Wolfgang Röhl / 01.05.2014 / 11:25 / 0 / Seite ausdrucken

Zimmer 101

Hätte ich die Gewohnheit, nachts schreiend und schweißgebadet aufzuwachen, dann würde ich nach Ursachen fahnden. Was könnte meine Albträume befeuern? Die Vorstellung, dass ich seit drei Jahren auf einer einsamen Insel unter einer zerzausten Palme hocke, neben mir nur eine abgenagte Fischgräte und Sibylle Berg? Dass ich, wie Hannes Jaenicke, verdammt wäre, Gespräche über Ethik & Werte mit Uli Wickert zu führen? Oder muss ich andauernd die Urszene des deutschen Subventionstheaters durchleiden, in welcher unbekleidete und zumeist nicht sehr attraktive Schauspieler_Innen in Bühnenecken kopulieren, defäkieren resp. Aborte haben und das Ganze als Adaption von „Ein Sommernachtstraum“ ausgeben?

Schlimmer. Es wäre vermutlich so was wie Zimmer 101. Ich kenne meinen Orwell. Zimmer 101 enthält den schrecklichsten der Schrecken, welcher einem Menschen eingejagt werden kann. Für Winston Smith sind es Ratten. Für mich ist es die Vision, an einen Stuhl gefesselt dem semantischen Dünnpfiff von Roger Willemsen in Endlosschleife ausgeliefert zu sein. Probe gefällig? Keine Angst! Sie können die Tortur jederzeit abbrechen. Da ist kein O’Brien, nirgends.
http://www.zeit.de/2014/12/willemsens-jahreszeiten-fruehling

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