In Halle werden vier DDR-Bürger für ihren Versuch, in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin ihren Ausreisewunsch vorzutragen, zu hohen Haftstrafen verurteilt. Das Delikt war in diesem Fall üblicherweise „Versuchter illegaler Grenzübertritt“ Hatte man sich für sich und seine Familie kundig machen wollen, war es „Versuchter illegaler Grenzübertritt im schweren Fall“ Eine bekannte Fernsehansagerin der DDR, Edda Schönherz, wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, weil sie sich im Urlaub in Budapest in der deutschen Botschaft nach Ausreisemöglichkeiten für sich und ihre Kinder erkundigt hatte. Drei Jahre, in denen sie ihre Kinder nicht sehen konnte, denn nach den Gesetzten der DDR durften Kinder erst ab 16 Jahren ihre Eltern im Gefängnis besuchen.
Das „Neue Deutschland“ berichtet natürlich nicht über solche Prozesse. Es verbreitet lieber sozialistische Märchen, wie das vom „Kräftigen Leistungswachstum durch den Einsatz der Schlüsseltechnologien“.
Vom Wachstum ist in den Zeitungen des heutigen Tages nicht die Rede, sondern vom Gegenteil. „Der Welthandel bricht ein- größte Krise seit 1929“ titelt die „Morgenpost“ und weist darauf hin, dass erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg, die Wirtschaft nicht nur regional, sondern global schrumpft. Die Krise trifft natürlich die Entwicklungsländer unendlich härter als die Reichen. Was im Westen nur zu einem Wohlstandsverlust führen wird, kann in den armen Ländern existentielle Folgen haben. Paradoxerweise sind die Kritiker des Wirtschaftswachstums, die in den letzten Jahrzehnten sich immer
lautstark zu Wort meldeten, im Augenblick verstummt. Ob Pro-, oder Antikapitalist, niemand wagt die Behauptung, eine Lösung der Probleme zu haben. Das immerhin ist hoffnungsvoll: Die Weltwirtschaftskrise 1929 war die Stunde der Ideologen, der Nährboden für Totalitarismus. Davon ist diesmal glücklicherweise nichts zu spüren. Wenn am Ende klar wird, dass Staatsinterventionismus zum erheblichen Teil zur gegenwärtigen Misere beigetragen hat, könnte die Welt tatsächlich gestärkt aus der Krise hervor gehen.
