Peter Grimm / 08.11.2017 / 09:26 / Foto: FaceMePLS / 11 / Seite ausdrucken

Konsequent im Kampf gegen fliegende Tomaten

Die Beamten des Polizeipräsidiums in Mannheim haben, wie überall in Deutschland, schon seit geraumer Zeit viel zu tun. Gerade die interkulturelle Kommunikation erfordert häufiger als früher die Moderation der Ordnungshüter, wie sie selbst öfter berichten. Hier ging es beispielsweise um ein klärendes Gespräch zwischen Bulgaren und Gambiern. Die Polizeipressestelle berichtet:

Am Freitagabend gegen 22 Uhr kam es zunächst zu Streitigkeiten zwischen vier Beteiligten in einem Café in der Werftstraße. Dieser entwickelte sich dann zu einer regelrechten Schlägerei zwischen mindestens drei der Beteiligten, in deren Verlauf auch Glasflaschen und Barhocker eingesetzt wurden. Die Schlägerei verlagerte sich auch nach draußen auf den Gehweg, wobei ein in der Nähe geparktes Fahrzeug beschädigt wurde. Mehrere sofort vor Ort eilende Funkstreifenwagenbesatzungen konnten die Streithähne schnell trennen, für Ruhe sorgen und die Personalien der Personen m Alter von 21, 45 und 27 Jahren feststellen. Alle drei Beteiligten aus Bulgarien und Gambia wurden vor Ort aufgrund leichter Verletzungen von einer Rettungswagenbesatzung erstversorgt. Alle müssen sich nun einem Ermittlungsverfahren wegen wechselseitig begangener gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung stellen.

Gambier hatten an dem Novemberwochenende in Mannheim offenbar gelegentlich Kontakt mit der Polizei, wie das Präsidium gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft hier meldet:

Am Sonntagmorgen gegen 04:50 Uhr saß eine 49-Jährige an einer Haltestelle vor dem MVV-Hochhaus in Mannheim. Nachdem sie hier von einem Mann angesprochen wurde und nicht darauf reagierte, soll dieser nach ihrem in der Hand gehaltenen Handy gegriffen haben. Als er ihr dieses nicht entreißen konnte, soll der Mann der Geschädigten nicht nur Pfefferspray ins Gesicht gesprüht haben, sondern auch versucht haben, ihr die Handtasche zu entreißen, sie an ihren Haaren gezogen haben, so dass ein Haarbüschel ausgerissen wurde, sie auf die Straßenbahnschienen gestoßen und hier versucht zu haben, auf sie einzutreten, bevor er ohne Beute flüchtete. Die Geschädigte erlitt hierdurch unter anderem Prellungen und Schürfwunden. Im Zuge einer sofort eingeleiteten Fahndung mit mehreren Funkstreifenwagen wurde ein 18-Jähriger in Höhe der Böckstraße / Beilstraße festgestellt, auf welchen die Täterbeschreibung passte. Bei einer Durchsuchung des Gambiers wurde Pfefferspray in dessen Jackentasche gefunden. Er wurde daraufhin vorläufig festgenommen. Außerdem wurden bei ihm rund 1, 6 Gramm Marihuana und ein Smartphone aufgefunden, welches mutmaßlich aus einer Straftat stammt. Die Gegenstände wurden als Beweismittel beschlagnahmt. Der Verdächtige wurde am Montag dem Haftrichter des Amtsgerichts Mannheim vorgeführt. Hier wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft Mannheim Untersuchungshaftbefehl wegen des dringenden Verdachts des versuchten schweren Raubs, der Körperverletzung und des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln bei vorliegender Fluchtgefahr gegen ihn erlassen.

