Dirk Maxeiner / 08.04.2021 / 06:00 / Foto: Pixabay / 60 / Seite ausdrucken

Inzidenzwerte: S-Klasse-Dialog mit Daimler

Die Versorgung mit Drogen aller Art ist in Deutschland besser organisiert als die mit Impfstoffen. Die privatwirtschaftliche Szene im Görlitzer Park ist logistisch jedenfalls deutlich besser aufgestellt als die Bundesregierung. Da Frau Merkel und ihre Gefolgschaft es versäumt haben, ausreichend Impfstoffe zu beschaffen, setzen sie nun wie immer darauf, ihr Problem im Privatsektor zu entsorgen.

Mangels Impfstoff sollen jetzt im Rahmen der "nationalen Teststrategie" Unternehmen stärker "in die Pflicht genommen" werden. Sie sollen ihren Mitarbeitern mindestens einmal und bei entsprechender Verfügbarkeit zweimal pro Woche einen kostenlosen Schnelltest anbieten und auch bescheinigen. Darauf haben sich Bund und Länder beim sogenannten "Corona-Gipfel" am 22. März 2021 geeinigt. Eine verbindliche Pflicht für Unternehmen, ihren Mitarbeitern Testangebote zu machen, besteht derzeit noch nicht, sie steht aber unübersehbar im Raum. "Noch wartet die Politik ab, wie die Wirtschaftsverbände ihre Selbstverpflichtung zu den Testangeboten für die Mitarbeiter umsetzen", schreibt die Rechtsanwältin Paula Wernecke.

Anstatt laut und deutlich auf das Versagen der Bundesregierung hinzuweisen, haben sich die Manager wie immer darauf verlegt, sich in vorauseilendem Gehorsam wegzuducken, Beifall zu klatschen und darauf zu hoffen, dass es nicht so schlimm kommen mag wie befürchtet. Und dies, obwohl dieses Verhalten sich in der Vergangenheit als so erfolgversprechend erwiesen hat wie die Bewerbung von Friedrich Merz um den CDU-Vorsitz. Von der Energiewende bis zu unerfüllbaren Abgaswerten: Stets kam es dazu, dass die feinen Herren an jenem Strick aufgehängt wurden, den sie der Politik zuvor verkauft hatten. Die Hinterbliebenen sind allseits zu besichtigen.

Und nun steht also ein Testzwang für Mitarbeiter im Raum. Einen Vorgeschmack darauf, was das bedeuten könnte, scheint es derzeit in den Werken und Büros von Daimer in und um Stuttgart zu geben. Es wird eifrig getestet und es kommt offenbar, wie es kommen musste. Achgut.com wurden aus mehreren Quellen Informationen herangetragen, wonach die entsprechenden Inzidenzwerte bei Daimler teilweise über 1.000 liegen. So etwas ist auch erwartbar, das Virus ist in Deutschland ja längst endemisch und die Bevölkerung zunehmend durchseucht. 

Was liegt da näher, als bei Daimler nachzufragen, wie es sich denn dort mit dem Inzidenzwert verhält. Das habe ich in aller Unschuld getan. Von der Presseabteilung des Hauses wurde ich zunächst einmal grundsätzlich belehrt, und zwar mithilfe des Phrasendresch-Turbos aus der PR-Abteilung: "Die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter haben höchste Priorität". Ja das hätte ich jetzt nicht gedacht. Auf meinen Hinweis, diese Antwort sei wenig hilfreich, erfuhr ich dann von der Prophetin Sibylle, die offenbar als Mitarbeiterin in der Abteilung "Human Resources and External Affairs Communications" angeheuert wurde: "einen derartigen Inzidenzwert hat es an unseren Produktionsstandorten nicht gegeben". Was will man mir damit sagen? Gab es vielleicht 1.200 oder nur 800 oder nur 50? Schließlich werden Parteispenden ja ebenfalls gerne in Summen von 9.999 Euro portioniert. Auf meine zugegeben neugierige Nachfrage, welche Inzidenzwerte denn nun tatsächlich ermittelt wurden, war die Antwort so einsilbig wie der dafür berühmte Boxer Norbert Grupe alias Wilhelm von Homburg: "Wir haben unseren bisherigen Ausführungen nichts hinzuzufügen".

