Rainer Bonhorst / 15.05.2016 / 08:20 / 5 / Seite ausdrucken

Das war mit dem Pfingstwunder eigentlich nicht gemeint.

Hier zu Pfingsten mal 'ne blöde Frage: Gehört das Christentum zu Deutschland? Also gut: Die Frage muss man wirklich nicht stellen. Aber sie kann helfen, die andere, ständig diskutierte Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, etwas klarer zu beantworten. Denn beide Fragen verdienen deutlich unterschiedliche Antworten.

Nichts gegen den armen Herrn Wulff, der ja dem Islam die deutsche Ehrenstaatsbürgerschaft verliehen hat. Außer Zweifel steht aber doch, dass das Christentum bei uns schon ein bisschen länger zu Hause ist. Nicht ganz freiwillig, schließlich war Karl der Große auch der Sachsenschlächter. Und keineswegs friedlich. Wer nicht vorschriftsmäßig glaubte, war Jahrhunderte lang seines Lebens nicht sicher. Und es stimmt: Auch das Christentum hat einen Migrationshintergrund. Aber die Einwanderung geschah vor so langer Zeit und die Integration gelang so gründlich, dass die meisten Bilder unseren jüdischen Jesus als nordisch aussehenden Hippie zeigen.

Im modernen Deutschland und modernen Europa konnte das Christentum überleben, weil es sich mit der Aufklärung abfand, ja sogar anfreundete. Nähmen wir das alte und neue Testament auch heute noch als heiliges, wörtlich zu nehmendes Gesetz, es würden weiter Falschgläubige verbrannt, Glieder würden abgehackt und Frauen, dann ohnehin minderwertig, würden gesteinigt. Geschieht aber nicht mehr, dank christlicher Versöhnung mit der Aufklärung.

Hier wagen wir nun den Sprung zum Islam, der ja aus der gleichen Wüste stammt wie das Christentum. Niemand kann bestreiten, dass er bei uns ein Spätankömmling ist. Zwar gab es frühe Eroberungsvorstöße von rechts außen und von links unten. Aber die wurden wieder zurückgedrängt. Zu den Eingeborenen kann man den Islam nun wirklich nicht zählen. Historisch gehört der Islam nicht zu Deutschland.

Aber Millionen Moslems sind längst da und bleiben da. Auch von den Neuankömmlingen werden viele hier bleiben. Wie weit gehören sie zu Deutschland? Sie haben es selber in der Hand. Entscheidend ist, wie sie mit der Tatsache umgehen, dass in den Heimatländern ihrer Religion die Aufklärung verschlafen wurde. Viele Moslems haben hierzulande für sich ganz privat die Aufklärung nachvollzogen. Sie betrachten ihre Religion als Privatsache und nicht als Staatsraison. Sie sind wirklich in Deutschland angekommen. Sie gehören zu Deutschland und bereichern unsere Kultur.

Wir reden und reden und drücken uns vor simplen Wahrheiten

Andere stellen das alte Gesetzbuch aus der Wüste weiter über das deutsche Grundgesetz und wollen ihre aufklärungsfeindlichen Lebensmuster mit Macht durchsetzen. Die kommen unweigerlich mit unserem Grundgesetz in Konflikt. Moslems, die Hass auf ihre „Wahlheimat“ predigen, Moslems, die in den Flüchtlingsunterkünften ihre christlichen Mitflüchtlinge drangsalieren, und Moslems, die bei uns einen neuen Judenhass propagieren, die können wir doch nicht einfach gewähren lassen. Sie gehören nicht zu Deutschland

Ganz anders übrigens das Judentum. Es gehört seit ewigen Zeiten zu Deutschland und Europa. Juden waren zwar eine verfolgte und in Deutschland zuletzt abgeschlachtete Minderheit. Aber sie haben unsere Kultur und unsere Wirtschaft ganz entscheidend mitgeprägt. Sie haben viel ältere Rechte als die Moslems. Moslems sind die „new kids on the block“ und sollten sich entsprechend verhalten. So ist das nun mal im Leben. Wem das Wort Leitkultur nicht passt, der kann es auch etwas cooler auf englisch sagen: When in Rome do as the Romans do. Das bedeutet keinen Toga-Zwang, wohl aber höfliche Anpassung.

Das war's eigentlich schon. Hab ich etwas Neues gesagt? Absolut nicht. Es gibt nichts Neues. Es ist alles so einfach. Um das zu verstehen braucht man nicht mal die Mittelschule. Aber wir reden und reden, drehen uns diskutierend im Kreis und drücken uns vor simplen Wahrheiten. Wir reden in Zungen aneinander vorbei. Das war mit dem Pfingstwunder eigentlich nicht gemeint.

