Wie können wir Frauen erwarten, dass wir ernst genommen werden, wenn wir aus jeder Mücke einen Elefanten machen? Es gibt viele Abstufungen von Sexismus, aber offenbar sind wir an einem Punkt angelangt, an dem schon ein bewundernder Blick und ein knittriges Kompliment eine Ohnmacht erzeugen.
Laura Himmelreich erreichte einige Bekanntheit, nachdem sie zu Beginn des Jahres 2013 in der Zeitschrift Stern unter dem Titel „Der Herrenwitz” über eine persönliche Begegnung mit dem Spitzenkandidaten der FDP, Rainer Brüderle, berichtet hatte. Nach einem Parteitag saß sie mit ihm an einer Hotelbar und fragte ihn, „wie er es findet, im fortgeschrittenen Alter zum Hoffnungsträger aufzusteigen”. Wenig später will Brüderle wissen, woher die Journalistin stamme. Aus München, sagt sie. „Dort seien die Frauen eigentlich trinkfest, sagt er und blickt skeptisch auf die Cola Light in meiner Hand. Ich sage ihm, dass ich privat, zum Beispiel auf dem Oktoberfest, durchaus Alkohol trinke.” Die Passage, welche die Republik in Aufruhr versetzte, folgte sodann; sie lautet: „Brüderles Blick wandert auf meinen Busen. ´Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.`”
Ein alter Mann wie Brüderle mag als Kompliment verstehen wollen, was unter den Himmelreichs als sexueller Übergriff gilt. Dafür hätte er es nicht gewagt, eine ältere Dame zu fragen, wie sie es finde, im fortgeschrittenen Alter zum Hoffnungsträger aufzusteigen. Für seinen inkriminierten Satz hätte er schlimmstenfalls ein Lächeln erwartet, aber er bedeutete das Ende seiner Karriere, weil einer Journalistin etwa ein Jahr nach dem Ereignis einfiel, dass sein Wort Sexismus gewesen sein könnte.
Frau Himmelreich hat es inzwischen vom Stern, wo häufig Titten den Titel schmücken, damit auch feministische Mitarbeiterinnen ordentlich bezahlt werden können, zur Chefredakteurin eines Internetportals gebracht, auf dem Sparfüchsen „ein erschwinglicher Sexroboter” vorgestellt wird und Bestatter lebensentscheidende Fragen beantworten, „die du dich niemals trauen würdest zu stellen”, zum Beispiel diese: „Hattest du mal Sex auf einer Beerdigung?” Antwort: „Nein, aber auf einem Friedhof.” Die Plattform berichtet über Pornofilme, Prostitution als „Sexarbeit”, befriedigende Blowjobs und Frauen, die in Kursen gegenseitig ihre Vulvas besichtigen, alles illustriert mit viel nackter Frauenhaut.
Sex sells, und Laura Himmelreich muss verkaufen. Alles blinkt und blendet und verblendet – die jungen LeserInnen nämlich. Hypersexualisierung wird zur Normalität. Das verantwortet eine Frau, die ein dämliches Kompliment eines alten Sacks beim Absacker in einer Bar als Sexismus empfand. Das ist Doppelmoral, aber wie formulierte es schon Bertolt Brecht in der „Dreigroschenoper”: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.” Da sind Frauen offenbar genauso gut wie Männer.
Auszug aus dem Buch: Sexismus. Über Männer, Macht und #Frauen von Zana Ramadani.
Zana Ramadani, geb. 1984 in Skopje (Mazedonien), war Mitbegründerin von FEMEN Deutschland und ist heute Mitglied der CDU. Die Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte studierte Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft und Soziologie. Sie setzt sich für Menschen- und besonders Frauenrechte ein, dreht Reportagen und Dokumentarfilme, hält Vorträge und Workshops und ist Landesvorsitzende Berlin des „Deutschen Staatsbürgerinnen-Verbandes e.V.“ (ältester Frauenrechtsverband in Deutschland) und aktives Mitglied bei Terre des Femmes.
Beitragsbild: Creative Commons CC0 Pixabay

Es ist nur noch langweilig das Thema. Hauptsache die verordnete Korrektheit wird eingehalten. Ich will zurück in die 80er.
Auch die wendige Frau Chefredakteurin kommt in in ein paar Jahren in ein Alter, in dem sie sich viele Frauen (zumindest die, die dazu Anlass geben) über Komplimente von Männern (zumindest die, die sich das heute noch trauen), offen oder klammheimlich freuen. Ansonsten: Unglaubliche Story.
Da kann man den Herren der Schöpfung nur empfehlen: Alles weibliche außerhalb des direkten und vertrauten persönlichen Umfeldes strikt ignorieren - spart jede Menge Ärger und funktioniert wunderbar. Wenn die das so haben wollen, bitte sehr!
Sexismus ist es nur, wenn's dem eigenen Fortkommen dient.
Sehr geehrte Frau Ramadani, Sie sind eine sehr mutige Frau. Alle Cheblis und Himmelreichs dieser Welt können sich an Ihnen ein Beispiel nehmen! Fragt sich nur, ob diese Damen jemals einen so hohen Stuhl finden, um Ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. MfG Nico Schmidt
Ich glaube Birgit Kelle ("Dann mach doch die Bluse zu!") war es, die mutmaßte, George Clooney hätte sich an der Hotelbar das selbe Kompliment gegenüber der selben Dame ohne jeden #Aufschrei erlauben dürfen.
Kein Brüderle für ein(e) Himmelreich !