Gastautor / 22.02.2008 / 16:04 / 0 / Seite ausdrucken

Zum Wochenende: Spot an! Hier kommt die Achgut-Retro-Disko

Achgut.de-Leser H.W. Boger präsentiert die musikalischen Scheußlichkeiten der Sechziger und Siebziger:

My Life Put In A Nutshell: Un(ter)ordnung und frühes Leid in den Sechzigern und Siebzigern … und späte Erlösung. Ich wurde im Oktober 1947 in einer kleinen württembergischen Stadt geboren. PietistInnen, ZeugInnen Jehovas und Gymnasiallehrer, die sich in Nationalpolitischen Erziehungsanstalten für ihren Beruf qualifiziert hatten, belasteten die Sensibilität meiner juvenilen und adoleszenten Existenz. Dies war schlimm genug, so schlimm, dass ich keine Worte dafür finde. Weit schlimmer aber war der musikoide Terror, ein Terror, der den später aufkommenden Konsumterror weit in den Schatten stellte.

Er sei hier – zum ersten Male - dokumentiert…

Raumschiff-Orion-Zombies, die sich „Chantays“ nennen, spielen „Pipeline“ – mit kabellosen Elektro-Instrumenten und dies im Jahre 1963, wahnsinnig!
http://www.youtube.com/watch?v=_VP15xzNBnQ

The Tornados verbrechen „Telstar“. Farfisa- oder Bontempi-Orgel? Egal was oder wie - es tut entsetzlich weh. (Diese Muzak soll unter Honecker von der Stasi als Folterinstrument eingesetzt worden sein.)
http://www.youtube.com/watch?v=u2ybCjf6ras

Die Cascades singen und spielen „Rhythm of the Rain“ aus dem Jahr 1963. In der hier zu sehenden und hörenden Aufnahme werden Rheumadecken von geriatrischen Assistentinnen bereit gehalten:
http://www.youtube.com/watch?v=BGiaEKkrOaA

Die Righteous Brothers tremolieren „Unchained Melody“ und beim weiblichen Teil des Auditoriums entstehen interfemurale Feuchtgebiete. Kenner und Zyniker (die oft identisch sind) sprachen zwinkernd von „Dosenöffnern“:
http://www.youtube.com/watch?v=t-idDbIfGvw

Die singende Milchschnitte Michael Holm behauptet „Tränen lügen nicht“:
http://www.youtube.com/watch?v=FllStP2wH4A

Otto Waalkes re-interpretiert dieses Schandwerk mit Stimmritze und Hormonium und macht es damit erträglicher:
http://www.youtube.com/watch?v=k6ARX-4AG0g

Melanie Safka grunzt in der 2. Strophe: “Look what they done to my brain ...” Brain? What brain?
http://www.youtube.com/watch?v=pHF-iApfWis

Die Kitschtante Joan Baez wimmert Bettina Wegners „Sind so kleine Hände“ ins Mikro und das Mannheimer Publikum rastet völlig aus:
http://www.youtube.com/watch?v=CtvzI0w264E

Juliane Werding foltert uns - vermeintlich wahnsinnig authentisch - mit „Am Tag als Conny Kramer starb“:
http://www.youtube.com/watch?v=A6LZMHkfVJg

Das Original, „The Night They Drove Old Dixie Down“, ist zugebenermaßen weniger peinigend, weil Joan Baez (trotz ihrer Kitsch-Inklination) letztlich doch die bessere Stimme hat:
http://www.youtube.com/watch?v=2gp-CWcbnFQ

Bernd Clüver ist ohne Erbarmen, indem er uns „Der Junge mit dem Mundgeruch ist da“ zumutet:
http://www.youtube.com/watch?v=lYamuT6M8Bc

Herbert Anton Hilger, besser bekannt als Tony Marshall, quält uns mit „Schöne Maid“ („Wir singen tralala und tanzen hopsassa“):
http://www.youtube.com/watch?v=G-b6yv7r2LA

Ludwig Alexander Hirtreiter - also known as Sex Dildo - knödelt sein gnadenloses „Hossa! Hossa! Hossa!“, ein Werk, das er jahrzehntelang dafür verwendete, betrunkene Festzeltbesucher qua Schockbehandlung (nach Dr. Eisenbart) auszunüchtern:
http://www.youtube.com/watch?v=S9gCEDBM11o

Man glaubt es kaum, aber es kann noch schlimmer werden: Das Anthropoidenpärchen Cindy & Bert trällert „Immer wieder Sonntags kommt die Erinnerung“:
http://www.youtube.com/watch?v=bKumknZgtvg

Doch das ununterbietbare Pessimum ist wohl „Memories of Heidelberg sind memories of you“, vokalisiert von der nahezu lippenlosen Amerikanerin Peggy März, die trotz ihrer Englischkenntnisse das Hilfsverb „are“ noch nicht draufhat. Hier eine nachzuerleidende Späteinspielung von 1987:
http://www.youtube.com/watch?v=Bgkp8NcBnrg

Kein Leid dauert ewiglich, es sei denn, man wird in die Klapse eingeliefert oder man stirbt. Oder aber es kommt die musisch-moralische Wende. Sie, die lange ersehnte, kommt tatsächlich.

Als Entschädigung singt und spielt nämlich die Muppet Band „50 Ways To Leave Your Lover”. This really sucks:
http://www.youtube.com/watch?v=aKcY_DNF8aY


Auch „Mahna Mahna“ aus der Sesame Street balsamiert mich:
http://www.youtube.com/watch?v=oDOFj9yjO7Y


Die Coverversion aus der Muppet Show will mir auch gefallen:
http://www.youtube.com/watch?v=G0m6IQrnhCc


Und als Superkompensation die Pulp Muppets, auch wenn sie nicht singen. Was zur Abwechslung auch ganz schön sein kann.:
http://www.youtube.com/watch?v=mSvJwUFI_es

Der Druck auf der Brust hat nachgelassen. Ich kann wieder durchatmen.

PS. „Arrivederci, Sayonara, Goodbye“, ein so genanntes Lied, das sogleich als deutscher Schlager erkennbar ist, habe ich leider nicht finden können. Auch dieses Folterinstrument meiner frühen Jahre hätte Dokumentenstatus verdient.

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