„Angela vom anderen Stern. Merkel, der Superstar, der alle Starklischees überwand. Die absurde Karriere einer hoffnungslos überschätzten Dilettantin, die aus jedem Handicap einen Glamourfaktor machte. Ihr Spitzenplatz in US-Rankings der Topmagazine wurde zum Abonnement über Jahre. Ihre Rechtsverstöße mehrten ihren Ruhm. Jeder ihrer spektakulären Regelbrüche wurde unter Merkels Deutungsanweisung zum humanitären, ökologischen oder friedensstiftenden Sieg erklärt. Das Talent der Laien-Politikerin führte sie im politischen globalen Business auf den idealen Platz: zur Symbolpolitik.“
Wer noch immer Nachhilfe braucht beim Merkel-Bashing, ist hier richtig. Hell hath no fury than Gertrud Höhler: Die hat ihr Merkel-Trauma noch immer nicht verwunden und stimmt in ihrem jüngsten Buch ein Requiem auf die bereits ins Globale entrückte Kanzlerin an.
Boshaft kann die Höhler. Vernichtend auch. „Nichts, was (Angela Merkel) anfasste, wurde vollendet.“ Sie agiere „intransparent und entscheidungsscheu“, werde „mit den Mitteln der Demokratie die Demokratie überwinden“, und gerate „bei ihren amokhaften Ausbrüchen in Richtung Intensivtäterin“ zur „Rechtsbrecherin“. Puh. Merkel erledigt? Noch lange nicht.
Abräumen demokratischer Standards
Die Kanzlerin setze „auf Omnipräsenz, um den Eindruck der Omnipotenz zu erwecken“, betreibe nichts als Symbolpolitik, aber auch schon mal, wie in Griechenland, Kolonialpolitik. Die „Verächterin des Parlamentarismus“ trotte „wasserdicht durch ihre Geschichtssekunden“, doch wehe, wenn Merkel-Herrschaft und grüne Ideologie sich zusammentun! Dann „wird im Schlafsaal Rasen gemäht, und die Weltöffentlichkeit geht zur lange vernachlässigten Tagesordnung über, ohne Deutschland.“
Gertrud Höhler bricht sämtliche Stäbe über der Kanzlerin, vom Mikado bis Kantholz. Merkel betreibe die „Entmachtung des Rechtsstaates“, setze Recht, indem sie geltendes Recht ignoriert, sei eine Pioniergestalt beim Abräumen demokratischer Standards. Ihr Projekt: „die Ablösung der Demokratie durch eine internationale Weltregierung vorzubereiten“. Ausräumen, umräumen, abräumen!
Kurz: Merkel, der Superstar, ist „eine Regentin mit autistischen Zügen“, ihr Erfolg „die absurde Karriere einer hoffnungslos überschätzten Dilettantin, die aus jedem Handicap einen Glamourfaktor machte.“ „‘Merkel was here‘ singen die deutschen Wälder“: Das Wild ist erlegt. Jagdsignal Hirsch tot.
Wenn Bücher töten könnten!
Gegen Höhlers Wutausbruch war mein Bekenntnis von 2011, mich im Falle Angela Merkels zu ihren Gunsten geirrt zu haben, ein laues Lüftlein. Also immer feste druff, gnädige Frau! Ich bin dabei! Aber hätte es dafür ein ganzes Buch gebraucht?
Die Professorin kontert Merkels eher schlichte Sprache mit enormer Wortgewalt, da rollt jeder Satz wie eine Lawine zu Tale und erschlägt die paar triftigen Gedanken, die unterwegs aufkreuzen. Irgendwann schwindet das Vergnügen an inhaltlich identischen Boshaftigkeiten in variierendem Sprachspiel. Ein Drittel der 351 Seiten hätte auch genügt und seinen Zweck erfüllt: das Requiem auf eine Kanzlerin zu sein, die zur Abrissbirne Deutschlands geworden ist.
Denn in vielem hat Gertrud Höhler ja recht. Nur fehlt es ein wenig an analytischem Unterfutter – Höhler beruft sich da, wo sie erklären müsste, am liebsten auf die eigenen vergangenen Werke, die hier noch einmal in den Brei gerührt werden.
