Die 37. Analysewoche präsentiert kompakt die komplette Energiewendeproblematik auf einen Blick und „in echt“. An den ersten drei Tagen herrscht Windflaute. Ab Dienstag kommt Solarflaute hinzu, so dass man für diese zwei Tage von einer Dunkelflaute sprechen kann.
Über die ersten drei Tage wird ununterbrochen Strom importiert. Selbstverständlich reicht der Importstrom nicht aus, um die Residuallast zu decken. Es muss wie immer, und sei es auch nur aus Netzstabilisierungsgründen, Strom konventionell hinzuerzeugt werden. Der weiße Bereich zwischen dem roten Importbereich oben und der orangenen Bedarfsline weist die Menge anschaulich aus. Bemerkenswert ist, dass an den Tagen vier bis sieben ebenfalls täglich Strom importiert wird, obwohl die Windstromerzeugung massiv anzieht. Über Tag kommt es so zusammen mit der PV-Stromerzeugung für einige Stunden über die Mittagsspitze zu einer regenerativen Stromproduktion über Bedarf, die durch die Systemdienstleistung "konventionell-netzdienliche Zusatzerzeugung" noch verstärkt wird. Deshalb sinkt der Strompreis in dieser Zeit auf die 0€/MWh-Linie und teilweise in den negativen Bereich. Der mittlere Strompreis betrug an diesen vier Tagen 65€/MWh. Wobei die regenerativen Stromerzeuger über viele Stunden nur deshalb Geld "verdient" haben, weil das gesetzlich vorgesehen ist (EEG).
An den ersten drei Tagen hingegen lag der Strompreis die meiste Zeit über der 80€/MWh-Grenze. Nach oben gab es zu den entsprechenden Bedarfszeiten vor und nach der PV-Stromerzeugung kein Halten mehr. Der in diesem Bereich niedrigste Preis lag bei 223€/MWh. Es wurden aber auch 275€, 300€, 386€ und sogar 413€/MWh aufgerufen. Der mittlere Strompreis betrug an diesen drei Tagen 131€/MWh, doppelt so hoch, wie im Rest der Woche.
Selten kommen diese beiden Wetterszenarien in einer Woche so scharf getrennt und eindeutig erkennbar vor. Das ganze Drama der Versorgungssicherheit wird auf den Punkt gebracht. Wirtschaftsministerin Reiche formuliert es so. Die Gesamtschau der Woche belegt die massiven Schwierigkeiten, die in sich durch die Energiewende rein wettertechnisch ergeben: Am 8.9.2025 zum Beispiel um 19:00 Uhr lag die regenerative Stromerzeugung bei 16,7 Prozent. Importiert wurden 17,3 und 55,2 Prozent des Bedarfs in Höhe von 56,4 Gigawatt (GW) wurden konventionell produziert. Da sollten aber recht zügig nicht einige, sondern 20 bis 30 Gas-Backupkraftwerke hochgezogen werden, wenn die bisherigen konventionellen abgeschaltet werden sollen. Ob das sinnvoll ist, sei dahingestellt.
Riesenstress für Ingenieure und Techniker in Kraftwerken und bei Netzbetreibern
Es mehren sich die Stimmen, dass LNG über die komplette Abbau-, Transport- und Regasifizierung plus Weitertransport zum Kraftwerk-Kette am Ende mehr Treibhausgase (THG) ausstößt, als Kohle- oder Braunkohleverbrennung verursachen. Und sollte die Kohleverbrennung dann doch etwas THG-intensiver sein, bleibt die Frage, ob sich der gewaltig-teure Umstellungsaufwand, der mit horrenden Neubau-Erstellungs- und LNG-Betriebskosten verbunden ist, überhaupt lohnt. „Rechnen“ tut er sich garantiert nicht. Halt, doch: Für den klimaindustriellen Komplex und die Kraftwerksbauer und -betreiber ist richtig viel drin. Der Stromkunde, der Steuerzahler zahlt für den Unfug ohne Ende. Es ist ja für´ s „Klima“.
