Ich weiß, es ist immer heikel, sich selbst zu zitieren und dabei "Ich habs schon früh gewusst!" zu rufen. Aber wenn es nun mal so ist?
Vor neun Jahren hatte ich einen Disput mit einem informellen Mitglied der Antifa, der mir unterstellt hatte, ich würde "einen Sonderstatus für Auschwitz und dessen Opfer" fordern. Am Ende musste der gute Mann – von Hause aus "Philosoph" und von Beruf Sozialdemokrat – zugeben, dass er eine Aussage von mir in ihr Gegenteil verkehrt hatte. Dennoch bestand er darauf, dass er recht hatte, was er mit seiner "Ausbildung als Altphilologe und Philosoph" begründete. Es sei eben seine "Interpretation" gewesen, an der er nach wie vor festhalte.
Nun ist "Philosoph" eine nicht geschützte Berufsbezeichnung. Jede und jeder kann sich so nennen, ebenso wie "Eventmanager" und "Opferberater". Und die Kombo aus Philosoph und Politiker ist eine Lizenz zum Lügen.
Woran und an wen erinnert uns das? Richtig! An den hochbegabten und hyperaktiven Robert M., der die europäische Einigung zu seiner Lebensaufgabe gemacht hatte. Ein Idealist aus dem Bilderbuch der Familie Münchhausens Erben.
Aus demselben Holz ist der Antifa-Mann geschnitzt, der es inzwischen ziemlich weit gebracht hat. Was er heute macht, erfahren Sie am Ende. Erst einmal lesen Sie den folgenden Notenwechsel aus dem Brodkorb der Philosophie:
sehr geehrter herr brodkorb,
ich habe ihren lesenswerten text über benz und die kritische theorie auf achgut verlinkt. bei der lektüre bin ich über einen satz von ihnen gestolpert:
“Broder gibt damit zu erkennen, dass es ihm am Ende um nichts anderes geht als einen Sonderstatus für Auschwitz und dessen Opfer.”
wann und wo habe ich einen sonderstatus für auschwitz gefordert bzw. die “singularitätsthese” vertreten? ich wäre ihnen sehr dankbar, wenn sie mir ihre quellen nennen könnten.
dank und gruss
b.
Sehr geehrter Herr Broder,
herzlichen Dank. Das ist zumindest bemerkenswert, weil ich über genau diese Frage gestern auch intensiv nachgedacht habe. Bitte sehen Sie es mir nach, dass Sie noch ein paar Stunden auf eine Antwort warten müssen, ich zunächst eine Landtagssitzung zu überstehen habe. Ichversuche dann, mich heute Abend ausführlich zu äußern.
MfG
Brodkorb
ok, keine eile. lassen sie sich zeit bei der quellensuche.
ich such derweil das ei des kolumbus.
b.
Sehr geehrter Herr Broder,
so, nun habe ich endlich ein wenig Zeit. Wir hatten Sie ja schon einmal für ein Interview zu gewinnen versucht, aber wir blieben in Ihrer kommunikativen Knautschzone hängen. Das hat uns natürlich betrübt, da Sie immerhin unserem Untersuchungsobjekt, der rechtskonservativen bis rechtsradikalen Jugendzeitschrift “Blaue Narzisse”, umgekehrt diese Ehre haben zuteil werden lassen, aber so ist das Leben…
Wenn wir schon einmal das Vergnügen haben, von Ihnen wahrgenommen zu werden, erlaube ich mir, kurz auf mich bzw. uns aufmerksam zu machen:
Unser Portal http://www.endstation-rechts.de besteht nunmehr seit ein paar Jahren, wir haben monatlich mehr als 100.000 Besuche und unterscheiden uns von den anderen Portalen dieser Art erheblich. Unsere Schwerpunkte sind einerseits die NPD, andererseits die konservative und neue Rechte. Bei Letzterer legen wir allerdings Wert darauf, sie nicht hirnlos dem Nazismus zuzuschlagen. Dies bringt uns im “Kampf gegen Rechts”-Milieu erhebliche Kritik ein. Ein paar nette Überblicksbeiträge könnten vielleicht diese sein:
Der metaphysische Nazi - Die SPD als nützlicher Idiot des bürgerlichen Lagers (zuerst erschienen in der SZ vom 29. November 2008)
http://endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=3488
Salonfähigkeit der neuen Rechten? Über den “sekundären Antisemiten” Clemens Heni und den “völkischen Beobachter” Henning Eichberg
http://endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=3510
Bestmenschen gegen Rechts: Anmerkungen zu einem anthropologischen Superlativ
http://endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=3994
Götz Kubitschek: Der Faschist vom Rittergut Schnellroda?
