Wolfgang Zoubek, Gastautor / 20.01.2023 / 16:00 / Foto: Pixabay / 5 / Seite ausdrucken

Wohin steuert Japan?

Die politische Situation in Japan, ein halbes Jahr nach den tödlichen Schüssen auf Ex-Premier Shinzō Abe und die geheimnisvolle Macht der Moon-Sekte. 

Das Attentat auf Shinzō Abe, das vor einem halben Jahr verübt wurde, hat in Japan viel verändert. Eine politische Folge des Attentats war, dass der derzeit amtierende Premierminister Kishida ein veritables Eigentor schoss, als er für den ermordeten Ex-Premier eigenmächtig ohne Abstimmung im Parlament ein Staatsbegräbnis anordnete. Denn in den folgenden Monaten stürzten seine Beliebtheitswerte dramatisch ab.

Shinzō Abe war am 8. Juli 2022 während einer Wahlkampfveranstaltung in Nara von einem Attentäter erschossen worden. Bei der zwei Tage später stattfindenden Wahl profitierte die LDP, die Partei Abes und Kishidas, noch von dem Ereignis. Doch war zu diesem Zeitpunkt über die Hintergründe des Attentats kaum etwas bekannt, denn in den Tagen danach hatten die Behörden gezielt Informationen zurückgehalten. Man versuchte damals, den Attentäter als geistig nicht zurechnungsfähigen Wirrkopf darzustellen. 

Kishida glaubte damals auf der Mitleidswelle für Abe mitschwimmen zu können, und kurzfristig ging die Rechnung auch auf. Seine Popularität, die damals schon im Sinken war, stieg tatsächlich wieder an. Dieser Effekt war es auch, der nach dem Attentat zum Wahlsieg der LDP geführt hatte. Doch je mehr über die Motive der Tat bekannt wurde, desto mehr änderte sich die Beurteilung in der öffentlichen Meinung. 

Immer mehr Opfer der Moon-Sekte melden sich

Yamagami, der Attentäter, war als junger Mann ein Opfer des Treibens der Moon-Sekte geworden, weil seine Mutter das gesamte Familienvermögen der Sekte übereignet hatte. Die Familie war damals finanziell ruiniert, doch fanden die Angehörigen nirgends Unterstützung. Ähnliche Fälle, wo Sektenmitglieder unter dubiosen Umständen dazu gebracht wurden, große Beträge zu spenden, hatte es in den letzten Jahrzehnten zuhauf gegeben. Doch die staatlichen Behörden hatte die Sekte gewähren lassen und nichts dagegen unternommen. Als diese Informationen in den Wochen nach der Tat an die Öffentlichkeit gelangten, änderte sich die Haltung der Japaner zu dem Fall.

Immer mehr Opfer der Sekte meldeten sich, denn das Vorgehen der Moon-Sekte hatte System. Vielen Japanern war es ähnlich ergangen, auch sie hatten damit kein Gehör gefunden. Die Sekte nahm ihre Mitglieder finanziell aus, indem sie ihnen Schuldgefühle einredete, und von der Schuld mussten sie sich durch Spenden freikaufen.

In der Öffentlichkeit präsentierte sich die Sekte allerdings als Gutmenschenclique, die jedem, der sich ihnen anschließe, Glück und Seligkeit bringe. Um kinderlos gebliebenen Paaren zur Erfüllung ihres Kinderwunsches zu verhelfen, wurden Anhänger der Sekte dazu aufgefordert, anderen Sektenmitgliedern eigene Kinder zur Adoption zu überlassen. Dies führte dazu, dass in vielen Fällen Geschwister auseinandergerissen wurden. Es gibt mehrere dokumentierte Fälle, wo ältere Geschwister ihr jüngeres Geschwisterchen nie wiedersahen, oder überhaupt nicht wussten, dass sie ein Geschwisterkind hatten, weil ihre Eltern das neugeborene Kind sofort an andere Sektenmitglieder weitergegeben hatten.

