Rainer Bonhorst / 09.04.2021 / 15:00 / Foto: Pixabay / 37 / Seite ausdrucken

Wunderbare Freundschaften

Der Osterfrieden, den Christian Lindner etwas illiberal durch Armin Laschet gestört sah, liegt – gestört oder ungestört – hinter uns. Jetzt können wir den nachösterlichen Unfrieden in vollen Zügen genießen, vor allem das immer drängender werdende Hauen und Stechen der potenziellen Kanzlerkandidaten der Unionsparteien. Oder etwa nicht? Erleben wir etwas ganz anderes? Etwas Merkwürdiges?

So ist es. Quasi als Fortsetzung des Osterfriedens überrascht uns die christliche Union mit nicht nur einer, sondern gleich mit zwei wunderbaren Freundschaften. Diese Freundschaften, die man präziser Söder-Freundschaften nennen sollte, sind noch in der ersten Frühlingsblüte, aber sie sind umso wunderbarer. Die Freundschaft Nummer eins ist die immer liebevollere Annäherung Markus Söders an unsere Bundeskanzlerin. Die ersten Liebes-Chancen konnte Söder schon vor Ostern wittern, als nämlich Angela Merkel ihren lange bevorzugten Kanzlerkandidaten Armin Laschet öffentlich wegen seiner Corona-Politik tadelte. Damit stieß sie ein window of opportunity, ein Fenster der Möglichkeiten für Markus Söder auf.

Der (wenn auch fränkische) Bayer ließ sich diese Einladung zum Fensterln nicht entgehen. Bei Bild und Markus Lanz schmiss er sich verbal an die Kanzlerin ran und ernannte sie zur Kanzlerkandidatenmacherin. Natürlich müsse sie eine entscheidende Stimme bei dieser internen Wahl haben, sagte er und positionierte sich damit als offizieller Merkel-Verehrer. Ein schönes Kompliment an die Kanzlerin – mit eingebauter Gemeinheit in westliche Richtung? Also mit der Gemeinheit, sich genau in dem Moment an die Kanzlerin heranzumachen, da Konkurrent Laschet in Ungnade dahinschmachtet? Oder etwa nicht? Erleben wir etwas ganz anderes? Etwas Merkwürdiges? Stimmt. Denn zwischen Söder und Laschet erblüht gerade die andere, die zweite wunderbare Freundschaft, von der hier berichtet werden soll.

Das Wunder von München: Söder gibt dem Konkurrenten seinen Segen

Armin Laschet ist ja vom fröhlichen Landesvater in die Rolle des von allen Freunden (und guten Geistern?) verlassenen Einsamen abgerutscht. Er leidet nicht nur unter der Ungnade der Kanzlerin. Er leidet auch als möglicher Kanzlerkandidat unter mangelnder Begeisterung beim Publikum. Tja, und dann steht er jetzt auch noch einsam und verlassen auf seiner Lockdown-Brücke, die er unter dem Titel „Brücken-Lockdown“ frisch gebaut hat. Kaum hat er sie betreten, da droht sie unter den Attacken seiner Ministerpräsidenten-Kollegen schon wieder einzustürzen. Und was geschieht? Das Wunderbare. Markus Söder hebt den gefallenen Mitstreiter vom Boden auf und gibt zum allgemeinen Erstaunen dem Düsseldorfer Brücken-Lockdown seinen bayerischen Segen und damit einen dringend benötigten kräftigen Stützpfeiler. Und überhaupt findet Söder, sagt er, Armin Laschets Arbeit als Ministerpräsident „ganz hervorragend“. Ein beeindruckender Akt der Männerfreundschaft. Wie ist diese frisch erblühte Freundschaft zu verstehen? Was könnte Söder geleitet haben?

Da ist einmal das allgemein-menschliche Prinzip der Fairness, dass man jemanden, der am Boden liegt, nicht noch weiter quält, sondern ihm die Hand reicht. In der Politik kann noch die Überlegung hinzukommen, dass es beim Publikum gut ankommt, wenn man nicht nachtritt, sondern sich als fairer Mitspieler erweist. Hineinspielen kann auch die Überlegung, dass es bei Angela Merkel, der von Söder dazu ernannten Kanzlerkandidatenmacherin, einen angenehmen Eindruck hinterlässt, wenn man nicht nur Power zeigt, sondern auch die Fähigkeit zu Friede, Freude und Eierkuchen.

