Oliver M. Haynold, Gastautor / 30.09.2020 / 09:29 / Foto: Pixabay / 33 / Seite ausdrucken

Zwei ungezogene alte Männer

Auf­fal­lends­tes Merk­mal ist zunächst, dass bei­de Kan­di­da­ten sich sehr schlecht benom­men haben und stän­dig nicht nur ein­an­der, son­dern auch dem Mode­ra­tor Chris Wal­lace ins Wort fie­len, der dann sei­ner­seits nahe am Brül­len war. Das will man sei­nen Kin­dern nicht als Stern­stun­de von Demo­kra­tie und Debat­ten­kul­tur zei­gen.

Nicht lus­tig, son­dern unan­stän­dig

Donald Trump ist natür­lich schon vor vier Jah­ren mit schlech­tem Beneh­men Prä­si­dent gewor­den, aber damals gelang es ihm, als bru­ta­ler Belei­di­gungs­ko­mi­ker mit der Prä­zi­si­on eines Scharf­schüt­zen und der Wucht eines Dampf­ham­mers tat­säch­li­che Schwä­chen sei­ner Geg­ner bru­tal und lus­tig zu benen­nen. Der Ein­zi­ge, der ihm damals ein­mal Paro­li geben konn­te, war Mar­co Rubio, der neben poli­ti­schen Angrif­fen auch die Fra­ge the­ma­ti­sier­te, ob außer Trumps Hän­den auch ein ande­res sei­ner Kör­per­tei­le klein sei – und der hat sich am nächs­ten Tag dafür ent­schul­digt, das sei nicht sein Stil. Die­ses Mal wirk­te Trump ein­fach unge­zo­gen, aber nicht lus­tig und auch nicht treff­si­cher.

Dabei kam Trump auch in den Bereich des Gefühl­lo­sen ohne poli­ti­schen Sinn. Als Biden von sei­nem Sohn sprach, der im Irak gedient hat, und auf Nach­fra­ge sag­te, er spre­che von Beau, sag­te Trump, er ken­ne Beau nicht, wohl aber Hun­ter. Es ist ver­ständ­lich, dass Trump lie­ber von Hun­ter Bidens Skan­da­len als von Beau Bidens Dienst im Mili­tär reden woll­te, aber Beau ist 2015 an einem Gehirn­tu­mor ver­stor­ben. Der Satz, Trump ken­ne Beau, den viel zu früh ver­stor­be­nen Sohn sei­nes Geg­ners, nicht, war nicht lus­tig, son­dern unan­stän­dig.

Joe Biden ging mit mini­ma­len Erwar­tun­gen in die Debat­te. Die Fra­ge für ihn war, ob er sei­ne berühm­ten Aus­set­zer so weit unter Kon­trol­le hal­ten könn­te, dass sich nicht die Führer­schein­stel­le bei ihm mel­den muss. Das ist ihm gut gelun­gen. Viel mehr aber auch nicht.

Auch Biden führ­te sich unver­schämt auf, ins­be­son­de­re, indem er Trump mehr­mals ver­deckt und ein­mal offen als Ras­sis­ten bezeich­ne­te. Das ist eine Unver­schämt­heit, auf die Trump berech­tigt mit bibli­schem Zorn hät­te reagie­ren kön­nen und sol­len, was er aller­dings ver­passt hat. Trump erwähn­te Bidens Geset­ze gegen „Super­in­ten­siv­tä­ter“ aus der Clin­ton-Zeit, die vor­wie­gend Schwar­ze tref­fen, hat die­ses Argu­ment aber nicht wirk­lich ent­wi­ckelt.

„Zur Zeit bin ich die Demo­kra­ti­sche Par­tei“

Am erstaun­lichs­ten in die­ser Debat­te war wohl Bidens Stra­te­gie, mit der Radi­ka­li­sie­rung sei­ner eige­nen Par­tei umzu­ge­hen. Er wies For­de­run­gen wie nach der Abschaf­fung der Poli­zei strikt zurück, beton­te, dass er hin­ter der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung ste­he und eine sozia­li­sier­te Bür­ger­ver­si­che­rung ableh­ne und über­nahm pro­tek­tio­nis­ti­sche For­de­run­gen Donald Trumps. Das steht in offen­sicht­li­chem Kon­trast zu den Vor­stel­lun­gen vie­ler pro­mi­nen­ter Mit­glie­der sei­ner Par­tei und auch zu denen sei­ner Vize­prä­si­den­ten­kan­di­da­tin.

Biden ver­such­te, die­se Span­nung mit dem Satz „Zur Zeit bin ich die Demo­kra­ti­sche Par­tei“ auf­zu­lö­sen. Man kann sich dabei nicht nur fra­gen, ob er sich für Lud­wig XIV. hält, son­dern auch, wie glaub­haft die­ses Ver­spre­chen bei einem sie­ben­und­sieb­zig­jäh­ri­gen Mann eigent­lich sein kann. Selbst wenn er sei­ne Par­te im Sti­le eines sowjet­rus­si­schen Geron­to­kra­ten füh­ren könn­te, gibt es kei­ner­lei Gewähr, dass er für eine vol­le Amts­pe­ri­ode zur Ver­fü­gung steht.

Frü­her gab es im Degen­fech­ten bei prak­tisch gleich­zei­ti­gen Tref­fern das Ergeb­nis der Dop­pel­nie­der­la­ge, die bei­den Kon­tra­hen­ten auf einem Wet­t­­be­werb als Minus­punk­te ange­rech­net wur­de. So soll­te man die­se Debat­te wohl auch wer­ten, mit einem gewis­sen Vor­teil für Biden, der die sen­sa­tio­nell nied­ri­ge Vor­ga­be erfül­len konn­te, andert­halb Stun­den lang ohne bedenk­li­che Aus­set­zer zu reden.

