Der Strandkorb, wissenschaftlich Strandcorbus germanicus balticus, gehört zu den besonders standorttreuen Arten Mitteleuropas. Sein natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich entlang der norddeutschen Küsten. Dort lebt er bevorzugt in lockeren Populationen auf Sandboden, meist mit Blick auf die Ostsee und in unmittelbarer Nähe von Möwen, Fischbrötchen und Menschen, die pflichtgemäß Resilienz erwerben, indem sie erbaulich und von fremden Blicken weitgehend verschont nur dasitzen.
Wanderbewegungen des Strandcorbus germanicus über mehrere hundert Kilometer sind in freier Natur bislang nicht dokumentiert worden. Umso erschreckender war die Nachricht, dass ein Exemplar aus Mecklenburg gewaltsam entfernt und nach Berlin verbracht worden war. Nicht etwa in ein Küstenmuseum oder einen zoologisch betreuten Ersatzlebensraum, sondern auf eine Terrasse des Bundeskanzleramtes.
Der natürliche Lebensraum
Der Strandkorb ist kein gewöhnliches Sitzmöbel. Über Generationen hat er sich an die besonderen Bedürfnisse des deutschen Werktätigen angepasst und wird bis heute von fleißigen Korbflechterinnen im Niedriglohnbereich hergestellt, ganz in jener ehrwürdigen Tradition körperlicher Heimarbeit, die einst schon die Weber in Schlesien auszeichnete.
Seine wichtigste Aufgabe besteht darin, den darin temporär weilenden Germanen zu regenerieren. Der Werktätige setzt sich nicht einfach hinein wie auf eine teure Liege in Rimini. Er klappt die Fußstützen aus, blickt aufs Meer und tut eine Weile nichts. Er sitzt nur da, weil er dasitzen will. Nach 14 Tagen verfügt er wieder über jene zähe Resilienz, die ihm zuvor am Arbeitsplatz abhandengekommen ist.
Zwischen Mensch und Strandkorb besteht dabei eine seit Generationen bewährte Symbiose. Der Mensch bringt Thermoskanne und Butterbrot, der Strandkorb spendet Windschutz. Mehr verlangt keiner vom anderen. Dabei muss einem verbreiteten Missverständnis entgegengetreten werden: Der Deutsche faulenzt nicht. Er erholt sich nach DIN-Norm. Das ist ein wesentlicher Unterschied.
Dolce far niente trifft Made in Germany
Wenn nun italienisches dolce far niente, das süße Nichtstun, in evolutionsverletzender Weise an die Spree verfrachtet wird, muss dies zwangsläufig die dem Deutschen innewohnende Liebe zum Naturschutz wecken und den Unmut breiter Bevölkerungskreise zur Wallung bringen.
Denn im Land von „Made in Germany“, Meisterbrief und pünktlichem Arbeitsbeginn ist das süße Nichtstun kein ursprünglicher Lebenszweck. Es widerstrebt ihm zutiefst. Doch der Deutsche darf selbstverständlich ebenfalls nichts tun. Doch dafür fährt er gewöhnlich in Urlaub. Er bucht vorher ein Zimmer, entrichtet Kurtaxe, richtet seine Abwesenheit ein und begibt sich anschließend an einen Ort, an dem Nichtstun gesellschaftlich vorgesehen ist.
Dort wartet der Strandkorb. Er verwandelt Faulheit in Erholung, Herumsitzen in Regeneration und stundenlanges Hinausstarren in gesundheitsfördernde Kontemplation.
Verpflanzung in ein fremdes Biotop
Auf einer Regierungsterrasse geraten diese bislang von der Natur so fein austarierten kulturellen Verhältnisse jedoch durcheinander. Dort fehlen nahezu sämtliche natürlichen Umweltbedingungen des Strandcorbus germanicus balticus: statt Sand Beton, statt Möwen Regierungspersonal, kein Wellenschlag, kaum Salzluft und nicht einmal Kurtaxe.
Schon aus Gründen der artgerechten Haltung bestehen deshalb Bedenken. Noch problematischer ist seine unmittelbare Nähe zum Arbeitsplatz eines hochbezahlten Staatsdieners. Nur wenige Schritte trennen dort Schreibtisch, Akten und teure italienische Ledersessel von einem Möbelstück, dessen gesamte Konstruktion aus Zurücklehnen, Windschutz und ausgeklappter Fußstütze besteht. Damit wird der Strandkorb zum permanent sichtbaren Angebot der Erholung.
An der Ostsee ist genau das seine Aufgabe. In einem Bundeskanzleramt könnte es hingegen zu Missverständnissen führen. Denn gemeinhin wird angenommen, dass dort gearbeitet wird. Auch auf Terrassen. Zumindest sollte dieser Eindruck nach außen erhalten bleiben.
Was an der Ostsee Ergebnis jahrzehntelanger deutscher Möbelbaukunst ist, erhält im politischen Biotop plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Schon deshalb wäre bei einer dauerhaften Ansiedlung größte Vorsicht geboten.
Eingriff in die deutsche Vita
Wenn jedoch im Amt eines Ministers auf der einen Seite der Schreibtisch und wenige Meter weiter bereits der Strandkorbgefühl lockt, sind Arbeit und Erholung nicht mehr sauber voneinander getrennt. Wer beide Lebensräume miteinander vermischt, greift in ein über Generationen gewachsenes biologische Gleichgewicht ein, dessen Erhaltung gemeinhin zu den Aufgaben verantwortungsvoller Staatslenkung zählen sollte.