http://endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=3474
Autorevisionismus: Über Ernst Nolte, den Islamismus und die Konservative Revolution
http://endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=1410
Der Fall Rohbohm: Offener Brief von Mathias Brodkorb (SPD) an Dr. Martina Krogmann (CDU)
http://endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=3415
“Der Revisionismus gehört zum Kernbestand der Aufklärung” - Vierteiliges Interview mit Prof. Egon Flaig
http://endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=1139
So, nun aber genug der Eigenwerbung, aber wir suchen halt immer wieder nach Gelegenheiten einer erweiterten Publizität.
Was Ihre Frage angeht, so war es in der Tat so, dass ich ins Grübeln kam, ob das denn alles so richtig sei. Ich erinnerte mich plötzlich an diesen legendären offenen Brief an Kramer - der war wirklich großes Kino. Dies alles beißt sich schon mit der Singularitätsunterstellung, das gebe ich zu. Auch haben Sie recht mit der Andeutung, dass ich Ihnen kein wortwörtliches Zitat dieser Art präsentieren kann. Und dennoch komme ich nach nochmaliger Lektüre Ihres Beitrages nicht zu einem anderen Ergebnis.
Das mag an meiner Ausbildung als Altphilologe und Philosoph liegen. Wir sind es gewohnt, nicht nur auf der literalen Ebene zu arbeiten, sondern uns die Frage zu stellen, was die unausgesprochenen, aber unvermeidbaren Prämissen einer vorgetragenen Position sind. Und ich komme, so oft ich Ihren Text lese, zu keinem anderen Ergebnis. Was sonst soll der “Paradigmenwechsel” bedeuten?
Dass es sich hierbei um meine INTERPRETATION handelt, wird aus dem Gesamtkontext - so hoffte ich - einigermaßen deutlich:
“Und genau darum scheint es am Ende zu gehen: ob Auschwitz ein singuläres Ereignis war und im kollektiven Gedächtnis bleibt oder nicht. Anders jedenfalls sind Broders Angriffe in der “Welt” kaum zu erklären. “Praktisch läuft der Vergleich - ausgesprochen oder insinuiert - darauf hinaus, dass die Muslime die Juden von heute sind”, wirft er Benz vor. Broder gibt damit zu erkennen, dass es ihm am Ende um nichts anderes geht als einen Sonderstatus für Auschwitz und dessen Opfer.”
Aber scheinbar wird eben dies nicht deutlich genug - dass es eine Interpretation meinerseits ist. Ich habe mir daher erlaubt, nun folgenden Satz anzufügen:
“Dies tut er nicht expressis verbis, aber anders lässt sich seine Argumentation kaum verstehen.”
Das wird Sie wahrscheinlich nicht zufrieden stellen. Falls Sie Lust haben sollten, mit uns ein Interview zu den Themen “Singularität” und “Paradigmenwechsel” zu führen - immer gern. Auch einen Gastbeitrag, in dem Sie uns nach Strich und Faden vermöbelten, nähmen wir mit größtem Vergnügen. Denn Sie besitzen in unserer Redaktion viele “Freunde” (mich eingeschlossen). Es wird ja nun von einigen Lesern mein Beitrag ganz missverstanden. Daran bin ich vielleicht am Ende selbst schuld, weil ich mit Benz doch sehr “liebevoll” umgegangen bin. Wir sind gerade damit beschäftigt, uns um ein Interview mit ihm zu bemühen und wollen dann nochmal nachbohren. Denn freilich gehören wir nicht zu den verträumten Linken, die vor lauter falsch verstandener Toleranz die Regression nicht mehr sehen.
Beste Grüße
Mathias Brodkorb
sehr geehrter herr brodkorb,
nein, ich werde ihnen kein int geben und auch ihr sadomasochistisches angebot nicht annehmen, sie nach strich und faden zu vermöbeln. dabei finde ich die arbeit, die sie mit “endstation-rechts” leisten, durchaus verdienstvoll. und ich will sie, weil sie aus der DDR kommen und sicher eine schwere und bananenlose kindheit hatten, nicht unnötig kränken. immerhin sind sie von beruf “philosoph”, und das finde ich sehr eindrucksvoll. offensichtlich aber gehören sie zu der sorte von philosophen, die der ansicht sind, dass die welt schon genug beschrieben wurde und dass es nun darauf ankommt, sie zu verändern. während handwerker wie ich eher zu der ansicht neigen, die welt sei von philosophen wie ihnen schon genug verhunzt worden, jetzt komme es darauf an, sie wieder richtig zu beschreiben.