Schauen wir nun auf die letzten vier Wochentage und da etwas genauer auf den Freitag, an dem es für fünf Stunden zu negativen Strompreisen kommt. Der Tiefstpreis liegt bei – (minus) 8,7€/MWh. Nach Wegfall der PV-Stromerzeugung steigt der Preis auf 155,4€/MWh. Gute Preisdifferenzgeschäfte auf Kosten der Stromkundschaft sind möglich und werden getätigt (Dänemark, Norwegen). Andere kaufen oder verkaufen Strom, je nach Bedarf. Ja, der Bedarf ist entscheidend. Wenn ein Land bei negativen Preisen Strom an Deutschland abgibt und dafür bezahlt, dann wird es seinen Grund haben (zum Beispiel Niederlande). Denn die Strommenge im Netz muss immer exakt zum Bedarf passen. Sonst kommt es zum Kurzschluss (Blackout).
Trotz der mehr als ausreichenden regenerativen Stromerzeugung über Tag muss regelmäßig elektrische Energie hinzugekauft und konventionell ergänzt werden. Das bedeutet für die Ingenieure und Techniker in den Kraftwerken und bei den Netzbetreibern Höchstarbeit mit Riesenstress. Denn ein Fehler kann katastrophale Folgen haben. Die Kraftwerke, die ein paar Tage zuvor die Versorgungssicherheit gewährleistet haben, müssen runtergefahren werden, um über Mittag die Übererzeugung so gering wie möglich zu halten. Um dann nach Sonnenuntergang wieder hochgefahren zu werden, weil von jetzt auf gleich Strom benötigt wird und allein die Windstromerzeugung plus Import nicht ausreicht. Es sind gewaltige Koordinationsaufgaben zu bewältigen, die umso dramatischer werden, desto größer die Differenz zwischen erneuerbarer Höchst- und Niedrigsterzeugung zum Teil innerhalb weniger Stunden oder auch - wie in dieser Woche - innerhalb von Tagen ist.
Wochenüberblick
Montag, 8.9.2025 bis Sonntag, 14.9.2025: Anteil Wind- und PV-Strom 51,7 Prozent. Anteil regenerativer Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 64,3 Prozent, davon Windstrom 31,0 Prozent, PV-Strom 20,7 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,57 Prozent.
- Regenerative Erzeugung im Wochenüberblick 8.9.2025 bis 14.9.2025
- Die Strompreisentwicklung in der 37. Analysewoche 2025.
Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Wochenvergleich zur 37. Analysewoche ab 2016.
Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zur 37. KW 2025:
Factsheet KW 37/2025 – Chart, Produktion, Handelswoche, Import/Export/Preise, CO2, Agora-Zukunftsmeter 68 Prozent Ausbau & 86 Prozent Ausbau
- Rüdiger Stobbe zur Dunkelflaute bei Kontrafunk aktuell 15.11.2024
- Bessere Infos zum Thema „Wasserstoff“ gibt es wahrscheinlich nicht!
- Eine feine Zusammenfassung des Energiewende-Dilemmas von Prof. Kobe (Quelle des Ausschnitts)
- Rüdiger Stobbe zum Strommarkt: Spitzenpreis 2.000 €/MWh beim Day-Ahead Handel
- Meilenstein – Klimawandel & die Physik der Wärme
- Klima-History 1: Video-Schatz aus dem Jahr 2007 zum Klimawandel
- Klima-History 2: Video-Schatz des ÖRR aus dem Jahr 2010 zum Klimawandel
- Interview mit Rüdiger Stobbe zum Thema Wasserstoff plus Zusatzinformationen
- Weitere Interviews mit Rüdiger Stobbe zu Energiethemen
- Viele weitere Zusatzinformationen
- Achtung: Es gibt aktuell praktisch keinen überschüssigen PV-Strom (Photovoltaik). Ebenso wenig gibt es überschüssigen Windstrom. Auch in der Summe der Stromerzeugung mittels beider Energieträger plus Biomassestrom plus Laufwasserstrom gibt es fast keine Überschüsse. Der Beleg 2023, der Beleg 2024/25. Strom-Überschüsse werden bis auf wenige Stunden immer konventionell erzeugt. Aber es werden, insbesondere über die Mittagszeit für ein paar Stunden vor allem am Wochenende immer mehr. Genauso ist es eingetroffen. Sogar in der Woche erreichen/überschreiten die regenerativen Stromerzeuger die Strombedarfslinie.
