Henryk M. Broder / 13.12.2016 / 18:33 / 2 / Seite ausdrucken

Zimmer frei für Frank und Gerald

Es steht nicht mehr 1:0 für Scholz, Hensel, Kahane & Friends. Bei unseren Freunden ist die nackte Panik ausgebrochen. Bei Scholz & Friends tut man so, als gäbe es Gerald Hensel da gar nicht. Dabei ist es gerade mal ein paar Tage her, dass sich das „Team von Scholz & Friends“ hinter seinen „Digital Boy“ des 21. Jahrhunderts gestellt und ihm ewige Treue geschworen hat.

Liebe Facebook-Community,

ganz schön was los bei uns in den letzten Stunden. Wir möchten zunächst mal kurz darauf hinweisen, dass die Aktion #keingeldfürrechts die private Initiative unseres Mitarbeiters Gerald Hensel ist. Also seid Ihr hier an der falschen Adresse. Und wer glaubt, dass er indirekt bei uns Druck aufbauen kann, damit wir diesen dann an einen Friend weitergeben, kennt unsere Agentur nicht. Zu #keingeldfürrechts kann man unterschiedliche Meinungen haben. Aber wir überlassen das jeder Privatperson und auch jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter bei uns, sich diese selbst zu bilden. Was wir grundsätzlich toll finden: Friends, die sich engagieren und die Meinung und Haltung mitbringen. Und gerne darüber streiten. Dann sind sie richtig bei Scholz & Friends. Das gilt für Gerald und zum Glück auch für ganz viele andere Friends.

Euer Team von Scholz & Friends

Hensel selber, der gerade noch im Namen von „Bürgern, Agenturen, Industrieunternehmen“ angetreten war, „unsere Institutionen gegen den Ansturm der Neuen Rechten“ zu verteidigen, kann nicht mal seine eigene FB-Seite halten. Er hat alle Einträge der letzten acht (!) Jahre gelöscht. Was sehr schade ist, denn damit geht viel Anschauungsmaterial verloren. Ein Glück, dass wir das Wichtigste haben. Seine „davaidavai“-Seite, über der ein Sowjetstern leuchtet, gibt es nur noch passwortgeschützt für einen kleinen, exklusiven Kreis von adipösen Altstalinisten.

Und was macht Anetta Kahane, die Chefin des Amadeu-Antonio-Projekts? Sie haucht der alten SED-Parole „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“ neues Leben ein, indem sie bergab auf Leerlauf schaltet. Ihre Seite „netz-gegen-nazis.de – Mit Rat und Tat gegen Rechtsextremismus“ gibt es noch immer, aber der ganze saure Schmand über Achgut.com ist verschwunden – wisch und weg. Stattdessen gibt es einen aufregenden „Jahresrückblich 2016“, der sich mit der Lage in Schleswig-Holstein beschäftigt.

Bleibt nur einer, der nicht mitbekommen hat, dass sich der Wind gedreht hat, Frank Zimmer, Redaktionsleiter der Branchenblattes „werben & verkaufen“. Gestern hat er einen Kommentar über die Achse des Guten geschrieben: „Wie sich ein Blog zu Tode empört“ und damit, ohne es zu wollen, seinem Freund Hensel einen Bärendienst erwiesen. Die Achse, schreibt Zimmer, „ist nicht rechtsextrem, sie ist keine Nazi-Seite, keine Pegida-Plattform und vielleicht noch nicht einmal AfD-nah“, aber „sie disqualifiziert sich selbst, wenn sie ihren Kritiker Gerald Hensel... als ‚Schmock’ beschimpft, ihn in die Nähe des Stalinismus rückt, Hitler-Vergleiche zieht und eine Verschwörung von Scholz & Friends und Bundesregierung andeutet“. 