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Leserpost

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gabriele klein / 15.05.2016

Danke f. den interessanten Beitrag und dass Sie dieses wichtige Thema anschneiden. Die Prämisse Ihrer Argumentation teile ich allerdings nicht. Diese unterstellt die Aufklärung als eine separate Kraft die mit dem Christentum, das sich an ihr “die Hörner abstößt nichts zu tun hat. Dem dürfen wir widersprechen, die Aufklärung selbst verdankt sich dem Christentum. Der Kant’sche Imperativ ist nichts weiter als die weltliche Ausgabe des Herzstücks christlich Jüdischer Ethik, der Goldenen Regel,  die die Grundlage des Fortschritts ist und die eine Dimension hat die wir nur erahnen können, just in dem Maße als wir diesen ihren Boden unter den Füßen verlieren…. Ferner, die Greueltaten des Christentums sind mit der christlichen Lehre schlussendlich nicht zu vereinbaren. Daher die Revolten, die sich durchaus entlang den Linien der christlich - jüdischen Ethik bewegten d.h. diese schlußendlich nicht verließen.  Vermutlich ist das bei jeder Religion die die Gesellschaft maßgeblich prägt so. Revolutionen vollziehen sich just entlang jenes Denksystems das sie vorgeben zu negieren. Und, je nachdem welches Denk und Glaubenssystem eine Gesellschaft prägt scheinen mir auch die Revolutionen zu verlaufen. Man sollte daher von einer vom Islam oder auch sonstigen totalitären Systems geprägten Revolte nicht das gleiche erwarten wie von einer christlich geprägten…...Der Unterschied scheint mir in der Lehre zu liegen. In seinem brillanten und besorgniserregenden Buch: LA GUERRE CIVILE QUI VIENT (2016 ) und leider nicht übersetzt,  weist Ivan Rioufol, (Essayist d. Figaro) darauf hin, dass z.B. das Wort Liebe im Koran kein einziges Mal vorkommt, was mir zu denken gibt und fragen lässt ..... wo genau im Koran sich das Equivalent der dem Kantschen Imperativ zu Grunde liegenden Goldenen Regel befindet. Ich meine jene Regel die Menschen anderen Glaubens nicht von vornherein auf Grund der anders Gläubigkeit von dieser Regel ausschließt sondern nur jene die das Leben bedrohen und somit zur Notwehr zwingen. Zur Laizität des Staates: Auch dies im Grunde ein tiefreligiöser Zug, voll im Einklang mit dem 1. Gebot und dem Monotheismus im Grunde viel näher als jede Mission mit dem Schwert. Die religiöse Beziehung ist etwas höchst Privates und als FREIE ENTSCHEIDUNG gewollt. Für den Religiösen ist das Leben ein Test, den kein Zweibeiner für einen anderen Zweibeiner gar noch gegen dessen Willen lösen kann.  Ich stelle mir das ungefähr so vor wie in einer Schule. Jeder Lehrer wünscht sich ein perfektes Prüfungsergebnis als Bestätigung seiner Arbeit. Was er sich aber sicherlich nicht wünscht, ist dass nun sein bester Schüler hergeht und ihm zu Liebe eine Musterantwort auf seine Prüfungsfragen schreibt, diese sodann bei sämtlichen Mitschülern verteilt um sie zu zwingen, das geistige Eigentum des Primus als das eigene zu unterschreiben und so beim Lehrer abzugeben….... Ein echter Monotheismus der eine transzendente über alles erhabene Intelligenz unterstellt, führt unweigerlich zur Bescheidenheit eines Zweibeiners und dem absoluten Tabu, dem Andern vorzuschreiben wie er seine Religio zu leben hat. Dies letztlich vorzuschreiben wäre für einen echten Monotheisten,  dessen letzte Instanz kein Zweibeiner ist und sein kann eine Blasphemie….. Wer den Nächsten seiner selbst entfremdet um ihn zum Dienst an einer fremdbestimmten Wahrheit zu zwingen, wer sich dies erdreistet, der hat sich selbst auf den himmlischen Thron gesetzt und das ist Blasphemie in Reinform…. Um dies zu verhindern nahm sich der bescheidene Primus Jesus von Nazareth explizit vom Blasphemie Verbot aus. Er selbst verkauft sich nicht als eine über alles erhabene Transzendenz sondern verweist auf diese indem er vor ihr bescheiden zurücktritt….. Wovon das “Vater unser” zeugt.  Über ihn, so er selbst, mag man lachen… über das auf was er nur verweist, ohne ihm die eigenen Konturen aufzudrücken, allerdings nicht. Im Islam scheint mir das anders gelagert zu sein da auch Mohammed das Blasphemie Verbot anscheinend für sich beansprucht wovon sich Jesus explizit ausnahm. Gleichfalls hat Jesus keine Armee aufgestellt, Dann,  zum Thema Steinigung lesen wir im Neuen Testament: Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein….... Und, im alten Testament gibt es zwar harte Strafen,  sie werden bei genauer Betrachtung allerdings fast unmöglich, weil die auch dort geforderten Beweisvoraussetzungen von vornherein nur sehr schwer zu erbringen sind… Zusammenfassend: Weder das Alte noch das Neue Testament stießen sich an der Aufklärung die Hörner ab, sondern sie standen dieser “Aufklärung” Pate indem sie für gesellschaftliche Änderungsprozesse, ja Revolutionen sorgte die im Grunde entlang der Lehre verliefen, Revolutionen, die im Grunde nichts anderes zum Ziel hatten die Lehre die mit dem was tatsächlich gelebt wurde in Widerspruch geraten war, etwas ehrlicher umzusetzen….Hexenverbrennungen sind und waren noch nie Teil dieser Lehre sondern Auswüchse heidnischen Denkens das sich an der christlichen Lehre stieß.

