Gastautor / 15.06.2022 / 16:00 / Foto: Pixabay / 23 / Seite ausdrucken

Zinswende oder Euroende? Die EZB zwischen Pest und Cholera

Von Marc Friedrich. 

Die EZB erhöht die Zinsen, und zwar um 0,25 auf jetzt 0 Prozent. In der Vergangenheit bekämpfte man steigende Inflationsraten mit höheren Zinsen – doch die Währungshüter in Frankfurt starten lieber eine Verzweiflungstat.

Die Zinswende ist endlich da! Ist sie das tatsächlich? Nach elf Jahren schickt sich die EZB an, zum allerersten Mal wieder die Zinsen zu erhöhen, und zwar um 25 Basispunkte (=0,25 Prozent) auf – jetzt halten Sie sich fest – 0 Prozent. Kein Witz! Alleine diese Verzweiflungstat verdeutlicht, wie rat- und planlos die Währungshüter um Christine Lagarde in Frankfurt doch sind.

Sie haben weder der historisch hohen Inflation, noch den aktuellen Krisen etwas entgegenzusetzen. Die Munition wurde in den letzten Jahren komplett verschossen. Die  Finanzkrise, die Eurokrise und zuletzt die Coronakrise haben die EZB immer weiter in die Ecke gedrängt. Parallel hat man angefangen, auch Nebenkriegsschauplätze zu beackern, wie die grüne Transformation mit dem Green Deal. Die Antworten auf jede dieser Krisen waren immer dieselben: Gelddrucken und Zinssenkungen. Die Klaviatur wurde ins Extreme inflationär ausgespielt. Endergebnis: Durch das stetige Gelddrucken hat sich die Bilanz der EZB auf gigantische 8,81 Billionen Euro aufgebläht, was circa 84 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) der Eurozone entspricht.

Das Resultat ist eine historisch hohe Inflationsrate von 8,1 Prozent in der Eurozone sowie dass 40 Prozent der Staatsschulden in der Bilanz der EZB liegen. Parallel haben sich die Regierungen bis zur Halskrause verschuldet und benötigen die Inflation mehr als es der EZB recht ist, um ihre Schulden wegzuinflationieren – auf Kosten der Bürger. Denn sie sind es, die die Zeche durch steigende Preise zahlen, weil den Bürgern in der EU damit parallel die Kaufkraft immer weiter genommen wird.

Über 35 Prozent an Kaufkraft verloren

Hand in Hand ist die Vermögenspreisblase mit der Bilanz der EZB in den letzten Jahren gestiegen. Aktien, Oldtimer, Kunstwerke, Immobilien usw. sind in Euro weiter angeschwollen. Dies spiegelt lediglich den Kaufkraftverlust wieder. Wer sich zum Beispiel vor zehn Jahren eine Immobilie gekauft, bekommt nun doppelt so viele Papierscheine für dasselbe Objekt – ob renoviert oder nicht. Die Immobilie ist weder auf die doppelte Größe gewachsen, noch hat sich das Grundstück in seiner Größe verdoppelt, sondern es verdeutlicht lediglich, dass sich die Kaufkraft der Papierscheine der EZB im Wert halbiert haben und wir alle de facto Kaufkraft verloren haben. Seit Einführung des Euros 2001 hat der Euro offiziell laut Statistischem Bundesamt über 35 Prozent an Kaufkraft verloren.

Nimmt man aber einen objektiveren Gegenwert heran, wie zum Beispiel den Goldpreis, sind wir bei über 90 Prozent Kaufkraftverlust, was der Realität doch einiges näher kommt, wenn man sieht, wie sich die Immobilienpreise, Aktienmärkte usw. entwickelt haben. Die EZB hat damit planwirtschaftlich, sozialistisch organisiert die Reichen reicher gemacht und die Mittelschicht ärmer. Wir haben nichts anderes gesehen, als den von mir prognostizierten größten Vermögenstransfer in der Geschichte der Menschheit von unten, der Mitte und oben nach ganz, ganz oben in die Hände immer weniger. Dies ist der Cantillon-Effekt, der leider wie geschmiert funktioniert. Die geradezu lächerlich anmutende Zinserhöhung der EZB, die zaghaft und unsicher wirkt, wird weder der 8,1 Prozent Inflationsrate, noch der Schuldenlast gerecht.

