Die monströse Tat einer öffentlichen Hinrichtung während der Ausübung von Meinungsfreiheit und die darauf folgenden hämischen Reaktionen sind eine Attacke auf die Zivilisation. TikTok und X geben uns Einblick in die schlimmsten und dunkelsten Seelenwinkel dieser Schreiber.
„Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, daß er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“
(Friedrich Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse)
Viele Gedanken schwirren mir durch den Kopf: Was ist die Reaktion auf den Mord von Charlie Kirk, der in seinen Einsatz für offene, harte aber anständige Debattenkultur aus dem Hinterhalt erschossen wurde? Wie sollen wir in unseren westlichen Gesellschaften der beschleunigten Erosion der Anständigkeit begegnen, die sich in den unzähligen widerwärtigen Reaktionen im Netz auf dieses Ereignis manifestiert?
Ein wachsendes Problem sehe ich darin, dass nicht mehr klar definiert ist, was anständig sein überhaupt bedeutet. Die KI beschreibt es als „ein Verhalten, das den moralischen und gesellschaftlichen Maßstäben entspricht“. Das wirft sofort ein neues Problem auf: Was soll denn eigentlich 2025 unser gemeinsamer moralischer Maßstab als Gesellschaft sein?
Diverse sehr lautstarke Akteure berufen sich auf die in ihren Augen „einzig richtige Moral“, mit der sie ihre Handlungen rechtfertigen. Aber erfüllt diese auf Kundgebungen und in den öffentlichen Medien proklamierte Moral auch die Kriterien der Definition, die laut Wörterbuch mit Synonymen wie Anstand, Lauterkeit und Integrität beschrieben wird? – Ich finde nicht.
Denn diese „Moral“ beinhaltet das Niederschreien von abweichenden Meinungen, die soziale Ächtung, das Beschimpfen und Verächtlichmachen des politisch Andersdenkenden bis hin zu Verteufelung, das Denunzieren, die Bedrohung von Reputation, von Eigentum und das Rechtfertigen von Angriffen auf das Leben der per Deklaration Verteufelten. Die Menge der Menschen, die diese Art von Moral nicht nur hinnehmen, sondern auch als geboten empfinden, scheint zu wachsen. Oder zumindest bekennt sich eine wachsende Anzahl von Menschen öffentlich wahrnehmbar dazu.
Sollen Mitbürger per Selbstjustiz wie Feinde bekämpft werden?
Sollen Verhaltensweisen wie „an den Pranger stellen“, „jemanden brandmarken“ oder „für vogelfrei erklären“ erneut als Maßstab unserer gesellschaftlichen Moral dienen? Ist eine Gesellschaft überhaupt noch eine solche, nämlich eine unter bestimmten (hoffentlich verbindenden) politischen und sozialen Gegebenheiten zusammen (!) lebende Gemeinschaft, wenn Menschen mit kritischen politischen Meinungen nicht als Mitbürger, sondern als bösartige Feinde erachtet werden und für nicht-justiziables, aber unbequemes oder kritisch provozierendes Verhalten per Selbstjustiz wie Feinde bekämpft werden?
Die monströse Tat einer öffentlichen Hinrichtung während der Ausübung von Meinungsfreiheit und Debatte und die darauf folgenden hämischen Reaktionen sind eine Attacke auf das, was ich unter Zivilisation verstehe, nämlich trotz stärkster Meinungsverschiedenheit und emotionaler Abneigung zumindest zu einem Minimum an anständigem und menschlichem Verhalten fähig zu sein.
TikTok und X geben uns direkten Einblick in die schlimmsten und dunkelsten Seelenwinkel dieser Schreiber. Das im realen Leben eventuell noch vorhandene Deckmäntelchen der Zivilisation ist hier verschwunden. Mit Schaudern blicke ich in diesen Abgrund. Ich bin nicht sicher, ob ich über diese zahlenmäßig noch nie dagewesene Möglichkeit, in die Abgründe der mitmenschlichen Herzen zu schauen, dankbar sein soll oder mich lieber mit Entsetzen in die analoge Zeit des Nichtwissens zurückwünschen möchte. Grundsätzlich bevorzuge ich Wissen vor Unwissen. Aber die Gefahr der Kontaminierung ist da.
