Gastautor / 17.08.2011 / 13:32 / 0 / Seite ausdrucken

Sweet little sixteen

Ingo Langner

Schon von Anfang an hatte die Welt zahlreiche Rätsel in ihrem Köcher. Und nachdem Adam und Eva im Paradiesgarten von der der verbotenen Frucht gegessen hatten, gab es immer noch genug unaufgelöste Fragen. Das gilt auch für ihre Nachgeborenen. Vor allem in moralischen Fragen, Abteilung Liebe, Unterabteilung Sexualität, haben wir Menschen uns immer schon schwer getan. Sehr schwer sogar. Vor allem wohl deswegen, wurden von Zeit zu Zeit sogenannte Moralregeln aufgestellt. Geschichtskundige wissen das. Diese Regeln sind allerdings häufigen und sogar ziemlich erstaunlichen Schwankungen unterworfen worden. Was im Jahrhundert X verboten war, war im Jahrhundert Y ausdrücklich erlaubt. Im Jahrhundert Z aber wieder verboten.

So hat beispielsweise seinerzeit niemand daran Anstoß genommen, daß die Gottesmutter Maria vermutlich erst 14 Jahre alt war, als der Erzengel Gabriel zu ihr in die Stube trat. Die Heilige Hedwig war auch nicht viel älter, als ihre Eltern sie vom bayerischen Andechs ins heutige Polen vermählten. Oder um ein Beispiel aus der Literatur zu nehmen: Julia war gewiß nicht älter als 16, als sie in heftiger Liebe zu ihrem Romeo entflammte. Und der Widerstand ihrer beider Elternhäuser hatte, soviel ist sicher, nichts mit Julias Jugendlichkeit zu tun.

Heute hat der deutsche Gesetzgeber nichts dagegen, wenn ein erwachsener Mann mit einer Sechzehnjährigen „intim wird“, wie man so sagt. Aber seine Parteifreunde und eine wachsame Öffentlichkeit bis hin zur Boulevardpresse offenbar schon. Armer Christian von Boetticher können wir da nur sagen. Woher soll der Mann wissen, daß Ehebruch, „Patchworkfamilien“ und sogar die Teilnahme beim öffentlichen Zurschaustellen von Obszönitäten bei politisch korrekten Homosexuellenparaden zwar für die CDU kein Problem mehr darstellen, aber eine „Affäre“ mit einer Sechzehnjährigen via Facebook offenbar schon – auch wenn diese bereits über ein Jahr zurückliegt. Christian von Boettichers Parteikarriere ist jetzt Knall auf Fall an ein, wenn man so will, natürliches Ende gekommen. Der christdemokratische Ministerpräsidentenkandidat hat die moralischen Zeichen der Zeit offenbar falsch gedeutet. Ist aber auch schwer, oder?

Weniger schwer zu verstehen, ist der bizarre Humor, mit dem BILD nach Boettichers Rücktritt als Frontmann der schleswig-holsteinischen CDU jetzt Tag für Tag in großen Lettern nachtritt und ihn einen „Lustmolch“ nennt. Liebestoller Adel verkauft sich im bunten Deutschland immer noch gut. Im antiken Griechenland hätte man die ganze Chose wohl ein Satyrspiel genannt. Nur eines ist schade: Da man nicht zweimal in den selben Fluß steigen kann, werden wir leider nie erfahren, was wohl passiert wäre, hätte Christian von Boetticher auf seiner Rücktrittspressekonferenz gesagt: „Sie war süße sechzehn – und das war auch gut so!“  Ein gewisser Chuck Berry hat das einst ganz anders gesehen. Der Beweis findet sich hier: http://www.youtube.com/watch?v=zzY28Unb3v0

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