Um die Politik in der Flüchtlingskrise von 2015 zu rechtfertigen, wurde Deutschlands Nazi-Vergangenheit zum Werkzeug moralischer Erpressung und missbraucht, um legitime Debatten zu unterdrücken. Das sollte sich rächen.
Im Sommer 2015 erlebte Deutschland eine Flüchtlingskrise, die das Land nachhaltig veränderte und tief spaltete. Zehn Jahre später lohnt es sich zurück zu blicken – nicht nur auf die politischen Entscheidungen, sondern auch auf die Art und Weise, wie das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte bewusst eingesetzt wurde, um diese Entscheidungen zu rechtfertigen. Insbesondere Deutschlands NS-Vergangenheit wurde dabei zu einem politischen Instrument umgedeutet – mit teils schwerwiegenden Folgen für die gesellschaftliche Debatte.
Von Beginn an wurde Geschichte eingesetzt, um den massiven Zustrom – bis Ende 2015 über eine Million Menschen – moralisch zu legitimieren. Die internationale Presse griff diese Erzählung auf. Die amerikanische Zeitschrift The Atlantic schrieb im September 2015, Deutschland und Kanzlerin Angela Merkel hätten einen der schnellsten Imagewechsel der jüngeren Geschichte vollzogen. Noch im gleichen Jahr hatte der Spiegel Merkel in einer Fotomontage als Nazi-Kommandantin auf der Akropolis dargestellt – Sinnbild der Ablehnung deutscher Dominanz in Südeuropa während der Euro-Krise. Doch im Herbst desselben Jahres galt Berlin plötzlich als moralischer Leuchtturm.
Im selben Artikel zitierte The Atlantic die Politikwissenschaftlerin Petra Bendel: „Die Bürger in Deutschland wissen, dass die Bestimmungen der Genfer Flüchtlingskonvention auf den historischen Erfahrungen mit jüdischen Flüchtlingen vor dem Holocaust beruhen.“ Eine historisch aufgeladene Behauptung – doch sie spiegelte keineswegs die Stimmung im gesamten Land wider.
Denn schon im Herbst 2015 machte sich in weiten Teilen der Bevölkerung ein Gefühl von Kontrollverlust breit. Viele Menschen fühlten sich übergangen. Gemeinden ächzten unter der Belastung. In Berlin stand das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) kurz vor dem Kollaps. Die Polizei musste das Gebäude zwischenzeitlich sichern, um Tumulte zu verhindern. Die New York Times sprach von Zuständen „zwischen chaotisch und gefährlich“. Im September trat der Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zurück – für viele ein stiller Protest gegen die „Politik der offenen Grenzen“. Im November bezifferte das ifo-Institut die Kosten der Zuwanderung allein für 2015 auf über 21 Milliarden Euro. Im Dezember befürchteten die Behörden, dass zahlreiche Schulsporthallen wegen der Umnutzung zu Flüchtlingsunterkünften noch für Monate unbenutzbar bleiben würden.
Statt sich der Kritik zu stellen, wurde der moralische Druck erhöht
Mit wachsendem Druck auf die Regierung wurde die moralische Argumentation noch stärker betont. Merkel sagte auf einer Pressekonferenz im September 2015: „Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.“
Zeitungen wie die ZEIT erinnerten an das Schicksal jüdischer Flüchtlinge in den 1930er Jahren – und forderten implizit, man solle syrische und afghanische Geflüchtete nicht dasselbe Schicksal erleiden lassen. Wer widersprach, geriet schnell in den Verdacht moralischer Kälte – oder schlimmer: historischer Verantwortungslosigkeit.
Doch bereits wenige Jahre später zeigte sich, wie brüchig viele Annahmen von 2015 waren. Die Integration in den Arbeitsmarkt verlief zäh: Selbst 2023 hatten laut Bundesagentur für Arbeit nur 64 Prozent der Geflüchteten von 2015 eine Beschäftigung. Islamisten nutzten die Lage, um Terroristen einzuschleusen – wie der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, bereits 2016 warnte. Ein Lagebericht der Polizei 2017 dokumentierte einen Anstieg schwerer Sexualdelikte – darunter auch der Mord an einem 14-jährigen jüdischen Mädchen durch einen 2015 eingereisten Täter.
Statt sich der Kritik zu stellen, wurde der moralische Druck erhöht. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble erklärte am Holocaust-Gedenktag 2018, man müsse sich jedem Ausschluss aufgrund von Herkunft entgegenstellen – eine deutliche Spitze gegen die AfD, die seit 2017 im Bundestag saß. Holocaust-Überlebende Anita Lasker-Wallfisch nannte die Aufnahme der Flüchtlinge eine „unglaublich generöse, menschliche und mutige Geste“.
