Wolfgang Röhl / 05.03.2008 / 16:15 / 0 / Seite ausdrucken

Neues von Hanoi-Gretchen

Niemand kann was für seinen Vornamen, das ist wahr. Höchstens die Doofschauspielerin Wolke Hegenbarth, die noch einen anderen Namen (Alma) zur Auswahl gehabt hätte. No jokes with names, sagt der Ami. Aber Gretchen Dutschke-Klotz, 65, Amerikanerin - die Witwe von dem Mann, Sie wissen schon - ist leider tatsächlich haargenau jener Einfaltspinsel, nach dem ihr Name klingt. Derzeit wohnt sie in Hanoi, gibt Englischunterricht und wundert sich, dass es dort so kalt ist…

Gretchen ist damals mit dem Rudi, dem Gaston und den anderen Helden eins ums andere Mal Ho-Ho-Ho-Chi-Minh-rufend durch Berlin gelaufen, weiß aber offenbar bis heute nicht genau, wo Vietnam überhaupt liegt. Noch einiges mehr erstaunt sie dort, nämlich, „dass das Land einen derart kapitalistischen Weg gegangen ist.“ Dass auch die meisten Nordvietnamesen sich inzwischen ein Moped leisten können und nicht mehr in Schlappen aus alten Autoreifen rumlaufen – Skandal! Volle Geschäfte, überbordende Märkte, ein Wachstum von acht Prozent im Jahr, ein blühendes Tourismusgeschäft – Scheißkapitalismus. Onkel Ho würde sich im Grabe wälzen.

Dem stern, der das Gretchen in der einstigen Pilgerstadt von „Hanoi-Jane“ Fonda aufgetan hat, berichtete sie für die populäre Interview-Reihe „Was, Sie leben noch?“ (´tschuldigung, die Reihe heißt „Was macht eigentlich…“) kürzlich aus ihrem Leben als Widerstandskämpferin. Zum Beispiel, dass der Joschka, Kumpel aus alten Putztagen, letzthin nicht mehr sehr begeistert war, sie zu sehen: „Er mag meine Kritik an Israel nicht, das die Palästinenser aus dem Land jagen will.“ Im Übrigen setzt sie sich immer noch für Menschen ein, „vor allem für die, die von amerikanischen Kriegsinteressen betroffen sind.“ Daher beteiligt sie sich auch immer noch „an Demonstrationen gegen Kriege.“ Man darf raten, gegen welche Kriege sie garantiert nicht demonstriert. Ansonsten reist sie gern in der Weltgeschichte rum, will aber zur Wahl im November zurück in Amerika sein. Ihr Tipp, wer dann das Rennen macht: „Ralph Nader oder Cynthia McKinney von den Grünen!“ Das ganze, erschütternde Interview mit Gretchen hat der stern jetzt online gestellt:

http://www.stern.de/lifestyle/leute/:Was-...-...-Gretchen-Dutschke/613046.html?nv=rss

PS: Niemand kann was für seinen Vornamen. Auch nicht Hosea-Che Dutschke, der erste Sohn von Gretchen und Rudi.  Hosea-Che, hmmm. Aber immer noch besser als Malte-Torben, oder?

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