Als Fortsetzung des DDR-weiten Aktionstages für die inhaftierten politischen Gefangenen in der Tschechoslowakai vom Vortag, wird beim Montagsgebet in der Leipziger Nikolaikirche ein Transparent mit der Aufschrift: „Freiheit für Vaclav Havel und alle politisch und religiös Inhaftierten in der CSSR“ entrollt. Bei der Fürbitte wird auch wieder an die Stasihäftlinge in der DDR erinnert. Von Woche zu Woche steigt die Anzahl der Teilnehmer an den Montagsgebeten.
Im „Neuen Deutschland“ wird berichtet, dass die Berliner Kulturstätten über 100 000 Besucher verzeichnen. Nicht gesagt wird, in welch jämmerlichem Zustand sich diese Kulturstätten befinden. Die weltberühmte Museumsinsel bröckelt vor sich hin. Wenn Kriegsfilme gedreht werden, muss die Kulisse nicht hergerichtet werden. Die Altbausubstanz des Landes befindet sich in einem Stadium des Zerfalls, der von Spöttern mit : „Ruinen schaffen ohne Waffen“ beschrieben wird
Vor ein paar Tagen gab es einen Ansturm der Berliner auf das von David Chipperfield wieder hergerichtete Neue Museum. Sein umstrittener Entschluss, die Schäden des Gebäudes zu konservieren, fand Anklang beim Publikum. Die wenigsten Besucher werden sich klar gemacht haben, dass es sich bei den aufwändig konservierten Schäden keineswegs nur um Kriegsfolgen, sondern um das Resultat jahrzehntelanger systematischer Vernachlässigung durch die sozialistischen Kulturbanausen handelt.
Heute hat der Bundestag mit satter Mehrheit ein Gesetz zur Enteignung der Hypo Real Estate beschlossen. Über 100 Milliarden sind schon eingesetzt worden, um den insolventen Immobilienfinanzierer vor dem Offenbarungseid zu bewahren. Das Argument für den Bruch mit den Prinzipien der Marktwirtschaft lautet, es müsse sicher gestellt sein, dass der Staat am Gewinn beteiligt sein müsse, sollte der je wieder erzielt werden. Wahrscheinlicher ist, dass die Bank zusammenbrechen wird, nur eben verzögert. Am Schlimmsten ist, dass die Linke Morgenluft wittert und die Enteignung aller Banken fordert. Mit dem Enteignungsgesetz ist das Wichtigste Argument gegen die Linke obsolet geworden. Wer ein bisschen enteignen will, kann schlecht erklären, warum er nicht gleich richtig enteignet. Von dem Alternativ-Konzept unseres jungen Wirtschaftsministers hört man auch nichts mehr. Heute hat mich mein Sohn Jacob, BWL-Student im zweiten Semester, am Frühstückstisch gefragt, ob der zu Guttenberg die Leute für so blöd hält, nicht zu merken, dass er in Interviews mit gewaltigen Wortschwällen nichts sagt, keine einzige verwertbare Information gibt. Dann parodierte mein Sohn eine typische zu Guttenberg- Antwort auf eine Interview- Frage:
„Wir haben in Amerika erfolgreich festgelegt, dass wir bei der Lösung der beiderseits interessierenden Fragen und Probleme eng zusammenarbeiten werden. Diese Verabredung der zukünftigen engen Zusammenarbeit ist das wichtigste Ergebnis und zugleich der größte Erfolg unserer Verhandlungen. Wir sind uns mit den Amerikanern einig, dass nur eine enge Kooperation den Ausweg aus der gegenwärtigen Krise weisen wird. Enge Abstimmung und entschlossenes gemeinsames Handeln werden zum Erfolg führen. Wir sind uns gemeinsam mit den Amerikanern der großen Herausforderungen bewusst. Wir werden sie entschlossen meistern….u.s.w., u.s.f.“
Da ist es aufschlussreicher zu lesen, dass ein Massenblatt angesichts der Fotos unseres Polit- Shooting- Stars mit ausgebreiteten Armen auf dem Times- Square bedauerte, dass der Adelige nicht standesgemäß auf den Platz einreiten konnte. Armes Deutschland!