Zweifellos wirkten solche Botschaften stark – insbesondere auf eine Gesellschaft, die von der Schuld ihrer Vorfahren geprägt ist. Doch sie waren auch manipulativ. Wer sich dagegen wehrte, wurde diffamiert – und hatte dennoch recht: Viele der Ankommenden waren junge, alleinstehende Männer – nicht die am meisten gefährdete Bevölkerungsgruppe. Der amerikanische Publizist James Kirchick schrieb in der F.A.Z., dass viele Syrer nicht aus Lebensgefahr flüchteten, sondern aus sicheren Lagern in Jordanien, dem Libanon oder der Türkei – Lagern, die zwar problematisch, aber mit Auschwitz nicht zu vergleichen waren.
Statt die Erinnerung wachzuhalten, wurde sie korrumpiert
Tatsächlich stellen solche Parallelen eine abstoßende Relativierung des Holocaust dar. Kirchick wies auch auf ein weiteres Tabu hin: 1939 existierte kein Israel. Heute jedoch gäbe es zahlreiche wohlhabende muslimische Staaten im Nahen Osten, die sich zumeist weigerten, Flüchtlinge auf zu nehmen oder auch nur einen Finger für ihre vom Bürgerkrieg bedrängten Brüder und Schwester zu rühren.
Zehn Jahre später erscheint die Gleichsetzung „syrischer Flüchtling = verfolgter Jude“ besonders verstörend. Studien des Historikers Günther Jikeli zeigen, dass viele Geflüchtete einen ausgeprägten Antisemitismus mitbrachten. Die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik erklärte im November 2023, dass Juden und Homosexuelle in bestimmten Stadtteilen nicht mehr sicher seien. In Bezirken mit hoher Zahl arabischstämmiger Bewohner zeige sich offene Judenfeindlichkeit – oft gepaart mit Sympathien für Terrorgruppen. Im Oktober 2023 feierten viele dieser Menschen die Massaker der Hamas.
Die Flüchtlingskrise von 2015 war weitgehend unkoordiniert, die politische Reaktion improvisiert. Doch sie wurde begleitet von einem Sendungsbewusstsein: Die deutsche Elite sonnte sich im Applaus linksliberaler Medien weltweit. Offenheit galt als moralisches Gebot – und wer sie infrage stellte, als rückständig oder gar gefährlich.
Doch eines der schwerwiegendsten moralischen Vergehen war der Missbrauch der Erinnerung an den Holocaust. Was ursprünglich Mahnung war, wurde zum politischen Kampfbegriff umgedeutet – ein Werkzeug der moralischen Erpressung. James Kirchick nennt das „politische Boshaftigkeit“. Statt die Erinnerung wachzuhalten, wurde sie korrumpiert – missbraucht, um legitime Debatten zu unterdrücken. Die Folgen dieser Strategie wirken bis heute nach – als Mahnung, dass selbst die heiligsten historischen Wahrheiten zur Waffe werden können, wenn sie in den Dienst der Ideologie gestellt werden.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Novo-Argumente.
Sabine Beppler-Spahl ist Diplom-Volkswirtin, Deutschlandkorrespondentin des britischen Online-Magazins Spiked sowie Vorsitzende des Vereins Freiblickinstitut e.V. Sie ist Herausgeberin des Sammelbandes „Cancel Culture und Meinungsfreiheit“.
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@ Arndt Frhr. von Witzendorff:
Herzlichen Dank für Ihren wieder einmal großartigen satirischen Beitrag, der meine Stimmung an einem von zahlreichen tristen und grauen 18-Grad-Tagen inmitten des Höllensommers 2025, des heißesten seit Beginn der Zeitrechnung, steil nach oben katapultiert hat! Am Ende noch einen Schuss Walser eingebaut, köstlich! Lieber WITZendorf, wenn es Sie nicht gäbe, müsste man Sie glatt erfinden, besser vorvorgestern als morgen.
Die Intelligentia (Hochschullehrer, Wissenschaftler, Lehrer, Schriftsteller …) hält die Klappe, weil Beförderungen, Einstellungen und Finanzierungen von der Politmafia abhängen. Die notleidende Presse ist durch Hilfsgelder eh in Staatshand. Und die „Prominenten“ möchten gern weiterbeschäftigt werden und passen sich an. Öffentliche AfD-kritik sichert in der Unterhaltungsbra(n)che Jobs. Da dürfen auch die Richter mit ihren Gefälligkeitsurteilen nicht zurückstehen.
Ewige Schuld und Sühne des „größten Verbrecher-Volkes“ der Geschichte. Kotau, Buckeln und Zahlen, inklusive der Reparationen nach Brüssel, ohne Ende. Die Sieger haben diesem Land endgültig das Rückgrat gebrochen, Einzelheiten erspare ich mir. Daraus erwachsen ist eine Kaste von Volksverächtern, die sich noch in hundert Jahren als „Rächer“ aufspielen werden, selbstgerecht und charakterlos, die eigene Herkunft verleugnen und anmaßend die Generationen vorher anklagend, immer noch und immer wieder. Wenn sie keiner vom Sockel holt. Das reicht ihnen aber nicht, jetzt sind die nachgeborenen, lebenden, zahlungsfähigen dran. Mit den Mitteln des geächteten Faschismus bekämpfen sie die Lebenden im eigenen Land, auf dass es vernichtet werde.