Dieser Text erschien auch hier auf mosereien.org.

Foto: Pixabay

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Sabine Lotus / 30.09.2020

Ich sehe hier jeden Tag reihenweise ungezogene alte Männer und finde die super.

Andreas Goertz / 30.09.2020

Interessant wird das Duell der Running Mates. Dass Biden hier zum Teil klar gegensätzliche Positionen -verglichen mit Harris und weiten Teilen seiner Partei- vertritt,  ist ja eine Steilvorlage für Pence, diese Widersprüche aufzudecken.

Rolf Mainz / 30.09.2020

Bei allem Respekt, aber der Beitrag erinnert stilistisch an das Niveau eines Schulaufsatzes.

Hartmut Laun / 30.09.2020

Der eine sagt: “Sie sind ein Idiot. Der andere sagt: “Halten sie ihre Klappe”. In den deutschen Medien aber steht nur Trump :“Klappe halten”.

Wolf Hagen / 30.09.2020

Auch ich habe mir das gesamte “Duell” angeschaut und war ziemlich enttäuscht von beiden. Es war ein unkoordiniert wirkendes Geschrei aller Beteiligten, mehr aber auch nicht. Zu keinem Zeitpunkt gab es einen argumentativen Schlagabtausch, schon gar nicht zu den abgefragten Themensegmenten. Trump zeichnete sich hauptsächlich dadurch aus, dass er ständig dazwischen plapperte und sich selbst lobte. Beides wirkte auf mich negativ und wenig souverän. Biden hingegen versuchte verkrampft bloß keinen Quatsch zu erzählen, d. h. keine richtigen Aussetzer zu haben und wirkte dabei roboterhaft und seine Aussagen auswendig gelernt. Negativ fiel mir bei Trump auch der direkte Angriff auf Fox-Moderator Chris Wallace direkt am Anfang auf. Für mich ein strategischer Fehler Trumps. Genauso, wie die wenig glaubhaften Aussagen zu seiner Steuerklärung. Biden hingegen konnte ebenfalls keine Punkte machen, besonders auffällig war sein stark maskenhaft geschminktes Gesicht, dass mich an einen Zombie aus “The Walking Dead” erinnerte und seine fatale Weigerung sich zu Recht und Ordnung zu bekennen, oder die Gewalt von BLM und AntiFa zu verurteilen. Trump hatte mehrfach die Gelegenheit Biden in Grund und Boden zu stampfen, eben genau bei dem Thema BLM und AntiFa, auch beim Thema Polizei, sowie in den Segmenten Corona (wenn er nur einfach anfängliche Fehler zugestanden hätte) und Wirtschaft. Leider blieb es bei beiden bei Geschrei und ein paar Beleidigungen.

Alois Müller / 30.09.2020

Schwacher und einseitig ausgerichteter Artikel! “Donald Trump ist natür­lich schon vor vier Jah­ren mit schlech­tem Beneh­men Prä­si­dent gewor­den, aber damals gelang es ihm, als bru­ta­ler Belei­di­gungs­ko­mi­ker mit der Prä­zi­si­on eines Scharf­schüt­zen und der Wucht eines Dampf­ham­mers tat­säch­li­che Schwä­chen sei­ner Geg­ner bru­tal und lus­tig zu benen­nen.” Ich habe seine Antrittsrede life gehört. Hat mir damals ziemlich imponiert! Entspricht aber wohl nicht dem Mainstream.

Jörg Themlitz / 30.09.2020

Angesichts des Klamauks von heute Morgen, ich ärgere mich, dass ich aufgestanden bin, kommt dem Duell, Mike Pence - Kamala Harris, wohl eine besondere (entscheidende ?) Bedeutung zu.

Dietmar Richard Wagner / 30.09.2020

Da in der politischen Auseinandersetzung, insbesondere in einem vorbereiteten Rededuell, nichts zufällig passiert, wage ich folgende Behauptung: die Unflätigkeiten in der ersten Debatte waren beabsichtigt so inszeniert. Das bestätigt die “etwas robusteren” Anhänger eines jeweiligen Kandidaten in ihrer “etwas robusteren” Meinung (“Gut gebrüllt, Löwe!”) zu ihm und beweist ihnen die Untauglichkeit (“Wie kann er nur?”) des Gegenkandidaten. Das bestätigt schon mal einem Teil der Wähler seine Wahlentscheidung. In weiteren Debatten werden mittels Rhetorik und Sachargumenten die Stammwähler in ihrer Wahlentscheidung bestätigt. Für die Unentschiedenen zählt dann zusätzlich zu Rhetorik und Sachdiskussion der Sympathieeindruck und die Interpretation der Medien: gutes Großmaul gegen nicht ganz so gutes Großmaul ;-)

Sabine Lotus / 30.09.2020

Ein 77jähriger Demenzanwärter ist also die ‘Democrats’? Na, gleich ganz so ehrlich hätte Harris’ Handpuppe ja nun nicht werden müßen. Kann es sein, daß sich ‘The Donald’ mittlerweile überhaupt nicht mehr anstrengen muß, nachdem das Demokratenlager ein Eigentor nach dem nächsten schießt?

Alex Schindler / 30.09.2020

Ich hab’s mir im Original angetan und war bitter enttäuscht. Insbesondere von Trump, ganz schwacher Auftritt gegen einen Biden, der hier sehr viele Sympathiepunkte einkassiert haben dürfte, wenn sonst auch nichts.

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