Reinhard Lichti / 15.05.2016

Mein Eindruck ist, dass Herr Bonhorst das Wesen des christlichen Glaubens nicht ganz erfasst hat: Die Grundlage des Christentums ist die Bibel, darin das Neue Testament. Wenn es ein neues Testament (Vermächtnis) gibt, heißt das in der Regel, dass es auch ein altes Testament gab. Mit einer neuen Ausgabe wird im Allgemeinen eine ältere Ausgabe ungültig. So auch mit dem “Alten Testament”: Durch das “Neue Testament” des christlichen Gottes ist das, was im “Alten Testament” Gesetz war, durch neue Regeln ersetzt worden. Während im Alten Testament die Grundhaltung war “Auge um Auge, Zahn um Zahn”, ist für die Menschen des “Neuen Testaments” (auch Christen genannt) ein neues Denken als Richtschnur vorgegeben worden: “Liebe (achte) Deinen Mitmenschen wie Dich selbst!”. Damit ist das Alte Testament Geschichte: Es beschreibt die Vorgeschichte, als Handlungsvorgabe ist es durch das Neue Testament abgelöst worden. Auch war es nicht das Christentum, das sich mit der Aufklärung abfand, die Aufklärung ist ein Schritt der Umsetzung des Neuen Testaments in die gesellschaftliche Realität. Allerdings nur ein erster Schritt, aber immerhin stimmt die Richtung. Dass die Amtskirche dabei nicht unbedingt treibende Kraft war, steht auf einem anderen Blatt. Es zeigt aber, dass die Christenheit nicht aus Amtsträgern und Pöstcheninhabern besteht, sondern aus einer Gemeinschaft von Menschen, die versuchen, den Geist des Neuen Testaments zu leben und dabei wissen, dass Sie mit allen Fehlern und Irrtümern vor Gott bestehen können. Dass es eine große Gruppe Menschen auf der Welt gibt, die das nicht verstehen kann und lieber nach dem Grundsatz ihres Heiligen Buches “Und willst Du nicht mein (Glaubens-)Bruder sein, dann schlag ich Dir den Schädel ein” leben will, ist eine traurige Realität. Aber zu unserem Deutschland, zu unserer Kultur gehört diese Gruppe ganz bestimmt nicht!

Marie-Louise Haller / 15.05.2016

Sehr geehrter Herr Bonhorst, genau! Unser Land unsere Regeln! Aber das wird ja nicht gefordert, geschweige denn durchgesetzt! Es deprimiert unerträglich diese Bundesregierung, die nichts aber auch gar nichts kapieren will. Schöne Pfingsten. Gruß von Marie-Louise Haller

Christoph Behrends / 15.05.2016

“Es ist alles so einfach.”  Hilfe, da sind sie wieder, die “einfache Lösungen”, Populismus, wohin das Auge sieht… Nein, Ironie aus: Danke für die klaren Worte. Erkenntnisse der Neurobiologie oder der Kernphysik mögen nicht immer in wenige einfache Worte zu bringen sein. Weltanschauliche und empirische Wahrheiten sind jedoch keineswegs immer hochkomplex, während hochkomplexe Sätze leider oft nur schwer als Unwahrheiten zu entlarven sind. Danke, dass Sie hier immer wieder beides versuchen: einfache Wahrheiten auszusprechen und die komplexen Lügen zu widerlegen, um die Sprachverwirrung zu überwinden. Auch davon handelt übrigens Pfingsten: Eigentlich fremde Menschen beginnen einander wieder zu verstehen, wenn der menschengemachte sprachliche Klimawandel, die babylonische Sprachverwirrung dank des in der Bibel “heilig” genannten Geistes rückgängig gemacht wird.  In diesem Sinne: Frohe Pfingsten!

Thomas Weidner / 15.05.2016

Herr Bonhorts - dann sprechen Sie die Schizophrenie doch an: Der Großteil der muslimischen Migranten will den wirtschaftlichen Teil der Segnungen von Aufklärung und bürgerlicher Gesellschaft mitnehmen bzw. davon profitieren - dabei aber den Zusammenhang zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Fortschritt usw. einerseits mit Aufklärung, bürgerlichen Freiheiten usw. andererseits nicht wahrhaben geschweige denn akzeptieren.

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