Von Okko tom Brok.
Müsste eine offene Gesellschaft nicht auch einen jährlichen „Zeugnistag“ haben, zu dem die Probleme einmal schonungslos benannt, die Erfolge aber ebenso dankbar anerkannt würden? Und an dem man halbwegs guten Gewissens in die Ferien gehen kann?
Sommerferien: zwei wunderschöne deutsche Worte, die zusammen pure Freiheit verheißen. Für etwa 11,2 Millionen Schüler und schätzungsweise 700.000 bis 750.000 deutsche Lehrer endet in diesen Tagen und Wochen das Schuljahr. Traditionell stellt der Ferienbeginn für alle Beteiligten auch einen Moment des Innehaltens und des nüchternen Bilanzierens dar: Was war gut, was muss verbessert werden? Und müsste eine offene Gesellschaft nicht auch einen jährlichen „Zeugnistag“ haben, zu dem die Probleme einmal schonungslos benannt, die Erfolge aber ebenso dankbar anerkannt würden?
Die Schulglocke, so will es das Pathos unserer Erinnerungen, läutet die Ferien ein und bringt für einige Wochen fast grenzenlose Freiheit. Doch zuvor: Zeugnisse. Bewertungen. Bilanz. Der Zeugnistag ist daher eine durchaus ambivalente Institution: Er verspricht Transparenz, doch oft ist er nur Ritual. Wer den Stoff auswendig konnte, muss ihn nicht unbedingt verstanden haben. Wer sich verweigerte, mag dennoch klüger sein, als sein Notenschnitt vermuten lässt. Zeugnisse spiegeln die Schule – und auch die Gesellschaft. Wir lieben es, Probleme zu vertuschen, bis der Zeugnistag kommt – und die Frage, was wir eigentlich gelernt haben.
Gehen wir die einzelnen „Schulfächer“ unserer Gesellschaft einmal zeugnishaft durch, fällt die Bilanz im „besten Deutschland aller Zeiten“ durchaus ernüchternd aus.
Migration: Bereicherung oder Überforderung?
Note: Mangelhaft, Nachprüfung empfohlen.
Lange haben wir in offiziellen Reden gehört, Migration sei eine Notwendigkeit, eine Bereicherung, quasi ein Naturgesetz. Dass Menschen wandern – ja. Aber dass Gesellschaften jede Migration unreflektiert als gut behandeln müssen – nein. Die EU selbst hat eingestanden, dass sie lange keine Kontrolle über ihre Außengrenzen hatte (vgl. Europäische Kommission, 2023). Die Folge: wachsende Parallelgesellschaften, integrationsresistente Milieus und eine Überforderung von Behörden.
Es ist, als habe man eine Schulklasse ohne Aufnahmetest endlos vergrößert und sich gewundert, dass der Lehrer überfordert ist. Förderung? Klar. Aber nicht ohne Forderung. Integration? Ja. Aber nicht bedingungslos. Wer kommt, muss Sprache, Rechtsordnung und Grundwerte annehmen – nicht umgekehrt. Dass das keine rechtsextreme Parole ist, sondern elementare Staatskunst, wusste schon Aristoteles: „Der Staat besteht aus gleichen und ungleichen Teilen.“ (Politik III.4) – ungleich im Ursprung, gleich im Recht.
Klima: Wandel, nicht Weltuntergang
Note: Schwach ausreichend.
Auch hier liefert der Zeugnistag eine schöne Lektion: Der Klimawandel ist real. Aber: Wandel ist der Normalzustand der Erde. Der berühmte Klimaforscher Hans von Storch etwa wies wiederholt darauf hin, dass es eine politische Aufgabe ist, sich auf Wandel einzustellen, nicht ihn magisch zu verhindern (von Storch & Krauss, 2013).
Die hysterische Katastrophenrhetorik grünlinker Aktivisten und der ihnen viel zu oft unkritisch folgenden Panikmedien wirkt dabei wie ein Schüler, der beim kleinsten Problem „Hilfe!“ ruft. Dabei wäre Gelassenheit oft klüger: Anpassen, vorsorgen, technologische Innovationen fördern. Aber ohne moralische Selbstkasteiung oder Dekarbonisierung um jeden Preis. Ein kühler Kopf hilft mehr als ein heißes Herz. Und ein paar heiße Tage im Sommer sind nicht der Pfad zur „Klimahölle“, nicht einmal im beschaulichen Bergdorf Panik in der östlichen Türkei, sondern eine gute Gelegenheit, das hohe Tempo der modernen Arbeitswelt vorübergehend einmal zu drosseln und es sich im Garten, am Strand oder einem schattigen Park gutgehen zu lassen.
Corona: Hügel statt Berg
Note: Mangelhaft in Mathematik, ungenügend im Sozialverhalten.
“Maybe the mountain in our eyes, looks more like a molehill from the other side“ – dieser Vers des amerikanischen Folk-Sängers Sean Rowe illustriert die Lage bestens. Was als Weltuntergangsszenario begann, verflüchtigte sich über die Jahre zu einer besonders hartnäckigen Grippewelle.
