Jüngst brillierte SPD-Chefin Saskia Esken in einer unter deutschen Politikern beliebten Disziplin: dem Nazi-Vergleich, ohne zu begreifen, wie geschichtsvergessen und verleumderisch dieser ist.
„Wer heutzutage in einer politischen Debatte den Begriff ,Nazi’ gegen wen auch immer ins Feld führt“, schrieb Michael Klonovsky einmal, „ist aus ethischer Sicht ein Lump, aus historischer Sicht ein Verharmloser und aus intellektueller Sicht eine Null.“ Das hindert viele Akteure des Politikbetriebes und deren Unterstützer allerdings nicht daran, es immer wieder zu tun. So bezeichnete Willy Brandt 1985 den damaligen CDU-Generalsekretär Heiner Geißler vor laufender Kamera als „den schlimmsten Hetzer seit Goebbels in diesem Land“. In einem Interview mit dem US-Nachrichtenmagazin Newsweek sagte Kanzler Helmut Kohl im folgenden Jahr über den sowjetischen Generalsekretär Michail Gorbatschow: „Er ist ein moderner kommunistischer Führer, der sich auf Public Relations versteht. Goebbels, einer von jenen, die für die Verbrechen der Hitler-Ära verantwortlich waren, war auch ein Experte in PR.“
Ganz ähnlich hatte sich Altbundeskanzler Helmut Schmidt schon 2008 über den damaligen Chef der Linkspartei, Oskar Lafontaine geäußert; dieser habe Charisma, aber Charisma allein mache noch keinen guten Politiker aus: „Auch ,Adolf Nazi' war ein charismatischer Redner. Oskar Lafontaine ist es auch.“
Pegida-Gründer Lutz Bachmann schmähte Heiko Maas als „schlimmsten geistigen Brandstifter“ seit Goebbels und Karl-Eduard von Schnitzler, das Satiremagazin Titanic fantasierte von einer Zeitreise in Österreich, auf der man Sebastian Kurz als „Baby-Hitler“ töten könne. Und der als Satiriker firmierende ZDF-Moderator Jan Böhmermann titulierte die CDU als „Nazis mit Substanz“. Die Empörung darüber wiegelte der Intendant des Senders mit der Behauptung ab, es habe sich um eine private Äußerung Böhmermanns gehandelt. Der ZDF-Intendant heißt übrigens Norbert Himmler, was der Angelegenheit nochmal eine zusätzliche pikante Note verleiht.
Wer träumt nochmal vom Parteiverbot?
Auf irgendeinen knackigen Nazi-Vergleich mag so mancher, der den Gegner schmähen will, nicht verzichten. Zu groß ist die Versuchung, der zugespitzten Dämonisierung wegen auf eine reductio ad Hitlerum zurückzugreifen. Diesmal machte sich Saskia Esken, seit 2019 eine der beiden Bundesvorsitzenden der SPD und sich der Antifa zugehörig fühlend, öffentlich zum Obst. Im Gespräch mit dem ORF-Nachrichtenmoderator Armin Wolf (in Gänze hier anzusehen) antwortete sie auf Nachfrage, ob sie die AfD mit Goebbels vergleiche: „Ja. Das ist eine Nazi-Partei“. Es gebe Bestrebungen der AfD, „die Demokratie zu untergraben“, außerdem „menschenfeindliche Haltungen gegenüber allen möglichen Gruppen in unserer Gesellschaft“. Die AfD ziele darauf ab, „unsere Demokratie zu zerstören“. Eine Behauptung, für die sie offenbar keinen Beleg beizubringen vermag, denn sonst hätte sie es ja in den elf Jahren des Bestehens der AfD wenigstens einmal getan.
Hier nochmal zur Erinnerung, was die Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) war: eine durch und durch antidemokratische, radikal antisemitische Partei, die mit SA und SS nach dem Vorbild der italienischen Faschisten schon einige Jahre vor der Machtübernahme brutale Gewalt gegen politische Gegner ausübte, dem Führerprinzip huldigte, Hunderttausende in Folterkellern und Konzentrationslagern quälte, schließlich einen Krieg vom Zaun brach, der 50 Millionen Menschen das Leben kosten sollte, Angehörige anderer Rassen, die sie als „minderwertig“ einstufte, zu Millionen ermordete oder versklavte und so weiter.