Angela Merkel kommt aus der DDR, hat also gelernt, dass alle Regelwerke vergänglich sind? Gewiss, das erklärt womöglich die Leichtigkeit, mit der sie darüber hinweggeht. Sie will ein neues Menschenbild? Sicher, das wollen die meisten Globalisierer. Schon in der DDR war der Kampf gegen Rechts Priorität? Stimmt, daraus hat allerdings nicht nur Merkels CDU gelernt.
„Zukunftsagentin auf einer Epochenfuge“
Über Höhlers Hauptthese aber ließe sich sinnvoll reden, wenn sie mehr als eine These wäre: Angela Merkel sei mit dem Oberteufel der digitalen Götterwelt im Bunde, als den Höhler Mark Zuckerberg enttarnt hat, und das gemeinsame Ziel sei eine „multipolare Weltordnung, die ökonomisch nicht mehr Marktwirtschaft und in ihren ethischen Standards nicht mehr demokratisch sein wird“. Adieu, kulturelle Differenzen und Nationalstaat.
Die zunehmende Überführung der Bürger in Sozialstaatsabhängigkeit kann man gewiss als Indiz dafür nehmen, ebenso den Angriff auf ursprüngliche Solidaritätsformen wie die Familie. Damit sind wir aber noch nicht beim Menschen als digitalem Datenträger angelangt, zumal der Kampf um kulturelle Identität oder gar die Beliebtheit des Nationalstaats weltweit, außer in Deutschland, zugenommen hat. Und warum Zuckerberg, warum nicht Jeff Bezos?
Egal. Angela Merkel als „Zukunftsagentin auf einer Epochenfuge“, die uns „präpariert für die Übernahme durch Maschinen ohne Seele“, ist auf jeden Fall eine eindrucksvolle These. Leider schnurrt sie zum Schluss zusammen wie das ganze Werk. Denn wer oder was steckt hinter dieser sinistren Figur, die einen „hohen Verschleierungsbedarf“ hat, derweil sie derart Weltumstürzendes anstrebt? Mark oder Jeff oder ein Algorithmus? Achwas. Eine Büroleiterin namens Beate Baumann, BBB also, sie ist „die dunkle Seite der Macht“. Der Beweis: eine in die Jahre gekommene Reportage aus dem „Stern“. Recht haben wir also, wenn wir uns vor solcher Frauenpower fürchten...
Kurz: Das Buch enthält ein paar starke Aussagen, verloren in einer wolkigen Suada, garniert mit ein paar englischen Blähwords aus der Unternehmensberaterszene. Vor allem aber fehlt der Analyse das, was viele Bürger in Deutschland womöglich am meisten interessiert: Wie sich das Agieren der so trefflich abgewatschten Kanzlerin auf das eigene Leben auswirkt, kurz: Wer den Preis zu bezahlen hat. Das scheint die eine ebenso wenig zu interessieren wie die andere.
„Angela Merkel. Das Requiem“ von Gertrud Höhler, 2019, Berlin: Ullstein, 351 Seiten, hier bestellbar.
Beitragsbild: Pixabay

@Ulla Kröger "... Konklusionen dieser Autoren um einges vernichtender ausfallen werden..." ja, bezüglich der deutschen Wähler, welche dieses ganze Fiasko ja überhaupt erst ermöglicht haben. Die Deutschen verkriechen sich ja gerne hinter dem Rockzipfel "des Anderen", welcher Schuld sei - aber in Tat und Wahrheit sind es allein die Deutschen selbst, und nicht ihre Politiker, welche dieses - und auch das Hitler-Desaster - ermöglicht und befördert haben. Die Politiker fungieren dabei lediglich als Delegierte, welche den Wählerwillen ausführen.
Frau Höhler hatte das Unheil schon sehr früh benannt. Dafür gebührt ihr absoluter Respekt. Kaum jemand hat ihr geglaubt oder das ernst genommen. Viele hielten das für übertrieben oder abstruse. Tja, sie hatte mehr als recht. Dafür wird man im Allgemeinen nicht geliebt. Eine tolle Frau.