Kaum eine Krise hat uns so schmerzhaft vor Augen geführt, wie wenig wir als Gesellschaft lernen wollen. Wer damals auf Verhältnismäßigkeit pochte, wurde moralisch abgekanzelt. Maskenpflicht für Grundschüler, Besuchsverbote in Heimen, Lockdowns ohne Ende – rückblickend erscheinen fast alle Maßnahmen überzogen. Die Auswüchse an Korruption rund um heillos überteuerte Maskendeals, Fantastilliarden an nicht benötigten Impfdosen und tausende grob fehlerhaft abrechnende Testzentren noch nicht einmal eingerechnet.
Natürlich war Corona für manche Betroffene eine ernste Erkrankung mit hohem Fieber und einer erheblichen Belastung des Organismus. Aber es war keine Apokalypse. Der WHO-Bericht (2023) selbst spricht von einer Public Health Emergency of International Concern, die mittlerweile nicht mehr bestehe – eine sehr vorsichtige Rücknahme, die jedoch viel zu vielen deutschen Medien immer noch zu „gewagt“ erschien.
Die wichtigste Lehre für das nächste Zeugnis: Kritik ist kein Verrat. Wissenschaft lebt von Debatte, nicht von Einheitsmeinung. Hier sollten wir dringend Nachhilfe nehmen.
Umgang mit der AfD: Ausgrenzung als Lehrmethode?
Note: Mangelhaft, Nachhilfe dringend angeraten
Seit Jahren erleben wir eine systematische Ächtung des gesamten „rechten Spektrums“, besonders konzentriert auf die AfD. Nicht Kritik an einzelnen Positionen – das wäre Demokratie, sondern es wirkt eher schon wie eine Art politpädagogischer Dressur:
- „Mit denen redet man nicht!“
- „Brandmauer!“
- „Keine Bühne!“
- „Nazi! Nazi!“
Man kann sich das vorstellen wie einen Lehrer, der einen unliebsamen Schüler jedes Mal vor der Klasse bloßstellt, statt mit ihm zu diskutieren. Und das im Namen von „Demokratie-Erziehung“.
Die Folgen liegen auf der Hand:
- Diskussionsverweigerung wird zur Tugend verklärt.
- Kritische Fragen (Migration, Energiepreise, Inflation, EU-Kompetenzen) werden moralisch tabuisiert.
- Wer Widerspruch anmeldet, wird verdächtigt – nicht überzeugt.
Der Vergleich zur antikommunistischen Hysterie der USA in den 1950er-Jahren drängt sich auf. Damals reichte ein Verdacht: Wer rote Ideen hatte oder rote Freunde, wurde gesellschaftlich geächtet.
Ein solcher Umgang mit Oppositionellen ist nicht Demokratie, sondern Gesinnungsterror light. Und er ist durch nichts zu rechtfertigen. Die Demokratie lebt nicht davon, dass alle das Gleiche denken. Sie lebt davon, dass auch das Unangenehme gesagt werden darf. Demokratie bedeutet, auch abweichende, unbequeme, störende Stimmen zuzulassen. Nicht weil wir sie zwangsläufig teilen, sondern weil wir sie aushalten müssen. Denn eine Demokratie, die Opposition nur duldet, solange sie „den Betrieb nicht stört“, ist keine. Und eine Gesellschaft, die kritisches Denken kriminalisiert, verdient es nicht, sich frei zu nennen, wie es der amerikanische Vize-Präsident J.D. Vance den Deutschen im Frühjahr 2025 ins Stammbuch geschrieben hat.
Ferien helfen hier nicht. Nur Nachhilfe in Liberalität. Wer wirklich ein Demokrat ist, verteidigt das Recht seiner Gegner, seine Überzeugungen frei zu äußern. Wer das nicht kann oder will, fällt am Zeugnistag der Freiheit durch.
Der Autor ist Lehrer an einem niedersächsischen Gymnasium und schreibt hier unter einem Pseudonym.
Beitragsbild: TheusiNo
@ Freiling Nein, ich brauche keinen, der für mich denkt. Sie? In einer Demokratie ist der Bürger der Souverän, in einer Scheindemokratie ist er ein Scheinsouverän. Das die Kartellparteien ständig neue Wähler importieren, müsste auch mehr berücksichtigt werden.
@A. Ostrovsky / 11.07.2025 –
„@L. Luhmann : >>Gibt es hier überhaupt keine Klugscheißer mehr?<< ## Natürlich gibt es hier Klugscheißer, haha hahaha! Aber einige scheiben schon auswärts. Die Aufmerksamkeitsspanne nimmt deutlich ab. Und nebenbei: Man kann sich nicht den ganzen Tag lang aufregen.“ --- Sich den ganzen Tag lang aufregen zu können, ist eine noch zu entdeckende Kunst. Wir müssen nur bis zum Ende des Bargelds wsrten, denn dann werden sehr viele Menscheninnen und Menschen sich taeglich und nächtlich aufregen! (Die Gesamtheit aller Menschen ist männlich. Die Gesamtheit aller Menschinnen ist weiblich!)