Die politische Klasse, die keine Klasse hat, springt billigend auf den Zug, nicht nach Auschwitz, diesmal in den eigenen kollektiven Untergang des ganzen Volkes. Mit Werve und Inbrunst von den Linken gesteuert.
Falls alles nichts nutzt, um das Land kaputtzukriegen, haben sie die kulturfremden in Stellung gebracht, die uns erst ausbeuten, wie Staat und Regierung, und später dann, gemessen an ihrem grünen Buch, massakrieren werden. Denn die Hardliner werden sich dort durchsetzen, schließlich geht es gegen die verhassten Ungläubigen und ihr Siedlungsgebiet, ohne Wenn und Aber, da die gemäßigten ihrem religiösen Eifer und auch Wahn dann folgen werden. Es ist so vorgeschrieben, nicht durch die Bibel, sondern durch den Koran! Alle werden weggefegt, auch die „Rächer“!
Die Mär von der moralischen Erpressung mit den Theaternazis der Erinnerungspolitik ist doch nur eine weitere bequeme Erzählung die mit psychologisierenden Spekulationen den Blick versperrt auf die recht praktischen Ziele der deutschen Siedlungspolitik, ebenso wie auf ihre historische Kontinuität (ja, richtig, gerade auch mit der Siedlungspolitik und Arbeitsmigration der NS-Phase) und die sehr realen politischen Konsequenzen weit über das Territorium der BRD hinaus. Eine weitere Volte derselben fake Erinnerungskultur, welche es zu kritisieren vorgibt. Ein weiteres Märchen mit dem wieder deutsche Täter zu Opfern undurchsichtiger Machenschaften verklärt werden, jene weiterhin überwiegend deutschen Täter nämlich, die seit 10 Jahren stets mit überwältigenden Mehrheiten und gänzlich ungezwungen in der Wahlkabine für die bedingungslose Fortsetzung und Ausweitung dieser Politik votieren. Problem ist weniger die häufig absurde bis ekelhafte Instrumentalisierung der Regierungszeit eines Kanzlers Hitler, der historischen NSDAP etc., als die Kontinuität jener sozialen, kulturellen und politischen Institutionen und assoziierten Erzählmuster, welche einen Kanzler Hitler und seine Politik möglich gemacht haben. Institutionen, die zum Fundamentbereich der großpreußischen Deutschlanderzählung wie zum Betriebssystem des aktuellen Berliner Regimes gehören. Eine deutsche Opposition, die reale Veränderung will, muß auch damit gründlich aufräumen.
@Sam Lowry: Aus bestimmten Gründen habe ich privat viel mit behinderten, teils schwerbehinderten Menschen zu tun. Überwiegend handelt es sich dabei um durch Schlaganfall mitten aus dem Leben gerissene Menschen – diese Schicksale sind oft furchtbar und haben mit den bspw. im vorabendlichen Regionalprogramm so gerne durchgejazzten Erfolgsstories ala „Ich hab`s trotzdem geschafft. Aufgeben ist keine Option“ und ähnlichem Bockmist nichts, rein gar nichts zu tun. Um aber auf Ihren Punkt zu kommen: Die von mir erwähnten Menschen haben meist große Probleme sich ihrer Umwelt mitzuteilen, sich selbst zu versorgen usw. und sind daher zwingend auf die Unterstützung Dritter angewiesen. Nur, wenn da kein Partner oder anderer Angehöriger zur Seite steht, ist`s schnell Essig mit Unterstützung über das Mindestmaß an Versorgung hinaus. Viele landen in der Pflegestation, wenn sie „Glück“ haben, oder sitzen alleine zuhause glotzen die Wand an und warten auf den hoffentlich täglich vorbeikommenden Pflegedienst und das Essen auf Rädern (was natürlich auch erst Mal jemand organisieren muß). Und selbst wenn z. B. der Partner noch da ist uns sich kümmert, erlebt dieser einen nicht-enden- wollenden Dauerkampf der Rechtfertigung gegenüber Behörden, Krankenkassen und dem „Medizinischen Dienst“. Nicht wenige geben nach einer gewissen Zeit auf. Weil einfach die Nerven und die Kraft fehlen einem zustehende und notwendige Hilfsmittel, Therapien, Reha-Maßnahmen usw. immer und immer wieder zu erkämpfen. Wenn man dann sieht wie …. Ich vermute, den Rest, den ich mit meinem Beitrag zum Ausdruck bringen möchte, kann sich ein jeder selbst zusammenreimen.
Man könnte auch von Putsch gegen das eigenen Volk, von Hochverrat sprechen, wie bei ihrem besten Freund Obama. Ist aber hier ja kein Thema. Zu Merkel hat sich doch Maaßen treffend geäußert: Wer trägt die Verantwortung? Die Verantwortlichen anscheinend nicht. Und: Regierungen haben kein Recht auf Umvolkung, egal unter welcher Ausrede.
A. Merkel hat ihre Depressionen zur Staatsräson erhoben.