Bis heute ist der Mauerbau mitsamt seinen Folgen kaum noch ein Thema in der sonst hochgelobten „Erinnerungskultur“. Vor fünf Jahren bescheinigte der Historiker Hubertus Knabe den Deutschen gar eine Amnesie: „Die Erinnerung an das Unrechtsregime in der DDR spielt in Deutschland kaum noch eine Rolle. Das zeigt sich auch am 60. Jahrestag des Mauerbaus. Politik und Gesellschaft wollen die Deutschen lieber als Täter denn als Opfer der Geschichte sehen.“ Dieser Text ist ein Text gegen das Vergessen der Opfer einer menschenverachtenden Politik.
Die Flüchtlingszahlen sprachen eine deutliche Sprache. In der Zeit von 1945 bis 1989 flüchten über viereinhalb Millionen Deutsche aus der SBZ und späteren „DDR“ in den Westen Deutschlands; allein von 1949 bis 1961 waren es circa 2,7 Millionen. Frei nach Honeckers späterem Zitat lässt sich sagen: Solange in Berlin das letzte Schlupfloch in den Westen noch nicht gestopft war, hielten aus dem Sozialismus den Lauf weder Ochs noch Esel auf. Langsam stellten sich als Folge dieser Massenflucht Deutscher von Ost nach West innerhalb ihres eigenen Landes immer häufiger Versorgungsengpässe im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands ein. Das vermochte die SED auch mit noch so viel Agitprop nicht zu kaschieren. Das Volk ließ sich mit Propaganda allerdings weder bei Laune halten noch hinter die Fichte führen. Jeder wusste, dass das verhasste SED-Regime eine Marionette Moskaus war, dem es nie um das Wohlergehen der Menschen in seinem Einflussbereich ging.
Diese Erkenntnis war keineswegs neu. Die Berliner Blockade 1948/49 und das Chruschtschow-Ultimatum 1958/59 waren unverhohlene Drohungen der Sowjets gegen den „Leuchtturm der Freiheit“ namens West-Berlin, das Schaufenster zur freien Welt. Während die mitten durch Deutschland verlaufende Zonengrenze spätestens seit dem 26. Mai 1952 nach und nach hermetisch abgeriegelt wurde und deshalb immer mehr gescheiterte Fluchten und Todesopfer forderte, war es im Vergleich dazu in Berlin weniger gefährlich, die Sektorengrenze von Ost nach West zu überqueren. Noch pendelten zudem viele Berliner zwischen beiden Teilen der Stadt. Vor allem jene Berliner, die im Westen einer Arbeit nachgingen, aber im Osten lebten, die sogenannten „Grenzgänger“, waren der SED verhasst. Trotz aller Drohungen, Beschimpfungen und Schikanen konnte sie diese Grenzgänge jedoch nicht unterbinden. Noch nicht.
Ulbricht: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“
Mehr jedoch waren der SED die vielen Flüchtlinge, die aus dem Unstaat namens „DDR“ über das letzte Schlupfloch Berlin in den freien Westen flüchteten, ein Dorn im Auge. Nicht nur die Arbeiter und Bauern flohen aus dem „ersten Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden“ und stellten das Regime damit besonders eindrucksvoll bloß, sondern auch viele gut ausgebildete Fachkräfte, waren sie nun technisch versiert oder Ärzte und Apotheker, verließen scharenweise Ulbrichts Gefängnis, weil sie dort für sich und ihre Familien keine Zukunft sahen. Der staatliche Terror und ideologische Druck wurde immer stärker; wer sich dem nicht beugte, dem drohte Reputations- und Arbeitsplatzverlust. Wer sich dem Regime gar offen oder auch nur verdeckt widersetzte oder ihm widersprach, landete schnell im Zuchthaus.
