Gastautor / 13.11.2014 / 21:11 / 3 / Seite ausdrucken

Greenpeace siegt, Juncker kuscht

Von Ludger Wess

Ihr letzter Tweet feierte die glückliche Landung von Philae auf dem Kometen Tschuri, nun ist ihr Posten Geschichte: Die britische Zellbiologin Anne Glover, Chief Scientific Advisor der EU-Kommission, ist entlassen; ihre Position wird abgeschafft. Eine Erklärung der neuen EU-Kommission gibt es nicht.

Zuletzt im Juli 2014 hatten neun einflussreiche Lobbygruppen mit einer Kampagne begonnen, um das Amt des Chief Scientific Adviser (CSA) in der EU abzuschaffen. Höhepunkt war ein Offener Brief an Juncker mit der Forderung, sich stattdessen von Wissenschaftlern “from a variety of independent, multidisciplinary sources with a focus on the public interest” beraten zu lassen. Grund war: Den Lobbygruppen passte es nicht, dass sich Glover bei ihren Beratungen am Stand der Wissenschaft und nicht an der Position der Lobbygruppen orientierte.

Die Achse hatte berichtet:
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/greenpeace_will_uns_vor_boesen_wissenschaftlern_beschuetzen

Kaum offiziell im Amt, ist Jean-Caude Juncker diesen Forderungen jetzt nachgekommen. Das Amt des Chief Scientific Advisors wird abgeschafft. Die Webseite ist bereits vom Netz genommen, und, wie der Guardian schreibt, ist es unklar, ab Anne Glover noch an zukünftigen Tagungen teilnehmen darf, zu denen sie selbst eingeladen hat. Durch wen und wie sich die neue EU-Kommission in Zukunft bei Fragen rund um Klima, Gentechnik, Nanotechnologie und andere umstrittenen Themen beraten lässt, ist ebenso ungeklärt.

Zum Skandal, der in Deutschland keiner ist, weil niemand über ihn berichtet, gibt es mehr bei…

http://www.theguardian.com/science/political-science/2014/nov/13/juncker-axes-europes-chief-scientific-adviser

http://www.senseaboutscience.org/news.php/423/european-chief-scientific-adviser-post-no-longer?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+SenseAboutScience+(Sense+about+Science)

http://www.marklynas.org/2014/11/eu-scraps-science-advisor-role-now-are-you-happy-greenpeace/

Das Science Media Center hat dazu eine Reihe von Expertenmeinungen zusammen getragen.

http://www.sciencemediacentre.org/expert-reaction-to-news-about-abolition-of-post-of-csa-to-european-commission/

Ludger Wess ist Mitinhaber der Agentur akampion. Seine Texte auf achgut.com geben seine persönliche Meinung wieder.

Leserpost (3)
Christian Herms / 14.11.2014

Aber das ist doch als Quintessenz des geschilderten Vorgangs ganz logisch: Wer nichts weiß, dem kann man viel erzählen. Religionen und radikale Idiologien funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip. Leider auch hier mit Erfolg.

Wolfram Ackner / 14.11.2014

Auch als Nichtanhänger kann man Greenpeace für ihr PR-Talent nur bewundern. 300 Millionen $ akquirierte Spendengelder jährlich, riesiger politischer Einfluss, tausende Journalistenkumpels weltweit, die bereit sind, jede Greenpeace-Verlautbarung als Worte der Offenbarung ins Blatt zu heben ... und trotzdem immer noch ein Image, als würde sich eine Handvoll Idealisten auf der Nussschale ‘Rainbow Warrior’ einem übermächtigen, sinistren Feind in den Weg stellen ... Tja, nicht sehr klug, von Anne Glover, dass sie in ihren Einschätzungen an die Kommission den Stand der Wissenschaft wiedergegeben hat, und nicht die Meinung der NGOs. Schließlich weiß doch jeder kritische Mensch, dass die Wissenschaft von der Industrie gekauft ist. Aber irgendwie wundert es mich nicht, dass keiner deutschen Zeitung so eine Meldung eine Zeile wert zu sein scheint. Bin schon gespannt wie ein Flitzebogen, wann und wo die nächste Raketenstufe des Fortschritts gezündet wird ... Wenn ich einen Tipp abgeben dürfte, würde ich sagen, Amnesty International und Pro Asyl bekommen den Auftrag, als neutrale Gutachter die europäischen Einwanderungs-und Asylbestimmungen auf eine nachhaltigere und ganzheitlichere Basis zu stellen ...

Martin Lahnstein / 14.11.2014

Man hat einst das Duell abschafft. Um Blut zu vermeiden. Sind wir dabei, die “ergebnisoffene”, also die harte Diskussion abzuschaffen, um Kränkungen (“Gesichtsverlust”) zu vermeiden? Dabei sollte der Wissenschaftler gar nicht der Gegner sein, nur der nüchterne und neutrale “Entgegner”.

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