Gastautor / 22.11.2018 / 15:00 / Foto: Bundesarchiv / 10 / Seite ausdrucken

Vorboten des Kommenden

Von Julius H. Schoeps.

Es wäre eine allzu verkürzte Sichtweise, den Antisemitismus in seiner Vernichtungsvariante nur mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten und mit dem Niedergang der Republik Ende der 1920er / Anfang der 1930er Jahre erklären zu wollen. Der verstärkte Hass, der den Juden schon während des Ersten Weltkrieges und zuvor entgegenschlug, war zweifellos ein Phänomen, das von Anfang an zur Grundausstattung des Kaiserreiches und der Weimarer Republik gehörte. Die Juden und das Judentum waren für viele Deutsche der Feind schlechthin. 

Nach Kriegsende – und vor allem in den sechs Jahren zwischen 1918 und 1924 – entluden sich die aufgestauten antisemitischen Hassgefühle in heftigen Ausbrüchen. Am 20. März 1920 notierte Bella Fromm, die sich als Gesellschaftsreporterin für das 12-Uhr-Blatt, den Berliner Börsen-Courier, für die B.Z. am Mittag und als Kolumnistin der Vossischen Zeitung einen Namen machen sollte, in ihr Tagebuch: „Mir scheint, daß der Antisemitismus jetzt ganz erschreckende Formen annimmt“.

Nachdenklichere Zeitgenossen ahnten schon damals, dass die antisemitischen Vorurteile und Stereotypen weitaus zählebiger waren, als man allseits damals annahm. Das bezog sich hauptsächlich auf die Einstellungen der bürgerlichen Eliten, insbesondere aber auf die der politischen und militärischen Kreise, die den verlorenen Krieg zu verantworten hatten, aber der Ansicht waren, nicht sie, sondern die Juden seien die Schuldigen an der Niederlage. 

Diese tonangebenden Eliten wiesen alle Schuld von sich, lenkten Frust und Kritik zielgerichtet auf das Lager der Linken (in all ihren Schattierungen), auf die Pazifisten und erst recht auf die Juden, von denen sie meinten, sie würden hinter allen Ungereimtheiten stecken. Sie dienten quasi als „Sündenbock“, an dem man sich abarbeiten konnte. Die Juden wurden nicht nur für den verlorenen Krieg und den Versailler „Schandfrieden“ verantwortlich gemacht, sondern auch für die ungeliebte Republik und die sich in Umrissen bereits anbahnende Wirtschaftskrise. 

Eine verheerende Wirkung hatte in diesem Zusammenhang auch die von der Obersten Heeresleitung (OHL) in die Welt gesetzte „Dolchstoßlegende“. In Anlehnung an den Mord an Siegfried im Nibelungenlied stellte man nun das deutsche Heer als „im Felde unbesiegt“ dar, jedoch von „vaterlandslosen Gesellen“ mit einem „Dolchstoß von hinten“ zu Fall gebracht. „Vaterlandslose Gesellen“ waren aus diesem Sichtwinkel in erster Linie Sozialdemokraten und Kommunisten, Pazifisten und Juden. Letztere sah man als die eigentlich Schuldigen an und bezeichnete sie als „innere“ Reichsfeinde, die einen „zersetzenden Einfluss“ auf die deutsche Gesellschaft ausüben würden. 

Die Metapher, so man sie als eine solche bezeichnen will, vom „Dolchstoß in den Rücken“ wurde vom konservativ-nationalistisch eingestellten deutschen Bürgertum begierig aufgegriffen und als willkommene Erklärung für die im Krieg erlittene Niederlage genutzt. Die DNVP, die völkische Bewegung und die sich formierende NSDAP nutzten die Legende propagandistisch für ihre Zwecke aus. In seinem Bekenntnisbuch „Mein Kampf“ (1925), von dem noch ausführlich die Rede sein wird, stellte Adolf Hitler die „Dolchstoßlegende“ in den Kontext seiner antisemitischen Wahnvorstellungen. „Mit den Juden“ bemerkte er, „gibt es kein Paktieren, sondern nur das harte Entweder – Oder“.

Der Dreitage-Jude war zumeist die Regel

Die Mehrzahl der deutschen Juden begrüßte das Kriegsende und das Verschwinden der Monarchie. Eugen Fuchs, einer der leitenden Funktionäre des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (C.V.), konstatierte erfreut: „Der Krieg ist verloren, das Reich zusammengebrochen [...] Die Republik ist ausgerufen, das Alte ist gestürzt“. Und Nahum Goldmann, der spätere Gründer und langjährige Präsident der Jüdischen Weltkongresse (WJC), damals noch ein junger Mann, jubelte: „Dieses alte Deutschland ist tot. Wenn die Revolution irgendetwas radikal geändert hat, so den preußischen Staatsbegriff [...] Dieses neue Deutschland wird humaner, freiheitlicher, toleranter sein“.

