Rüdiger Stobbe, Gastautor / 19.02.2019 / 10:00 / Foto: Doenertier82 / 8 / Seite ausdrucken

Woher kommt der Strom? 6. Woche

Von Rüdiger Stobbe.

Tagesanalysen sind – wie Jahresanalysen – Durchschnittsanalysen. Allerdings lassen Tagesanalysen wesentlich genauere Schlüsse zu, als es bei Jahresdurchschnittszahlen der Fall ist. Nehmen wir einen Tag wie den 24.1.2019. Da ging die Stromerzeugung durch Wind und Sonnenkraftwerke gegen Null.  Ein Anteil von 40 Prozent, aufs Jahr gerechnet, nutzt hier wenig. Wobei in den 40 Prozent die erneuerbaren Energieträger Biomasse und Wasserkraft enthalten sind. Ohne diesen grundlastfähigen Strom – nur mit Wind- und Sonnenstrom – läge der Anteil 2018 bei mageren 29 Prozent. Warum ist das wichtig? Weil an einem Tag, wie dem 24.1.2019 eine beliebig hohe installierte Leistung Wind- und Sonnenkraftwerke vorhanden sein könnte: Von nichts kommt nichts. Kein Wind, keine Sonne, kein Strom. Kapiert eigentlich jeder.

Deshalb werden mit der Forderung des Ausbaus der Erneuerbaren auf 65 Prozent oder gar 80 Prozent die allermeisten Menschen hinters Licht geführt. Mit der bereits heute installierten Leistung im Wind- und Sonnenkraftwerksbereich von über 50 Prozent werden durch Wind und Sonne noch nicht mal – siehe oben – 30 Prozent Im Jahresdurchschnitt erzeugt. Und eben durchaus nicht jeden Tag. Es müssen immer konventionelle Reserven bevorratet werden. Denn Speicher – auch ganz, ganz viele kleine Speicher – in einer Größenordnung, um Deutschland einen oder gar mehrere Tage mit Strom zu versorgen, diese Speicher gibt es nicht. Sonst hätten wir sie schon.

Eine Greenpeace/Energy Brainpool Studie schlägt deshalb eine Verdoppelung der Wind- und Sonnenkraftwerkskapazitäten und die der Gaskraftwerke vor. Hier die Zusammenfassung der Studie. Das Ergebnis Januar 2019 meiner Simulation dieser Idee wurde letzte Woche veröffentlicht. Die Idee ist nicht wirklich zielführend im Sinn einer Dekarbonisierung Deutschlands. Was immer man von einem Unterfangen "Dekarbonisierung" auch halten mag.

Eine andere Idee hat der Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff von der SPD unter Beifall in die Debatte vom 14.2.2019 eingeführt: Den europäischen Stromverbund. Das hört sich gut an. Bleibt die Frage, wie der Strom erzeugt wurde, der aus dem europäischen Ausland kommt. Mit Sicherheit ist es kein Sonnen- oder Windstrom. Es wird Kohle- und/oder Atomstrom sein. Wenn die anderen Länder denn so viel Strom erübrigen können. Mehr zur Bundestagsdebatte finden Sie hier.

Wie verteilen sich Wind- und Sonnenstrom über den Tag?

Die Wind- und Sonnenstromerzeugung zog gegenüber der Vorwoche an. Am Samstag, den 9.2., wurden sogar wieder mehr als eine Terawattstunde (TWh) Strom aus diesen beiden Energieträgern gewonnen. Macht zuzüglich Strom aus Wasserkraft und Biomasse 1,19 TWh. Der Bedarf netto an diesem Tag lag bei 1,38 TWh. Bleibt die Frage, wie sich die Wind- und Sonnenstromerzeugung über den Tag verteilt. Nachts gibt es keinen Sonnenstrom. Wehte der Wind gleichmäßig? Die Charts wurden wie immer aus den Werten dieser Tabelle erstellt. Die Werte wurden der Webseite www.energy-charts des Fraunhofer ISE entnommen. Zusätzlich wird in Zukunft auf das Agorameter von Agora Energiewende zugegriffen. Sie haben oben bereits ein Chart dieses Portals gesehen. Das Agorameter hilft bei der Beantwortung zum Beispiel der Fragen oben zur Gleichmäßigkeit von Wind- und Sonnenstromerzeugung über den Tag. Mehr dazu gleich in der Tagesanalyse vom 9.2.2019.