Merkel kommt nicht aus der DDR. Na ja, nicht nur. Aus der DDR kommen viele. DDR kommt aus dem "Vaterhaus" des Roten Kasner. Sie ist sozialistisch sozialisiert. Die alte CDU - wobei ich mir heute gar nicht mehr sicher bin, ob es die je gab - hat sie entkernt. Sie hat das Tafelsilber verscherbelt. Na ja, nicht nur. Sie hat sich gerne auf das Zeitgeistross geschwungen. Unter ihrer Ägide ist die Freiheitlich Demokratische Grundordnung mehr und mehr durch die Dämokratie ersetzt worden. Von Ludwig Erhards freier sozialer Marktwirtschaft ist nichts geblieben. Grenzpflöcke allerorten. Das Grundgesetz aufgebläht. Staatliche Übergrifflichkeiten allerorten. Über die finanziellen Schäden, die ihre Regierungszeit angerichtet hat, den Investitionsstau, den Vermögensklau, den Bürger als Lastesel missbrauchend, mag ich mich weiter gar nicht auslassend. Viel mehr liegen mir die ideellen Schäden auf dem Herzen. Die Ideologisierung der gesellschaftlichen Wirklichkeit, die Entwertung der Freiheit, die Wiederauferstehung des - quasi - religiösen, der Ersatz des politischen Gegners durch den Feind, die Unperson. Natürlich hat Merkel das nicht allein geschafft. Mitträger der Umwälzung waren, an der Front, eine veröffentlichte Meinung, insbesondere die ÖR-Medien, die Non-Government Organisationen, die Großkirchen. Mitläufer waren die müden Kräfte in der CDU, die ihre Überzeugungen schnellstmöglich auf dem Altar Karriere opferten. Letzter Punkt: Merkel (und andere) haben ein Freilandexperiment in Szene gesetzt, das nicht rückgeholt werden kann. An den Folgen werden andere zu knabbern haben.
Wer den Preis für die Politik der Kanzlerin zu zahlen hat, das merkt der Bürger immer mehr im Alltag. Die Menschen sorgen sich um ihre Zukunft und um ihre Existenz. Frau Höhler hier als "Zicke" mit Merkeltrauma abzutun, finde ich völlig unangemessen.
Frau Höhler liegt im Großen und Ganzen richtig. Merkel ist ein DDR/SED-Gewächs, das seinen linksverseuchten Samen in jede offene Ritze der westlichen Demokratie säte. Er ging auf und hat ganz Deutschland zu einer DDR 2 gemacht. Hätte Frau Höhler weniger Hassgefühle, die ich ja verstehen kann, aber dafür mehr rational Analytisches vorgebracht, das den Menschen die Folgen des Systems Merkel offenbart, würde sie mehr bewirken. Merkel, die wie in der DDR üblich, ihre Vasallen zu Marionetten macht, ist selbst eine Puppe, die an den Strippen der transatlantischen NGO's, Think-Tanks, Stiftungen und Logen hängt. Nicht an den Strippen einer Büroleiterin. Ihr Auftrag ist es in der Tat, Deutschland und Europa zu destabilisieren und den Kontinent den Globalisten zum Fraß vorzubereiten. Dazu diente der von ihr losgetretene "Flüchtlings"-Tsunami ebenso wie die von ihr vehement unterstützte Klima-Hysterie sowie die irrsinnige Energie-Wende. Für Merkel gibt es kein Grundgesetz mehr, ihre Verfassung ist der UN-Migrationspakt. Statt mit der Person Merkels hätte sich Frau Höhler mehr mit dem bechäftigen sollen, was den Deutschen und Europäern durch die Merkel'sche Politik blühen wird.
"Angela Destruktivus - Streit um Deutschland" sollte der Titel des Buches heißen. Merkel tut bescheiden, ihre Politik brachte aber Zwietracht und Gewalt ins Land. Sie verspricht weiterhin das Blaue vom Himmel, z.B. Wohlfahrtsstaat für alle (Deutsche + Einwanderer) bei gleichzeitiger Energiewende. Die Bevölkerung ist gepalten: Es gibt auf der einen Seite Leute, die glauben Merkels Propaganda und es gibt Leute auf der anderen Seite, die glauben es ist unbezahlbar.
Wer den Preis dafür zu bezahlen hat ? Oh Frau Stephan, das wissen sie nicht ? Den Preis bezahlt der Deutsche, jeder Nettosteuerzahler bezahlt ihn. Merkel ist des Teufels General.