Aber so sehr man in der jüdischen Bevölkerungsgruppe in Deutschland mit dem sich vollziehenden Systemwechsel sympathisierte, so unsicher war man, was die Zukunft betraf. Würde, so fragte man sich, die republikanische Verfassung beziehungsweise die liberale konstitutionelle Demokratie, in die man große Hoffnungen setzte, tatsächlich zu mehr Toleranz und Aufgeschlossenheit gegenüber den Juden führen? Oder würde der in den letzten Kriegsjahren und in der Revolution 1918/19 zunehmend aggressiver sich gebärdende völkisch-antisemitische Terror die Grundlagen jüdischen Lebens in Deutschland noch weiter unterminieren und in Frage stellen? 

Die Probleme stellten sich, wie sich sehr bald zeigen sollte, hauptsächlich in den Großstädten – weniger in den Kleinstädten und den ländlichen Gemeinden, wo zu dieser Zeit ein Fünftel bis ein Drittel der damals in Deutschland lebenden Juden ansässig war. Das soziale und kulturelle Milieu der jüdischen Gemeinden im ländlichen Raum und in den Kleinstädten, vor allem in Hessen, Bayern, Württemberg und Baden war traditionsgebundener und stärker ausgeprägt als in den Städten. Hier vollzog sich der Anpassungsprozess langsamer, aber dafür umso konfliktfreier. Der Historiker und Archivar Alex Bein, der seine Kindheit im unterfränkischen Steinach verbracht hatte und sich gut an das dortige jüdische Leben erinnerte, hat dies beispielhaft für andere Orte im ländlichen Bereich beschrieben. Die Juden waren kein Fremdkörper, sondern seien, so Bein, weitgehend eingebettet in das Leben der Dorfgemeinschaft gewesen.

Es war eine Art „Milieufrömmigkeit“, die das Leben der Juden auf dem Land und in den Kleinstädten weitestgehend bestimmte. Hier war man noch bemüht, traditionell zu leben. Gleichzeitig wollte man sich aber nicht allzu sehr von der Umgebungsgesellschaft abschotten, sondern Tradition und Moderne, so gut es ging, miteinander verknüpfen. Man beging die jüdischen Feiertage, suchte aber gleichzeitig, sich die Bräuche und Angewohnheiten der Umgebungsgesellschaft anzueignen. So bemühte man sich nicht nur um die Mitgliedschaft in Sängerbünden, sondern auch in Schach-, Schützen- und Karnevalsvereinen. 

Diese Bestrebungen, Tradition und Moderne miteinander zu verknüpfen, lassen sich am Beispiel des jüdischen Lebens in dem am Fuße des Harzes gelegen Halberstadt zeigen. Dort entwickelte sich ein von der Neo-Orthodoxie praktizierter Lebensstil, der zum Vorbild wurde und in zahlreichen kleinstädtischen und ländlichen jüdischen Gemeinden Nachahmung fand. In dieser Form prägte dieser Lebensstil weitgehend den jüdischen Alltag, welcher wiederum von pragmatischer Normalität und Zusammenarbeit mit der christlichen Bevölkerung bestimmt war. 

Anders als in den ländlichen Regionen sah es in den Großstädten aus, in denen die Mehrzahl der in Deutschland ansässigen Juden um 1920 lebte. Hier war es unter den Juden – die Entwicklung in Berlin zeigt es besonders deutlich – zu einer Art „Verstädterungsprozess“ mit all seinen Konsequenzen gekommen. Man bekannte sich zwar noch zum Judentum, die Religionszugehörigkeit war nach wie vor ein Faktum, spielte aber zunehmend nur noch eine nachgeordnete Rolle. Man passte sich an, war bemüht, sich nicht abzugrenzen. Vielfach kam es sogar zur Synthese von Festen. So feierte man in manchen jüdischen Häusern Weihnukka, einen Brauch, der das christliche Weihnachten mit dem jüdischen Chanukkafest verband. 

Weitgehend hatten sich die Juden an die allgemeinen sozialen und gesellschaftlichen Verhältnisse angepasst und „sich assimiliert“, wie das in der Sprache der damaligen Zeit hieß. Der Dreitage-Jude war zumeist die Regel. Dreimal im Jahr, an den Hohen Feiertagen, besuchte man die Synagoge, ansonsten lebte man wie die nichtjüdische Mehrheitsgesellschaft. Man war davon überzeugt, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis die Juden endgültig als Deutsche und gleichberechtigte Bürger akzeptiert werden würden. 