Am 15. Juni 1961 fand eine Pressekonferenz in Ost-Berlin statt, auf der die Journalistin Annamarie Doherr von der Frankfurter Rundschau sich mit folgender Frage an den SED-Chef und Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht wandte: „Ich möchte eine Zusatzfrage stellen, Herr Vorsitzender! Bedeutet die Bildung einer Freien Stadt Ihrer Meinung nach, dass die Staatsgrenze am Brandenburger Tor errichtet wird? Und sind Sie entschlossen, dieser Tatsache mit allen Konsequenzen Rechnung zu tragen?“ In dreister Verdrehung der Tatsachen antwortete er: „Ich verstehe Ihre Frage so: Daß es Menschen in Westdeutschland gibt, die wünschen, daß wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR mobilisieren, um eine Mauer aufzurichten, ja? Eh, mir ist nicht bekannt, dass eine solche Absicht besteht, da sich die Bauarbeiter in der Hauptstadt hauptsächlich mit Wohnungsbau beschäftigen und ihre Arbeitskraft voll eingesetzt wird. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“
Genau diese Ungeheuerlichkeit wurde jedoch nur vier Tage vor dem 13. August 1961 in einer geheimen Politbürositzung in der Schorfheide beschlossen. Chruschtschows Billigung und Rückendeckung hatte Ulbricht inzwischen sicher. Erste Vorbereitungen für den Mauerbau liefen am 10. August an. In der Nacht, als das Gros der Berliner ahnungslos in ihren Betten lag und schlief, rollten in der Stadt Militärlastwagen mit Soldaten und Material durch die Straßen. Am Abend des 12. August 1961 kam dann bei Sekt, Lachs und Kaviar der bis dahin streng geheimgehaltene Befehl zum Mauerbau. In dieser Nacht zum 13. August, von Sonnabend auf Sonntag, riegelten NVA-Soldaten gemeinsam mit Sowjet-Soldaten den Westen Berlins mit Stacheldrahtverhauen und Straßensperren vom östlichen Teil Berlins ab.
Die sowjetische Verantwortung
Ist die Mauer also eine rein deutsche Idee, wie gerne behauptet wird? Das ist zu kurz gedacht. Richtig ist, dass Ulbricht immer wieder bei Chruschtschow vorsprach, um seine Zustimmung für die Idee einer totalen Abriegelung nach West-Berlin zu erhalten. Richtig ist auch, dass Ulbricht das Drehbuch zur Mauer schrieb. Allerdings war die SED-Führung von den Auswirkungen ihrer auf allen Gebieten gescheiterten Politik, einer Politik, der sich Millionen durch die Flucht in den Westen zu entziehen versuchten, viel unmittelbarer betroffen als die KPdSU-Führung im fernen Moskau. Vor allem aber lässt sich nicht abstreiten, dass die SED nichts in Berlin machen konnte, was von den Sowjets als einem der Inhaber der Viermächteverantwortung für Berlin und Deutschland als Ganzem nicht gewollt oder zumindest geduldet wurde. Derjenige, der Rechte hat, dies darf bei einer Beurteilung und Einordnung des Geschehens nicht ausgeklammert bleiben, trägt immer auch Pflichten und Verantwortung.
Zweitens hat Klaus-Rüdiger Mai recht, wenn er in seinem Buch „Der kurze Sommer der Freiheit“ schreibt: „Die sowjetischen Panzer standen am Anfang der DDR, sie sicherten sie ab, und als sie nicht mehr dazu bereit waren, verschwand die DDR.“ Weiter führt er in seinem Buch aus: „Ulbricht kam als Besatzungsmacht, aus Moskau eingeflogen – er blieb Besatzungsmacht.“ Mai verweist in diesem Zusammenhang wiederholt auf das Ulbricht-Zitat nach Wolfgang Leonhard: „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“ Gerade Ulbricht und seine Entourage, so Mai, „glaubten, in ein Volk von Feinden zurückzukehren, das sie zu bekämpfen hatten. Sie agierten wie Kolonialherren. Ihre Machtbasis war nicht das Volk, sondern die sowjetischen Panzer und schließlich der sowjetische und deutsche Sicherheitsdienst“.