Südeuropa darf nicht kippen

Wie immer hat die EZB zu spät und zu zaghaft reagiert. Sie kann die Zinsen gar nicht markant erhöhen, da sonst die Südstaaten Europas der Reihe nach umkippen würden. Die EZB steckt in der Zwickmühle zwischen der Bekämpfung der Inflation oder den Euro sowie die Südstaaten Europas zu retten und am Leben zu erhalten. Alles zusammen geht nicht. Es bahnt sich schon die nächste große Krise an.

Ein Blick auf die Staatsanleihen im Euroraum verdeutlichen das Dilemma: Schon jetzt klaffen die Staatsanleihen wieder weit auseinander. Italien muss aktuell 2,5 Prozent mehr Zinsen am Kapitalmarkt für neue Schulden berappen als Deutschland. Für ein Land mit einer Schuldenquote von nahezu 150 Prozent zum BIP ist jeder Prozentpunkt schmerzhaft.

Die EZB befindet sich im Endspiel

In Deutschland sehen wir ein 50-Jahres-Hoch der Inflationsrate mit 7,9 Prozent. Dies alles auf den Krieg in der Ukraine zu schieben, ist zu einfach. Schon davor hatten wir deutlich über 5 Prozent Inflation. In dieser Tabelle kann man gut erkennen, wie hohe Inflationsraten in der Vergangenheit mit steigenden Zinsen bekämpft wurden. Dieses Mal hat die Europäische Notenbank das Problem, dass der Zins bei 0 Prozent ist und damit der Spielraum der EZB in Frankfurt mehr als eingeschränkt ist.

Aber dies ist nicht das einzige Problem: Denn wir haben zusätzlich noch Krieg in Europa, die Kollateralschäden der Corona-Krise wie zum Beispiel kaputte Lieferketten, eine drohende Rezession und Lockdowns in China sowie eine Energiekrise, die teilweise durch eine falsche Energiewende selbst verursacht wurde. All das spricht für eine große Krise. Die EZB muss sich also nun entscheiden zwischen Pest und Cholera: Bekämpft sie die Inflation und beendet damit das Währungsexperiment Euro und schickt die Zombiestaaten in den Bankrott oder rettet sie diese und riskiert eine Hyperinflation. Egal wie man es dreht und wendet, beides führt zum gleichen Ergebnis: das Ende des Euros!

 

Marc Friedrich ist Bestsellerautor und Finanzexperte. Sein neuer Bestseller war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2021: „Die größte Chance aller ZeitenMehr Informationen unter friedrich-partner.de sowie bei YouTube.

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Leserpost

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Sam Lowry / 15.06.2022

Im Gegensatz zu vielen anderen kaufe und esse ich wirklich sehr wenig. An einigen Tagen sogar gar nichts. Daher würden mich meine unkaputtbaren Vorräte sicher über 2 bis 3 Monate retten. Aber dann wäre es ja immer noch nicht besser, sondern noch viel schlimmer als vorher… und dann?

Elias Schwarz / 15.06.2022

Und das interesaanteste ist: Schuld ist der Klimawandel. Und der dumme Wähler glaubt. Und freut sich.

W. Renner / 15.06.2022

Wieso zwischen? Die EZB ist Pest UND Cholera in einem. Und der Robert sackt sich den „Rabatt“ ein um Deutschland in einen Vogelschredderpark zu verwandeln.

Steffen Huebner / 15.06.2022

Bei 8,1 Prozent Inflation (+)  nur mit 0,25 Prozent auf Null - Soll das ein Witz sein oder ist das ein Rundungsfehler?