Etliche Politiker standen in Verbindung zur Sekte

Diese Praxis blieb und bleibt in Japan aber folgenlos, denn solange Eltern ihr Kind freiwillig zur Adoption freigeben, gilt ihre Handlung als legal. Strafrechtlich von Belang wäre es nur, wenn Geld geflossen wäre, indem die Sekte Prämien dafür ausgelobt hätte, erst das wäre dann strafbarer Kinderhandel. Doch gegen diesen Vorwurf verwahrt sich die Sekte, wie bei den Spendern legt sie Selbsterklärungen vor, um zu beweisen, dass alles „freiwillig“ geschehen sei. Es ist zwar bekannt, dass in der Sekte Gehirnwäsche stattfindet, doch solange direkt Betroffene behaupten, sie hätten aus eigenem, freiem Willen gehandelt, gibt es dagegen keine juristische Handhabe. 

Der politische Sprengstoff des Problems rund um die Moon-Sekte liegt darin, dass nicht nur Abe, sondern eine ganze Reihe von Politikern in Verbindung zu der Sekte stand – und das waren keineswegs ausschließlich LDP-Mitglieder. Sie ließen sich mit der Sekte ein, um dort Wählerstimmen zu gewinnen. Zum Teil hatten sie selbst Geld gespendet, um sich die Leute geneigt zu machen, oder sie hatten Wahlkampfspenden von der Sekte erhalten.

Kishida hatte zwar darauf reagiert und bei einer Regierungsumbildung im Sommer einige Minister entlassen, von denen bekannt war, dass sie Kontakte zur Sekte pflegten. Doch kam es in der Folge zu weiteren Rücktritten, weil einzelne Parteileute keine wahrheitsgetreuen Angaben gemacht hatten. Ein Minister hatte behauptet, nichts mit der Sekte zu tun zu haben, bis Fotos auftauchten, die ihn neben der Frau des Sektengründers zeigten. Aufgrund dieser Vorkommnisse sank die Zustimmung zu Kishidas Kabinett von 60 auf knapp 30 Prozent. 

Die Inflation macht den Japanern zu schaffen

Kishidas Glaubwürdigkeit ist inwischen so schwer erschüttert, dass er aus dem Tal kaum noch herauskommen wird. Vor der Wahl im Sommer hatte er noch damit geworben, dass er für Entscheidungs- und Durchsetzungskraft stehe, doch viele Leute glauben ihm das nicht mehr. Drängende Probleme wie die Inflation und die eklatante Schwäche des Yen, die alle Importe zusätzlich verteuert, ging er im letzten Jahr überhaupt nicht an, sondern verkündete nur mit seiner stets zur Schau getragenen süß-sauren Miene, dass die weitere Entwicklung abgewartet werden müsse, bevor er Entscheidungen treffen könne. 

Inzwischen liegt die Inflation offiziell bei vier Prozent, doch die gefühlte Inflation ist höher. In den Supermärkten sind so gut wie alle Produkte teurer geworden, Speiseöl und Fleisch um 30 Prozent, aber auch Milch, Eier, Obst und Gemüse, dazu Bier, Kaffee und so weiter. Energie, darunter vor allem Strom, Gas und Benzin, verteuerte sich ebenfalls um 30 Prozent. Es gibt eigentlich nichts, wo die Preise gleich geblieben wären, sogar die Autobahnmaut erhöhte sich. Letzteres wäre zwar nicht notwendig gewesen, dient aber offenbar dazu, den Leuten statt des eigenen Autos den öffentlichen Verkehr, der in der Corona-Zeit starke Einbußen hatte hinnehmen müssen, wieder schmackhaft zu machen. 

Einen ähnlichen Eindruck des Treibenlassens bot Kishidas Corona-Politik. Vor einem Jahr hatte er sich noch als Hardliner gegeben und Einreisen von Ausländern nach Japan verboten. Das Ziel war, seine Landsleute vor der Omikron-Variante zu schützen. Als sich das Virus trotzdem ungehindert ausbreitete, weil Diplomaten und amerikanische Soldaten nach wie vor einreisen konnten, ließ Kishida alle Einschränkungen in Bezug auf Corona nach und nach wieder fallen. Die Verbote hatte er vor einem Jahr noch mit großem Tamtam live im Fernsehen verkündet, von der Aufhebung der Verbote erfuhr man dagegen nur unter der Hand. 

Das militärische Abschreckungspotenzial soll erhöht werden

Stattdessen suchte sich Kishida ein anderes Tätigkeitsfeld, um seine Entscheidungskraft zu demonstrieren. Schon in der Folge des Ukraine-Kriegs hatte er versprochen, die japanischen Selbstverteidigungskräfte finanziell zu stärken und aufzurüsten. Damals war Putin der Bösewicht, demgegenüber er verbal den starken Mann spielen wollte. 

