News-Redaktion / 23.04.2020 / 16:00 / Foto: Tom Sodoge / 0 / Seite ausdrucken

Zentrale Datenspeicherung bei Corona-App geplant

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) setzt für die geplante Corona-Tracking-App offensichtlich auf ein Modell mit zentraler Speicherung der erhobenen Daten, meldet die Neue Westfälische. Der Minister hätte sich für die Software der Initiative Pepp-PT entschieden, habe der digitalpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Tankred Schipanski, dem Handelsblatt gesagt. Dagegen gebe es aus Datenschutzgründen allerdings erhebliche Vorbehalte.

Die Corona-App solle vor allem die Identifizierung und Information möglicher Kontaktpersonen von Corona-Infizierten erleichtern. Spahn halte es dabei offensichtlich für wichtig, dass die Daten zentral auf einem Server zur Verfügung stünden. Rund 300 Experten hätten dagegen in einem offenen Brief vor einer zentralen Speicherung gewarnt, da dies zu Überwachung und Missbrauch führen könnte. Sie würden dem Bericht zufolge mehrheitlich das DP-3T-Konzept unterstützen, das vorsehe, die Daten dezentral auf den Smartphones abzulegen.

Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz habe kritisiert: "Das Vorgehen der Bundesregierung ist nicht nur tödlich für die Akzeptanz einer App-Lösung, es zeugt auch von mangelndem Respekt gegenüber dem Parlament".

Schipanski hingegen glaube, die zentrale Datenspeicherung sei "kein rechtlicher oder politischer Hinderungsgrund". Der CDU-Gesundheitspolitiker Tino Sorge habe ergänzt, beim Schutz der Gesundheit "kann es für den Einzelnen nicht zu viel verlangt sein, sich in geschützter Art und Weise an einer Corona-App zu beteiligen". Auch gehe es bei der App nicht um personenbezogene Daten oder gar Standortverläufe, sondern ausschließlich um pseudonymisierte Daten. Von dem Gedanken, dass Identifikationscodes geknackt werden können und dass es in der Logik der Aufgabe liegt, auch Daten zu Standortverläufen zu erfassen, schien der Gesundheitspolitiker noch nicht nachhaltig berührt worden zu sein.

Kanzleramt soll mit Apple verhandeln

In der Bunderegierung macht sich offenbar aber nicht nur der Gesundheitsminister für die zentrale Datenerfassung stark. Auch das Kanzleramt sei aktiv geworden, unter anderem durch Verhandlungen auf höchster Ebene mit Apple, wie der Tagesspiegel berichtet. Derzeit würden die in Berlin präferierten Corona-Warn-Apps auf iPhones nämlich nur eingeschränkt funktionieren. Ziel der Verhandlungen sei es, auch hier möglichst schnell eine technische Kompatibilität mit dem Pepp-PT-Standard zu erreichen.

Unterstützung erhalte die Bundesregierung dabei laut Tagesspiegel  auch von der EU-Kommission und von Frankreich. EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton habe demnach gestern mit Apple-CEO Tim Cook telefoniert. Er bestehe auf „der Verantwortung von Unternehmen wie Apple, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um geeignete technische Lösungen zu entwickeln, damit die nationalen Apps funktionieren“, habe Breton anschließend mitgeteilt. Auch der französische Digitalminister habe gestern angekündigt, bei Apple zu intervenieren, um zügig alle technischen Probleme beim Einsatz von Bluetooth-Technik aufzuheben.

Das französische Computerforschungs-Institut Inria setze wie das deutsche Gesundheitsministerium auf eine Lösung mit zentraler Server-Architektur. Die US-Konzerne Google und Apple hätten zu Ostern dagegen eine Schnittstelle für einen Standard angekündigt, bei dem Daten dezentral auf den Mobiltelefonen der Nutzer verblieben.

Österreich „entzentralisiert“

In Österreich werde dagegen die dort bereits im Einsatz befindliche Corona-Tracking-App des Roten Kreuzes wieder „entzentralisiert“. Der Entwickler der App, Accenture, hätte drei unabhängige NGOs um eine technische und juristische Evaluation des Quellcodes gebeten.  

Michael Zettel, Geschäftsführer von Accenture Österreich, habe gegenüber dem Tagesspiegel erklärt: „Es wurden 23 von 25 Empfehlungen übernommen, bei zwei Empfehlungen wird zusammen mit den Forschern derzeit noch eine Lösung gesucht, wie diese Punkte unter Berücksichtigung der fachlichen und technischen Anforderungen gut umgesetzt werden können.“ Außerdem solle der Quellcode der Roten-Kreuz-App noch im April für alle veröffentlicht werden. Geplant sei außerdem, dass die App bald auf den DP3T-Standard wechsle, habe der „Standard“ berichtet. Dieser sehe eine dezentrale Speicherung der Daten vor. Ein Datum für den Wechsel gebe es aber noch nicht.

Foto: Tom Sodoge tomsdg CC0 via Wikimedia Commons

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