Rüdiger Stobbe / 10.09.2019 / 10:00 / Foto: Doenertier82 / 14 / Seite ausdrucken

Woher kommt der Strom? 35. Woche – jetzt warnt auch McKinsey

Die 35. Woche präsentiert sich von der Sonnenseite. Halt eine sehr schöne Spätsommerwoche. So merkt man an der Sonnenstromerzeugung bereits, dass es Richtung Herbst geht. In der Mittagsspitze werden nicht mehr die 30 GWh und mehr, wie noch vor einigen Wochen, erzielt. Etwas mehr als 28 GWh (Ausnahme Samstag mit 29,867 GWh) sind regelmäßig nicht mehr drin. Der Wind weht angenehm. Natürlich nicht für die Windmüller. Die mögen es viel, viel kräftiger. Doch Sommer ist Sommer. Klimawandel hin, Klimawandel her.

Vom Sonntag abgesehen, zeigt dieser Chart das gewohnte Bild. Ist der Bedarf in Deutschland hoch, kostet der importierte Strom mehr als zu Zeiten, in denen Deutschland dank starker Sonnenstromerzeugung zuviel Strom produziert. Dass Frankreich und die Schweiz die Hauptlieferanten für den Teil des Stroms sind, der von Deutschland regelmäßig gewollt nicht produziert wird, sei nur am Rande erwähnt. Da lässt sich gut aus der Stromerzeugung mittels Kernenergie aussteigen, wenn gleichzeitig Atomstrom importiert wird. Detailzahlen liefert diese Tabelle und der daraus generierte Chart zur 35. Woche.

Die Tagesanalysen

Sonntag, 25.8.2019: Anteil Erneuerbare an Gesamtstromerzeugung 50,00 Prozent

Dank des bedarfsarmen Sonntags reicht die Eigenstromerzeugung nahezu vollständig. Lediglich die Netzausregelungsreserve muss importiert/exportiert werden. OK, zum Abend fehlt etwas Eigenstrom, der wird kurzerhand aus Frankreich und der Schweiz importiert und verhältnismäßig teuer bezahlt.

Montag, 26.8.2019: Anteil Erneuerbare an Gesamtstromerzeugung 37,5 Prozent 

Heute zeigt sich wieder das aus den vergangenen Wochen bekannte Bild. Der bis 5:00 Uhr importierte Strom ist noch verhältnismäßig günstig. Ab 6:00 Uhr steigt der Bedarf. Deutschland muss in der Spitze fast 70 Euro pro MWh bezahlen, um zur Mittagsspitze den exportierten Strom für um die 40 Euro pro MWh zu verkaufen. Ab 17:00 Uhr wird wieder importiert. Kosten in der Spitze: 67,13 € pro MWh. Hier der Chart zur Kontrolle.

Dienstag, 27.8.2019: Anteil Erneuerbare an Gesamtstromerzeugung 35,71 Prozent

Der Dienstag liefert ein ähnliches Bild wie gestern. Auch beim Im-/Exportstrom. Nur die konkreten Werte sind andere.

Mittwoch, 28.8.2019: Anteil Erneuerbare an Gesamtstromerzeugung 34,06 Prozent

Auch heute nichts Neues. Hier der Chart Im-, Exportstrom.

Donnerstag, 29.8.2019: Anteil Erneuerbare an Gesamtstromerzeugung 32,12 Prozent

Der Donnerstag gleicht den vergangenen Tagen dieser Woche in der Struktur weitgehend. Etwas mehr Windstromerzeugung gibt es über Tag. Was aber nichts am Preisbild Im-/Exportstrom ändert.