Die Folgen einer unkontrollierten Ausbreitung wären schwer abzuschätzen. Erst ein Strandkorb auf einer Regierungsterrasse, dann zwei, schließlich erste Populationen auf Ministeriumsdächern entlang der Spree. Irgendwann ließe sich kaum noch feststellen, ob ein darin sitzender Amtsträger gerade regeneriert, repräsentiert oder arbeitet. Für eine Verwaltung wäre ein solcher Zustand kaum mehr beherrschbar.
Resozialisierung in Gefahr
Im schlimmsten Fall hielte der Strandcorbus germanicus balticus eine Dachterrasse in Berlin für seinen natürlichen Lebensraum. Eine spätere Auswilderung wäre dann schwierig. Möwengeschrei könnte als Ruhestörung empfunden werden, Sand womöglich als Verunreinigung. Beim Anblick eines gewöhnlichen Urlaubers bestünde möglicherweise sogar Fluchtgefahr. So weit darf es nicht kommen.
Damit wurde ein anthropogener Standortwechsel zur öffentlichen Gefahr. Die Rückführung in das ursprüngliche Habitat muss aus volkspädagogischen Gründen von den Staatsmedien gemäß ihrem Kulturauftrag begleitet werden.
Meinrad Müller ist ehemaliger Unternehmer und betrachtet das Zeitgeschehen gerne mit etwas Abstand.
Das gestresste Volk ist mit der Rückführung eines Strandkorbes überglücklich. Man hat einen riesigen, politischen Erfolg erzielt und der Bundesregierung gezeigt, wo der Hammer hängt.
Alles gut und schön.
Mir reicht es, daß das Bundeskanzleramt ein Amt ist und damit eine Behörde. Punkt. Mehr braucht es nicht.
Denn in einer Behörde hat ein Strandkorb einfach nichts zu suchen.
Ralf Schuler hat geraunt, daß der Kinderkönig von seinem Chef einen gehörigen Einlauf deswegen bekommen hat. Und nun ist er sowieso schon wieder weg. Der Strandkorb.
@Franz Hammer : >>@ Rainer Schmidt: sie finden es also einen „menschlichen sympathischen Zug“ ein Baby kurz nach Geburt seiner Mutter zu entreißen, es in einem homogay Haushalt, ohne seine Mutter groß zu ziehen, wobei einer der beiden, wahrscheinlich die „Frau“ in der Beziehung, als politkrimineller Narzisst zu beschreiben sein könnte???<<
## Vielleicht ist die Mutter verdeckt narzisstisch. Dann hat sich das Kind verbessert, wenigstens offen. Sorry, in der Anstalt gilt die Moral nicht. Dort gilt eine andere, die ich jedenfalls nicht begreife.
Aber worum geht es denn? Man sagt, wirkliche Verbundenheit kann man nur mit den eigenen Kindern, mit den genetischen Verwandten spüren. Viele Väter wundern sich, wieso ihnen ihre Kinder so fremd sind. Weil sie aus dem Paralleluniversum kommen. Das ist in der Gesellschaft ein VIEL größeres Problem. Aber es ist tabu. Das ist dann nicht nur dem Kind gegenüber ungerecht, auch dem Vater. Und das müssen viele Mütter kompensieren, indem sie dann endgültig den Keil ansetzen, wenn die Unterhaltspflicht endet. Wo ist DA ihre Moral? Eine Frau hat selbstverständlich das uneingeschränkte Recht über ihren Körper. Und das wird ihr auch ganz deutlich gesagt. Aus dem Paralleluniversum.
Ich hätte ja so einige Ausdrücke auf Lager für diesen, nennen wir ihn einfach, armen Toren.
Lass ich sein, der Mann ist mit sich selbst schon gestraft genug. Das Schlimmste ist diese absolute Unfähigkeit, Anstand zu negieren und Schleim gleichsam religiös zum Lebensmodell zu erheben.
@Silvia Orlandi : >>Vielleicht ist er schwanger?<<
## Oder er hat abgetrieben und wird nun von Bissen gequält. Es kann doch nicht sein, dass jeder Depp sein Geschlecht wechseln kann. aber einer, der wirklich im falschen Körper ist, wird verspottet. Sehen Sie doch mal in den Spiegel. Wenn Sie dort nichts sehen, schauen Sie einfach in die BILD! Da werden Sie geholfen. Der arme Kerl, muss erst seinen Strandkorb abgeben an die ENTEIGNER, obwohl er gar kein Schwarzgeld hatte! Und dann wird er auch noch weiter verspottet.
Das geht einfach nicht, dass Ihr dem Spätkind den Strandkorb verbietet! Denkt mal nach, was das für ein Trauma ist! Und wie er das bewältigen wird. Wenn er es so macht, wie Ihr immer, wird es gefährlich. Dann sucht euch gleich eine Deckung. Nein, Golddeckung war gestern. Ich meine, grabt Euch bitte ein, es ist fünf nach Zwöllf. Und vergesst das Kurbelradio nicht! Wäre ja nicht der Erste, der einen Nuklearkrieg auslöst, weil der elektrisch verstellbare Außenspiegel am Strandkorb plötzlich nicht mehr elektrisch verstellbar ist. Bezahlt den Zoll und haltet den Mund! Ihr seid doch nur deshalb so unduldsam, weil der den Strandkorb wirklich bezahlt hat! Sowas macht man nicht in Berlin!
@ jmonig: schauen Sie mal snicklink bei juhutoube nach, da fliegt der Thron des neofeudalen Gernegroß aka schleimenden, abgehobenen Staatsmini in Trümmer, köstlich!