Gestern lag in meinem Postfach die Einladung zu einer Podiumsdiskussion „mit Publikum“ in einem Ost-Berliner Theater. „Ausgehend vom Blick in die Vergangenheit soll es um die Gefährdung der Demokratie in der Gegenwart gehen. Sind wir auf dem Weg in eine neue (Nazi-)Diktatur?“ Mein erster Gedanke war: Es muss sich um eine Verwechslung handeln. Die Einladung sollte ganz bestimmt an Michel Friedman gehen, der seit Monaten durch die Republik tourt und genau davor warnt – einer neuen Nazi-Diktatur im Falle eines Wahlsieges der AfD in Sachsen-Anhalt oder Meck-Pomm. Neugierig geworden, las ich weiter. „Warum haben die extremen Rechten (nicht nur in Deutschland) einen solchen Zulauf? Wie und durch wen lässt sich diese Entwicklung stoppen? Ist ein Verbot der AfD angemessen und wirksam?“
Ich gebe zu: Ich weiß es nicht. Ich traue es mir nicht zu, darüber zu entscheiden, ob ein Verbot der AfD angemessen und wirksam sein könnte. Es könnte ja durchaus angemessen, aber nicht wirksam sein. Oder wirksam, aber nicht angemessen, wie der Einsatz eines Wasserwerfers gegen eine Handvoll kreischende „Omas gegen rechts“. Wenn man die Partei „auf Probe“ verbieten könnte, sagen wir für drei bis sechs Monate, wäre ich vielleicht dafür, aber so richtig endgültig, hmm, eher nicht.
Ich überlegte kurz, ob ich höflich absagen und mein Fernbleiben mit der Einladung zu einem anderen Event entschuldigen sollte, das am selben Tag terminiert war: die Eröffnung der neuen Geissen-Villa in Dubai mit Howard Carpendale als Ehrengast. Ich habe es nicht gemacht und die Einladung zu der Podiumsdiskussion still entsorgt.
Es den „Faschos“ mal wieder gezeigt
Mein Über-Ich allerdings machte weiter. Sind wir vielleicht doch auf dem Weg in eine neue (Nazi-)Diktatur? Wäre dieser Gedanke nur ein Phantom, würden dann Tausende von Menschen auf die Straße gehen und „Nie wieder ist jetzt!“ rufen? Nun, „dass der Widerstand gegen die Nazis umso stärker wird, je länger das Dritte Reich tot ist“, wie es Johannes Gross so treffend formuliert hat, dass die Antifa die Machtergreifung von 1933 mit über 80 Jahren Verspätung verhindern möchte und dafür auch Opfer in Kauf nimmt, das hat sich inzwischen herumgesprochen. Der „nachgeholte Widerstand“ ist eine Mutprobe mit einem Risikofaktor, der kaum größer ist als der, beim Schwarzfahren erwischt zu werden.
Eine Podiumsdiskussion mit Publikum ist der ideale Ort, an dem man „Betroffenheit“ demonstrieren und „Zeichen setzen“ kann, ohne sich aus dem Fenster hinauslehnen zu müssen. Zu Hause angekommen, hört man sich noch eine Runde „Feine Sahne Fischfilet“ an und geht danach mit dem Gefühl schlafen, es den „Faschos“ mal wieder gezeigt zu haben.
Der Zusammenhang zwischen dem Versagen der Großeltern und dem Gratismut der Enkelkinder ist offensichtlich und öfter beschrieben worden, als die rote Sonne bei Capri im Meer versinkt. Die neue Hymne der Antifa feiert den bevorstehenden Sonnenaufgang: „Palestine will be free, from the river to the sea!“ Erst wenn eines Tages die Fahne des Propheten über Jerusalem weht, wird die Antifa die Schmach überwunden haben, dass sie es nicht geschafft hat, Deutschland von der NS-Besatzung zu befreien.
Das Verhältnis der Antifa zum Faschismus ist libidinös aufgeladen
So weit, so klar. Es könnte aber noch etwas geben, das die Antifa an- und umtreibt. Nietzsche soll mal gesagt haben: „Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich.“ Das Verhältnis der Antifa zum Faschismus ist libidinös aufgeladen. Wie das eines Kindes zu seinem Vater, vor dem es Angst hat, den es aber zugleich verehrt. Warum sonst würden die Antifanten auf ihren Demos Fahnen schwenken, auf denen Hakenkreuze zu sehen sind, die von einer Faust „dekonstruiert“ werden. So kann man sich dem Objekt seiner Begierde auch nähern, Nähe und Abstand zugleich erleben.