Der Konsum von Schmutz und Destruktivität macht krank. Verhaltensverwahrlosung kann durchaus beeinflussen und um sich greifen. Mein eigenes Fazit unter dem Eindruck dieser aufrüttelnden aktuellen Geschehnisse lautet: Es ist unbedingt nötig, die Kultur des zivilisierten anständigen und integeren Verhaltens zu stärken! Ich denke, es ist nötig, dass Menschen, die sich dieser Abwärtsspirale an Destruktivität und Verhaltensverwahrlosung entgegenstellen wollen, den Begriff Integrität für sich selbst klar definieren. Was bedeutet es genau für mich, ehrlich und aufrichtig den eigenen Werten und Überzeugungen treu zu bleiben, ohne sich von Druck oder Eigennutz leiten zu lassen?
Meine Hoffnung ist, dass die Attraktivität eines aktiv gelebten von zivilisierten Maßstäben gesteuerten Zusammenlebens sehr bald wieder deutlich mehr Strahlkraft bekommen möge.
Cornelia Buchta ist Querflötistin und Musikpädagogin.
Beitragsbild: terimakasih0
Ergänzung: X (vormals Twitter) ist nicht nur Hort von Dreck. Ohne X, wie es heute ist, würde es bestimmte, sehr notwendige Debatten in der gegenwärtigen Breite überhaupt nicht geben. Sicher gibt es bei X Dreck, doch der ist Preis der Meinungsfreiheit und er bekommt bei X auch mächtig Contra. Im Artikel ist von die Gesellschaft verbindenden „zivilisierten Maßstäben“ die Rede. Es ist ein bekennen der Christ erschossen worden, der sich leidenschaftlich für Meinungsfreiheit und Debattenkultur einsetzte. Die Folge sind keine brennenden Straßen, sondern Gebete und brennende Kerzen. Ehemalige Kritiker Kirks, darunter viele Schwarze, wenden sich mit Abscheu von denen ab, die seine Ermordung feiern. Viele dieser noch zur Differenzierung und Anstand fähigen Menschen sind Christen und bekennen das ausdrücklich. Auch wenn es bei der Achse traditionell weniger Anklang findet, könnten die unsere westlichen Gesellschaften verbindenden „zivilisierten Maßstäbe“ in der Botschaft Jesu zu finden sein, die immer weiter zurück gedrängt wird. Was an ihre Stelle tritt, neue Sozialismen und Islam, ist unvereinbar mit Freiheit. Unsere westliche Zivilisation, unser Menschenbild wurzeln in Christentum, Freiheitswillen und Aufklärung. Es sind gewachsene kulturelle Grundsätze, die auch Leuten eigen sein können, die nicht an Gott glauben. Werden die Wurzeln schwach, kippt ein Baum. Kirk wurde umgebracht, weil er die Wurzeln stärkte. Doch der Mord hat viele Menschen derart ergriffen und aufgerüttelt, dass sie seine Mission entschlossen weiterführen werden.
Nachdem das Profil des Terroristen, erwartbar selbstgratifikatorisch und fantasieantifaschistisch, inzwischen bekannt ist, sollte noch etwas unmißverständlich klargestellt werden: es waren die Charlie Kirks Amerikas, die 1941 millionenfach in einen weit entfernten Krieg zogen, um Nazideutschland und seinem vergammelten Kollaborationseuropa die Stirn zu bieten. Sie waren es, die den Sieg über diese Monstrosität zu hunderttausenden mit ihrem Leben bezahlten und ihrem Heroismus ist es zu verdanken, daß es in Europa zwischen 1945 und 1990 eine kurze Phase hier vorher ungekannter Freiheit mitsamt dem daraus folgenden Wohlstand gegeben hat. Die US-Progressiven dagegen, nicht zuletzt deren akademisches Kontingent, hatten Nazideutschland lange als integralen Bestandteil einer progressiven Internationale gesehen oder gar als Muster des ersehnten Mittelweges zwischen Sozialismus und Kapitalismus bewundert. Wenn ein europäischer Widerstand heute irgendeine Relevanz haben will, dann sind es große Amerikaner wie Kirk, amerikanische Prinzipien, amerikanische Freiheit, die die Richtung weisen können, nicht neue nationale Egotrips oder die Gespenster provinzialer ´Souveränität´. Mehr Amerikanismus bitte, und am Besten ein föderales Europa mit möglichst direkter Übernahme der US-Verfassung. Oder gleich die United States of the West.