Drittens brachte es Günter Zehm in seinem Leitartikel vom 12. August 1986 in der WELT exakt auf den Punkt, als er über die Mauer schrieb: „Sie ist auch kein Ausfluß ‚preußischen Perfektionswahns‘, wie einige schrieben“, sondern artgemäßes Merkmal und Zubehör kommunistischer Wirtschafts- und Menschenführung.“ Weil das so war und ist, können ihre Machthaber sich nur mit Druck und Einschüchterung, mit Gewalt und Terror an der Macht halten. Totalitäre Systeme können nur bestehen, weil sie um sich herum Mauern bauen, um an ihr jede Kritik, jede andere Meinung, jede Sehnsucht nach Freiheit abprallen zu lassen und weil sie den Menschen in ihrem Einflussbereich keine Möglichkeit bieten, diesem Gefängnis unbeschadet zu entkommen. Dieses Ausgeliefertsein, diese Ohnmacht, hat schon Millionen resignieren lassen oder gebrochen. Darin ist der Sozialismus/Kommunismus zweifellos erfolgreich, aber es ist kein Erfolg, der diese Ideologie bestätigen würde und schon gar kein Erfolg, auf den er stolz sein könnte.
Erfolglose Proteste gegen den Mauerbau
Als die Berliner also nichtsahnend am Sonntag, den 13. August erwachten, mussten sie mit Entsetzen feststellen, dass über Nacht nicht nur ihre Stadt, sondern auch sie selbst brutal auseinandergerissen worden waren: Großeltern von ihren Kindern und Kindeskindern, Eltern von ihren Kindern, ja auch Eheleute, Geschwister und Freunde, Bekannte und Kollegen voneinander. In der Folge kam es in beiden Teilen Berlins zu spontanen Protesten gegen den Mauerbau. Im Ostteil waren es mehrere hundert Menschen, die von der Volkspolizei mit Schlagstöcken, Tränengas und Wasserwerfern auseinandergetrieben wurden. Außerhalb Berlins, zwischen Elbe und Oder, Ostsee und Erzgebirge, kam es vereinzelt zu Streiks als Reaktion auf den Mauerbau. Ansonsten empfing die SED-Genossen im Bewusstsein der eigenen aussichtslosen Lage vor allem eisiges Schweigen.
Im Westen Berlins versammelten sich am 16. August 1961 circa 250.000 Berliner vor dem Schöneberger Rathaus. Sie forderten nicht nur Garantien für West-Berlin ein, sondern auch eine nachdrückliche Reaktion der Westmächte gegen den Mauerbau. Zwar sandte der damalige US-Präsident John F. Kennedy den einstigen US-General Lucius D. Clay nach Berlin, der den Berlinern als dem Hauptorganisator der Berliner Luftbrücke 1948/49 in guter Erinnerung war, doch blieb es bei rein verbalen Protestnoten der Westmächte gegen den Mauerbau, siehe hier und hier.
Der Verleger Axel Springer hatte diese Entwicklung hellsichtig vorausgesehen. Nein, nicht nur den Fall der Mauer, sondern auch den Bau der Mauer. Nur 34 Tage vor dem Mauerbau schrieb er dem damaligen Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier: „Man hört jetzt oft im Zusammenhang mit dem angekündigten Separatfriedensvertrag, daß man Chruschtschow an der Unterzeichnung nicht werde hindern können. Infolgedessen beschränkt man sich z.B. in England, leider auch in bestimmten Zirkeln der USA, fast ausschließlich auf Überlegungen, wie man den Weg nach Berlin einigermaßen offenhalten und wie man seine kläglichen Rechte in West-Berlin wahren kann. [...]. An 52 geschlossenen, stacheldrahtbewehrten Übergängen werden Flüchtlinge aus der Zone sich blutig festlaufen. Aber der ‚aufgeklärte Westen‘ wird dann schon zufrieden sein, wenn der Verkehr nach Berlin mit Hilfe der Vopos auf Zeit ganz gut klappen wird.“ Und genau so kam es am Ende leider auch.