Niemand muss sich die Mühe machen, Hensel in die Nähe des Stalinismus zu rücken. Das besorgt er selbst, indem er unter dem Schlachtruf „davaidavai“ und einem Sowjetstern auftritt. Was soll das sonst sein, wenn nicht Stalinismus? Ein Bekenntnis zu den Werten der christlichen Pfadfinder? Ich habe keine Hitler-Vergleiche gezogen, sondern nur höflich darauf hingewiesen, was offensichtlich ist: dass Hensels Empfehlung, „rechte“ Medien zu boykottieren, mich – und nicht nur mich – an den Boykott jüdischer Geschäfte im Jahre 1933 erinnert. Der wurde auch im nationalen Interesse ausgerufen und damit begründet, dass man eine Gefahr abwehren müsse. Was den „Schmock“ angeht, als den ich ihn beschimpft haben soll, da hat Zimmer recht. „Schmock“ ist noch viel zu nett, ich hätte Hensel einen „Potz“ nennen sollen. Und schließlich habe ich keine „Verschwörung“ zwischen Scholz und der Bundesregierung angedeutet, sondern nur festgestellt, dass die eine Firma für die andere arbeitet. Setzen Zimmer! Thema verfehlt!

Aber das ist noch nicht alles. Obwohl die Achse „nicht rechtsextrem, keine Nazi-Seite, keine Pegida-Plattform und vielleicht noch nicht einmal AfD-nah“ ist, „bejahe“ er, Frank Zimmer, Redaktionsleiter von „werben & verkaufen“, die Idee, Werbungtreibende davor zu warnen, auf einer solchen Seite zu inserieren. Das sei „legitim“. Denn: „Eine polemische, aggressive, Menschen herabwürdigende Seite ist kein Gewinn für Medienpläne und kein Umfeld für seriöse Marken“. Und was polemisch, aggressiv, Menschen herabwürdigend ist, entscheidet Frank Zimmer nach Rücksprache mit Gerald Hensel.

Die beiden sind ein Herz und eine Seele, dazwischen passt kein Blatt Papier. „Frank, darf ich du sagen?“ zwitschert Hensel an Zimmer, „es ist schwer seine Emotionen heute zu kontrollieren. Ich bin superfehlbar und dankbar für jedes konstruktive Feedback. Ich habe meinen Fehler korrigiert. Die Abschlusszeile in deinem Text war fast so schön wie ein anderer Text von gestern“.

Worauf Frank Zimmer zurückzwitschert: „Gerne, Gerald. Und wenn ich ein bisschen emotional werden darf: Der Text von Broder ist widerlich.“

P.S. Ich möchte kein bisschen emotional werden, aber diese beiden Miniaturen will ich Ihnen, liebe Leser, nicht vorenthalten.

Polemik ist sein Geschäft, er lebt davonEs stimmt, dass Herr Hensel die Achse am 24. November im Kontext mit Rechtspopulismus erwähnt hat. Es stimmt aber auch, dass er eine Woche später - als seine Aktion konkret wurde - die Achse und Tichy als "gemäßigt" bezeichnet und explizit nicht auf seine Liste gesetzt hat. Das wiederum hat Herr Broder in seinem Artikel verschwiegen, weshalb ich seinen Text für manipulativ und unaufrichtig halte. Mir ist klar, dass Broder so brachial auftreten muss - Markenkern und so. Polemik ist sein Geschäft, er lebt davon. Aber er darf sich nicht wundern, wenn sich manche Leser und manche Werbekunden von dieser Methode und diesem Stil distanzieren. Frank Zimmer, Chefredakteur von W&V.

Reisen in den vermeintlichen Schurkenstaat​. Im Sommer 2012 lernte ich beim Umzug nach Berlin einen jungen Mann kennen, der mit mir ein gemeinsames Interesse teilte: Nordkorea. Ronny war Student in Berlin, äußerst kreativ und war gerade dabei mit seinem Freund André ein Reisebüro in genau dieses mysteriöse Land in Nordostasien aufzubauen. Ronnys Leben endete tragischer Weise im Sommer 2014. André übernahm Pyongyang Travel und ist immer noch aktiv dabei, Reisen in den vermeintlichen Schurkenstaat anzubieten. Ein gefundenes Fressen für davaidavai. Denn wenn mein Blog irgendetwas toll findet, dann sind es schräge Marketingkonzepte. Gerald Hensel auf davaidavai.com im März 2015. Lust bekommen? Wer von euch Interesse an einer Tour durch die Demokratische Volksrepublik Korea gefunden hat, dem sei Pyongyang Travel wärmstens ans Herz gelegt.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