Nicht zu vergessen die jüngsten Ernüchterungen, die Bayerns korrupte Maskenraffkes ihm und seiner CSU zugefügt haben. Auch Söder hat erfahren müssen, wie schnell man einen politischen Blechschaden erleiden kann. Das stimmt milde gegenüber anderen Beschädigten. Und schließlich besteht da auch noch die Möglichkeit einer spontan geborenen Freundschaft ohne politische Haken und Ösen.

Soweit das Panorama dieser den Weißwurstäquator überschreitenden Freundschaften. Nun zu der Frage, ob beide wunderbaren Söder-Freundschaften – die in Richtung Berlin und die in Richtung Düsseldorf – eine Prognose für die kommenden Wochen möglich macht. Irgendwann in nächster Zeit muss ja entschieden werden, wer in Angela Merkels Fußstapfen treten soll.

Wer weiß, wo Merkels Geheimwaffe steckt?

Schon seit einiger Zeit führt Markus Söder (heimlich) das kleine Kandidatenfeld an. Und seine jüngsten Berliner Freundschaftsentwicklungen, gepaart mit Muttis Abstrafung ihres rheinischen Adoptivsohns, geben dem Franken einen weiteren Vorsprung. Aber jeder Besucher von Pferderennen weiß: Der Sieger drängt sich oft auf den letzten Metern am Feld vorbei nach vorn. Und keiner weiß, ob Angela Merkel, die stets ihr Girls Camp gepflegt hat, nicht noch eine Geheimwaffe in petto hat, die den galoppierenden Herrenclub in Angst und Schrecken versetzen könnte.

Naja, zu sehen ist da niemand. Mit Annegret Kramp-Karrenbauer hat sie keine ganz glückliche Hand gehabt. Ursula von der Leyen musste sie mit Hilfe einiger Freunde nach Brüssel in Sicherheit bringen. Keine ermutigende Bilanz.

Bleibt also nur Söder? Oder kann Laschet ein Comeback feiern? Und war da nicht noch einer? Natürlich, Friedrich Merz, der dritte Mann. Könnte er das dark horse sein? Oder hat er schon aufgegeben, weil keiner ihn liebhat und die Kanzlerin schon gar nicht? Und wo ist eigentlich Jens Spahn? Er war schon zugunsten Laschets ins zweite Glied getreten und hat sich dann als Corona-Spahn noch unbeliebter gemacht als der im Beruf unverzeihlich erfolgreiche und wohlhabende Merz.

Schließlich: Gehört Söder überhaupt zu den Kandidaten? Bisher hat er das noch nicht zugegeben. Die Kandidatenmacherin Merkel müsste ihn schon kräftig ziehen, damit er hinsinkt. Ja, er wird schon hinsinken, wenn sie ihn entsprechend zieht. Warum sonst hätte er Angela Merkel zur obersten Kandidaten-Instanz erklären sollen? Aber wird sie ihn ziehen, und zwar ausreichend kräftig, damit er hinsinken kann? Fragen über Fragen.

Es hilft alles nichts. Da gedeihen zwei wunderbar vielsagende Freundschaften, und man ist trotzdem so klug als wie zuvor.

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Karola Sunck / 09.04.2021

Im Grund genommen will Merkel weder Söder noch Laschet als Nachfolgerin. Ich schreibe bewusst ,,Nachfolgerin``, denn Merkel will keinem männliches Pedant dass Kanzleramt überlassen. Sie möchte die unfähige Annalena Baerbock auf ihren gequälten Kanzlersessel hieven.  Wenn das geschafft ist, wird sie der CDU den Rücken kehren und in ihre Lieblingspartei ,, Bündnis 90, die Grünen`` wechseln. Dort wird sie nach kurzer Zeit die Chefinnen-Rolle einnehmen und Annalena, die der Kanzlerinnenaufgabe nicht gewachsen ist, zum Rücktritt drängen, um sich wiederum zur Diktatorin und Kanzlerin, zur Rettung des neuen sozialistisch- kommunistischen Einheitsstaates Deutschland, emporzuschwingen. Und ganz Deutschland und besonders die Medien werden ihr, anhand dieses absurden Husarenstückes, mindestens 20 Min. stehende donnernde Ovationen zuteil werden lassen. Und unter den stehend Applaudierenden werden auch auch Söder und Laschet sein. Denn auch sie, besonders Söder, haben Anteil daran, am größten Beschiss der Deutschen nach dem Kriegsende mitgemacht und Merkel den Weg in die Diktatur ermöglicht zu haben.