Die Reaktion der Sowjets auf die Protestnoten widerlegen die Mär, dass sie den Mauerbau nicht gebilligt oder gewollt hätten. Im Gegenteil. Sie standen fest hinter der Entscheidung von Ulbricht und seiner Entourage, siehe hier und hier. Im letztgenannten Dokument erklärt die sowjetische Regierung unmissverständlich: „Die Sowjetregierung begreift und unterstützt restlos die Schritte der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik ...“. Die Gründe für den Mauerbau, die sie in diesen beiden Dokumenten anführt, sind vor allem ein Dokument ihres eigenen Scheiterns, ein Beweis dafür, dass ihre Besatzungspolitik eben nicht auf Zustimmung aus der Bevölkerung beruhte und schon gar nicht das Ergebnis demokratischer Prozesse war. Denn wäre dies der Fall gewesen, hätten die Menschen im Einflussbereich der Sowjetunion nicht versucht, massenhaft in den Westen zu fliehen. In die Freiheit.
Die Maueropfer des Jahres 1961
Dieses letzte Schlupfloch von Ost nach West in der alten, schon seit 1945 geteilten deutschen Hauptstadt wurde nun in der Nacht vom 12. auf den 13. August für über 28 Jahre verschlossen. Am 13. August und in den Folgetagen spielten sich mitten in Berlin dramatische Szenen ab. Der NVA-Soldat Conrad Schumann fasste sich ein Herz und sprang in einem kurzen, unbeobachtet wähnenden Moment erfolgreich über den direkt vor ihm liegenden Stacheldrahtverhau.
In der Bernauer Straße, deren Häuser im Osten lagen, deren Straße aber zum Westen gehörte, versuchten die Menschen, aus den Fenstern der oberen Etagen in die Freiheit zu fliehen, nachdem die nach Westen liegenden Eingänge und Fenster in den unteren Etagen in Windseile zugemauert worden waren und ihnen deshalb der weniger gefahrvolle Fluchtweg versperrt worden war. Die Westberliner Feuerwehr befand sich im Dauereinsatz, als sie versuchte, vor allem mittels Sprungtücher die Fluchtwilligen aufzufangen und vor schweren Verletzungen, die immer wieder auch tödlich endeten, zu bewahren. Aber sie konnte nicht überall zugleich sein. Die neue Schandmauer, von der SED als vermeintlich „antifaschistischer Schutzwall“ gepriesen, forderte ihre ersten Toten, die von Ost nach West wollten. Es wurde eine Mauer, die „für jeden guten Deutschen eine tiefe Wunde [bleibt] und eine Beleidigung seiner Menschenwürde“ (Günter Zehm). Dem ist nichts hinzuzufügen.
Nun zu den ersten Toten dieser Mauer. Für den in der Bernauer Straße wohnenden Rudolf Urban wie für die dort ebenfalls wohnende Ida Siekmann wurde es am 19. beziehungsweise am 22. August 1961 ein Sprung in den Tod. Sie sollten nicht die Einzigen bleiben, die im Jahr des Mauerbaus den Versuch, in den freien Teil der Stadt zu entkommen, mit dem Leben bezahlten. Zwei Tage später, am 24. August, fand auch Günter Litfin beim Versuch, über die Spree in den Westen zu fliehen, den Tod. Ein ähnliches Schicksal erlitt Roland Hoff am 29. August 1961 bei der Flucht durch den Teltowkanal.
Die 80-jährige Olga Segler zog sich am 25. September 1961 beim Sturz ins Sprungtuch tödliche Verletzungen zu. Auch Bernd Lünser, der versuchte, vom Dach eines Hauses der Bernauer Straße in den Westen Berlins zu springen, verunglückte am 4. Oktober 1961 tödlich, weil er das aufgespannte Sprungtuch der Westberliner Feuerwehr verfehlt hatte. Er war auf der Stelle tot.