JF Lupus / 14.12.2016

Lieber Herr Broder, was, bitteschön, ist ein “Potz”?? Als Schimpfwort mir völlig unbekannt, und ich bin diesbezüglich sehr wissbegierig ;-)

Volker Rubach / 14.12.2016

Ich bin sehr überrascht, welch hohe Wellen dieser Vorfall schlägt. Beobachtet man bei Facebook die Bewertung von “Scholz & Friends” die letzten Tage, dann ist es eine steil Kurve nach unten - von 5 auf 2 Sterne innerhalb von 72 Stunden ist mit einer mittelgroßen Tsunami-Welle vergleichbar.  Da retten die wenigen “positiven“ Posts auch nicht den Absturz. Und ich gehe davon aus das neben dieser schmerzlichen Entwicklung, sicherlich auch der Image Schaden nicht unerheblich ist. Denn glauben “Scholz & Friends” wirklich, dass dieser Vorfall nicht inzwischen auch in Wirtschaftskreisen zur Notiz genommen wird? Ich habe nämlich auch gelesen, dass es neben der vielen Bewertungen bei Facebook, Bürger auch Mails an Unternehmen geschrieben haben sollen, die “Scholz & Friends” als Agentur beauftragt haben und bei den Unternehmen ihren Unmut über dieses “undemokratische“ Verhalten kund getan haben. Es bleibt abzuwarten, wie große Unternehmen wie “Coca Cola“, “Opel“ oder “Die Bahn“ auf diese Mails reagieren.

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Henryk M. Broder / 09.08.2020 / 11:00 / 94

Endlich Frieden zwischen den Konfessionen!

Alle drei Jahre verleiht die Stadt Ausgburg anlässlich des Hohen Friedensfestes den mit 12.500 Euro dotierten Friedenspreis. Gestern wurde bekannt gegeben, wen es heuer erwischt…/ mehr

Henryk M. Broder / 04.08.2020 / 10:58 / 148

Steinmeier sorgt vor

Er sei "froh in einem Land zu leben", sagt Frank-Walter Steinmeier, "in dem sich so viele Menschen von Vernunft, Verantwortungsgefühl und Solidarität leiten lassen". Allerdings…/ mehr

Henryk M. Broder / 02.08.2020 / 16:00 / 49

Dieter Nuhr, die DFG und die historische Rolle der Juden im Sexhandel

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat ein Statement, um das sie Dieter Nuhr gebeten hatte, nach heftigen Protesten aus Kreisen der linken Volksgemeinschaft von der DFG-Seite gelöscht. Die…/ mehr

Henryk M. Broder / 02.08.2020 / 08:36 / 83

Thilo und die Gene. Oder: Was kiffen die alle?

Vor zwei Tagen wurde Thilo Sarrazin wegen "parteischädigenden Verhaltens" aus der SPD ausgeschlossen. In wenigen Tagen sind es zehn Jahre her, dass sein Buch "Deutschland…/ mehr

Henryk M. Broder / 31.07.2020 / 10:00 / 52

Bedeutende Denkerinnen und Denker des 21. Jahrhunderts: W. B.

Der ehemalige Direktor des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung, Wolfgang Benz, hat gestern dem DLF ein Interview gegeben, in dem er erklärt, warum es falsch sei,…/ mehr

Henryk M. Broder / 26.07.2020 / 14:00 / 107

Natalie Amiri wünscht sich was

Ein inzwischen 93 Jahre alter ehemaliger SS-Wachmann im KZ Stutthof bei Danzig wurde wegen Beihilfe zum Mord in 5.232 Fällen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung…/ mehr

Henryk M. Broder / 25.07.2020 / 12:00 / 65

Happy Birthday, lieber Zentralrat!

Zum 70. Jahrestag der Gründung des Zentralrates der Juden in Deutschland, der Dachorganisation von über 100 jüdischen Gemeinden in der Bundesrepublik, gab der Vorsitzende des…/ mehr

Henryk M. Broder / 24.07.2020 / 13:00 / 45

Sprechstunde bei Frau Dr. Wetzel

Wir haben an dieser Stelle das segensreiche Wirken der auf Antisemitismus-Forschung spezialisierten Berliner Historikerin Dr. Juliane Wetzel mehrfach gewürdigt, wir haben sie sogar versehentlich zur…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com