Es gibt da eine historische Analogie. Die Nazis haben die Juden nicht nur gehasst, sie waren von ihnen auch fasziniert und suchten deren Nähe, studierten die Bräuche und Sitten der „Untermenschen“, reisten ihnen in das Heilige Land nach und träumten nicht nur von einem judenfreien Deutschland, sondern von einer Welt ohne Juden. Think global, act local!
So ähnlich agiert heute die Antifa. Bei ihren Demonstrationen gegen den Faschismus erwachen die alten Dämonen zu neuem Leben, wie Vampire, die nach Anbruch der Dunkelheit ihre Gruften verlassen, um Jungvampire zu rekrutieren.
Ein geniales Konzept!
Die Antifa verdankt ihre Konjunktur vor allem dem Umstand, dass es in Deutschland keine Partei, keine Bewegung und keine Strömung gibt, die das Prädikat „faschistisch“ verdienen würde. Antifa ohne Fa ist ein geniales Konzept! Höchster Output bei minimalem Input! Sympathisanten der Antifa finden sich sogar im Bundestag, wo sie mit ihren Forderungen gelegentlich für Heiterkeit sorgen, zum Beispiel: „Alle EU-Staaten sollten gemeinsam Konsulate in Grönland eröffnen und damit klar machen: Wir lassen uns nicht spalten.“
Nachdem ich vor vielen Jahren mit einer Bewerbung als deutscher Botschafter in Reykjavik gescheitert bin, überlege ich nun, ob ich mich für den Posten eines deutschen Konsuls in Nuuk, der Hauptstadt von Grönland, bewerben sollte.
Und was die House-Warming-Party bei den Geissens in Dubai angeht – ich meine, ich sollte mir die weite Anreise sparen und lieber an der Podiumsdiskussion teilnehmen, ob „wir auf dem Weg in eine neue (Nazi-)Diktatur?“ sind.
Könnte auch lustig werden.

„Nachdem ich vor vielen Jahren mit einer Bewerbung als deutscher Botschafter in Reykjavik gescheitert bin,“ – Als „Botschafter * in“ hätte es sicher geklappt, aber wenn man den Zeitgeist ibgnoriert, muß man halt mit der daraus folgenden Diskriminierung leben.
Darf ich noch meinen „Senf“ (braun) dazugeben? Linksfaschisten sind reinrassige Nazi’s. Warum? Einfach erklärt! National(e)-Sozialisten und internationale-Sozialisten sind Geschwister im Geiste. Wieviel Chiliasmus steckte im Nationalsozialismus UND Bolschewismus/Kommunismus/Sozialismus gleichermaßen, fragte Helmuth Kiesel? Die Antwort ist leicht zu finden! Im Übrigen bin ich der Meinung, „UnsereDemokratie“ führt geradewegs in die „Degeneriertere Demokratische Republik “ (NEU DDR)!
Ohne ICE in Berlin wird keiner von der Antifa den Heldentod sterben können. Wenn Maja in ein ungarisches Männergefängnis verlegt würde, könnte es noch was werden. Sonst bleibt nur versehentliche Selbstverbrennung beim heldenhaften Kabelbrandstiften gegen Rechts. Oder die Ostfront gegen „Putler“.
Um es mit Nietzsche zu sagen:Wer ständig den Drachen verfolgt, wird selber zum Drachen. Ich denke mal, man braucht ein Feindbild. Linke brauchen die Konservativen/Rechten zum Feindbild und umgekehrt. Politik ist ein heißes Pflaster. Die Gemüter gehen durch die Decke, sowohl die Profis, wie die Menschen, die nur auf die Politiker und Politik reagieren und in der Regel voreingenommen sind. Für die Linken soll es nicht nur die alten Nazis geben, es soll auch neue Nazis geben. Damit ihr Linkssein besonders berechtigt und notwendig erscheint, da die Konservativen, wie es bei den Linken heißt, mit den Nazis der AfD flirten. Das Linkssein selber hat historisch gesehen sehr viel Dreck am stecken, siehe Stalin, Mao Zedong, Rote Khmer, Stasi, Maueropfer usw. Aber was gibt es schlimmeres als Nazi zu sein? Der Nationalsozialismus stellte bis heute alles in den Schatten, selbst Stalins und Maos Terrorherrschaften. Deshalb macht man aus der AfD, die wiederauferstandene NSDAP, auch um von sich selber abzulenken. Man braucht halt Nazis um sich selbst und die linke Sache zu legitimieren bzw. umso mehr zu legitimieren.