Kultursensible Rätsel für die Leser

Aus dem Umland, aus Eppelheim, meldete die Mannheimer Polizei:

Aus bislang noch nicht genau bekannten Gründen gerieten am Samstag um kurz nach 3 Uhr zwei Männer in einer Gaststätte in der Hildastraße in Streit. Dieser artete dermaßen aus, dass einer der beiden Beteiligten, ein 46-Jähriger, nach bisherigem Kenntnisstand nicht nur mit einer Flasche auf den Kopf geschlagen worden sein soll. Außerdem soll sein Kontrahent auch mit einer Gaspistole auf den Mann geschossen haben. Der alkoholisierte Geschädigte wurde hierbei leicht verletzt und nach einer Erstversorgung durch eine Rettungswagenbesatzung vor Ort vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht. Eine Fahndung mit mehreren Funkstreifenwagen nach dem geflüchteten Schützen verlief ohne Erfolg.

Auch Heidelberg gehört zum Verantwortungsbereich des Polizeipräsidiums Mannheim. In der folgenden Meldung bemühen sich die Beamten, ganz kultursensibel zu sein und überlassen es dem Leser, lange Zeit zu überlegen, ob die Jungmännergruppen, die sich zur Konfliktklärung bewaffnete Verwandte holen können, nun einer typisch deutschen Kleinfamilie mit durchschnittlich anderthalb Kindern entstammen oder nicht. Nur in der Täterbeschreibung wird zum Schluss verraten, dass ein bewaffneter Verdächtiger „eventuell russischer Herkunft“ sein könne. Ansonsten verrieten die Beamten nur:

Am Samstag um 22:30 Uhr kam es zunächst zu einer Pöbelei, welche sich später zu einer intensiven Bedrohung entwickelte. Ein 30-Jähriger war mit seiner Tochter und einer Freundin zu Fuß unterwegs, als die drei in Höhe der AOK von einer größeren Gruppe von Jugendlichen angepöbelt wurden. Als der Angepöbelte eine Flasche zu Boden warf, flüchteten die Jugendlichen zunächst. Wenig später kam es an der Bushaltestelle Mombertplatz zu einem erneuten Aufeinandertreffen. Hier kamen erneut mehrere Jugendlichen auf das Trio zu, diesmal in Begleitung von zwei Erwachsenen. Einer der beiden Männer stellte sich vor den alkoholisierten Geschädigten, zog unvermittelt eine schwarze Schusswaffe aus dem Hosenbund. Als er diese auf den Geschädigten richtete, flüchtete dieser in Richtung einer nahen Gaststätte, von wo er die Polizei verständigte. Seine beiden Begleiterinnen flüchteten ebenfalls und wandten sich an Familienangehörige. Eine sofortige Fahndung mit mehreren Funkstreifenwagen nach den geflüchtete Verdächtigen verlief ohne Erfolg.

Erfolge in Heidelberg

Allerdings hatten die Beamten des Präsidiums Mannheim in den Tagen aus Heidelberg auch Erfolge zu vermelden:

Am 29. Oktober erließ das Amtsgericht Heidelberg auf Antrag der Staatsanwaltschaft Heidelberg Haftbefehle gegen zwei Männer im Alter von 43 und 46 Jahren. Diese sind des gemeinschaftlichen Diebstahls mit Waffe dringend tatverdächtig.

Die beiden Beschuldigten sollen am 28.10.2017 in einem Kaufhaus in der Heidelberger Hauptstraße einen Pullover im Wert von über 100,- Euro entwendet und dabei ein griffbereites Faustmesser und einen Störsender zum Neutralisieren der Diebstahlsicherung mitgeführt haben. Bei der Tat wurden sie von einem Mitarbeiter des Kaufhauses beobachtet, der die Polizei alarmierte.

Nach der Vorführung beim Ermittlungsrichter wurden der aus Bosnien und Herzegowina stammende 46-Jährige und der 43-jährige Serbe in Justizvollzugsanstalten gebracht.

Vielleicht fragen Sie sich an dieser Stelle, woher das spezielle Interesse an dem, was das Mannheimer Polizeipräsidium so treibt, kommen mag, wenn man nicht aus der Region stammt. Es ist das Bedürfnis, eine dpa-Meldung in die richtige Relation zu setzen. Die Agentur-Kollegen informierten darüber, dass die Polizeibeamten in Heidelberg auch seit zwei Monaten immer noch an einem höchst brisanten Fall ermitteln. Es geht um einen Angriff, allerdings nicht mit Waffen, Messern, Fäusten oder Barhockern, wie in den oben zitierten Meldungen, sondern mit zwei Tomaten. Eine Tomate hat sogar getroffen und den roten Blazer der Kanzlerin und die weiße Bluse der Moderatorin des Wahlkampfauftritts befleckt.