Ein halbes Jahr später gab Kishida aber eine andere militärische Stoßrichtung vor, nun sollte die Fähigkeit des japanischen Militärs zu einem Gegenschlag im Falle eines Angriffs gestärkt werden. Kishida schwieg sich dazu aus, von welcher Seite ein Angriff erfolgen könnte. Da im Zusammenhang damit aber Munitionsdepots, die sich bisher zum Großteil in Nordjapan befanden, nun vermehrt auch im Süden Japans angelegt werden sollen, kann das nur bedeuten, dass nicht von Russland, sondern von China oder Nordkorea aus mit einem Militärschlag zu rechnen wäre. 

Bis vor kurzem hatten solche Überlegungen noch keine Rolle gespielt. Nordkorea provoziert zwar schon seit Jahren mit dem Abschuss von Raketen, die entweder über Japan hinwegfliegen, oder vor der japanischen Küste ins Meer stürzen. Doch bisher begnügte sich Japan in solchen Fällen mit Protestnoten vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und verzichtete auf militärische Drohgebärden. Nun soll das Abschreckungspotenzial erhöht werden.

Die Lunte am Pulverfass

Wie schlagkräftig das japanische Militär auf einen Angriff reagieren könnte, ist schwer abzuschätzen, Von nicht einsatzfähigem Kriegsmaterial wie in Deutschland war zwar in Japan bisher nicht die Rede. Doch vor kurzem ging eine Meldung durch die Presse, dass ein militärisches Geleitschiff wegen eines Schiffsschraubenschadens manovrierunfähig geworden war. Schon vor einem Jahr war außerdem ein F-15-Kampfjet abgestürzt, und einen ähnlichen Unfall hatte es 2019 gegeben, als ein F-35-Tarnkappenkampfflugzeug bei einem Übungsflug in den Pazifik gestürzt war. 

In beiden Fällen ging man von Pilotenfehlern aus. Ansonsten hörte man eher von sexuellen Belästigungen weiblicher Soldaten aus der Truppe als von ausgefallenem Kriegsgerät. Falls tatsächlich kriegerische Auseinandersetzungen drohten, würde sich die japanische Führung aber wohl lieber hinter den amerikanischen Soldaten, die in Japan stationiert sind, verstecken, als selbst militärisch aktiv zu werden. Denn das japanische Heer ist von der Verfassung her ausschließlich auf einen Verteidigungskrieg festgelegt.

Sollte einmal eine aus Nordkorea abgefeuerte Rakete auf dem japanischen Festland einschlagen, und Japan würde darauf mit einem Militärschlag reagieren, hieße das, die Lunte an ein Pulverfass zu legen. Bei einem Angriff Chinas auf Taiwan sollte sich Japan ebenfalls tunlichst zurückhalten, denn es gibt sowohl mit China als auch mit Korea noch genug unbeglichene Rechnungen aus dem Zweiten Weltkrieg.

Stärkere Drohkulisse gegenüber China und Russland

Die japanische Politik betont zwar, dass es nur um Abschreckung geht, trotzdem befürchten viele Menschen, dass eine Eskalationsstrategie Japan in eine kriegerische Auseinandersetzung hineintreiben könnte. Andere wundern sich, weshalb für das Militär plötzlich so viel Geld da ist, während die Unterstützung von Familien mit Kindern, die Kishida im Wahlkampf noch vollmundig versprochen hatte, ausbleibt. Und auch aus Kishidas Ankündigung, wieder für wirtschaftliches Wachstum zu sorgen, ist bisher nichts geworden.

Dafür soll Japan, wie kürzlich verlautete, auch im Weltraum aufrüsten, denn die japanischen Satelliten seien bis dato ungeschützt. Um diesbezüglich die verstärkt notwendige militärische Kooperation mit den USA zu kaschieren, hat Kishida angekündigt, dass sich Japan am amerikanischen Artemis-Programm beteiligen werde, dessen Ziel es ist, noch in diesem Jahrzehnt wieder bemannte Raumschiffe auf den Mond zu schicken.