@Thomin Weller
1) Ich bevorzuge den Blick in Originalquellen, zumindest zur Eichung/Plausibilisierung dessen betrifft, was andere mir erzählen.
2) In der Tat aus dem CD in CDU und aus dem FD in FDP kann man heute nicht mehr auf den Inhalt schließen.
3) Das Problem mit den Nazis war aber, dass sie ziemlich genau das gemacht haben, was sie angekündigt hatten. In der Tat, sie haben aus Opportunität auch nicht jeden Betrieb verstaatlicht und Großbesitzer (sofern nicht jüdisch) auch nicht automatisch enteignet. Sie haben auch auch nur 12 Jahre regiert (zum zeitlichen Vergleich: Merkel war 16 Jahre im Amt)
Der berühmte Satz von Höcke (Alles für..) ist übrigens unvollständig: Vollständig lautet die Parole (ich habe dazu eine Originalquelle) „Nichts für uns – alles für…“). Das hat mit Kapitalismus und Liberalisus auch in den weitesten Auslegungen nichts zu tun. Aber eben viel mit dem Sozialismus einer „Arbeiterpartei“.
Nun ist der Sozialismus ein fast noch schillernderer Begriff als der Liberalismus. Aber er war ein wichtiges Element (nicht das einzige) in dem widerlichen Sud aus Nationalismus, Okkultismus, Rassismus ( gespeist aus Darwinismus/Soziobiologie/Phrenologie („Listen to the Science“ ist man versucht zu sagen), Populismus, Überhöhung sowohl von Tradition als auch von Technologie. Dieses Gebräu war historisch wohl doch weitgehend einzigartig.
Insofern lässt sich das Ganze auch nicht auf „Rechts“ reduzieren (im Parlament saßen sie in der Tat ganz rechts), wie es von interessierter Seite gerne versucht wird. Genausowenig wird „Sozialismus“ dem Gesamtbild gerecht. Aber es war ein Element.
P.S. Es ist natürlich extrem schwer über Sachverhalte zu diskutieren, wenn man in einem Land lebt, in welchem bereits die Zitierung historischer Parolen oder der Bezug wichtiger historischer Originaldokumente schwergemacht wird. Und diese erkenntnisfeindliche Situation hat leider ihren Ursprung im linken Milieu.
Nein, lieber Herr Broder, laden Sie sich zwecks Erhalt Ihrer mentalen Gesundheit lieber bei den Geissens ein. Da werden Sie höchstens grün vor Neid, wenn Sie die opulente Ausstattung der Hütte besichtigen können. Lediglich die Hitze in Dubai (draußen vor dem Palais) könnte ihrem körperlichen Wohlbehagen abträglich sein. Um Ihrer physischen und mentalen Gesundheit willen würde ich vom Besuch der „Podiumsdiskussion“ abraten, denn wenn die Antifa und ihre palästinensischen Freunde Sie erkennen, müssen Sie wirklich die Beine in die Hand nehmen. Antifa, Palis und Juden, das passt irgendwie nicht
Die De-Industrialisierung der deutsche Wirtschaft befindet sich infolge der vielfältigen Krisen und Herausforderungen die die Altparteien zu verantworten haben auf dem Stand von 2019. Das bedeutet in Zahlen: Ab dem Jahr 2020 hat die Bundesrepublik einen Wertschöpfungsverlust von rund 940 Milliarden Euro erlitten, wenn man die Lücke berechnet, die sich aus dem verpassten Wachstum und der Stagnation ergibt. Das ergibt eine neu veröffentlichte Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft. Daniel Günther will Zensur entgegen §5 GG einführen und Björn Höcke will alles für Deutschland tun. Wer von Beiden begeht eine Straftat?Klar doch! Deutschland den Deutschen! Ist Nazi!!! Die DDR lebt, nur schlimmer als das Original.
M.G.