Der grün-rote Medienmainstream in Deutschlands heimlicher Hauptstadt des Wokismus feiert das Coming-out eines Wittelsbachers. Hingegen eckt Gloria von Thurn und Taxis zwar als Traditionskatholikin an, wird aber noch eingeladen. Die „Liberalitas Bavariae“ hat offenbar noch nicht ganz ausgedient.
In den vergangenen Wochen war in den Münchner Boulevardmedien auffallend oft das Konterfei eines huldvoll lächelnden und gutaussehenden älteren Herren zu sehen. Es handelte sich um Franz von Bayern, seines Zeichens Herzog und amtierender Chef des Hauses Wittelsbach, eines der ältesten deutschen Adelshäuser. Wohnhaft München, Schloss Nymphenburg. Wäre Bayern noch eine Monarchie, säße Franz, Urenkel des letzten bayerischen Königs Ludwig III., heute wohl auf dem weißblauen Thron.
Jüngst feierte der Herzog, der offiziell mit „Königliche Hoheit“ anzusprechen ist, seinen 90. Geburtstag. Pünktlich zu diesem Ereignis kam ein Interviewbuch heraus, in dem er sein ereignisreiches Leben Revue passieren lässt und sich zu allseitiger Überraschung als homosexuell outet. Nicht dass dies für die Münchner Society eine besonders aufsehenerregende Neuigkeit gewesen wäre. Doch dass der diskrete Herr zum Ende seines Lebens diesen Schritt wagen würde, hatte man dann doch nicht erwartet. Gleichzeitig avancierte sein langjähriger „Privatsekretär“ Thomas Greinwald zum regulären Lebensgefährten seit 42 Jahren.
Der grün-rote Medienmainstream in Deutschland heimlicher Hauptstadt des Wokismus war natürlich begeistert und beglückte die Leser mit allseits wohlwollendster Berichterstattung vom Hof seiner, pardon, Bayerischen Schwulität. Und sogar die Grünen und Linken hielten ihren Rand, die sonst gerne mal eine Reform des Wittelsbacher Ausgleichsfonds anmahnen. In diesen Fonds waren nach Ende der bayerischen Monarchie im Jahre 1918 jene Vermögenswerte geflossen, die als Privatbesitz der Wittelsbacher anerkannt wurden und den Angehörigen des Hauses bis heute ein auskömmliches Leben ermöglichen, inklusive des Privilegs einer eigenen Loge in der Bayerischen Staatsoper, der „Wittelsbacherloge“.
Teil des zeitgeistigen Establishments
Noch toller wäre es gewesen, wäre der Herzog samt seinem „Herzensmensch“ auf der Parade des diesjährigen „queeren Feiertags“ namens CSD aufgetreten, vielleicht in jenem muschelförmigen Prunknachen, in dem sich sein ebenfalls Männer liebender Vorgänger Ludwig II. in der Motiven aus Richard Wagners „Tannhäuser“ nachempfundenen Venusgrotte von Schloss Linderhof herumschippern ließ. Aber das wäre dann wohl doch etwas zu viel des Guten gewesen.
Jetzt darf sich Herzog Franz endgültig als Teil des zeitgeistigen Establishments fühlen. Wobei er noch über weitere Eigenschaften verfügt, die ihn in dieser Hinsicht anschlussfähig machen. Herzog Franz gilt als großer Kenner und Förderer der modernen Kunst, ging in Andy Warhols Factory aus und ein und zählt zu den Initiatoren der Münchner Pinakothek der Moderne. Er schätzt den reformfreudigen Münchner Kardinal Reinhard Marx und spricht sich für den „synodalen Weg“ einer weiteren „Öffnung“ der Katholischen Kirche aus. Und er kann sich als Opfer des Naziregimes bezeichnen. 1944 wurde seine Familie verhaftet und musste Monate in Konzentrationslagern verbringen, eine einschneidende Erfahrung.
Wer eine solche Vita vorweisen kann und als durchweg „liberal“ gilt, den fragen die Medien schon mal, ob er sich denn vorstellen könne, König zu sein. Eine Frage, die der Herzog stets mit einem durchaus glaubwürdigen Bekenntnis zur republikanischen Regierungsform in Söderscher Ausprägung pariert. Über eigene Kinder verfügt der Adelige, der bislang immer als „eingefleischter Junggeselle“ geführt wurde, nicht, notabene. Doch mit seinem Neffen Ludwig Prinz von Bayern steht schon ein Nachfolger als Hauschef in den Startlöchern. Auch an ihm, dem langjährigen Entwicklungshelfer in Afrika, dürfte der Mainstream Gefallen finden.