Offenbar gehen die militärischen Pläne alle auf Forderungen der USA zurück, und Kishida fühlt sich bemüßigt, dem nachzukommen, um damit eine stärkere Drohkulisse gegenüber China und Russland aufzubauen. Daheim will er sich aber nicht als Kriegstreiber, sondern als Diplomat in Szene setzen, deshalb reiste Kishida zuletzt durch Europa und Amerika, um sich dort in Vorbereitung auf den nächsten G7-Gipfel mit Politikern wie Macron, Meloni, Sunak, Trudeau und Biden zu treffen und in staatsmännischer Pose ablichten zu lassen.

Was kommt im Prozess gegen den Attentäter ans Licht?

Es mag reine Spekulation sein, aber in den letzten Monaten erhärtete sich der Verdacht, dass Kishida ein Politiker ist, der sich zwar gern in seiner Machtposition sonnt, aber aufgrund eigener Ideenlosigkeit auf Stichwortgeber angewiesen ist. Seine erratischen Entscheidungen der letzten Zeit verstärken den Eindruck, dass er unter dem Einfluss eines Masterminds steht. Nachdem Abe nicht mehr da ist, könnte es der ehemalige Premierminister und langjährige Finanzminister Tarō Asō sein, der diese Rolle übernommen hat. In der neuen Regierung ist Asō zwar nicht mehr Minister, doch als Vizeparteivorsitzender der LDP kann er als graue Eminenz die Fäden ziehen. Dazu passt auch, dass er Kishida bei dessen neuer militärischer Abschreckungsstrategie am eifrigsten den Rücken stärkt. 

Um aber zum Schluss nochmals auf den Attentäter Yamagami zurückzukommen. Erst am 13. Januar, mehr als ein halbes Jahr nach dem Mordanschlag, wurde Anklage gegen ihn erhoben. Davor befand er sich in einer sogenannten „Begutachtungshaft“, bei der festgestellt werden sollte, ob er psychische Probleme habe. Offenbar versuchte man ihn dabei auch mürbe zu machen, denn er beschwerte sich darüber, dass man ihm immer wieder die gleichen Fragen stellte.

Man hätte es wohl gern gehabt, ihm Unzurechnungsfähigkeit zu attestieren, denn dann wäre er sang- und klanglos in einer psychiatrischen Anstalt verschwunden und kein Hahn hätte mehr nach ihm gekräht. Stattdessen besteht nun die Gefahr, dass während des Prozesses gegen ihn weitere für die japanischen Behörden unliebsame Einzelheiten im Zusammenhang mit der Moon-Sekte zur Sprache kommen.

Yamagami war bei weitem kein Einzelfall

In den Wochen nach dem Attentat wurde durch viele Zeitungsartikel und Berichte im Internet bekannt, dass der Attentäter – ohne damit den Mord zu entschuldigen – sehr berechtigte Gründe für seine Tat hatte. Ihm war von der Sekte die Lebensperspektive geraubt worden, deshalb fokussierte er sich seit Jahren nur auf das eine Ziel, sich an der Moon-Sekte zu rächen. Er hatte dafür verschiedene Möglichkeiten ins Auge gefasst und sich am Ende für den Anschlag auf Abe entschieden. 

Yamagami war bei weitem kein Einzelfall, vielen war es ähnlich ergangen, denn das Treiben der Moon-Sekte war in Japan über Jahrzehnte ignoriert worden. Klagen von Familien, deren Angehörige unter den Einfluss der Sekte geraten und finanziell ausgebeutet worden waren, nahm man in vielen Fällen nicht ernst. Es betraf nicht nur begüterte Leute, sondern nach dem Motto: „Kleinvieh macht auch Mist“ wurden einfache Sektenmitglieder dazu motiviert, keine Beiträge an die Rentenversicherung zu bezahlen, sondern das Geld der Sekte zukommen zu lassen. Man versprach ihnen, dass niemand in der Sekte im Stich gelassen und jeder sowohl bei Krankheit als auch im Alter aufopferungsvoll gepflegt würde. 

Daran lässt sich das besonders perfide Vorgehen der Sekte erkennen. Vordergründig stellte man zwar das Wohl der Mitglieder in den Mittelpunkt, gleichzeitig wurden sie damit in völlige Abhängigkeit gepresst. Denn wer im Alter weder eigene Mittel noch eine Rente hat, bleibt auf Gedeih und Verderb der Sekte ausgeliefert. Man kann den Kreis der Sekte gar nicht mehr verlassen, weil man sonst vor dem absoluten Nichts stünde. 