Sonntag, 3.2.2019: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 32,93 Prozent

Die Steigerung der Wind- und Sonnenstromerzeugung deutet sich an. Zwar durch die Erneuerbaren noch keine halbe Terawattstunde erreicht. Doch das soll sich im Verlauf der Woche noch ändern. Exakt eine Terawattstunde Strom wird konventionell erzeugt, wovon gut ein Viertel exportiert werden muss.

Montag, 4.2.2019: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 41,71 Prozent

Etwas über dem Jahresdurchschnitt 2018 (40 Prozent) liegen die Erneuerbaren. Dennoch muss wiederum über ein TWh konventionell erzeugt werden, weil der Bedarf an einem Montag höher ist, als Sonntag. 0,21 TWh werden exportiert.

Dienstag, 5.2.2019: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 33,53 Prozent

Heute wieder nur ein Drittel Strom aus erneuerbaren Energieträgern. Dementsprechend hoch ist die konventionelle Stromproduktion. 0,18 TWh werden exportiert.

Mittwoch, 6.2.2019: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 33,90 Prozent

Das gleiche Szenario wie gestern. Nur etwas andere Zahlen.

Donnerstag, 7.2.2019: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 46,29 Prozent

Das Wetter in Deutschland wird schlechter. Der Wind frischt auf. 0,64 TWh bringen Wind und Sonne. Plus Biomasse und Wasserkraft macht das 0,81 TWh Strom aus Erneuerbaren. Dennoch müssen 0,94 TWh konventionell erzeugt werden. 0,18 TWh gehen in den Export.

Freitag, 8.2.2019: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 57,22 Prozent

Über eine TWh bringen die Erneuerbaren auf die Stromerzeugungswaage. "Nur" noch 0,77 TWh werden konventionell erzeugt. 0,25 TWh werden exportiert.

Samstag, 9.2.2019: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 71,69 Prozent

Samstags ist der Strombedarf in Deutschland verhältnismäßig gering. Deshalb erzeugen die Erneuerbaren mit gesamt 1,19 TWh Strom über 70% des Bruttobedarfs und sogar 86% des Nettobedarfs. Denn von den 0,47 TWh konventionellem Strom werden noch 0,28 TWh exportiert. Ist das so richtig formuliert? Nein: Es werden 0,28 TWh des insgesamt erzeugten Stroms exportiert. Man sieht dem Strom im Netz nicht an, wie er erzeugt wurde. Strom ist Strom

Eine weitere Frage ist, ob man sich auf den Windstrom an diesem Tag verlassen konnte. Es könnte ja sein, dass zum Tagesbeginn kaum Wind wehte – was wegen der Werte von gestern unwahrscheinlich ist –, oder dass der Wind zum Beispiel ab 15:00 Uhr nachließ. Zusammen mit dem Sonnenuntergang wäre dann wenig Wind- und Sonnenstrom verfügbar gewesen. Klicken Sie hier und schauen Sie selber.

Alle Berechnungen und Auswertungen vom Autor. Selbstverständlich ohne Gewähr. Das Fraunhofer ISE korrigiert Zahlen auch noch Wochen später. Wie etwa im Bereich Stromexporte. In der nächsten Folge wird eine neue Gesamtschau Januar 2019 plus Februar bis 15.2.2019 geliefert. Damit es in Deutschland läuft, muss schon einiges an Strom importiert werden. Vor allem aus Frankreich. 2018 waren es immerhin 8,28 TWh. Das entspricht 3/4 der Stromerzeugung des Kernkraftwerks Emsland im Jahr 2014, welches 2022 stillgelegt werden soll.

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Sven Kaus / 19.02.2019

Ökohysterie trifft Wirklichkeit. Mal wieder. Kommt nur leider zu spät. Zahlen, Daten, Fakten und Fachwissen können gegen die Kraft einer Ersatzreligion nichts mehr ausrichten. Die “Energiewende” läuft seit acht Jahren ungebremst und wird mit dem Kohleausstieg bald vollendet. Deutschland demnächst mal ohne Strom, angewiesen auf ausländische Hilfe? Macht nichts. Hauptsache, das Klima ist gerettet!