Was man wissen muss: Die Wind- und Photovoltaik-Stromerzeugung wird in unseren Charts fast immer „oben“, oft auch über der Bedarfslinie, angezeigt. Das suggeriert dem Betrachter, dass dieser Strom exportiert wird. Faktisch geht immer konventionell erzeugter Strom in den Export. Die Chartstruktur zum Beispiel mit dem Jahresverlauf 2024/25 bildet den Sachverhalt korrekt ab. Die konventionelle Stromerzeugung folgt der regenerativen, sie ergänzt diese. Falls diese Ergänzung nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken, wird der fehlende Strom, der die elektrische Energie transportiert, aus dem benachbarten Ausland importiert.
Tagesanalysen
Montag
Montag, 8.9.2025: Anteil Wind- und PV-Strom 43,7 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 56,2 Prozent, davon Windstrom 20,9 Prozent, PV-Strom 22,9 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,5 Prozent.
Die Windstromerzeugung lässt nach. Deshalb mehr Importstrom. Die Strompreisbildung mit Stromhöchstpreis der Woche.
Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 8. September ab 2016.
Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 8.9.2025: Chart, Produktion, Handelstag, Import/Export/Preise/CO2 inklusive Importabhängigkeiten.
Dienstag
Dienstag, 9.9.2025: Anteil Wind- und PV-Strom 26,9 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 40,9 Prozent, davon Windstrom 10,2 Prozent, PV-Strom 16,7 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,0 Prozent.
Dunkelflaute Tag 1. Die Strompreisbildung.
Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 9. September ab 2016.
Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 9.9.2025: Chart, Produktion, Handelstag, Import/Export/Preise/CO2 inklusive Importabhängigkeiten.
Mittwoch
Mittwoch, 10.9.025: Anteil Wind- und PV-Strom 27,1 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 41,0 Prozent, davon Windstrom 9,8 Prozent, PV-Strom 17,3 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 13,9 Prozent.
Dunkelflaute Tag 2. Die Strompreisbildung.
Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 10. September 2025 ab 2016.
Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 10.9.2025: Chart, Produktion, Handelstag, Import/Export/Preise/CO2 inklusive Importabhängigkeiten.
Donnerstag
Donnerstag, 11.9.2025: Anteil Wind- und PV-Strom 63,8 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 74,5 Prozent, davon Windstrom 45,3 Prozent, PV-Strom 18,5 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,7 Prozent.
Starker Windstromanstieg. Die Strompreisbildung.
Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 11. September 2025 ab 2016.
Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 11.9.2025: Chart, Produktion, Handelstag, Import/Export/Preise/CO2 inklusive Importabhängigkeiten.
Freitag
Freitag, 12.9.2025: Anteil Wind- und PV-Strom 67,7 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 78,5 Prozent, davon Windstrom 47,8 Prozent, PV-Strom 20,0 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,8 Prozent.
Die regenerative Erzeugung bleibt stark. Negative Strompreise.
Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 12. September ab 2016.
Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 12.9.2025: Chart, Produktion, Handelstag, Import/Export/Preise/CO2 inkl. Importabhängigkeiten.
Samstag
Samstag, 13.9.2025: Anteil Wind- und PV-Strom 67,7 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 80,4 Prozent, davon Windstrom 43,9 Prozent, PV-Strom 23,8 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,7 Prozent.
Weniger Bedarf aber viel Solarstrom. Die Strompreisbildung.
Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie+ Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 13. September ab 2016.
Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 13.9.2025: Chart, Produktion, Handelstag, Import/Export/Preise/CO2 inkl. Importabhängigkeiten.
Sonntag
Sonntag, 14.9.2025: Anteil Wind- und PV-Strom 59,0 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 73,8 Prozent, davon Windstrom 32,4 Prozent, PV-Strom 26,6 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,8 Prozent.
Über Tag weniger Windstrom- doch hohe PV-Stromerzeugung. Die Strompreisbildung.
Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 14. September ab 2016.
Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 14.9.2025: Chart, Produktion, Handelstag, Import/Export/Preise/CO2 inkl. Importabhängigkeiten.
Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? seit Beginn des Jahres 2019 mit jeweils einem kurzen Inhaltsstichwort finden Sie hier. Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe und Peter Hager nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.
Rüdiger Stobbe betreibt seit 2016 den Politikblog MEDIAGNOSE.
