Dirk Maxeiner / 29.03.2016 / 08:49 / 6 / Seite ausdrucken

Und Humor ist doch die gefährlichste Waffe

Wegen eines satirischen NDR-Beitrags hat das türkische Außenministerium nach Informationen von SPIEGEL ONLINE den deutschen Botschafter Martin Erdmann einbestellt.  Bei der Unterredung ging es um eine knapp zweiminütige Satire aus der Sendung "extra 3" vom 17. März, ein Lied mit dem Titel "Erdowi, Erdowo, Erdogan" über den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Ist übrigens alles schon mal dagewesen: Zwischen 1981 und 1987 ging Rudi Carells "Tagesshow" 38-mal auf Sendung, doch dann war abrupt Schluss. Denn eine Folge der ARD-Satiresendung mit dem niederländischen Showmaster löste eine handfeste diplomatische Krise mit dem Iran aus.

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Frank Mora / 30.03.2016

Man muß Herrn Ehring ja nicht mögen. Als Ensemblemitglied der Volkserziehungssendungen extra3 und Heute show ist so mancher seiner Beiträge außerhalb des Juste milieu wohl nicht mehrheitsfähig. Aber ich werde mich immer dafür einsetzen, daß er seine Meinung sagt. Das “darf” er nicht, sondern das ist sein Menschenrecht. Wer dies verbieten will, wie wohl der derzeitige türkische Präsident, hat nichts begriffen. Zumindestens nicht, worauf die unglaubliche Stärke “Des Westens” beruht. Ein Held ist Herr Ehring deshalb nun lange nicht.

Bertram Scharpf / 29.03.2016

Was Extra-3 so bringt, ist kein „Humor“, das sind intellektfreie Plattheiten. Besonders übel war zuletzt das Lied über Polen, das von Broder für meinen Geschmack nicht scharf genug kritisiert worden war (27.1.2016). Allerdings hatten die Polen es nicht nötig, wegen dieses wesentlich beleidigenderen Liedes einen Botschafter einzubestellen.

Walter Wissenbach / 29.03.2016

Ist es nicht rätselhaft, dass unsere Bundesregierung auf diese empörende diplomatischen Frechheit nicht mit der sofortigen Abberufung des deutschen Botschafters und einer vorübergehenden Schließung der deutschen Botschaft auf unbestimmte Zeit reagiert? Was täte unsere Regierung, wenn Kim Jong-un den deutschen Botschafter einbestellte, weil ihm sein Frühstücksei zu hart scheint? Oder wenn Robert Mugabe den deutschen Botschafter einbestellte, weil ihm die Frisur der Tagesschausprecherin missfällt?  

Felix Kuster / 29.03.2016

Und die Bundesregierung tut das, was sie immer zu tun pflegt, wenn es um den verlässlichen Partner Türkei geht: Wir schaffen das - wenngleich auch schweigend

Hartmut Laun / 29.03.2016

Nicht nur bei der Türkei und bei Erdogan, in Deutschland inzwischen nicht minder, gut erkannt im Roman/ Film: Der Name der Rose von Umberto Eco . Der Humor, das Lachen der “da unten” über “die da Oben”, das wird im Hohen Turm vor den Augen und Ohren der Gläubigen fest verschlossen, damit diese nicht über ihr Lachen vom Glauben abfallen. Wie der Humor, das Lachen, wie die Schriften damals und die Filme und sonstigen Medien heute, wie Merkel in den deutschen Medien vor dem Lachen des Volkes über sie von den Schreibern und Bildermachern beschützt wird. Wehe ein Redakteur in den Öffentlich Rechtlichen Sendern hat so etwas vor, der kommt damit nicht durch. Wehe ein solcher Film bei dem die Zuschauer über Merkel lachen können, der schlüpft an der internen Zensur vorbei, dann schlägt die freiwillige Selbstkontrolle aber sofort zu. Was ei Kohl ein Dauerzustand in den Medien war, das ist bei Merkel eine schwere Sünde. Darum braucht sich Merkel nicht höchstpersönlich zu kümmern wie ihr Freund Erdogan. Der betreffende Journalist wird zur Kenntnisnahme der anderen im Haus zum Chef bestellt und mit der Gelben Karte verwarnt. Im Sinne von Mao: Bestrafe einen, erziehe die anderen.

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