Helmut Driesel / 19.02.2019

  Was mich an dieser Expertise am meisten beeindruckt, ist, dass die volle Tageskapazität des Pumpspeicherwerkes Goldisthal nur in der dritten Stelle der genannten Zahlen zu Buche schlägt. Selbst mit zwei oder drei zusätzlichen Speichern derselben Größenordnung wären wir noch lange nicht aus dem Gröbsten raus. Man muss also anfangen, völlig neu zu denken. Da würde mich als erstes interessieren, wieviel Strom in Deutschland direkt verheizt wird, also zu Heizzwecken ohne Abwärmeanteile, aber einschließlich der Millionen Pumpen aller sonstigen Heizgeräte. Heizen mit Strom in Spitzenlastzeiten sollte sofort verboten werden. Weiterhin sollte man einmal prüfen, inwieweit Geothermie mit gewöhnlichem Wasser zum Antrieb von Dampfturbinen genutzt werden kann. Dabei muss man natürlich groß genug denken. Und tief genug, ich denke so 10000 m, die Technik komplett untertage. Auch in der Ostsee könnte man Energie nach dem Pumpspeicherprinzip speichern, das ist eine reine Frage der Festigkeit und Beständigkeit von Baumaterialien. Die Wissenschaft in Europa forscht auf Hochtouren und hat auch bereits Milliarden an Geldern verbraten. Das kann doch nicht alles für die Katz gewesen sein.

Karla Kuhn / 19.02.2019

Frank Box, das ist bekannt ! Ist dieser WAHNSINN eigentlich noch zu toppen ? Früher dachte ich: NEIN, heute denke ich:  JA!!  Aber bei unserer “STROMEXPERTIN” können wir gaaanz beruhigt sein. Wer solches Personal hat, kann gut im dunkeln munkeln !! Frau Schönfelder, das ist vergebliche Liebesmühe.  Ich sitze hier und kann nicht anders, ich muß lachen (frei nach Luther)

D. Wolters / 19.02.2019

Ich finde die Darstellung der hohen Prozentzahlen aus der elektrischen Arbeit werden dem Problem nicht gerecht. Zum Beispiel zeigt die Grafik vom 24.1., dass um 18:00 Uhr 78 GW Leistung benötigt wurden und nicht einmal 10 GW aus Wasser, Biomasse, Wind und Sonne zur Verfügung gestellt wurden. Da fehlen rechnerisch 68 Kernkraftwerke! Die Leistung muss in jeder einzelnen Sekunde erbracht werden und eben nicht im Durchschnitt. Auch die Speicherdimension ist gigantisch: “Das Auto als Speicher” propagieren die Grünen. Aber bei einem Defizit von 68 GW Leistung sind 1.1 Mio PKW mit 60 kWh Batterie nach einer Stunde leer - und am 24.1. ging der “Streik der Erneuerbaren” über 30 Stunden. Da sind 33 Millionen volle Autobatterien “ausgesaugt” - nur an diesem Tag! Welche Autos wollen die Grünen nehmen wenn wir 14 Tage “Nebelflaute” haben? Nächstes Szenario: Batterien zur Überbrückung von 14 Tagen Nebelflaute sind für zig Milliarden gekauft. Nach einer grossen Flaute kommt fünf Tage später die nächste. Und dann? Speicher leer und Pech gehabt? Das überlebt kein Industrieland. Gott schütze uns vor Sturm und Wind - und Grünen die aus Deutschland sind.

Marc Hofmann / 19.02.2019

Eines kommt bei der Windenergie noch hinzu…um so mehr Windmühlen auf einer Fläche um so mehr Wind “graben” die sich gegenseitig ab…..Auch die Photovoiltaik Parks auf den Deutschen Äckern haben einen fahden Beigeschmack…der Boden unter diesen Industrieparks kann sich nicht mehr richtig erwärmen…atmen….er verkümmert regelrecht und beeinflusst auch seine Umgebung… Die Grünen haben sich von einer Öko Partei zu einer Industrie-Umweltzerstörungpartei gewandelt…die Grünen verkaufen ihre eigene Seele für Geld…nur um selbst immer mehr Geld in die eigene Tasche zu stecken…die Grünen betreiben ihren Egoismus auf Kosten der Deutschen…der Deutschen Naturlandschaft/Umwelt…die Lebensqualität in Deutschland leiden immer mehr unter dieser Grün-Sozialistischen Merkel Gesinnungspolitik!

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