Wer Saskia Esken reden hört und sich mit der Geschichte ebenso wenig auseinandergesetzt hat wie die SPD-Chefin, wird also in dem Glauben gelassen, die AfD sei als „Nazi-Partei“ wie die NSDAP. Was sie, siehe oben, nicht ist. Übrig bliebe allein die Unterstellung, die AfD verfolge ebenfalls die Absicht, die Demokratie abzuschaffen, aber während Hitler – der sich wie Goebbels als Revolutionär verstand – das ganze System und die Gesellschaft radikal umkrempeln wollte und das auch offen sagte sowie gleich in die Tat umsetzte, kann bei der AfD überhaupt keine Rede davon sein. Sie hat weder die Abschaffung der Demokratie gefordert noch das Verbot anderer Parteien – solche Absichten hegen ganz andere.
Mit dem Charme der Direktorin einer Gefängniswäscherei
Auch Saskia Esken selbst, die schon physiognomisch den Eindruck macht, dass sie, wäre ihr nicht die Gnade der späten Geburt zuteilgeworden, durchaus eine Kollegin von Irma Grese… (doch halt, nein! Wir sagten doch: Keine Nazivergleiche!), also, nun ja: den Charme der Direktorin einer Gefängniswäscherei versprüht. Sie stellte sich einst für ein SPD-Projekt so vor: „Mit 20 spielte ich als Straßenmusikerin auf Marktplätzen und schlief in meinem Auto. Dass ich eines Tages mal Parteivorsitzende der SPD sein würde, war unvorstellbar.“ Das ist es allerdings heute noch. „Neugierig war ich schon immer, Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich bis heute. Aber auch meine eigene Geschichte ist geprägt von Abenteuerlust und Furchtlosigkeit.“ Nur von Zeitgeschichte hat sie offensichtlich keine Ahnung.
Offensichtlich ist sich die Frau, die „Paketbotin, Kellnerin und Softwareentwicklerin (war), bevor ich in den Bundestag gewählt wurde“, nicht darüber im Klaren, was sie mit ihrem unsäglichen Nazi-Vergleich anrichtet, dem prinzipiell eine unverantwortliche Verharmlosung des Nationalsozialismus innewohnt. Ein unbedarfter Schüler könnte jetzt meinen, dass die NSDAP eine Partei war, die sich gegen das Verteilen von Milliarden ins Ausland, unkontrollierte Einwanderung und Aufgabe nationaler Souveränität in Europa wandte, was ja alles völlig legitime Anliegen wären. Wollte die NSDAP etwa nur vollziehbar Ausreisepflichtige loswerden? Sprach sie sich gegen die Deindustrialierung aus? War sie gegen das Gendern oder gar die Zuwanderung islamischer Antisemiten?
Nein, Nazi-Vergleiche sind nicht nur rhetorische Rohrkrepierer. Sie können auch unermesslichen Schaden anrichten. In der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) wurde das einmal so auf den Punkt gebracht:
„Gemeinsam ist allen Nazi-Vergleichen eines: Mit jeder Äußerung wird der Nationalsozialismus banalisiert. Jede Gleichsetzung ist eine Verhöhnung der Opfer. Wenn sich schon die Schweizer FDP mit Nazis gleichsetzen lassen muss, haben sich die Grenzen des Sagbaren nicht nur verschoben, sie sind bereits gefallen. Zwölf Jahre Diktatur, Verfolgung, Rassenwahn und Völkermord drohen zu einer Randnotiz der Geschichte zu werden.“
Esken ist als Vorsitzende der SPD, einer einst von den Nazis verbotenen Partei, deren Mitglieder in Konzentrationslager verschleppt und ermordet wurden, völlig fehl am Platze. Und wie sie in diese Position gelangen konnte, ist ein Rätsel. Andererseits passt sie wiederum in diese Zeit, in der so manchem in einer gehobenen Position sämtliche Maßstäbe längst verrutscht sind.
Claudio Casula arbeitet als Autor, Redakteur und Lektor bei der Achse des Guten.
Beitragsbild: Ekvidi, CC BY-SA 4.0, Link

Nun ja, sie sagt es mal einfach so. Dann steht es halt im Raum. Wird schon irgendwie wirken. Auch auf verschiedenen unpolitischen Veranstaltungen drängeln sich derzeit politische Mandatsträger vor, um ein paar Begrüßungsworte loszuwerden. Der einzige Zweck ist, den Saal vor der AfD zu warnen, sie als Nazi-Partei zu diffamieren und die Wähler „zu warnen“. Leider ist bisher noch niemand aufgestanden und hat diese ungebetenen Schwätzer von der Bühne heruntergeholt. Also alles gut für Esken und Co.