Der Inzidenzwert ist im Prinzip ja auch egal, weil vollkommen nichtssagend. Allerdings ist er geeignet, Panik zu schüren und Wasser auf politische Mühlen zu liefern. Die Söderteska testet sich die notwendigen Zahlen zusammen und öffnet oder schließt je nach Umfragelage das ein oder andere Einzelhandels- oder Dienstleistungssegment. In regionaler Differenzierung gestattet dies sogar die Beglückung einzelner Wahlkreise. Und deshalb führt es offenbar zu dem absurden Phänomen, dass in den Unternehmen sinnlose Zahlen jetzt so geheimgehalten werden wie der deutsche U-Boot-Code im zweiten Weltkrieg. Dadurch entsteht zuverlässig der Eindruck, man habe etwas Schlimmes zu verbergen. Kommt es zu einer Testpflicht, entsteht ein weiterer Hebel, auch die Industrie ganz nach politischem Gusto stillzulegen. 

Und jetzt, Vorhang auf, mein S-Klasse Mailwechsel mit der Götterbotin aus dem Schwäbischen. Zunächst richtete ich eine Anfrage, wie es sich gehört, an die "Leitung Globale Kommunikation":

Sehr geehrter Herr Howe,

ich bin Journalist und Herausgeber der Internet-Plattform Achgut.com.

Im Zusammenhang mit der COVID-Lage habe ich folgende Frage an Sie:

Mir liegen Informationen vor, dass im Hause Daimler in Stuttgart bei Tests der Belegschaft teilweise Inzidenzwerte von über 1000 ermittelt werden. Es werden ja ganze Abteilungen vorübergehend nach Hause geschickt. 

Dies ist in den entsprechenden Abteilungen und im Betriebsrat auch bekannt, wird aber weder nach außen noch nach innen kommuniziert. 

Meine Frage: Trifft diese Information zu? 

Mir geht es nicht darum, dem Unternehmen irgendwelche Vorhaltungen zu machen, sondern diese doch für die Öffentlichkeit relevante Information in die allgemeine Lagebeurteilung einfließen zu lassen.

Freundliche Grüße

Dirk Maxeiner
Achgut.com

 

Am folgenden Tag kam dann von einer Mitarbeiterin von Howe folgende Antwort der Daimler Kommunikation:

Hallo Herr Maxeiner,

vielen Dank für Ihre Anfrage, anbei unsere Antwort.

