salafistenfreund aus Darmstadt

Am Ende stand die Trennung – nach nicht einmal einem halben Jahr. „Nach Analyse der Gesamtsituation macht eine weitere Zusammenarbeit für beide Seiten keinen Sinn mehr“, begründete der Präsident des Fußball-Bundesligisten Darmstadt 98, Rüdiger Fritsch, in einer kurzen Erklärung, warum der Klub und sein Spieler Änis Ben-Hatira ihr Vertragsverhältnis, das erst im vergangenen Sommer begonnen hatte, mit sofortiger, vorzeitiger Wirkung beendet haben.

Man beurteile Ben-Hatiras „privates humanitäres Hilfsengagement wegen der Organisation, der er sich dabei bedient, als falsch“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Mit der Organisation – für die der Deutsch-Tunesier sich seit Monaten öffentlichkeitswirksam einsetzt – ist Ansaar International gemeint, eine 2012 gegründete islamistische Vereinigung mit Sitz in Düsseldorf. Sie wird in mehreren Verfassungsschutzberichten erwähnt, darunter ist auch jener des Landes Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2015. Dort steht zu lesen, Ansaar sei „fest mit der deutschen Salafisten-Szene verwoben“, es gebe „keinerlei Distanzierungen zu extre­mistisch-salafistischen Predigern oder den Inhalten ihrer Predigten“, und die Distanzierung vom „Islamischen Staat“ gehe einher „mit der grundsätzlichen Bejahung der vom IS abgespaltenen und heute al-Qaida-nahen Gruppierung Jabhat al-Nusra“.

Auch in den Medien finden sich zahlreiche kritische Berichte über Ansaar. Der Verein spiele in der Salafistenszene eine Schlüsselrolle, schrieb beispielsweise die taz im Februar 2015. Auf seinen Benefizgalas träten „radikale Prediger auf, die dort ihre ultraislamistische Propaganda verbreiten“, etwa Muhamed Seyfudin Ciftci alias Shaik Abu Anas und Ahmad Armih alias Ahmahd Abul Baraa. Letzterer habe unter anderem auf der Internetseite des salafistischen Al-Sunna-Verlags verkündet, dass Allah die „Kuffar“, die Ungläubigen, „wie ein Viehherde in das Feuer treiben lassen wird“.

Auf der Website der von einem IS-Dschihadisten aufgebauten und vor allem von Salafisten frequentierten Berliner As-Sahaba-Moschee habe Armih zudem erklärt, es sei einer Frau verboten, ihrem Ehemann den Geschlechtsverkehr zu verweigern, und die Beschneidung von Frauen sei „Gottes Wunsch“. Ciftci wiederum – der eine salafistische Islamschule in Braunschweig gründete und Vorsitzender des vom Verfassungsschutz beobachteten, inzwischen aufgelösten islamistischen Vereins Einladung zum Paradies war – wird beispielsweise in der Basler Zeitung mit den Worten zitiert, die „Steinigung als Strafe für Ehebruch“ sei „gerechtfertigt“. Überdies wird ihm immer wieder vorgeworfen, maßgeblich zur Radikalisierung muslimischer Jugendlicher beizutragen. Hier geht es weiter.

Leserpost (2)
Klaus Peter / 27.01.2017

Nur “Rote Karte” reicht hier nicht! Wenn dieser Verein mit den Spenden offen Terroristen finanziell unterstützt, dann sollte hier der Staatsanwalt tätig werden.

Wilfried Cremer / 27.01.2017

Bei manchen der Prediger reicht die rote Karte nicht. Sie gehören ausgewiesen. An dem dann einsetzenden Protest kann man ablesen, auf wen man ein Auge werfen sollte.

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