Unliebsame Konkurrenz

In erster Linie verstanden die Juden sich als Deutsche, oder vielleicht – noch etwas präziser ausgedrückt – als deutsche Staatsbürger. Das Judentum wurde, wenn überhaupt, als Bekenntnis angesehen und man identifizierte sich in erster Linie mit der deutschen Umgebungsgesellschaft, in der man sich verwurzelt und zu Hause fühlte, trotz der Widerstände, auf die man allerorten stieß. Das war typisch für die Umbruchsituation Anfang der 1920er Jahre. 

Ein Blick auf die damalige jüdische Bevölkerungsentwicklung und -struktur in Deutschland zeigt erstaunliche Besonderheiten: In der Stadt Berlin lebten im Jahre 1925 144.007 Juden, was 32,1 Prozent aller Juden in Deutschland und 3,9 Prozent der Berliner Gesamtbevölkerung zu jener Zeit ausmachte. In Frankfurt am Main wiederum, wo im Jahr 1925 29.385 Juden lebten, war der jüdische Bevölkerungsanteil prozentual sogar noch stärker ausgeprägt. Er lag bei 6,3 Prozent der Gesamtbevölkerung und war damit deutlich höher als in den anderen fünf damaligen Großstädten in Deutschland. 

Sozialhistoriker haben nachgewiesen, dass die jüdische Minorität in Deutschland sich durch eine von der Gesamtbevölkerung deutlich abweichende Berufsstruktur auszeichnete. Die nichtjüdische Bevölkerung, so eine der Erkenntnisse, war überwiegend in Industrie und Handwerk beschäftigt, während die Mehrzahl der Juden im Handel und Verkehr tätig war. Letzteres war und ist der Grund, weshalb die Historiker heute der Ansicht sind, dass man in der Zeit der Weimarer Republik von einem eigenen spezifischen „jüdischen“ Wirtschaftssektor sprechen könne.

Die Juden strebten danach, nicht nur in der Kultur, sondern insbesondere im Arbeitsleben in solchen Berufen Fuß zu fassen, die ein bestimmtes Maß an Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zuließen: der Beruf des Arztes und des Rechtsanwaltes, aber auch ein eigenes Geschäft zu betreiben, zumindest aber in einem Geschäft mit einem jüdischen Inhaber angestellt zu sein. Letzteres hatte oft den Zweck, sich vor Anfeindungen der Umgebungsgesellschaft einen besseren Schutz zu verschaffen. 

Viele jüdische Geschäftsinhaber schreckten allerdings davor zurück, Juden als Verkäufer einzustellen, um nicht in der Öffentlichkeit als „jüdisch“ aufzufallen und angefeindet zu werden. Es war eine Zwickmühle, in der man sich befand. Gleichgültig wie man sich verhielt, ob man sich zu erkennen gab oder ob man bemüht war, nicht weiter aufzufallen: Die Umgebungsgesellschaft blickte mit Misstrauen auf Juden oder auf Personen, die für Juden gehalten wurden. 

Dessen ungeachtet war es aber in der Tat so, dass Juden in der Zeit der Weimarer Republik eine herausragende Rolle spielten. In bestimmten Berufsfeldern waren sie eindeutig überrepräsentiert, was historisch gesehen verschiedene Gründe hatte. Besonders augenfällig war der hohe Anteil von ihnen im Bankenwesen, in der Filmindustrie, im Zeitungs- und Verlagswesen, in Metallhandelsfirmen, in der elektrotechnischen und chemischen Industrie, aber auch in der Textilbranche, im Einzelhandel und in den freien Berufen. 

Die Statistiken belegen, dass Juden in den medizinischen Berufen und auf dem Feld der Rechtspflege überproportional vertreten waren. Das traf zwar nicht für alle Gegenden Deutschlands zu, aber für Preußen lässt sich dieser Sachverhalt belegen. Auffällig ist, dass dort im Jahre 1925 26,6 Prozent aller Rechtsanwälte und 15,5 Prozent aller Ärzte Juden oder jüdischer Herkunft waren. Noch höher war der Prozentsatz in diesen Berufen in Berlin. Im Jahre 1930 praktizierten in der Stadt 2.138 jüdische Ärzte, was etwa ein Drittel bis die Hälfte aller Berliner Ärzte ausmachte.