Herbert Otten / 09.04.2021

Das kleinkarierte Kanzlernachfolge-Geschacher ist angesichts des übergriffigen Corona-Regimes und der faktischen Abschaffung der föderalen Verfassung doch völlig überholt. Angela Merkel hat niemanden aus der CDU/CSU als Nachfolger im Auge. Annalena Baerbock ist ihre Kandidatin. Um die Grünen weiter nach vorne zu bringen, muss ihre „eigene“ Partei weiter abwirtschaften. Das schafft sie am besten mit einer unfähigen bis chaotischen Corona-Politik. Ihre Propaganda-Kolonne wird schon dafür sorgen, dass sie sauber aus der Nummer herauskommt, während Söder, Laschet, Spahn, Günther und Co. im Dreck stecken bleiben. Margot hatte recht: „Ihr werdet Euch noch wundern:“

Wilfried Cremer / 09.04.2021

Der Coronismus ist ein Kult des Todes und der Lähmung. Aber auch ein demokratischer Faschismus. Gegen Muslimbrüder hilft schon mal das Militär. Uns hilft keiner. Oder?

Rolf Mainz / 09.04.2021

Wie lautet die Steigerung zu Feind und Todfeind? Parteifreund.

Jürgen Fischer / 09.04.2021

Merkel arbeitet doch selbst darauf hin, dass Baerbock ihre Nachfolgerin wird. Die will doch gar nicht, dass ihr einer aus „ihrer“ Partei nachfolgt. Deswegen wird ja gerade diese Idiotenparade veranstaltet. Wenn zwei sich streiten ...

Gido von Bertholdstein / 09.04.2021

Bleiben wir doch mal alle ehrlich. Es ist vollkommen egal wer wann gewählt wird. Die Agenda bestimmen die Grünen. Die Irren bekommen mit 20 % die Kanzlerschaft und alle Wünsche erfüllt. Das 80 % ein anderes Lebensmodell wünschen. Geschenkt. Wer braucht die CDU nach 16 Jahren grün linker Volksführerin? Genau, niemand. Ob Södlasche, oder Märzquatsch, wir bekommen was wir nach der Pastorentochter nicht verhindert haben. Mein Land gibt es nicht mehr. Kann ich bitte einen Ausreiseantrag stellen?

Bernd Meyer / 09.04.2021

Und was ist mit dieser Noch-Grünen, Katrin Göring-Eckardt? Herr Bonhorst, sehen Sie mich nicht so an. Oder ist das der Krampfhund?

Peter Bauch / 09.04.2021

Der war gut: Herr Merz als “dark horse”. Aber noch besser ist: Herr Merz als “dead horse”. Oder wie mein Vater zu sagen pflegte: verkauf den Gaul und pflaster die Wiese, dann können sie uns kein Gras mehr stehlen.

Anton Weigl / 09.04.2021

Es gibt inzwischen eine Südthüringische Union   (STU) ,   eine Södersche Südunion (SSU),  Strobls Untergangsunion (SUU), Laschets Nordwestunion (LNU)  , Merkels Blockflöten Union MBU.  Wer blickt noch durch?  Wo versteckt sich überhaupt die DSU ?

G. Böhm / 09.04.2021

Der Hund, des Menschen treuester Freund. Hunde erkennen sofort, wer ein guter Mensch ist, sagte einst mein Menschen-Freund. Nachdem ich mir das Bild im Großformat angesehen habe, meine ich, der Hund von Baskerville ist es nicht. Ich vermute, das abgelichtete Tier ist sehr intelligent.

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