Henryk M. Broder / 15.08.2017 / 10:46 / 39 / Seite ausdrucken

YouTube löscht Ateş, Abdel-Samad und Broder

Seit 8. August konnten Sie auf unserem Youtube-Kanal Achgut.Pogo den Beitrag „Ateş, Abdel-Samad, Broder und ein Dutzend Personenschützer“ sehen. Doch am 14. August verschwand der Film plötzlich. Ein islamistischer Prediger hat dafür gesorgt, dass dieser Beitrag nicht mehr bei YouTube gezeigt werden darf. Er ist ohne unser Zutun spurlos gelöscht worden, so als hätte es ihn nie gegeben.

Worum geht es in diesem momentan gelöschten Achgut.Pogo-Video? Seyran Ateş, die in Berlin eine liberale Moschee eröffnet hat, wird von Hamed Abdel-Samad und Henryk Broder besucht, um ihr den Rücken zu stärken. Frau Ateş wird wegen ihrer liberalen Moschee von Islamisten bedroht und braucht Polizeischutz. Auch Hamed Abdel-Samad kann sich wegen seiner fundierten Islamkritik nicht mehr ohne Begleitschutz bewegen. Um diese Aufnahmen zu ermöglichen, mussten mehr als ein Dutzend Personenschützer aufgeboten werden. Das Zusammentreffen der drei Islamkritiker und ihr Gespräch vermitteln ein authentisches Bild davon, wie sehr der fundamentalistische Islam das Leben der Menschen in Deutschland bereits einschränkt. In unserer Ankündigung schrieben wir: „Das Video ist ein zeitgeschichtliches Dokument, das dazu auffordert, nicht länger die Augen vor dem zu verschließen, was um uns herum geschieht.“

Eyad Hadrous, ein islamistischer Prediger, hat nun für eine Fortsetzung gesorgt und YouTube hat ihm geholfen. Er behauptete, wir hätten Urheberrechtsverstöße begangen. Das reicht heutzutage offenbar schon für eine komplette Löschung, nebst aller Kommentare und Debatten, die es zu diesem Film gab.

Warum haben es Islamisten so leicht, Islamkritikern den Maulkorb umzuhängen?

Es geht konkret um zwei Filmzitate aus einer seiner Predigten, die er selbst auf YouTube gestellt hat (siehe hier). Es sind Aussagen, die sich auf die Seyran Ateşs Moschee beziehen und ihren Versuch, die Gleichberechtigung von Frau und Mann in einem islamischen Gotteshaus zu etablieren. Wir haben die Filmzitate als solche, entsprechend dem gängigen Zitatrecht durch Verkleinerung, Verfremdung und Quellenangabe, unübersehbar kenntlich gemacht.

Hadrous zitierte Aussagen:

„Wie kannst Du als Frau kommen und sagen: Ich möchte die erste Imamin sein und möchte – ich bin Frauenrechtlerin, ja, mach Deine Frauenrechte, aber nicht in der Religion, gibt’s nicht, Allah sagt: [arabischer Text] Allah sagt im Koran, die Männer sind den Frauen überlegen, in dem, was Allah [arabischer Text] ihnen an Vorzug gegeben hat.“

„Allah hat sie erschaffen. Allah sagt, sie sind nicht gleich. Allah entscheidet und Allah [arabischer Text] bestimmt, dass ein Mann nicht von einer Frau in seinem Gebet geführt werden darf! Punkt.“

Warum will der Mann nicht mit dem zitiert werden, was er selbst in der Öffentlichkeit verbreitet? Ist er zu feige, zu seinen Aussagen zu stehen? Nein, das ist es sicher nicht. Er nutzt nur die Chance, dass heutzutage in Deutschland lieber erst gelöscht und dann geprüft wird. Ein Blick auf die inkriminierten Stellen hätte genügt, um zu erkennen, dass es hier mitnichten um Urheberrechtsverstöße geht. Aber wenn es Islamisten so leicht gemacht wird, denen einen Maulkorb umzuhängen, die ihr Denken und Handeln öffentlich machen, dann nutzen sie das natürlich aus. Und YouTube macht sich bereitwillig zum Vollstrecker.

Manche Islamkritiker und liberale Muslime brauchen in Deutschland ständigen Polizeischutz vor Islamisten, nur weil sie Grundrechte in Anspruch nehmen. Und jetzt bekommen wir vorgeführt, wie Islamisten auch ihre Stimmen mit einer bloßen Behauptung unterdrücken. Wir werden uns damit nicht abfinden und suchen nach geeigneten Wegen, Ihnen den gelöschte Achgut.Pogo-Beitrag wieder zugänglich zu machen. Sobald er wieder online ist, informieren wir Sie hier auf der Achse des Guten.

Sie erinnern sich, was wir seinerzeit in der Ankündigung des gelöschten Beitrags schrieben „Das Video ist ein zeitgeschichtliches Dokument, das dazu auffordert, nicht länger die Augen vor dem zu verschließen, was um uns herum geschieht.“ Seine Löschung fordert ebenso dazu auf. Wir verlieren gerade Stück für Stück unsere Freiheit. Sie ist zu wertvoll, um diese Entwicklung weiter still zu dulden.

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netiquette:

Robert Roesgen / 15.08.2017

Vielen Dank für Ihren Mut und hoffentlich gelingt es Ihnen die Löschung wieder rückgängig zu machen.

Herbert Müller / 15.08.2017

Die Islamisten haben es gerafft. Die liberalen und toleranten Ungläubigen mit ihren eigenen Gesetzen aushebeln. Das kommt alles noch viel besser.

Frank Schneider / 15.08.2017

Dailymotion wird als Alternative derzeit hoch gehandelt.

Martin Landvoigt / 15.08.2017

Wenn formal kein Urheberrecht verletzt wurde, ist es nicht recht, Einträge seitens YouTube zu löschen. Wenn aber der Fall noch nicht abschließend geklärt ist, kann man YouTube angesichts der hohen Strafen in Netwerk-Durchsetzungsgesetz kennt, wird die Reaktion von YouTube nachvollziehbar. Dennoch: Wie wäre es, wenn man den Film neue geschnitten - ggf. mit einem Textzitat statt dem Ausschnitt - neu einstellt?

Jens Frisch / 15.08.2017

Ich habe neulich ein kurzes Zitat von Albert Schweitzer via facebook gepostet - jetzt bin ich mal wieder für 30 Tage gesperrt. Einen Friedensnobelpreisträger (1951) zu zitieren ist mittlerweile “hatespeech” - ein Schelm, wer da an Orwells “Neusprech” denkt!

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