Freitag, 30.8.2019: Anteil Erneuerbare an Gesamtstromerzeugung 33,33 Prozent  

Der Einstieg in das Wochenende bringt keine wesentlichen Veränderungen. Es war eben eine schöne Spätsommerwoche, die belegt, dass ohne Windstromerzeugung bis auf die Mittagspitze, wo die Sonne es "herausreißt", kaum Strom aus Erneuerbaren geliefert wird. Halt: Biomasse und Wasserkraft liefern konstant, liefern grundlastfähigen Strom. Beide Energieträger können nicht mehr wesentlich "erweitert" werden. Und: Deren Anteil muss immer am Anteil Gesamtstromerzeugung durch Erneuerbare abgezogen werden, um den Wert Stromerzeugung durch Wind und Sonne zu erhalten. 

Nehmen Sie den Chart, welchen Sie mit Klick auf das Tagesdatum öffnen können, dividieren Sie den Wert der Wind-/Sonnenstromerzeugung durch Strom gesamt x 100, und Sie sehen den prozentualen Anteil der Wind- und Sonnenstromerzeugung an der Gesamtstromerzeugung. Das wären heute 20 %. Im Durchschnitt. Am frühen Morgen ist es viel, viel weniger. Auch wenn der Bedarf geringer ist. Beispiel: Um 2:00 Uhr wären es knapp 5 %. Auch das ist Dunkelflaute. Im Sommer oft Nacht für Nacht. Der Chart Im-/Exportstrom.

Samstag, 31.8.2019Anteil Erneuerbare an Gesamtstromerzeugung 46,96 Prozent

Heute gibt die Sonne noch mal ihr Bestes. Knapp 30 GWh Sonnenstrom werden um 13:00 Uhr erzeugt. Der Sommer klingt gleichwohl aus. Pünktlich zum meteorologischen Herbstanfang. Da hat „der Klimawandel“ sich wohl vertan. Zum Abend jedenfalls frischt der Wind auf und leitet die Herbstanfangswoche ein. Die Im-/Exportstrompreise glätten sich etwas. Das Grundbild bleibt gleichwohl erhalten. Stromimport kostet Deutschland mehr, als durch Exportstrom erzielt wird. Dass die Schweiz und Frankreich Hauptlieferanten des Importstroms sind, ist klar. Dass diese beiden Ländern, wie letztens (Sonntag, 11.8.2019) genau berechnet, wieder mal günstig eingekauften Strom aus Deutschland einige Stunden später verhältnismäßig teuer (Differenz 17.000 € pro GWh) Deutschland zurück verkaufen, ist ein prima Geschäft. Nur nicht für den deutschen Stromkunden. Der bezahlt. Viel und ohne Murren. Er merkt es nicht mal. 

Stunde der Wahrheit: Der Energiewende-Index

Seit 2012 erstellt die McKinsey & Company halbjährlich den Energiewende-Index. Am 3. September 2019 wurde der vorläufig letzte Index (Auslauf 2020) veröffentlicht. Die meines Erachtens wesentliche Aussage:

Der beschlossene Kohleausstieg sieht die Abschaltung von 29 Gigawatt (GW) Kohlekapazität bis 2030 und weiteren 17 GW bis 2038 vor. In den nächsten zehn Jahren gehen somit im Zuge des Atom- und Kohleausstiegs rund 43 % der gesamten gesicherten Leistung des Jahres 2018 vom Netz. Ohne ausgleichende Maßnahmen ist die Versorgungssicherheit in Deutschland in Gefahr. Bis 2030 werden Modellrechnungen zufolge zusätzliche Kapazitäten von 17 GW benötigt, um die Stilllegungen zu kompensieren, um Schwankungen bei den Erneuerbaren auszugleichen und Spitzenlasten abzufedern. Sonst können schon ab Mitte des kommenden Jahrzehnts erste Engpässe auftreten, die sich bis 2030 verschärfen könnten. 

Zusätzliche Kapazitäten bedeutet nicht mehr Windräder oder Solarpaneelen. Zusätzliche Kapazitäten bedeutet gesicherten Strom aus konventionellen Energieträgern Atom, Kohle und/oder Gas.