  • Wir setzen alles daran, die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen.
  • Die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter haben höchste Priorität. Bereits im April 2020 hat das Unternehmen zum Schutz der Mitarbeiter weitreichende Vorkehrungen zum Infektionsschutz getroffen und ein umfassendes Maßnahmenpaket mit dem Gesamtbetriebsrat vereinbart und umgesetzt. Dazu gehören Hygiene- und Reinigungs-Standards, sowie Regelungen zum Verhalten am Arbeitsplatz. Die Maßnahmen werden kontinuierlich überprüft und entsprechend angepasst. Unsere Schutzmaßnahmen greifen gut.
  • Seit Frühjahr 2020 arbeiten unsere Mitarbeiter wo immer möglich mobil, zum Beispiel von zu Hause, um das Infektionsrisiko weiter einzugrenzen.
  • Daimler unterstützt die Teststrategie der Bundesregierung durch Selbsttests. Ergänzend zu den umfangreichen Maßnahmen zum Infektionsschutz stellt Daimler den Beschäftigten, die ihre Tätigkeiten nicht mobil erledigen können, Selbsttests zur Verfügung. Seit Ostern erhalten die Beschäftigten in Deutschland kostenlos zwei Selbsttests pro Woche, zuvor erhielten die Beschäftigten einen Test pro Woche. Die Selbsttests werden auf freiwilliger Basis zu Hause durchgeführt, um mögliche Ansteckungen frühzeitig zu unterbinden.
  • Daimler setzt zudem Corona-Schnelltests durch medizinisches Fachpersonal anlassbezogen und gezielt ein, wenn unklare Infektionsherde auftreten. Ein digitalisierter, internationaler Meldeprozess ermöglicht es sehr schnell und systematisch alle COVID-19 Fälle innerhalb der Belegschaft zu erfassen und die Nachverfolgung möglicher Kontaktpersonen sicherzustellen. Eine Auswertung der vorliegenden Daten zeigt, dass rund 95 Prozent der Infektionen außerhalb der Werkstore stattfinden. Basierend auf der digitalen Datenerfassung kann der Werksärztliche Dienst so frühzeitig erhöhte Fallaufkommen im Unternehmen erkennen, lokalisieren und dort gezielt weitere Corona-Schnelltests durchführen. Mit diesen systematischen Clustertestungen werden Infektionsketten an den Standorten schnell unterbrochen.
  • Wir richten uns dabei nach den Vorgaben der Bundesregierung, der jeweiligen Landesregierungen und Behörden und stehen mit den lokalen Gesundheitsämtern in engem Austausch.

Viele Grüße

Kathrin S.

Daimler AG
Human Resources and External Affairs Communications
70546 Stuttgart/Germany

 

Diese Antwort veranlasste mich zu folgender Nachfrage:

Sehr geehrte Frau S.,

besten Dank für Ihre Mail, die leider wenig hilfreich ist.

Meine Frage lautete:

"Mir liegen Informationen vor, dass im Hause Daimler in Stuttgart bei Tests der Belegschaft teilweise Inzidenzwerte von über 1000 ermittelt werden. Trifft diese Information zu?" Ich möchte noch einmal höflichst darum bitten, dass Sie mir bis morgen, 7. April 2021 um 12 Uhr, eine konkrete Antwort auf meine konkrete Frage zusenden. 

Ich gehe davon aus, dass dies eine Selbstverständlichkeit für Ihr Haus ist, das sich der Transparenz und Integrität gegenüber der Öffentlichkeit verpflichtet fühlt.

Mit freundlichen Grüßen

Dirk Maxeiner

 

Antwort am nächsten Tag um 11:57 Uhr:

Hallo Herr Maxeiner,
zu Ihrer Frage: einen derartigen Inzidenzwert hat es an unseren Produktionsstandorten nicht gegeben.

Beste Grüße

Kathrin S.

Daimler AG

 

Sofortige Rückfrage:

Sehr geehrte Frau S.,

Welche Inzidenzwerte hat es denn gegeben?

Mit freundlichen Grüßen

Dirk Maxeiner

 

Antwort nach 45 Minuten:

Hallo Herr Maxeiner,

wir haben unseren bisherigen Ausführungen nichts hinzuzufügen.

Beste Grüße

Kathrin S.

Daimler AG

 

Wie heißt es so schön in den oben angesprochenen Daimler-Verhaltensrichtlinien: "Das Fundament für unser Handeln – intern wie extern – ist Ehrlichkeit, Offenheit und Transparenz. Damit schaffen wir Vertrauen."

Foto: Pixabay

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netiquette:

F. Bothmann / 08.04.2021

Mir fehlt jetzt der gedankliche Zugang zu was die Information über einen “Anzeigewert” bei einem Unternehmen dienen soll. Natürlich muss jetzt ja die Produktion von Automobilen sofort und bis zu den Werksferien in das Homeoffice verlegt werden. Die No-Covidioten werden das als absolute Mindestanforderung zur viralen Reinigung Deutschland ansehen. Menschenansammlungen zur Produktion von kapitalistischem Mehrwert sind sowas von gestern. Gelddrucken reicht doch. Und der aktuelle Chef von Daimler wird das Problem mit allen Mitteln der politischen Korrektheit und mittels seines Twitter-Kontos lösen.

