Hannes Stein / 15.10.2007 / 03:57 / 0 / Seite ausdrucken

Typisch deutsch

Normalerweise hüte ich mich, etwas “typisch deutsch” zu finden—das ist ein unfaires, allzu flott dagingesagtes Wort im Meinungskampf und wie alle nationalen Stereotypen häufig eher neben der Wahrheit. Aber Folgendes, glaube ich, könnte tatsächlich auf fatale Weise typisch deutsch sein. Jedenfalls begegne ich diesem Argument in Amerika deutlich seltener als in good old Germany:
Wenn ich hier etwas sage, was dem linksliberalen Mainstream widerspricht, wird man mir möglicherweise scharf widersprechen, eventuell auch ein bisschen an meinem Geisteszustand zweifeln. Aber man spricht mir nicht sofort die persönliche Integrität ab.
In Deutschland dagegen kommt sofort der Verdacht auf, ich könnte bezahlt sein: vom Mossad, dem Verband der schottischen Hutproduzenten, der Atomindustrie, der Weltverschwörung der Freimaurer, dem Opus Dei, meinem wichtigsten Brötchengeber, d.h. dem Springer-Verlag—oder all diesen erlauchten Institutionen zusammengenommen. Mit anderen Worten: Die einzig einleuchtende Erklärung dafür, dass jemand eine abweichende Meinung hat, ist in Deutschland: Er muss dafür BEZAHLT worden sein.
Dass man sich dermaßen verquere Sachen selber in seinem Gehirn ausgedacht haben könnte—auf diese ganz und gar abwegige Idee kommt natürlich keiner.
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Ach so, übrigens: Das transtalantische Abenteuer geht weiter!

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