Eingedenk der Tatsache, dass sich Deutschland seit Ende April ohnehin auf Stromimporte aus dem benachbarten Ausland – vor allem aus der Schweiz und Frankreich – verlässt, liegt die Vermutung nahe, dass die geforderten zusätzlichen Kapazitäten mittels Kauf und/oder Miete von ausländischen Atomkraftwerken und Kohlekraftwerken besorgt werden sollen. Das hätte den „Vorteil“, dass Deutschland zwar aus der Kernenergie, aus der Kohle „aussteigt", über Strom aus Atom- und Kohlekraftwerken dennoch verfügen kann.

Eine recht clevere, nein bigotte Methode den kompletten Industriezweig Kraftwerksbau Kernenergie im einst weltweit führenden Deutschland erst vor die Wand zu fahren, irgendetwas von Klimaschutz und Schutz der Bevölkerung vorm bösen Atom zu fabulieren und dann Atomstrom zwecks Sicherung der Versorgung aus insgesamt wahrscheinlich weniger sicheren Kernkraftwerken des benachbarten Auslands einzukaufen.

Schlimmer geht nimmer. Der Bürger wird von vorn bis hinten betrogen und zahlt diese Schmierenkomödie auch noch über den mit Dänemark höchsten Strompreis – Tendenz steigend – Europas. Die Bundesregierung sollte sich schleunigst darauf verständigen, die Weiterentwicklung und den Bau von Kernkraftwerken der vierten Generation zu planen und durchzuführen. Sofort. Zuwarten kostet Unmengen Geld und verstärkt die Probleme. Jeder zusätzliche Tag, jeder Monat, jedes Jahr auf der Rille "Energiewende" verschärft die Lage. Der bei den Bürgern ohnehin ungeliebte Ausbau der Windkraft sollte auslaufen.

Im Jahr 2050 das Klima retten und dafür aktuell die eigene Umwelt verschandeln sowie Vögel und Insekten und die eigene Gesundheit (zum Beispiel durch Infraschall) zu opfern: Das lässt sich der Bürger weder als sinnvoll einreden, noch als rentabel verkaufen. Deshalb wird eine angedachte finanzielle Bürgerbeteiligung an Windrädern/Windparks kaum Wirkung zeigen. Wie schlecht es um die Energiewende mit dem Hauptwendemittel „Windrad" bestellt ist, zeigt das Scheitern des „Windgipfels" am 5.9.2019. Der Streit wird beim sogenannten „Klimagipfel" am 20.9.2019 weitergehen, bei dem beschlossen werden soll, wie der Bürger am besten in Sachen „CO2" zur Kasse gebeten werden kann.  

Der Energiewende-Index enthält bemerkenswerte Aspekte. Die unten besprochenen Abbildungen mit Nummerierung, die im Folgenden besprochen werden, finden sie komplett und übersichtlich hier. Anklicken und das Besprochene nachvollziehen.

Umwelt- und Klimaschutz

Ein wichtiger Bereich der Energiewende wurde in den acht Jahren des Indizierungszeitraums übertroffen: Der Ausbau der Erneuerbaren ist dank hoher Subventionen und noch größtenteils wenig problematischen räumlichen Verhältnissen gut vorangeschritten. Abbildung 1 belegt dies eindrucksvoll. McKinsey orientiert sich an der Bruttostromerzeugung. Deshalb liegt die Zahl mit unter 37,8 Prozent etwas niedriger als der bei über 40 Prozent liegende Anteil an der Nettostromerzeugung, die in dieser Kolumne regelmäßig analysiert wird. Ziel waren 31,4 Prozent Stromerzeugung durch Erneuerbare. Die 37,8 Prozent sind ein gutes Ergebnis.