Kaum möglich, dem Einfluss der Sekte zu entrinnen

Dass erst ein politisches Attentat diese Machenschaften ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückte, ist eigentlich ein Armutszeugnis für einen Rechtsstaat. Da die anfangs verfolgte Taktik, sich nur über den Mord an Abe zu empören, die Hintergründe aber zu verschweigen, sehr bald scheiterte, hatte Kishida im letzten halben Jahr versucht, das Thema abzuräumen. Im Parlament wurden über Parteigrenzen hinweg mehrere Gesetzesvorhaben zum Schutz der Opfer der Moon-Sekte auf den Weg gebracht. Einerseits sollte all jenen, die um große Geldbeträge gebracht worden waren, Mittel und Wege eröffnet werden, ihre Spenden wieder zurückzufordern. Aber auch die Kinder von Sektenmitgliedern sollten größeren gesetzlichen Schutz erhalten.

Wenn sich Eltern entscheiden, der Sekte beizutreten, ist das deren eigener Entschluss, dessen Folgen sie tragen müssen. Doch wenn sie auch ihre Kinder in diesen Kreis ziehen, oder die Kinder erst geboren werden, wenn die Eltern längst Mitglieder der Sekte sind, haben die keine Möglichkeit, loszukommen. Die Sekte schafft bewusst Abhängigkeiten, daher ist es schon für Erwachsene schwierig, sich daraus zu lösen, für Kinder ist es nahezu unmöglich.

Angehörige der zweiten Generation haben meist erst die Chance, dem Einfluss der Sekte zu entrinnen, wenn sie volljährig werden. Sie haben in solchen Fällen nämlich nicht nur sämtliche Mitglieder, sondern auch die eigenen Eltern gegen sich. Es ist nachvollziehbar, dass dies zu einem schwierigen Abnabelungsprozess führt, der kaum ohne seelische Verletzungen für die Betroffenen abgehen dürfte. 

Verbot der Moon-Sekte illusorisch

Trotz all dieser Missstände ist ein Verbot der Sekte illusorisch, es wird deshalb auch gar nicht angestrebt. Erstens hat die Moon-Sekte ihr Zentrum in Südkorea, und zweitens operiert sie weltweit, so dass sie in vielen Ländern der Erde Anhänger hat. Man kann nur hoffen, dass es gelingt, ihren Wirkungskreis in Japan einzuschränken. Die Sekte hat äußert gewiefte Anwälte, mit deren Hilfe es ihr gelungen ist, sich in vielen Streitfällen vor Gericht durchzusetzen.

Religionsgemeinschaften haben in Japan Sonderrechte, so dass ihnen juristisch nur schwer beizukommen ist. Selbst gegen die Aum-Sekte, die 1995 für die Giftgasanschläge in Tokyo verantwortlich war, konnte – obwohl alle Strafbestände einer kriminellen Vereinigung erfüllt waren – kein Verbot durchgesetzt werden, sie existiert unter anderem Namen heute noch.

Ungewöhnlich für japanische Verhältnisse erscheint aber die Tatsache, dass der Attentäter Yamagami sogar im Gefängnis Fanpost erhält. Zahlreiche Menschen sprechen ihm Mut zu, loben seine Tat, schicken ihm Kleidung und Süßigkeiten, aber auch Geld. Über eine Million Yen soll schon zusammengekommen sein. Und auf einer Internet-Seite meldeten sich an die 10.000 Unterstützer, die dafür sind, Yamagami nur mild zu bestrafen. In den Kommentaren wird er als Held gefeiert, der sich gegen Unrecht zur Wehr gesetzt hat.

Den japanischen Behörden ist diese Glorifizierung selbstverständlich ein Dorn im Auge. Man hält es für eine gefährliche Tendenz, Selbstjustiz zu befürworten und Verbrechen aus edlen Motiven zu rechtfertigen. Allerdings müssen sich die Behörden den Vorwurf gefallen lassen, das Ungerechtigkeitsgefühl selbst geschürt zu haben. Denn die Machenschaften der Moon-Sekte waren viel zu lange geduldet und den Opfern der Sekte viel zu lange Hilfe verweigert worden.

