Sie war die Grande Dame des Country & Western. Für viele auch schlicht: die „Queen of Country“. Dolly Parton ist vergangenen Dienstag überraschend nach kurzem Krebsleiden verstorben. Noch wenige Tage davor hatte die gesundheitlich angeschlagene Sängerin in einem Interview mitgeteilt, dass sie auf dem Weg der Besserung sei und schon wieder an neuer Musik arbeite. Anfang dieses Jahres war sie achtzig Jahre alt geworden.
Auch da war schon von Gesundheitsproblemen die Rede gewesen, wegen denen sie eine Konzertreihe in Las Vegas absagen musste. Zudem war es noch nicht allzu lange her, dass ihr geliebter Ehemann, mit dem sie gehofft hatte, ihr sechzigstes Ehejubiläum feiern zu können, gestorben ist. Ein harter Schicksalsschlag, von dem sich die Musikerin wohl nicht mehr wieder erholt hat.
Die für ihre blonde Mähne wie auch für ihre beträchtliche Oberweite bekannte Sängerin wurde 1946 in dem kleinen Ort Pittman Center im US-Bundesstaat Tennessee geboren. Obwohl sie mit ihren elf Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, hatte sie gute Erinnerungen an ihre Kindheit. Ihr Onkel Bill Owens erkannte schon früh ihr musikalisches Talent und wurde zu ihrem ersten Förderer, mit dem sie Jahre später sogar einen eigenen Musikverlag gründete.
Weder dumm noch blond
Bereits mit sieben Jahren lernte die kleine Dolly das Gitarrespielen und trat schon bald in lokalen Radio- und Fernsehsendungen auf. Im Alter von dreizehn Jahren erfüllte sich für sie der Traum eines jeden Countrymusikers: ein Auftritt in der Grand Ole Opry. Noch dazu mit einem selbstgeschriebenen Song. Nachdem sie die Schule abgeschlossen hatte, ging sie nach Nashville, um als Songwriterin Lieder für andere Interpreten zu schreiben.
Daneben verfolgte sie auch ihre eigene Karriere als Sängerin und veröffentlichte 1967 ihr erstes Album. Die daraus entnommene Single „Dumb Blonde“ wurde zu ihrem ersten Hit. Als dummes Blondchen fühlte sich die geschäftstüchtige Selfmade-Frau allerdings nie. Vielmehr habe sie schon sehr früh gewusst, so Parton in einem Interview, dass sie weder dumm noch blond sei. Ihre Haarpracht verdankte sie nämlich in Wirklichkeit einer Perücke.
Was sozusagen für Elton John die Brille ist, war für Dolly Parton die Perücke. Es heißt, sie habe eine ganze Sammlung davon besessen, mit weit über dreihundert verschiedenen Exemplaren. Auch machte sie nie einen Hehl daraus, dass sie sich bereits mit zweiundzwanzig Jahren ihrer ersten Schönheitsoperation unterzog. Darauf angesprochen, meinte sie nur, dass es es sehr viel Geld koste, so billig auszusehen. Selbstironie beherrschte sie also auch.
„I Will Always Love You“ als Dankeschön
Durch den „Blondinen-Song“ war der erfolgreiche Country-Sänger Porter Wagoner auf die junge Dolly aufmerksam geworden, der sie unter seine Fittiche nahm und zugleich ihr neuer Mentor wurde. Sie sangen im Duett und nahmen mehrere Alben zusammen auf. Erst als Parton 1973 mit „Jolene“ ihren ersten Nummer-Eins-Hit erzielte, emanzipierte sie sich von Wagoner und machte sich endgültig selbständig. Als Dankeschön widmete sie ihm das Lied „I Will Always Love You“.
Rückblickend ist der Song „I Will Always Love You“ von 1974, den sie, eigenen Angaben zufolge, am selben Tag wie „Jolene“ schrieb, zu Partons Vermächtnis geworden. In der Version von Whitney Houston aus dem Jahr 1992 wurde er mit weltweit über vierzig Millionen Exemplaren zu einer der meistverkauften Singles aller Zeiten. Allerdings besitzt Partons Original eine ganz eigene Qualität: wärmer, intimer, berührender und irgendwie auch ehrlicher.