Udo Düllick versuchte am 5. Oktober 1961 an der Oberbaumbrücke, die Spree gen Westen zu durchschwimmen. Dabei kam es zu einem mehrfachen Schusswechsel. Obwohl ein guter Schwimmer, versank er vor Erreichen des westlichen Ufers vor Erschöpfung in der Spree. Eine Stunde später konnte er am West-Berliner Ufer nur noch tot geborgen werden.
Werner Probst versuchte am 14. Oktober 1961 bei der Schillingsbrücke durch die Spree zu fliehen. Obwohl er schon das westliche Ufer erreicht hatte, wurde er in dem Moment von Schüssen der „DDR“-Grenzpolizei tödlich getroffen. Lothar Lehmann erlitt einen tödlichen Kälteschock, als er am 26. November 1961 versuchte, über die Havel in die Freiheit zu entkommen.
Dieter Wohlfahrt war am 9. Dezember 1961 als Fluchthelfer gerade damit beschäftigt, ein Loch in den Stacheldrahtzaun zwischen Staaken und Spandau zu schneiden, um einem gerade erst geflüchteten 17-jährigen Mädchen zu helfen, ihre Mutter rüberzuholen. Die Mutter aber rief in dem Moment, als Dieter Wohlfahrt den Zaun aufschnitt, aufgeregt nach ihrer Tochter und machte damit die Grenzposten auf sein Tun aufmerksam. Sie feuerten in seine Richtung, verletzten ihn dabei schwer. Westberliner, Bürger wie Polizei, sowie Angehörige der britischen Militärpolizei versuchten, dem Sterbenden zu helfen, vergeblich. „DDR“-Grenzposten gelang es, ihre Hilfe zu vereiteln mit der Androhung von Waffengewalt. Von östlicher Seite wurde dem Sterbenden keinerlei Hilfe zuteil; man ließ ihn über eine Stunde lang einfach hilflos zwischen den Stacheldrahtreihen liegen, bis man dann seinen Leichnam abtransportierte. Ein Schicksal, das sich im Folgejahr bei Peter Fechter in ähnlicher Weise wiederholte, als „DDR“-Grenzsoldaten ihn am 17. August 1962 auch fast eine Stunde lang hilflos an der Mauer verbluten ließen, bevor er aus dem Grenzgebiet abtransportiert wurde.
Ungeklärt bleibt dagegen die tatsächliche Todesursache bei dem Sporttaucher Ingo Krüger, als er versuchte, in der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember die Spree nahe des Reichstagsgebäudes zu überqueren.
Und dann wäre noch als letztes bekanntes Todesopfer des Jahres 1961 Georg Feldhahn zu nennen. Er versuchte am 19. Dezember als Fahnenflüchtiger, von Treptow nach Neukölln über den Teltowkanal zu fliehen und verunglückte dabei tödlich. Seine Leiche mit dem durch Schiffsschrauben grauslich zugerichteten Kopf wurde erst im März des Folgejahres von einem West-Berliner Zollbeamten entdeckt.
Das sind zwölf bekannt gewordene Tote der Mauer, zwölf erschütternde deutsche Schicksale alleine in den Monaten August bis Dezember 1961. Die Ohnmacht und Aussichtslosigkeit, in den Westen gelangen zu können, die Tatsache, dass jeder Versuch, die Mauer zu überwinden, einem Himmelfahrtskommando glich, führte schließlich zu einem dramatischen Einbruch der Flüchtlingszahlen. Sie versiegten jedoch nie.
Gelungene, waghalsige Fluchten
Noch im Jahre 1961 gelangen zwei waghalsige Fluchtaktionen. Am 14. November 1961 bretterten fünf Ost-Berliner mit einem gepanzerten Vorkriegs-Opel über den Grenzübergang Chausseestraße in den Westen.
Am 5. Dezember 1961 schließlich gelang es dem Lokführer Harry Deterling mit seiner Familie, Verwandten und Freunden, sowie den zufällig anwesenden Fahrgästen, mit einem Dampfzug als buchstäblich letztem „Zug in die Freiheit“ über die bis zu diesem Datum letzte intakte Gleisverbindung von Ost- (Albrechtshof) nach West-Berlin in die Freiheit zu rasen. Danach wurde die Gleisverbindung sofort zerstört, es wurden Sperren errichtet. Nie wieder gelang in Berlin eine Flucht mit einem Zug in die Freiheit.
