Burkhard Müller-Ullrich / 18.03.2015 / 11:48 / 6 / Seite ausdrucken

Zuwanderung! Vielfalt! Eierkuchen!

«Migration wird in den Sozialkunde- und Geschichtsschulbüchern, teilweise auch in Geografieschulbüchern primär als konfliktträchtig und krisenhaft dargestellt», so das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung in seiner am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie. Das ist natürlich unerhört und muß geändert werden. Migration ist ab sofort harmonisch und krisenfrei darzustellen. Migration ist aller Erfahrung nach das, was die Menschen am liebsten machen. Seit der Völkerwanderung heißen die Völker einander gegenseitig nur willkommen, und all die guten Gefühle, auf denen Migration beruht und welche sie erzeugt, sollten in den Sozialkunde- und Geschichtsschulbüchern vermehrt Niederschlag finden, beziehungsweise, wie es die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özuguz (SPD) ausdrückt, „auf eine gute Art und Weise in den Schulbüchern abgebildet werden“.

Aber das sollte nicht nur in Schulbüchern geschehen, für die das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung zuständig ist. Es gilt für alle Bücher! Migration wird ja auch in Romanen, teilweise auch in Gedichten als konfliktträchtig und krisenhaft dargestellt. Auch da täte es not, daß Wissenschaftler sich mal der Sache annähmen und irgendeine Regierungsbeauftragte dafür sorgte, daß die Schriftsteller inskünftig die Zustände auf eine gute Art und Weise abbilden.

Und nicht nur die Schriftsteller, sondern auch die Medien. Gut, die meisten Schurrnalisten tun bereits alles, um die Migration bloß nicht als konfliktträchtig und krisenhaft erscheinen zu lassen, aber einige vertreten doch immer noch die unanständige und in dieser Formulierung geradezu menschenrechtswidrig riechende „Perspektive der Dominanzgesellschaft“. So wie in den von den Georg-Eckert-Leuten inkriminierten Schulbüchern wird sogar in manchen Zeitungsartikeln von Migranten „eine Anpassungsleistung an die deutsche Gesellschaft gefordert“. Pfui!

Es wird Zeit, daß die Regierung mehr Özoguze beauftragt, um das, was in Deutschland geschrieben und gedruckt wird, von Konflikten und Krisen zu reinigen. Die Migration ist dabei nur ein Thema unter vielen. Auch Beruf und Eheleben sollten grundsätzlich „auf eine gute Art und Weise abgebildet werden“, von der Regierungsarbeit ganz zu schweigen.

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Leserpost

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Johann Prossliner / 20.03.2015

Wer die Xenophobie als Naturphänomen leugnet (das von “den Kulturen” nur selten gezähmt, häufig aber gesteigert wird), der wird die Scheu oder Abwehr des “Fremden” barbarisch finden. Dabei was es um 1789 durchaus keine Selbstverständlichkeit der “Humanität”, dass Goethes Dorothea in Hermanns Elternhaus willkommen war. (“Verteufelt human” hat Goethe seine Iphigenie in einem Brief an Schiller genannt.)

Roland Tluk / 19.03.2015

Die Realitätsverweigerung geht in politischen Kreisen eben soweit, dass sie bereits nicht mehr in der Lage sind zwischen “veröffentlichter Meinung” und “tatsächlicher Meinung” zu unterscheiden. Die Negativselektion innerhalb der Organisation sorgt dafür, dass es zu keiner Diskussion mehr kommt. Nun glauben diese Akteure, sie könnten mit der Verdrängung der Realität auch die Wirklichkeit anderer Menschen für nichtig erklären. Diese Art der fortgesetzten Indoktrinationen erleben wir nur im Endstadium eines abgeschotteten reaktionären Systems. Es ist die Endphase eines politischen Systems.

Thomas Schlosser / 18.03.2015

“Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung”......was es hierzulande nicht alles für skurrile Einrichtungen gibt, um das ‘richtige’ Denken zu implantieren…. Mein Gegenvorschlag: Einfach George Orwell folgen und alle Institutionen, die an der Abschaffung der Wahrheit arbeiten, in einem ‘Wahrheitsministerium’ zusammenfassen. Kostet weniger und das gewünschte Ergebnis wird trotzdem erzielt….

Hjalmar Kreutzer / 18.03.2015

Nannte man in der DDR “nach vorn diskutieren” oder positiv diskutieren. “Negativ diskutieren” hieß evtl. schon ergebnisoffene Diskussion, der Diskussionsleiter hatte sich vorher ein Ziel zu setzen, welches mittels Diskussion zu erreichen war, kritische Diskussion, die zur Ablehnung des vorher gesetzten Diskussionsziels führte ging gar nicht.

Gert Klowski / 18.03.2015

Immer wieder werde ich überrascht von der Frage, ist das jetzt Satire oder Ernst? Fällt die Völkerwanderung dann komplett unter den Tisch? Oder heisst das Kapitel in Zukunft einfach “Mentalitätsbereicherung”? Ich kann es kaum abwarten bis endlich Inder oder Chinesen das Ruder hier übernehmen…

Ralf Schneider / 18.03.2015

Vielleicht sollte das Georg-Eckert-Institut mit den arabischen Schulbüchern anfangen, in denen die Migration der jüdischen Siedler eindeutig zu konfliktträchtig dargestellt wird. Bei Erfolg kann man dann ja weiterreden….

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