ich habe ihnen eine ganz einfache frage gestellt: wo ist die quelle für die von ihnen aufgestellte behauptung, es gehe mir “am Ende um nichts anderes… als einen Sonderstatus für Auschwitz und dessen Opfer”. sie antworten mit einem schwall von links und dem eingeständnis, “dass es eine Interpretation meinerseits ist”. es ist aber keine interpretation, sondern eine erfindung. den unterschied zwischen der einen und der anderen ist ihnen unbekannt, und so kommen sie, so oft sie meinen text lesen, “zu keinem anderen Ergebnis”, was sie wiederum mit ihrer “Ausbildung als Altphilologe und Philosoph” erklären.
lassen sie sich ihre studiengebühren zurück zahlen. oder heuern sie bei astro tv als berater an. - good luck, sie philosoph.
b.
Und jetzt die Auflösung: Mathias Brodkorb ist mittlerweile Finanzminister in der Regierung von Mecklenburg-Vorpommern. Wenn er mit Zahlen ebenso freihändig umgeht wie mit Zitaten, ist MV bald pleite und muss aus Mitteln der "Aktion Mensch" unterstützt werden.

Lieber Herr Broder, man lernt bei Ihnen immer etwas Neues. Ich z.B. dachte, dass MV ohnehin geistig pleite ist, wenn man Demokraten vom Schlage eines Brodkorb in der Regierung hat. Kleidungsverbote gab es auch in der DDR. Vermutlich sind im Landtag von MV die Köpfe der Meschenschlächter Lenin oder Che nicht verboten...
@ Engelbert Gartner: Richard David Precht ist damit sogar Millionär geworden. Aber er ist eigentlich mehr Vielosoph. Dushan Wegner ist auch Philosoph. Den werden Sie doch schätzen und ich denke, er ist auch nicht arm.
Herr Broder, dass ist aber unfair einen noch sehr jungen, am Anfang seiner Entwicklung zu einem reifen Menschen stehenden, hoffnungsvollen Jungkommunisten so kalt abblitzen zu lassen. Er ist sicher noch lernfähig und probiert eben noch dies oder das aus, Schülerzeitungen sollte man nicht von oben herab behandeln, aus dem kann nach seinem Praktikum bei Schwesig noch immer was werden, im Idealfall schafft er es vielleicht sogar zum Achse-Gastautor! Wenn nicht, kann er immer noch nach Einführung seines Lieblingsprojektes 'Beitragsfreie Kita' Honorarvorleser in seinen Kitas werden.
Bei mir erweckt die Antwort von Herrn Brodkorb den Eindruck, als wisse er genau, dass er eigentlich eine „Tracht Prügel verdient“ hat - deshalb wohl das Angebot „ihn“ zu vermöbeln. Er weiß, dass man eigentlich nicht Dinge behaupten sollte, die sich nicht belegen lassen. Einen Fehler zugeben oder sich entschuldigen, will er jedoch nicht. Das wäre wohl der Demut zu viel. Da redet man sich doch lieber heraus und beruft sich auf seinen „Philosophenstatus“. Wozu dieser so alles gut sein kann ...
Die völlig losgelöste Einbildung dieses Frei/ICH/geistes muss den technischen Fähigkeiten des Bauleiters vom Berliner Kunstflughafen entsprechen, wenn fertig alles abreißen. Der müßte zur Strafe ein Jahr lang mit Karl May durch die Wüste gehn..... Danke Herr Broder
Lieber Herr Broder, Ich danke Ihnen für die Entlarvung dieses seltsamen Vogels. Ich habe schon seit Längerem den Verdacht, dass wir leider von völlig ahnungslosen Bornierten und Stümpern regiert werden. MfG R. Gola
Leider stelle ich fest, dass ich doch sehr ungebildet bin. Ich kenne Juden nur aus der Bibel. Ja und Herr Broder, aber halt auch nur aus dem Spiegel. Wenn ich das richtig sehe, dann ist man Jude, wenn man ne juedische Mutter hat. Das fuehrt dann aber zwangslaeufig zu einem Stammbaum. Ja auch wenn ich das ungern zugebe, zu einem weiblichen. Was aber logisch dann zu einem Volk fuehrt. Ja und wenn man sich als Jude outed ist man folgerichtig rechts, weil nur Rechte das Wort Volk in den Mund nehmen.Bin ich jetzt ein Philosoph? Oder alter Philologe?