Foto: Pixabay

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Thomin Weller / 20.01.2023

Sehr geehrter Wolfgang Zoubek. Wenn sie einen gesellschaftlichen Vergleich aufarbeiten fangen Sie bitte mit folgender Frage an. Warum finanzierte der japanische Kaiser den Splatterfilm “Blut über Japan”. Wo die armen Jesuiten und Christen im 17. Jhrd. aus dem Land vertrieben wurden. Der Splatterfilm ist die wahre Un-Wucht, leiden wie ein Jesus. Dazu stellen sie sich auch die Frage warum eine Sternwarte hin und her geschickt wurde. Vor allem der Standort Bayern! Japan ist für mich ein gutes Beispiel wie eine Kultur unter Zwang angepasst werden kann. Aber niemals dauerhaft. Hochzeit Shinto, Beerdigung nach Buddhismus.(Nicht der lächerliche aus dem Tibet) “Das Buch vom Tee” von Okakura Kakuzō soll auch einen guten soziologischen Einblick geben, wie mir Japan Kenner sagten. Nach der A-Bombe kam die Mafia und die USA, die Schlimmsten der Einheit 731 wurden durch die USA in jap. Regierungsebene weiter geführt, genau wie in Deutschland die Mengele Ärzte unter der CIA/Pentagon Führung. Deckname Artischoke. Das gute, Japan und China können mit einem Handstreich die US Unkultur aus ihrem gesamten “Symbol und Sprachschatz” entfernen. In Sekunden. Befragen Sie einmal ex Opus Dei Mitglieder wie das mit den Zwangsspenden abläuft. Opusfrei wäre so eine Anlaufstelle. Für mich alles seit Jahren-Jahrzehnten ein wichtiges Thema.

RMPetersen / 20.01.2023

“Die Sekte nahm ihre Mitglieder finanziell aus, indem sie ihnen Schuldgefühle einredete ...” Das kommt mir doch sehr bekannt vor, auf nationaler Ebene geschieht das bei uns in Deutschland doch gegenwärtig von der Klimasekte. Zusätzliche Schuldgefühle werden erzeugt durch die Stichworte weiss, männlich, kolonialistisch, rassistisch, sexisisch ... Jedem “-isch” einige Milliarden Spende an die Opfer-Verbände.

Ralf.Michael / 20.01.2023

Die JDF ( Japan Self-Defense Forces ) gehören zu den modernsten und best ausgerüsteten HighTec Streitkräften der Welt. Kein Vergleich zur BW in Deutschland. Soviel zu den Fact`s.

PALLA Manfred / 20.01.2023

+ + + na hoffentlich wurde diese “Moon-Sekte” in Süd-Korea NICHT von “Anglo-Armeerikanern” gegründet ?!? - muss Ich jetzt also selbst noch “recherchieren”  ;-)

Thomin Weller / 20.01.2023

Wann wird die Rolle der 5-eyes Geheimdienste endlich ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt? Sie dienen der Hochfinanz zwecks Absicherung, Terror und Missionierung der Welt. “Die geheimnisvolle Macht der Moon-Sekte.” KAS, Weikersheim und aus dem Grab lässt der Strauß grüßen. Lothar Bossle hatte Kontakt zu Organisationen der Vereinigungskirche des Südkoreaners San Myung Mun. Und welche koreanische Sektenfrau kam letztens nach Bayern um dort einen Wohnsitz, vermutlich neben dem thailändischen König, zu erhalten? Warum sich immer mehr melden! Die CIA und der MI6 reorganisieren derzeit die stay behind Netzwerke der NATO ... Nebenbei eine passende Pressemeldung 2015 “Mit deutschen Steuergeldern: Adenauer-Stiftung mischt in der Ukraine kräftig mit. Vitali Klitschko gilt als politischer Ziehsohn der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die CDU-nahe Organisation spielte beim Sturz der Regierung Janukowitsch eine Schlüsselrolle.” Diese Stiftung sollte aus allen Ländern der Erde heraus fliegen. Japan ist schon einmal auf die Vatikan Bande wie die Jesuiten, Opus Dei herein gefallen und erhielt die A-Bombe. So ist das. Wer die Vergangenheit nicht aufarbeitet, kann die Gegenwart nicht verstehen.

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