Die demographische und wirtschaftliche Struktur der jüdischen Bevölkerungsgruppe im Deutschland jener Jahre war „in jeder Hinsicht anormal und ungesund“ (Esra Bennathan) und gab Anlass zur Sorge. So führte die Konzentration der Juden in bestimmten Berufen und Tätigkeitsfeldern dazu, dass man sie in Kreisen des nichtjüdischen Mittelstandes zunehmend als unliebsame Konkurrenz empfand. Das wiederum rief Spannungen hervor, die sich in antisemitischen Attacken und Übergriffen entluden. 

Judeophobe und Umzingelungsängste

Sichtbarkeit, so meinte man, mache angreifbar. Für bestimmte Berufe, in denen Juden tätig waren, war es üblich, zum Zweck der Werbung Praxis-Schilder im Eingangsbereich an den Häusern anzubringen. Häufiger anzutreffende Namen wie Rosenbaum, Bernstein oder Goldschmidt, die auf den Schildern zu lesen waren, erweckten bei Nichtjuden nicht selten den Verdacht, der Einfluss der Juden würde sich unrechtmäßig vergrößern. Judeophobe Charaktere mit Umzingelungsängsten waren fest davon überzeugt, dass Juden sich überall festgesetzt und nichts anderes im Sinn hätten, als die nichtjüdische Bevölkerung in schamloser Weise zu drangsalieren und auszubeuten. 

Die von dem Historiker Heinrich von Treitschke in seinem in den Preußischen Jahrbüchern veröffentlichten Artikel „Unsere Aussichten“ (1879) kolportierte Phrase „Die Juden sind unser Unglück!“ hatte die Mehrzahl der bürgerlichen nichtjüdischen Deutschen schon mehr oder weniger verinnerlicht. Hassgefühle sammelten sich an, und man begann, die „Judenfrage“ als eine Art „Schicksalsfrage“ zu diskutieren. In den militant-völkischen Kreisen wurde die Anwendung von Gewalt gegen Juden zunehmend als eine durchaus akzeptable „Verteidigungsstrategie“ betrachtet. „Die Stimmung ist gespannt“, zitierte das Berliner Tageblatt im November 1919 eine Feststellung aus dem ADV-Blatt Deutsche Zeitung, „es liegt sehr viel Zündstoff in der Luft! Wann wird er sich entladen?!?“

Zunehmend mit antisemitischen Gewaltausbrüchen konfrontiert, die von verbalen Anfeindungen über körperliche Attacken, pogromähnlichen Ausschreitungen bis hin zu gezielten Mordanschlägen reichten, zeigten sich die Juden zunehmend ratlos, ahnten aber, dass sich um sie herum etwas grundlegend veränderte. So berichtete die Allgemeine Zeitung des Judentums im Dezember 1918: „Überall herrscht Pogromstimmung“ und Im deutschen Reich, dem C.V.-Verbandsorgan, glaubte man, sich in „todesschwangeren Zeiten“ zu befinden: „Es weht“, so erklärte man, „Pogromluft auch in Deutschland“.

Geradezu verzweifelt klingen die Äußerungen eines Arztes, der sich in der Allgemeinen Zeitung des Judentums darüber beklagte, überall sei eine Form des um sich greifenden „Massenwahnsinns“ zu beobachten, der in „Terrorismus“, „Tumultarismus“ und „Demonstratismus“ zum Ausdruck komme. Auf die nicht-jüdische Bevölkerung würden „Demagogen“ aller Art einwirken, „Volksverführer“ sowie „verkommene, entgleiste Subjekte“, „Deklassierte“ und „aus der Bahn geworfene, geisteskranke Verbrecher“. Ein Sinken der Moral sei festzustellen.

„Wir stehen“, hieß es im Mai 1920 Im deutschen Reich, „in einer Periode des Judenhasses, wie er wilder jemals zuvor getobt hat“. Ähnlich fiel die Bilanz aus, die im Jahresrückblick der Allgemeinen Zeitung des Judentums (AZJ) gezogen wurde. Das Jahr sei ein „trauriges“, ein „leidvolles Jahr“ gewesen, hieß es. Alle Hoffnungen hätten sich als „eitel“, „nichtig“ und „trügerisch“ erwiesen. Der Antisemitismus hätte alle Schichten der Bevölkerung erfasst und, was schlimmer eigentlich nicht sein könne, „eine Scheidewand zwischen deutschen und jüdischen Staatsbürgern errichtet“.

