Wolfgang Röhl / 06.02.2013 / 22:17 / 0 / Seite ausdrucken

Was macht eigentlich…

...diese dings, äh, diese Sexismusdebatte? Man hört so wenig von ihr. Seit Anfang der Woche melden sich „bloß noch Nachzügler zu Wort“, staunt die „Neue Zürcher Zeitung“. Dabei hatten wir uns auf saftige Follow-ups gefreut. Auf echt geile Fälle aus Politik & Pressgeschehen. Auf Testihormonials; auf Namen, Daten, saftige Nummern. Am liebsten natürlich auf Fälle mit Promi-Faktor. Nicht auf diese blöde, anonyme #aufschreierei im Netz, in das jede(r) irgendein Ei legen kann („Mein Abteilungsleiter hat mir auf dem Betriebsfest ans Knie gegrabscht“ – gähn).

Da hätte doch noch was gehen müssen! Wie war das denn damals mit Schröder, dem political und-auch-sonst-animal - vor Doris? Der Joschka hat sicherlich die meisten Frauen geheiratet, die ihm mal tief in die Augen geschaut haben. Aber gibt’s auch andere? Bitte melden! Die Rote Heidi ließ angeblich wenig anbrennen, als sie noch Juso-Chefin war. Und zum Gegacker der GenossInnen schon mal im Hamburger Hotel „Popp“ am Hauptbahnhof nächtigen musste, weil für die kregle Sozialistin gerade kein Zimmer im gewohnten Fünf-Sterne-Segment frei war.

Sigmar G. ist natürlich aus dem Schneider. Es verbietet sich einfach, diesem gerundeten Mannsbild sexuelle Übergrifflichkeiten auch nur zu unterstellen. Nicht mal nächtens, an irgendwelchen Hotelbars. Nicht mal, wenn neben ihm Penelope Cruz säße. Wer auf täglicher Basis mit einer Andrea N. zu verhandeln hat, der kommt bestimmt nie auf unkeusche Gedanken. Den kann auch eine hübsche „taz“-Redakteurin angstfrei interviewen.

Sorry, liebe Mädels aus der Medienbranche. Wer jetzt keine sprach- oder gar handfeste Belästigung mehr späterinnert, der findet keine mehr. Keine Talkshow jedenfalls, in der sie ausgebreitet würde. Die NZZ weiß, warum das so ist. Weil es eine „Zehn-Tage-Regel bei Empörungen“ gäbe, deren Deadline man/frau nie verpennen darf. Bitte nachlesen:

http://www.nzz.ch/meinung/kolumnen/die-zehn-tage-regel-bei-empoerungen-1.17981870
(http://bit.ly/TEvdHW)

Leserpost (0)

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können wir meist nur während der ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung eines Artikels annehmen.

Verwandte Themen
Wolfgang Röhl / 07.10.2017 / 11:56 / 3

Moskau oder Mekka, Hauptsache totalitär

Manch einer ist genervt, wenn er ungefragt in Büchern aufscheint, mit Klarnamen oder verschlüsselt. Einige Betroffene bemühten gar die Gerichte , um aus bestimmten literarischen…/ mehr

Wolfgang Röhl / 28.09.2017 / 06:22 / 17

Die ultimative Revue des Spätmerkelismus

Der Schriftsteller Heinrich Böll (1917 - 1985) ist weitgehend vergessen. Er wird im literarischen Diskurs nur mehr als Nachkriegsschriftsteller geführt, oder, herabwürdigender noch, als Schulbuchautor.…/ mehr

Wolfgang Röhl / 19.09.2017 / 06:24 / 5

Luise Rinser heißt jetzt Sung-Hyung Cho

Zu den fast vergessenen Schandtaten des westdeutschen Verlagsgewerbes der Nachkriegszeit gehört eine Publikation, die 1981 unter dem Titel „Nordkoreanisches Reisetagebuch“ erschien. Und zwar im angesehenen…/ mehr

Wolfgang Röhl / 17.08.2017 / 06:15 / 7

Wolfsrevival: Edle Wilde für grüne Gemüter

soll der geier vergißmeinnicht fressen? was verlangt ihr vom schakal, daß er sich häute; vom wolf? soll er sich selber ziehen die zähne? Seine fulminante…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com