Bernd Michalski / 08.04.2021

Ich glaube, die “Hallo”-Anrede ist nicht unhöflich gemeint. a) will man vielleicht “locker” auftreten; b) hat man inzwischen Angst bei genderspezifischen Anreden wie “Herr” oder “Frau”, denn wer weiß schon, ob so ein Achgut-Herausgeber nicht heimlich transqueerfluid ist. Nicht, dass ich etwas unterstellen will natürlich, lieber Herr Maxeiner! ;-)  Im übrigen muss man ja schon froh sein heutzutage, wenn man von Firmen nicht von vornherein geduzt wird. Bestellen Sie mal im “baur” Versand oder beziehen Sie Strom in einfach. Wenn Sie sich dann beschweren, wird Ihnen gesagt, man hätte nun mal darauf umgestellt und der Computer könne das nicht anders. !!!

T. Schneegaß / 08.04.2021

@G. Böhm: Es ist meiner Meinung nach überhaupt kein technisches Problem, ein Fahrzeug softwaremäßig so auszurüsten, dass es nur mit Hilfe eines elektronischen Impfnachweises gestartet werden kann. Aber da uns die Herrscher versprochen haben, keinen Impfzwang einzuführen (und sie haben noch nie gelogen), wären das ja rausgeschmissene Kosten für die Hersteller.

Torsten Hopp / 08.04.2021

Kathrin S. hat in Kommunikationswissenschaft einen Bachelor und ihre Arbeit mit 1,0 abgegeben. Bei einem Einstiegsgehalt von 4.000 brutto schreibt sie schöne Briefe, die sie entweder in völlig unverständlichen oder sehr einfachem Deutsch formuliert. Dazu verwendet sie vorgegebene Textbausteine, die -KI sei gedankt- sauber und schnell einzufügen sind. Sie hat stets zur vollsten Zufriedenheit der Geschäftsführung gearbeitet.

Claudius Pappe / 08.04.2021

Schaut euch die Werbung von der Daimler AG mal an. Dort fahren nur PoC s die überteuerten Kutschen….........................

Klaus Klinner / 08.04.2021

Lieber Herr Maxeiner, der Schriftwechsel mit meinem Lieblingsautohersteller ist interessant, aber exemplarisch für die allerorts geltende Unsicherheit. Momentan wird sich wohl niemand eine Blöße geben und ohne Not solche vulnerablen Informationen heraus rücken. Sie verstehen sicher den Sprengstoff, der hinter einer solchen Information lauern würde. Die Testergebnisse über einen längeren Zeitraum in einer Population von tausenden Menschen, die beruflich auf engstem Raum zusammen gesperrt sind, wären in ihren Aussagen hochinteressant. Ohne Zweifel wären sie u.a. ein ausgezeichneter Indikator für die Effizienz der “Maßnahmen”, sowohl der individuellen, der betrieblichen, als auch der staatlichen. Möglicherweise kämen dann sogar manche mit dem Brustton äußerster Überzeugung vorgetragenen Narrative ins Wanken. Wer sollte daran schon Interesse haben?

Claudius Pappe / 08.04.2021

Daimler hat sein Werk in Hambach ( liegt wohl in Frankreich und baut die Smarts) an INEOS Grenadier ( Chemie Firma, die demnächst Geländewagen baut) verkauft. Daimler sieht also die Autozukunft nicht in Europa…..............................

U. Heuer / 08.04.2021

Bleibt anzumerken das die hohen Herren in den Chefetagen der Großkonzerne auch nach Konkursen oder Pleiten der Unternehmen für den Rest ihrer Tage finanziell abgesichert sind. Für mich stellt sich genau wie bei unseren Politikern immer nur die Frage:  Sind die wirklich so dumm oder so skrupellos ?

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