@Thoralf Seifstein, leider wahr. Das Statement habe ich verstanden, aber alle Musiker insbesondere aus dem Genre klassische Musik können keinen Blick auf den Dreck werfen, ohne das ihre musikalische Präsenz darunter leidet. Sie sind als kulturelle Bereicherung auch nicht verdonnert, gleichzeitig „Krav-Maga“ zu trainieren. Man nenne mir nur einen „Araber/Türken“ in Deutschland, der virtuos Franz Schubert, Oktett in F-Dur beherrscht. Selbst bei Zwischentönen einer Bigband wie das Polizeiorchester Hamburg sieht man kein „Kopftuch“ auf dem Platz vor dem Hamburger Rathaus. Dabei spielt diese Bigband von Mai bis September immer Freitag von 12:00 bis 13:00 bei gutem Wetter.
@Winston SMith: Können Sie Ihre Behauptungen mit einem einzigen Beweis stützen? Nur ein einziger würde mir genügen. Sie dürfen ja glauben, was Sie wollen. So wie ich auch. Jeder verteidigt seine Weltsicht. Aber das Darwinsche Gedankengebäude steht auf morschen Brettern. Das hat sogar Darwin selbst erkannt und sehr viel von „glauben“ (believe) bei seinen Theorien gesprochen. Als er die Komplexität des menschlichen Auges erkannt hat, hat er rückhaltlos zugegeben, dass dies nicht mit seiner Theorie in Einklang zu bringen ist. Wenn Darwin die Komplexität von Zellen damals auch nur annähernd geahnt hätte, hätte er sein Gedankengebäude wohl kaum in der Welt verbreiten lassen. Und viele andere Belege könnte ich liefern. Schauen Sie aber mal in Darwins Werke rein. Haben Sie das jemals getan??
@Angela Voß: Die „dämlichen Kreationisten“ waren ein Zitat aus dem Kommentar eines anderen Foristen. Damit waren Leute wie Charles Kirk oder auch ich gemeint, die den Schöpfungsbericht der Bibel für bare Münze geben und diesen Standpunkt gut begründen können. (Was Evolutionisten für den ihren eher nicht können.)
Ich möchte es keiner Querflötistin oder Musikussenden Pädagogin dieser Welt ausreden, aber ich kann nicht ausschließen, daß wenn man aufs Schlachtfeld gezerrt wird und dann dort gutgläubig mit der weißen Blümchenfahne antanzt, das das relativ kurzfristig in die Hose gehen kann. Aber es steht mir nicht zu, das Jemanden ausreden zu wollen.
Eine kleine Bitte an die zivilisierten Schneeflöckchen hätte ich noch: Bitte, wenns in der Realität tatsächlich losgehen sollte, nicht dann noch verzweifelt und hysterisch mit lautem OhgottOhgott und die Hände über Kopf, mir und den Anderen beim Abwehrkampf dämlich vor der Funzel rumrennen…
;-)
Die monströse Tat des Massemordens, beginnend mit den Maßnahmen in 2020 in Krankenhäusern und Pflegeheimen, und die daraufhin folgenden Angriffe grauenvollster Art haben schon zu genüge die dunkelste Seiten, auch unserer engsten Mitmenschen, aufgezeigt, daß mich politische Morde mit ihren Gutheißungen nicht im mindesten mehr erschüttern können, schon gar nicht wundern oder überraschen. Mit Bedauern stelle ich fest, daß mehr und mehr von Verfolgung dieser Missetaten selbst seitens der betroffenen Gesellschaft durch Tehmenwechsel abgesehen wird.