Das Anti-Depressivum zum Sonntag: Die schönsten Klimawandel-Anekdoten

Auf der Achse des Guten ist, so hörte man vor ein paar Tagen im WDR, „jede noch so blöde Behauptung gut aufgehoben.“ Konkret ging es in einem Gespräch der Sendung „Politikum“ um das Thema Klimawandel, und der sachkundige Analyst war ein „Parteienforscher“ aus Göttingen. Die Achse, so der Herr weiter, sei eine der Quellen, aus der AfD Politiker und Wähler ihr Nichtwissen schöpften, denn seit Jahren sei die Seite das „Reservoir der bezahlten Klimaskepsis“.

Ich mag Parteienforscher. Es sind meist zauselige Planstellenbesetzer, die vor und nach Wahlen in Funk und Fernsehen erklären dürfen, warum und weshalb und überhaupt. Ihr Unterhaltungswert ist nicht gering, und da sie mit heißem Bemühen studiert haben, um den Hochs und Tiefs in der politischen Landschaft nachzuforschen, ist es nicht verwunderlich, wenn einer aus ihrer Zunft sich auch als Klimaexperte betätigt. Als Liebhaber der schönen Erzählform Anekdote musste ich diese Vorlage für meine heutige Kolumne unbedingt aufnehmen, gibt es doch zahlreiche launige Geschichten, die die Rolle des Klimawandels im Mittelpunkt haben. Hier eine kleine Auswahl.

Überhitzte Gummibärchen bei Dali

Kaum jemand weiß, dass die Bildidee zu Dalis „Die zerrinnende Zeit“ während eines Campingurlaubs 1931 entstand. Der Surrealist zeltete damals mit Max Ernst im Süden. Man hatte sich wegen der dann eher moderaten Temperaturen dazu den Oktober ausgesucht. Nun hatte Ernst aus Bonn eine Tüte Gummibärchen mitgebracht, deren Inhalt, während die Maler durchs Mittelmeer tollten, im Zelt zu einer amorphen Masse schmolz. Die bereits damals temporär eintretende Klimaerwärmung hatte nämlich ganz unerwartet derart hohe Temperaturen hervorgerufen, dass der Schmelzpunkt von gezuckerter und mit naturidentischen Farbstoffen versetzten Gelatine überschritten worden war. Max Ernst ärgerte sich darüber sehr, aber Dali nahm einen Skizzenblock zur Hand und zeichnete den Inhalt der Tüte ab. Als sein deutscher Freund schließlich ungeduldig wurde (man wollte an diesem Abend noch ein paar Frauen aufreißen) zeigte er sauer tippend auf seine Taschenuhr, was Dali, schon damals das Genie, sogleich registrierte und neben der Skizze notierte. Der Rest ist Kunstgeschichte.

Während einer Plattenaufnahme Anfang der fünfziger Jahre wohnte Rudi Schuricke so weit im Landesinneren, dass es dort nirgendwo eine Badehose zu kaufen gab. Der populäre Sänger hatte sich nun aber in den Kopf gesetzt, die schwierigen Studioarbeiten für ein Wochenende zu unterbrechen, um an die Ostsee zu fahren und dort zu schwimmen. Seine Zimmerwirtin fand schließlich die Lösung: über Nacht häkelte sie Schuricke ein zum Baden geeignetes Beinkleid, das auch perfekt passte – so glaubte Schuricke jedenfalls. Doch infolge der bereits damals temporär eintretende Klimaerwärmung musste der Sänger entgegen seiner ursprünglichen Terminplanung fast eine Woche warten, bis das richtige Wetter zum Baden war.

Wie Rudi Schuricke baden ging und die Capri-Fischer erfand

Wie groß aber war das Entsetzen, als sich nach seinem so lange ersehnten Sprung ins kühle Nass die wollene Hose sogleich mit Wasser voll sog und ihm beim Kraulen gegen die durch die Klimaerwärmung besonders heftigen Flut - zunächst unbemerkt - entglitt. Als Schuricke das Malheur entdeckte, war es bereits zu spät, er konnte nur noch zusehen, wie die Hose von der Strömung erfasst und davon getrieben wurde. Eine Blamage schien unvermeidbar, und Schuricke sah sich bereits aufs Schlimmste in den einschlägigen Postillen bloßgestellt.  Doch da nahte Rettung in Gestalt eines Fischers, der das Treibgut mit einem Bootshaken erwischte und in sein Boot in Sicherheit brachte.