Thomas Brox / 15.06.2022

“Die EZB hat damit planwirtschaftlich, sozialistisch organisiert die Reichen reicher gemacht und die Mittelschicht ärmer.” Das ist populistischer Quatsch. Die Reichen sind rein numerisch reicher geworden, weil sie Sachwerte besitzen, und der Euro durch das inflationäre Gelddrucken der EZB ENTWERTET wurde - genau das beweist ja der Artikel. Bald sind auch Rentner und die produktiv tätige Bürger “reich”. Allerdings wird das Einkommen im Dummland progressiv versteuert (Stichwort: Kalte Progression). ++ Mit dem inflationär erzeugten Geld wurden fast ausschließlich wertlose Staatsanleihen gekauft: 2020 hat die EZB z.B. 96% aller Staatsanleihen der Eurozone erworben!! Die Profiteure sind: (1) Die überdimensionierten, parasitären Staatsapparate der Eurozone mitsamt dem EU-Behördenapparat. (2) Die unproduktiven Sozial-Asyl-Sektoren (inclusive viel zu frühe Verrentungen in den Südstaaten und generell viel zu hohe Pensionen). (3) Hirnrissige planwirtschaftliche Projekte wie die deutsche Energiewende oder der “Green Deal” des EU-Beamtenapparates. ++ Die nächste Wahrheit: Unter dem rot-grünen Regime ist Deutschland zum Südstaat geworden. In der Eurozone ist im Mittel der Staatsanteil am BIP > 60%. Der unproduktive Staatssektor ist riesig und wuchert ungebremst weiter, die Überalterung der Gesellschaft ist ein weiteres enormes Problem. Die Eurozone läuft unaufhaltsam in den Sozialismus. Die effektivste Form der Enteignung - neben extrem hohen Steuern und Abgaben - ist die Inflation. Die fetten Staatsapparate werden dadurch ihre gigantischen Schulden auf Kosten der produktiven Bürger elegant los. ++ Fazit: Die Inflation wird viele Jahre weitergehen. Für den gut bewaffneten Beamtenapparat ist es ein leichtes aufmüpfige Bürger in Schach zu halten. Die Eurozone wird zu einem riesigen Venezuela. Eventuell könne sich noch einige Randstaaten retten.

Detlef Rogge / 15.06.2022

Hyperinflation 1923 und Währungsreform 1948, Großeltern und Eltern finanziell ruiniert. Warum die schöne Tradition denn unterbrechen? Ich Trottel hatte schon die Hoffnung, das nicht mehr erleben zu müssen. Wenigstens versuchen, jetzt noch den ganzen Zaster zu verballern, wer nichts mehr hat, kann nichts verlieren. Altersvorsorge, nicht mit mir, ins Pflegeheim nur noch als Sozialfall. Über all dem Spott nicht vergessen, die Inflation ist Menschenwerk, Merkel gehört hinter Schloß und Riegel.

N.Lehmann / 15.06.2022

Bei Pest und Cholera hilft die ffp3Maske?! Lauterfurz, der weiße Engel, sollte mal sein Allwissen der EutopiaZensusBoostergroup zur Verfügung stellen, dann ist Schluss mit Zinswendeln! Hatte Kohl den Bundes-Deutsch^innen (den Blödschafen von damals) nicht versprochen, mit dem Teuro braucht man nicht mehr in der Badehose DM wechseln. Hat geklappt, bald gehen alle Nackisch!

Sam Lowry / 15.06.2022

Wirklich 8 % Inflation? Geht nächste Woche mal einkaufen, tanken, Gasrechnung zahlen… das ich nicht lache… (liegt daran, dass ich pleite bin).

Bernhard Freiling / 15.06.2022

Nur der € führt zu den Vereinigten Staaten von Europa. Da können Sie wünschen und unken und beschwören, so viel Sie mögen: Der € wird nicht untergehen und die VSE werden kommen. Je schlechter es dem € geht, umso schneller. # Nur so ganz am Rande: 2018 kostete die Unze Feingold um die 1.200 €. Wie sah es denn da mit dem “Wertverlust” gegenüber dem “objektiven Gold” aus? Gold ist eine “Versicherung” aber ganz sicher auch eine hochspekulative Anlage.

D. Schmidt / 15.06.2022

Der Witz ist ja. Die verpeilten Anleger bei Aktien und Bitcoins strömen jetzt in Massen aus ihren Anlagen um dann festzustellen das die Leitzinserhöhung der EZB oder FED keinen Cent mehr ins Portemonnaie spült. Alles getriebene Paniker die am Ende wieder Aktien und Bitcoin kaufen werden. Hätten sie es doch bleiben lassen bei solch Aussichten. Mit solchen Angsthasen ist kein Blumenstrauß zu gewinnen.

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