Von Zana Ramadani.
Vor allem junge Muslime in Deutschland nehmen Christen nicht ernst. Sie belächeln unsere Diskussionskultur. Die Männer gelten als verweichlicht; sie repräsentieren nicht das, was arabische Machos unter »Mann sein« verstehen. Das ist ein Ergebnis ihrer Erziehung, die ihnen vermittelt: Respekt vor der Mutter, Respekt vor der guten, ehrbaren Frau, Respekt vor Älteren und anderen Männern ihres Schlages. Ungläubigen schuldet kein Muslim Respekt. Nicht den deutschen Männern, die – so der hämische Hinweis nach den Übergriffen in Köln – nicht in der Lage seien, ihre Frauen zu beschützen. Schon gar nicht Polizei und Gerichten, die zum Unverständnis vieler Muslime generell bei Gewaltdelikten viel zu milde und nachsichtig agieren und urteilen, erst recht wenn nach dem Selbstverständnis der Beteiligten auch ehrverletzende Aspekte eine Rolle spielen.
Deutsche Männer sind Weicheier, das ist das Urteil vieler Muslime. Sie befinden sich in einer Art Sinnkrise, wissen die muslimischen Jungs, sie haben sich von den Frauen domestizieren lassen. Die deutschen Männer sind weibisch. Einen wahren Kern kann ich dem nicht absprechen, zumindest nicht, was die Sinnkrise angeht. Andererseits ist es gut, dass der rückgewandete, alte deutsche Macho-Mann ausstirbt und Frauen nun als gleichberechtigt und gleichgestellt gelten. Die Kerle hätten ja nicht gleich alle Höflichkeitsformen und jegliche Galanterie ablegen müssen, etwa einer Frau die Tür aufzuhalten oder schwere Kisten für sie zu schleppen, und gegen das eine oder andere Kompliment wäre auch nichts einzuwenden, nicht jedes schmeichelnde Wort ist gleich sexistisch.
Ein muslimischer Mann beugt sich nicht
Generell gilt: Es ist nie falsch, Rollenbilder zu überdenken und gegebenenfalls zu durchbrechen, neue Wege zu beschreiten oder einen Mittelweg zu finden. Während manche deutsche Männer auf diesem Weg noch ein wenig herumeiern, sehen die Musel-Männchen erst gar keine Notwendigkeit aufzubrechen. Für sie ist jeder Kompromiss eine Niederlage. Sie sehen nicht die Überlegenheit der deutschen Männer, die sich mit überkommenen Rollenmodellen auseinandersetzen mussten. Überlegenheit beweist sich für sie in körperlicher Stärke, nicht in intellektueller. Sie beharren noch auf ihrer vermeintlich naturgegebenen Rolle, von der sich die deutschen, die westlichen Männer dank des Feminismus und der Emanzipation der Frau schon befreien mussten. Muslimische Männer schieben noch nicht den Kinderwagen, gehen noch nicht in Elternzeit. Sie finden es unmännlich, als Mann Gefühle jenseits von Wut und Aggressivität zu zeigen.
Sie entschuldigen sich nicht für etwas, das vielleicht falsch angekommen sein oder Gefühle verletzt haben könnte; schon das allein wäre ein Schuldeingeständnis. Ein wahrer muslimischer Mann muss sich für nichts rechtfertigen. Er beugt sich vor nichts und niemandem, vor einem Ungläubigen schon gar nicht. Und natürlich ist es ihm gleichgültig, wenn Alice Schwarzer sich über Silvester empört: »Diese frustrierten, entwurzelten jungen Männer drangsalieren nicht nur ihre eigenen Frauen – mehr denn je! –, sondern ziehen nun bis nach Europa und überfallen auch hier die ›zu freien‹ Frauen. Dass das im 21. Jahrhundert so ist (Köln war nicht der einzige und nicht der letzte Fall dieser Art), das hat mit der Offensive des politisierten Islam zu tun. Er liefert das ideologische Gerüst: den verschärften Männlichkeitswahn, Frauenverachtung inklusive.« Schuld haben nicht die frustrierten Männer, sondern erstens Frauen, die sich aufreizend benommen haben, oder zweitens deren Weicheier-Freunde, die nicht in der Lage waren, sie zu schützen. Weiter wird nicht gedacht und schon gar nicht so weit, dass der politisierte Islam ein ideologisches Gerüst für solche Taten liefern könnte.
Auszug aus dem Bestseller Die verschleierte Gefahr. Die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen von Zana Ramadani. Die beiden vorherigen Auszüge finden Sie hier und hier.
Zana Ramadani, geb. 1984 in Skopje (Mazedonien), war Mitbegründerin von FEMEN Deutschland und ist heute Mitglied der CDU. Die Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte studierte Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft und Soziologie. Sie setzt sich für Menschen- und besonders Frauenrechte ein, dreht Reportagen und Dokumentarfilme, hält Vorträge und Workshops und ist Landesvorsitzende Berlin des „Deutschen Staatsbürgerinnen-Verbandes e.V.“ (ältester Frauenrechtsverband in Deutschland) und aktives Mitglied bei Terre des Femmes.

Wer ahnt, dass sein Weltbild auf Lügen gründet, kann niemals Irrtümer gestehen.