Pöbeleien, Attacken und Mordanschläge 

Die Atmosphäre war vergiftet. Fast täglich kam es in der Frühphase der Republik zu Ausschreitungen, nicht nur in der Hauptstadt Berlin und Universitätsstädten wie etwa Marburg und Gießen, sondern auch in kleineren Orten. Auf den Straßen verteilte man Flugblätter mit reißerischen Überschriften wie „Schlagt sie tot!“, „Erhebe Dich!“ oder „Die Not der Stunde schreit nach Taten“, mit denen gegen die Juden und deren angeblichen überproportionalen Einfluss gehetzt wurde. 

Lokale Gerichte, wie das Leipziger Landgericht, die zumeist von jüdischer Seite angerufen wurden, wiegelten ab. Der Satz „Die Not der Stunde schreit nach Taten“, so urteilten die Leipziger Richter in einem Fall, sei „keine Anreizung zu Gewalttätigkeiten“, sondern enthalte eigentlich nur „die Aufforderung für das Deutschtum, tätig zu werden“. An dieser Stellungnahme war deutlich erkennbar, dass viele Gerichte nicht mehr unvoreingenommen urteilten, sondern, ohne dass es notwendig gewesen wäre, bereits auf den neuen Kurs eingeschwenkt waren und sich auf die Politik Hitlers und der Nationalsozialisten eingestellt hatten. 

 

Auszug aus dem Buch Düstere Vorahnungen. Deutschlands Juden am Vorabend der Katastrophe (1933–1935) von Julius H. Schoeps.

Julius H. Schoeps, geb. 1942, ist Historiker und Politikwissenschaftler, Mitgründer des Salomon Ludwig Steinheim-Institutes in Duisburg, Gründungsdirektor des Jüdischen Museums der Stadt Wien, Gründungsdirektor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam sowie Vorstandsvorsitzender der Moses Mendelssohn Stiftung.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost (10)
Ralf Pöhling / 22.11.2018

Diesmal ist es anders. Der Furor gegen die Juden kommt kaum aus der deutsch-nationalen Ecke. Warum auch? Israel führt beispielhaft vor, wie man sich mit preußischen Tugenden in einem Meer von Feinden über Wasser hält. Nein, diesmal kommt der Furor nur von denen, die das linke Establishment für integriert gehalten hat, oder derzeit fleißig importiert und noch integrieren will. Von einem linken Establishment, welches Organisationen wie BDS oder die Hamas protegiert und dabei gleichzeitig vom Existenzrecht Israels fabuliert. Wenn es wieder schief gehen sollte, und danach sieht es derzeit fast aus, werden sich die Roten nicht mehr hinter den Deutsch-Nationalen verstecken können.

Mike Loewe / 22.11.2018

Sollte die Geschichte nicht besser im Mittelalter beginnen, als Christen der Geldverleih gegen Zinsen verboten war, und man für diese Tätigkeit Juden willkommen hieß? Juden wurden in der Folge häufig durch Geldverleih reich und deshalb dann später beneidet und gehasst.

Hans, Michel / 22.11.2018

Danke, ein guter Artikel. Wer beschäftigt sich schon mit dem Leben der Juden, dem täglichen Leben der “kleinen” und “großen” Leute. Allerdings nicht nur in Deutschland sondern auch in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien, Polen, und anderen.

Dirk Jungnickel / 22.11.2018

Interessant sind die Bevölkerungszahlen in dem Buchauszug. Wie groß ist doch prozentual die Anzahl der geistigen Elite in den Städten gewesen ! Und wie schlimm sich doch Sozialneid und Vorurteile auswirkten ! Alles Aspekte, die in eine große Fernsehfilmshow wie Babylon Berlin   mit ihren Ansprüchen gehört hätten, auch wenn es - wie manches Andere (Überflüssige) - in der Romanvorlage nicht vorkommt. Statt dessen haben sich die Macher eher an Babylon bzw. Babel gehalten und eher Verwirrung gestiftet,  was die historischen Hintergründe betrifft,  wie seinerzeit GOTT,  der den Turmbau wegen der menschlichen Hybris stoppen musste. Je länger ich mich mit dem Thema beschäftige , desto ärgerlicher macht mich das völlig überschätzte Filmepos.

Wilfried Cremer / 22.11.2018

Viele vermengen heute Antisemitismus und Islamkritik. Tatsächlich gibt es die Gemeinsamkeit der Ablehnung ritueller Schlachtungen. Das ist religionsfeindlich. Kritik aber muss erlaubt sein. Es gibt ja auch Leute, die wegen der Isaakgeschichte die Bibel ablehnen und keine Antisemiten sind.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen

Es wurden keine verwandten Themen gefunden.

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com