Welcher Fall wird zuerst gelöst sein?

Ein solcher Angriff auf die öffentliche Ordnung darf neben all der Alltagskriminalität nun wirklich nicht aus dem Blick verloren werden und so verschaffte eine dpa-Meldung diesem Fall wieder ein klein wenig Aufmerksamkeit:

Nach den Tomatenwürfen auf Kanzlerin Angela Merkel sucht die Polizei immer noch nach den Tätern. Trotz Zeugenbefragungen und Auswerten der Video-Aufzeichnungen gibt es bisher keinen Hinweis auf den Gemüsewerfer.

„Das Verfahren wird aber weiter geführt“, sagt ein Sprecher der Polizei in Mannheim zwei Monate nach dem Vorfall.  Der oder die Täter haben bei einem Wahlkampfauftritt auf dem Universitätsplatz am 5. September zwei Tomaten auf Merkel geworfen. Dabei wird die Kanzlerin an der linken Hüfte von einigen wenigen Spritzern getroffen. Auch eine Moderatorin bekommt etwas ab. […]

„Zahlreiche Videos, auch aus dem Internet, wurden ausgewertet, aber ermittelt worden konnte bisher niemand“, sagt die Polizei. Zwar hätten sich aus einigen Zeugenaussagen Hinweise ergeben, und die Behörden seien diesen Hinweisen nachgegangen. Ein konkreter Verdacht habe sich aber nicht ergeben.

Wir können also gespannt sein, wen die Mannheimer Polizei zuerst fasst, die Männer mit den Schusswaffen oder die Tomaten-Attentäter.

Der Beitrag erschien auch auf Peter Grimms Blog sichtplatz

Leserpost (11)
Wolfgang Richter / 08.11.2017

Da man sicher nichts unversucht gelassen hat, bezüglich der Regierenden feindlichen Straftat, wird man sicher an den Wurfgeschossen DNA-Material gesichert haben. Somit dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis der -natürlich mutmaßliche- Täter in den Maschen der modernen Strafverfolger hängen bliebt.

Matthias Braun / 08.11.2017

Wer Tomaten auf den Augen hat, muß sich nicht wundern!

Heiko Stadler / 08.11.2017

Was diese “Kanzlerin” mit unserem Land und damit auch mit den Menschen in unserem Land angerichtet hat, ist viel schlimmer, als jeden Tag eine faule Tomate mitten ins Gesicht geworfen zu bekommen.

Gernot Radtke / 08.11.2017

Ich wette, der Tomatenwerfer wird zuerst gefaßt. Eine Kanzlerin mit Tomaten auf den Augen ist für ein hochentwickeltes Gut-und-gerne-Land viel abträglicher als ein paar übermütige Afris, die sich balgen oder (noch!) nicht wissen, daß Pfefferspray in hiesigen Breiten keine Brautgabe ist. Bei notorischer Unterbelegung der Polizeidienstbetten muß staatserhaltend priorisiert werden. Die Welt war nie ein Honigfaß und wird auch keines werden. Se is nu ma so, wie se is. Wa!?

Werner Arning / 08.11.2017

Der Unterschied zwischen Kanzlerin und Bevölkerung ist, dass sie wahrscheinlich in Zukunft ihren Personenschutz einfach verdoppeln wird, so bleiben ihr dann auch Tomatenspritzer erspart. Die Bevölkerung jedoch kann keinen zusätzlichen Personenschutz bestellen, würde diesen anscheinend aber unbedingt brauchen. Jedenfalls lassen die Polizeiberichte darauf schließen, und dass ein Martinshorn auf deutschen Straßen weit häufiger zu hören ist als zu früheren Zeiten, ist auch schon manchem aufgefallen. Wer die Berichte in der Lokalpresse verfolgt, kann sich trotz Verschweigens der Nationalität von Straftätern, seinen Reim machen. Wo bleibt der Personenschutz, Frau Merkel?

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