DER FALL IST PSYCHOANALYTISCH DOCH GANZ SIMPEL: Die AfD ist die Projektionsfläche reaktionärer Anti – Nazis. D.h. ABER: Der Reaktionäre Anti – Nazi ist nach der Logik der Psychoökonomie das Kind eines Nazis und überführt in der Anklage einen Familienkonflikt in die Stellvertreter – Figur, in dem Fall die AfD. Es ist tatsächlich so, daß die Dichte an, mit NS -Pädagogik in Berührung gekommenen Kindern in den Altparteien ggf. sogar höher ausfällt als in der AfD, und diese schlicht das Komplementär ausbildet, oder die Voodoo Puppe der nicht bewältigten Geschichte. Die Ankläger sind eigentlich die Personen, die nach der Analyse schreien und in der AfD das eigentliche – verhohlene Ich – erblicken, mindestens aber die Eltern und die eigene Familiengeschichte. Die Sache ist wieder einmal weit aus komplizierter als sie oberflächlich den Eindruck macht. Die Angst vor der AfD als Familienscham des Establishments, das dürfte hinkommen.
Und wenn Frau Esken das in einer Talkshow äußern kann, ohne dass beim Sender und bei der SPD sich die Proteste stapeln, dann zeigt das, wie wenig unser Bildungssystem „Diktatur“ unterrichtet und wie schlecht es Nazi unterrichtet. Ich hoffe nur, RRG überspannt den Bogen. Aber der Weg ist klar: RRG arbeitet daran, dass Äußerungen dieser Art als Tatsache wargenommen werden. Die CDU/CSU kann sich zurücklehnen, schweigen und hofft darauf, dass der politische Gegner untergeht. Hoffentlich verschätzt sich die CDU nicht und steuert auf den gleichen Weg zu, wie der Gegner, den die Brandmauer ausgrenzt. Aber wahrscheinlich endet sie gleichgeschaltet mit RRG.
„Wollt Ihr den totalen Stuss?“ Wollt ihr ihn, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt noch vorstellen können? Nein! Nein! Stoppt Esken!
Könnte es denn sein, dass die das wirklich glauben? Eine hysterische Elite hat über Jahrzehnte den Untergang des Königreichs an die Wand gemalt. Hat ein düsteres Menschbild vermittelt. Also ich glaube, die fürchten wirklich, die Machtübernahme könnte morgen schon sein! The horror, the horror, eine Mischung aus History Channel und Schindlers Liste … Es ist wie die Dystopie mit dem Virus, die leben da drin! Schlussendlich wird auch ein Virus gefürchtet, das AH1933 Virus, ein Virus des Verstandes. Die letzten Überlebenden dieser Zeit werden bald auch nicht mehr sein. Der Kampf gegen Rechts ist völlig von Realitäten entkoppelt, erinnert an den Kampf gegen die Windmühlen. Statt den Maßstab Realität einzufordern, die gesellschaftlichen Realitäten zu betrachten, wird reflexartig „Verharmlosung“ gerufen.
Dass die Saskia nur besser werden kann, will ich gar nicht bestreiten. Das Etablieren von Nazis als das absolute, etalonreife Böse, wird aber auch fehlschlagen.
Zum einen, mit der Zeit nimmt man generell Abstand und man kann es den Leuten nicht verbieten, auch die Nazis losgelöst von ihren Taten als einfach etwas Böses wahrzunehmen, ohne darauf achten zu müssen, wann man das sagen darf. Siehe Chaplin als Hitler oder „Inglourious Basterds“.
Zum anderen haben wir aktuell z.B. in Hamas einen um keinen deut weniger grauenvollen Nachfolger der deutschen Bewegung aus dem letzten Jahrhundert.
Und was das Massensterben und die Befreiung von jeglichen moralischen Normen angeht – haben wir doch unser freuliches Spritzen von Babys und Erwachsenen mit Substanzen, die nachgewiesenermassen enorm viele Teilnehmer dieser „Feldstudie“ ins Jenseits befördern.
Also, wirklich einmalig ist es auch nicht.
Deswegen sehe ich das weitere Festhalten an diesem Dogma als nicht realistisch. Die Menschheit erfindet immer mal wieder etwas Schlimmes, was alle Vorgangertaten in den Schatten stellt.
Ich bin immer wieder überrascht, was für Politiker der deutsche Schlafmichel so wählt…