Rasch erfasste der gute Mann die ganze Situation, zudem Schuricke sich aufgeregt winkend näherte. Unter großem Hallo und Gelächter kletterte der Sänger schließlich ins Boot, der Fischer lieh im zum Verdecken seiner Blößen einen Südwester, ließ die unglückliche Hose im Wind flatternd trocknen und brachte den beliebten Interpreten schließlich sicher an Land. Schuricke zeigte seine Dankbarkeit. Am nächsten Tag rief er Ralf Maria Siegel, den Texter des Liedes, an dem Schuricke arbeitete, an und überredete ihn, den ursprünglichen Titel von „Die Capri-Schreiner“ in „Die Capri-Fischer“ umzuändern. Was dieser auch ungerne tat. Das Lied wurde ein Welterfolg.

Mao hätte so gern heiße Fritten gegessen

Es war ein streng gehütetes Geheimnis, dass Mao Zedong auf den Tod keinen Reis ausstehen konnte. Und das kam so: Bei seiner ersten Hochzeit hatten die Gäste, wie es in China früher ein höchst seltsamer Brauch war, das Brautpaar mit Reis beworfen, und Mao hatte ein Korn ins Ohr bekommen, wo es infolge der bereits damals temporär eintretende Klimaerwärmung keimte und  durch eine Notoperation entfernt werden musste. Der Arzt Norman Bethune, der in China praktizierte, erzählte Mao während dessen Spitalaufenthalt von kleinen Kartoffelstäbchen, die, in Fett gebacken, vor allem in Belgien gerne verzehrt wurden und den Reis völlig von der Speisekarte zu verdrängen drohten.

Mao war von dieser Information elektrisiert und wollte unbedingt solche Kartoffelstäbchen haben. Es sollte aber noch bis 1971 dauern, eher er seinen damaligen Weggefährten Lin Biao in geheimer Mission mit einem Flugzeug Richtung Belgien schickte. Die Maschine stürzte jedoch über der mongolischen Wüste ab, und um zu verhindern, dass die wahre Natur der Reise bekannt wurde, stieß Mao seinen Boten in Ungnade. Erst auf dem Totenbett soll Mao einem der anwesenden Ärzte gestanden haben, er hätte so gerne „einmal in [seinem] Leben Fritten gegessen.“

Der Alte Fritz und ein Extremwetter-Ereignis

Der Alte Fritz war schon als Knabe nicht gerade wegen seines Humors bekannt. So mussten ihm erzählte Witze meist tagelang erklärt werden, und manchmal brach er dann in Tränen aus. Um so verwunderter waren daher auch die Teilnehmer einer königlichen Abendgesellschaft, die, während draußen infolge der bereits damals temporär eintretenden Klimaerwärmung ein schweres Gewitter tobte, zu Cembalo-Klängen Krammetsvögel und anderes Gesottenes verspeisten, als plötzlich der Kleine Fritz, den alle schlafend wähnten, im Nachthemd herein trat, sich umsah und dann mit lauter Stimme im schönsten Knabensopran sagte: "Ist das nicht ein herrliches Wetterchen heute?" Die Gesellschaft erstarrte, und erst nach Minuten lockerte ein befreiendes Gelächter die Stimmung wieder auf. Es wurde noch ein toller Abend, an den sich der Alte Fritz später oft erinnerte.

Sowohl Roy Black als auch Django Reinhardt waren begeisterte Angler, und sie nutzten in ihrer knapp bemessenen Freizeit jede sich bietende Gelegenheit, trotz der bereits damals temporär eintretenden Klimaerwärmung für ein paar Stündchen am Ufer eines Gewässers Platz zu nehmen und dort beim Fischen die Sorgen des Alltags zu vergessen. Black liebte das Angeln sogar so sehr, dass er mit nicht einmal fünfzig Jahren in seiner Fischerhütte verstarb. Reinhardt tat es ihm fast vierzig Jahre zuvor nach; er, das halbe Jahrhundert noch weit in der Zukunft vor Augen, schloss eben diese am Ufer der Seine.

Henrik Ibsen war als Schüler ein notorischer Zuspätkommer, und jedesmal schob er sein verspätetes Erscheinen entschuldigend auf das Wetter. Mal war der Wind zu säuselnd, mal der Frost zu schneidend, mal die Sonne zu bedeckt. Nun passierte es, dass eines Tages infolge der bereits damals temporär eintretenden Klimaerwärmung überhaupt kein Wetter war. Ibsen erschien aber wie gewohnt erst zu Beginn der zweiten Unterrichtsstunde. Zur Rede gestellt antwortete er, er habe sich „verschlafen“, was, wie zu erwarten, bei seinem Lehrer auf taube Ohren stieß und zu einer harten Bestrafung führte. Ibsen musste bis zur Großen Pause in der Ecke stehen und beschloss in dieser Zeit - wie er später einmal verriet - es der Welt mit sozial differenzierten Gesellschaftsdramen zurück zu zahlen.

Foto: Bildarchiv Pieterman

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