@L. Luhmann : >>Gibt es hier überhaupt keine Klugscheißer mehr?<< ## Natürlich gibt es hier Klugscheißer, haha hahaha! Aber einige scheiben schon auswärts. Die Aufmerksamkeitsspanne nimmt deutlich ab. Und nebenbei: Man kann sich nicht den ganzen Tag lang aufregen.
„Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat anderes als eine große Räuberbande?“ (Augustinus von Hippo, 354–430)
@ Thomas Szabó Die AfD wird sukzessive verboten. Das liegt an den Wählern. Wahrscheinlich fürchtet man, die SPD mit einer Retourkutsche auf dem linken Fuß zu erwischen? Die SPD drückt ihren Willen mit Bockigkeit durch. Dahinter steckt keine Substanz. Das sind Phrasen und Parolen, mit denen man offensicv den Verfassungsstaat und die Menschenrechte in die Tonnen tritt: „Kein Mensch ist illegal“ und „No Border, No Nation, Stop Deportations!“ – man öffnet den Mördern und Kriegsverbrechern die Tore und gibt die Bürger der Plünderung und Gewalt frei. „Werte und Leitbild Wir in der AWO treten für Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Toleranz ein. Diese Grundwerte des freiheitlichen demokratischen Sozialismus bestimmen unser Handeln.“ Die AWO ist eine Faschistenorganisation und ihre Werte sind mit dem Grundgesetz unvereinbar! Ich halte die Deutschen charakterlich für völlig verrottet und bösartig kriminell. Diese Mischpoke lebt von unserem Land und unserem Geld, das ist Schmarotzertum, das hat nicht mal entfernt was mit Sozialismus zu tun. Die DDR war nicht so verrottet wie dieser Staat!
Die Idee ist nicht falsch, aber dann sollte sie für alle Regierungen dieser Welt gelten. Die KI sagt zum Jahr 2023: >>Die Anerkennung des marokkanischen Anspruchs auf die Westsahara durch Israel wurde im Juli 2023 offiziell von der Regierung unter Premierminister Benjamin Netanjahu beschlossen. Netanjahu informierte König Mohammed VI. von Marokko persönlich in einem Brief über diese Entscheidung.<< ## Ich verstehe das so, dass er ohne öffentlich aufgefordert worden zu sein, dieses Geschenk an die Dynastie in Rabat gemacht hat. Welche Position er demzufolge in der Frage hat, ob es das legitime Recht eines Volkes ist, ein eigenes, souveränes Staatsgebiet zu haben, das nicht von fremden Besatzern blockiert ist, muss man nicht mehr diskutieren. Wenn einer, der den Anspruch der Juden auf einen eigenen souveränen Staat zum Inhalt seiner Politik macht – wenigstens scheint es so … – genau dieses Recht einem anderen Volk nicht zugesteht, das seit Jahrzehnten in der algerischen Wüste Zuflucht vor den marokkanischen Besatzern hat, und dazu mit einem muslimischen König einen Pakt eingeht, fehlt mir in der nach oben offenen Skala jeder Maßstab. Ja, die Sahaurier haben keine Macht. Man muss die nicht ernst nehmen, die können nichts machen. Das genau ist es! Und zum vollständigen Bild: >>Die USA haben den marokkanischen Anspruch auf die Westsahara im Dezember 2020 unter Präsident Donald Trump offiziell anerkannt. Trump verkündete diese Entscheidung per Präsidialdekret am 10. Dezember 2020 als Teil eines politischen Abkommens, in dessen Rahmen Marokko im Gegenzug die Beziehungen zu Israel normalisierte.<< Mir sind die Sahaurier auch egal. Ich weiß nur, dass man mit solchen Leuten keinen Deal machen kann. So einen jedenfalls nicht, der einem selbst den eigenen Boden wegschlägt. Wer nur militärisch denkt und dabei keine moralischen Prinzipien hat, käme sicher zum gleichen Ergebnis. Das Kräfteverhältnis ist klar. Aber hinter den Kulissen sind die Halterungen und Stützen gebrochen.
Und nochmal @Kleinophorst # Verstehen Sie mich bitte richtig. Jeder Linke, jeder Grüne, jeder Sozi hat das Recht, mit seiner Weltanschauung um Mehrheiten zu buhlen. Das ist das Wesen der Demokratie. Es geht mir hier aber nicht um die weltanschaulich „Gefestigten“, sondern um die, die sich gegen ihr(en) eigenes(n), besseres(n) Wissen oder Glauben immer wieder für das vermeintlich „kleinere Übel“ entscheiden. Die anschliessend feststellen, durch ihre Wahl habe sich „ihr Übel“ vergrößert, die das dann auch lauthals bejammern, nur um bei der nächsten Wahl trotzdem keine Konsequenzen zu ziehen. Diese Leute befinden sich in einem selbst gezimmerten Teufelskreis. Den Umfragen entsprechend sollen das rd. 60% der Befragten sein. Diese 60% sind es, die Deutschland in den Abgrund treiben.