Übrigens wollte auch Elvis eine eigene Version des Songs aufnehmen. Aber sein Manager, der gefürchtete „Colonel“ Tom Parker, forderte dafür unverschämte fünfzig Prozent der Verlagsrechte. Da Parton nicht nur die Urheberin war, sondern auch über ihren eigenen Musikverlag verfügte, lehnte sie ab und ließ den King und seinen Statthalter abblitzen. Eine weise Entscheidung, wie sich mit Blick auf Houstons späteren Welterfolg herausstellen sollte.
Engagierte Philanthropin und Tierschützerin
Über die Jahre veröffentlichte die fleißige Sängerin Single um Single und Album um Album. Die meisten Lieder hat sie selbst geschrieben. Über dreitausend sollen es gewesen sein. Insgesamt brachte sie es auf mehr als sechzig Alben und weit über zweihundert Singles, von denen sich viele in den Charts platzieren konnten. Insbesondere in den US-amerikanischen Country-Charts, wo sie allein fünfundzwanzig Nummer-Eins-Hits und über vierzig Top-Ten-Alben verbuchen konnte.
International erfolgreich war sie, neben „Jolene“, noch mit dem souligen „9 to 5“ aus dem Jahr 1980 und mit der Bee-Gees-Komposition „Islands in the Stream“, die sie 1983 mit Kenny Rogers im Duett sang. Mit über einhundert Millionen verkauften Tonträgern zählt Dolly Parton zu den erfolgreichsten Sängerinnen der Musikgeschichte. Alle ihre Rekorde, Ehrungen und Auszeichnungen können hier nicht aufgezählt werden. Allein elf Grammys sprechen für sich.
Erwähnt sei an dieser Stelle noch, dass Parton nicht nur Musik gemacht hat, sondern auch Schauspielerin, Kinderbuchautorin und spendenfreudige Philanthropin und Tierschützerin war. So eröffnete sie in Tennessee den Freizeitpark Dollywood und rief mehrere Stiftungen ins Leben. Darunter die Leseinitiative Imagination Library zur Bekämpfung des Analphabetismus bei jungen Menschen, von der Millionen von Kindern monatlich ein kostenloses Buch erhalten haben.

Und ich dachte immer Whitney Houstons Bodyguard Song wäre das Original gewesen. So kann man sich täuschen. Die alte Garde mit der man aufgewachsen ist tritt leider immer öfter ab. Ich kann mich noch erinnern, dass „Jolene“ in meiner Kindheit morgens vor Schulbeginn beim Frühstück regelmäßig im Radio lief. Hoffentlich wird wenigstens Shania Twain 150 Jahre alt. @ Peter Petronius: Was politischen Aktivismus betrifft, so macht die Dosis das Gift. Gilt insbesondere für Musiker und Musikerinnen, weil die oft über Jahrzehnte einfach die größte Präsenz haben. Nicht selten mehr als so mancher Politiker, der nach ein/zwei Legislaturperioden wieder von der Weltbühne verschwindet.
@Peter Petronius: Vermutlich schon dement. Sollte man ihr nicht nachtragen…
Ich habe grössten Respekt vor ihrem Lebenswerk. Eine selbstständige, selbstbewusste Selfmade-Dame, die auch über sich selbst lachen konnte. In Interviews und bei Showauftritten wirkte sie stets authentisch – eine beachtliche Leistung bei so viel Kunsthaar und MakeUp. RIP liebe Dolly.
Von einigen wenigen Titeln abgesehen, kann ich mit Country nichts anfangen – klingt alles wie Nicoles „Ein bißchen Frieden“ auf Speed. Es bleibt die Person Dolly Parton, eine beeindruckende Persönlichkeit, die eine irre Karriere hinlegte und sich für ihre Mitmenschen engagierte. Allerdings endet meine Bewunderung für Parton bei ihrem Engagement für dieses LGBT-Zeugs (Parton im Gay-TV: „Wäre ich ein Mann, dann wäre ich eine Dragqueen.“) und ihre Rolle bei der Demontage von Denkmälern von Südstaaten Generälen. Ich erlaube mir auf die Doku „Dolly Parton: Everybody’s Darling“ (F 2024) in der Mediathek von ARTE hinzuweisen.