Unerschrockene Fürstin mit dem lockeren Mundwerk
Gerade endeten die herzoglichen Festwochen mit einem Dankgottesdienst in St. Michael in der Münchner Innenstadt. Als Gäste geladen waren auch Gloria von Thurn und Taxis nebst ihrem Sohn Albert, dem amtierenden Fürsten. Gloria ist das genaue Gegenteil von Herzog Franz, jedenfalls was ihren Grad an linksgrüner Kompatibilität betrifft. Die Traditionskatholikin hält weder etwas vom „synodalen Weg“ noch von der Homoehe. Regelmäßig löckt sie bei „Achtung Reichelt“ gegen den grünen Zeitgeist und hat sich damit schon eine beachtliche Phalanx von Gegnern gesichert, die auf der von der Verdi-Jugend Oberpfalz eingerichteten Webseite „Thurn und Toxisch“ ihre jeweils neuesten Verfehlungen auflisten.
„Ihre Durchlaucht“ sei eine „katholisch-fundamentalistische, erzreaktionäre und rechte Netzwerkerin und Aktivistin“, heißt es dort, Zuschreibungen, die die unerschrockene Fürstin mit dem lockeren Mundwerk als Kompliment verbuchen dürfte. Gloria ist bekennender Fan von Viktor Orban, Donald Trump und dem früheren Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, der als dezidiert konservativer Präfekt der Glaubenskongregation von Papst Franziskus geschasst wurde. Den kirchlichen Missbrauchsskandal hält sie für ein Instrument, um die Kirche ins Abseits zu manövrieren, die Coronapolitik bezeichnete sie als „Diktatur“ und den grünen Wirtschaftsminister Robert Habeck als „Jünger einer Klima-Sekte“. Die ihr unterstellte „Queerfeindlichkeit“ besteht vor allem darin, dass sie eigentlich nur allzu offensives, „sexualisiertes“ Auftreten kritisiert. Ganz im katholischen Sinne dürfte ihr, selbst kein Kind von Traurigkeit, egal sein, was die Menschen in ihren Privatgemächern treiben, vorausgesetzt, man geht regelmäßig zur Beichte.
In ihrem Heimatort Regensburg sieht sie sich unterdessen Enteignungsforderungen und Boykottdrohungen ausgesetzt, etwa betreffend die von ihr veranstalteten Regensburger Schlossfestspiele in ihrem Stammschloss St. Emmeram. Jüngst sagte Startenor Jonas Kaufmann dort einen Auftritt ab, angeblich wegen eines ihn plagenden „multiresistenten Keimes“. Weil er gleichzeitig auch andere Termine cancelte, wird vermutet, dass es sich nicht um einen Protest gegen die Fürstin handelt, trotzdem kursieren diesbezügliche Spekulationen.
Was der Herzog Franz von ihr hält, ist nicht überliefert. Dass sie zum Dankgottesdienst eingeladen wurde, könnte allerdings dafür sprechen, dass die oft zitierte „Liberalitas Bavariae“, das süddeutsch-katholische „Leben und Leben lassen“, noch nicht ganz ausgedient hat.
Georg Etscheit ist Autor und Journalist in München. Fast zehn Jahre arbeitete er für die Agentur dpa, schreibt seit 2000 aber lieber „frei“ über Umweltthemen sowie über Wirtschaft, Feinschmeckerei, Oper und klassische Musik u.a. für die Süddeutsche Zeitung.

OT: Siehe auch „Felicity Ace“. Das Frachtschiff wird in etwa 10-14 Tagen sinken, also so weit raus aufs offene Meer wie nur möglich, wenn überhaupt noch möglich…
Neue Post oder Das Goldene Blatt? Mir war, als hätte ich Achgut angewählt, gab’s da unterwegs eine Weiterleitung?
Diese Wittelsbacher – Eine Dynastie von „Spinatstechern“, wie man einst zu sagen pflegte….
Niemand in diesem Land, in dem der Adel abgeschafft ist, hat Anspruch auf irgendeine „Hoheit“. Auch der Titel „Herzog“ ist eigentlich ein Verstoß gegen die Aufhebung des Adels in der Weimarer Republik, die in der BRD erneut aktualisiert wurde. Wie Franz es geschafft hat, eigentlich illegalerweise sich vom „Prinz“ zum „Herzog“ in der Meldebehörde der Stadt München zu „befördern“, weiß wahrscheinlich nur er selber. Wir hätten es wie die Österreicher machen sollen, dann gäbe es diesen ganzen Adelshumbug nicht.
War die nicht mal „Punkerin“?
In der Bibel steht auf unter Männern praktizierte Homosexualität die Todesstrafe. In Uganda ist man nicht so streng.
Vielen Dank für den Hinweis auf die Netzseite „Thurn und Toxisch“: Eine vergnügliche und erbauliche Lektüre auf höchstem intellektuellem Niveau. Ich werde einiges davon in meinen aktiven Wortschatz übernehmen.