Ähnlich spektakuläre Fluchtversuche setzten sich vor allem in den ersten Jahren nach dem Mauerbau gehäuft fort, wurden aber auch später immer wieder versucht. Dem Einfallsreichtum der Fluchtwilligen schien dabei keine Grenzen gesetzt gewesen zu sein. Sie durchbrachen die Sperranlagen, flogen über sie hinweg oder buddelten sich unter ihnen hindurch, so zum Beispiel Joachim Rudolph. In der Zeit von 1961 bis 1989 gelang es mindestens 5.075 Landsleuten in und um Berlin, in den Westteil der Stadt zu fliehen. Unbekannt dagegen bleibt bis heute, wie viele Fluchten gescheitert sind. Mindestens 140 Menschen haben an der Mauer und mindestens weitere 251 durch sie ihr Leben verloren. Sie alle haben es verdient, dass ihr Schicksal niemals in Vergessenheit gerät.
Am 19.8.1961 und am 20.8.1961 war übrigens, kommt im Artikel leider nicht vor, US Vizepräsident Lyndon B. Johnson in Westberlin. Dieser Besuch ist in der Geschichte Westberlins leider so gut wie vergessen, im Gegensatz zum Besuch von JFK im Juli 1963. Im Gegensatz zu JFK, der majestätisch winkend durch Westberlin gefahren und der vom gemeinen Volk abgeschirmt wurde, hatte sich Johnson bei seinem Besuch unter die die einfachen Berliner Menschen jener Zeit gemischt. Da gibt es erstaunliche Szenen (ARD/RBBMediathek unter „Lyndon Johnson in Westberlin), wo Johnson den Wagen mit Willy Brandt mehrmals bei der Fahrt durch Westberlin anhalten lässt, und zusammen mit ihm aussteigt. Johnson macht “Shakes Hands„ mit einfachen Berliner Bürgern, küsst die Hände einfacher Berliner Arbeiterfrauen und lässt sich von denen auch anfassen und auf die Schulter klopfen. Genauso hat sich Johnson bei einer Parade von US Truppen in Zehlendorf verhalten, als er sich auch dort, von Westberliner Bürgern umringt, genauso verhalten hat. Am 20.8.1961 gab es dann eine “Truppenfahrt von US Militärs„ mit Panzern über Kurfürstendamm, Rathaus Schöneberg nach Zehlendorf. Die Filme darüber gibt es anscheinend nur verfügbar in der Lyndon B. Johnson Libary. Als die US Panzer da durch Westberlin fuhren, sieht man keine jubelnde Bevölkerung, sondern eine ziemlich gedrückte Stimmung. Diese “Truppenfahrt„ der US Army durch Westberlin am 20.8.1961 war wohl nicht nur ein Signal Richtung Ulbricht/SED und Moskau, sondern auch ein Signal an die Westberliner Bevölkerung, “die Füße still zu halten„ und sich nicht auf unkontrollierte Provokationen Richtung Osten einzulassen. Die Westberliner hatten das wohl anscheinend auch so kapiert, denn die Stimmung bei der “Truppenfahrt der US Army„ durch Westberlin war das totale Gegenteil von Euphorie.
Und heute ist ein ehemaliger ranghoher Polit- Offizier, der damals die Mauertoten mit zu verantworten hatte, Chef der Gewerkschaft der Polizei in Deutschland! Zu allem Überdruss hetzt er derzeit gegen die AfD und schließt den bewaffneten Einsatz gegen Andersdenkende im Wahlkampf nicht aus …. Schande für Deutschland, Schande für die derzeitige Regierung, welche solche Leute in solchen Positionen duldet …. Weg mit der links- rot- grünen Regierung – weg mit ehemaligen Stasi- Spitzeln und allen sonstigen Dienern der SED- Diktatur aus den Verwaltungen und Ämtern ….