Der Stromverbrauch ist nicht in dem Maß gesunken, wie die Energiewender es geplant haben. Dabei war das Ziel nicht mal besonders anspruchsvoll. Lediglich 10 Prozent weniger Strom als 2008 sollten bis 2020 in Deutschland benötigt werden. Abbildung 2 zeigt, dass nur 39 Prozent dieses Ziel erreicht wurden. Ich halte das trotzdem für ein recht ordentliches Ergebnis. Immerhin ist Deutschland wirtschaftlich enorm gewachsen. Dabei auch noch Strom einzusparen, ist eine akzeptable Leistung. Wenn denn allerdings die E-Mobilität ansteigen sollte, wenn denn auch beim Sektor „Gebäude" Strom eine immer größere Rolle (Wärmepumpen) spielen soll, dann ist ein erheblicher Anstieg des Strombedarfs unvermeidlich. Das wird in aktuellen Szenarien noch nicht so kommuniziert, wie es sein sollte. Denn das hat natürlich erhebliche Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit Deutschlands mit Strom.

Die Senkung des CO2-Ausstoßes war mit 61 Prozent Zielerfüllung (Abbildung 3) nicht so stark, wie die Planer der Energiewende sich das vorgestellt haben. Da kann man Windparks und Solaranlagen bauen, wie man will, wenn gleichzeitig aus Kernenergie und jetzt auch noch aus der Kohle ausgestiegen werden soll, dann muss der wegfallende Strom irgendwie ersetzt werden. Vor allem, wenn der Wind nur wenig weht, und die Sonne schwächelt. Deshalb wurde das Ziel nicht erreicht. Es waren 85 Millionen Tonnen (Mt) CO2-Äquivalente (CO2e), um die das Ziel von 781 Mt CO2e verfehlt wurde. Der bis 2023 endgültige Ausstieg aus der Kernenergie wird das Problem weiter verschärfen. Da Deutschland mit dem kurzfristigen Ausstieg aus der Kernenergie zusammen mit Belgien (Ausstiegstermin 2025: Als Beitrag zur Versorgungssicherheit Belgiens baut Deutschland eine 1 GW-Strompipeline aus dem rheinischen Braunkohlerevier nach Belgien) momentan praktisch alleine auf der Welt dasteht, kann man den Atom- und Kohlestromstrom selbstverständlich importieren. Noch. Der CO2-Austoß wird dann dem Nachbarland, das den Strom bereitstellt, zugerechnet.

Versorgungssicherheit

Aktuell ist die Versorgungssicherheit mit Strom (Abbildung 4) noch im grünen Bereich. In den Bereichen „Stromausfälle" und „Gesicherte Reservemarge" werden die Ziele erreicht. Im Bereich der „Interkonnektorkapazität" reicht es mit 89 Prozent noch zu einer nach Ansicht von McKinsey weitgehenden Zielerfüllung.

Glasklar verfehlt werden hingegen die Ziele in den Bereichen „Kosten Netzeingriffe" und „Ausbau der Transportnetze". Die Anzahl der Netzeingriffe ist in den letzten Jahren gestiegen. Stark schwankende Stromeinspeisung aus erneuerbarer Stromversorgung mit Vorrang führt praktisch mehrmals täglich zu Situationen, die „geregelt" (RedispatchEinspeisemanagement -Einsman-Reservekraftwerke) werden müssen. Vom Menschen. Die Fehleranfälligkeit wurde beim kürzlichen Stromausfall in England offensichtlich.

Der Energiewende-Index (Abbildung 5) erfasst die Kosten der Netzeingriffe. Ziel ist der Wert des Jahres 2008 = 1 Euro/MWh. Mit 9,12 Euro/MWh (Kosten gesamt: Hier klicken) wird das Ziel dann doch eindrucksvoll gerissen. Zahlen muss der Stromkunde. Viel bedenklicher ist allerdings, dass die Kosten auch ein Spiegel der Anzahl der Netzeingriffe sind. Ich behaupte, je mehr Strom aus Erneuerbaren in das Stromnetz eingespeist werden muss, desto mehr muss nicht nur reguliert werden, desto unsicherer wird die Netzstabilität. Das Stromnetz muss in einem sehr, sehr engen Bereich um 50 Hertz (Erläuterung im unteren Teil) zwischen Einspeisung und Bedarf austariert werden. Da bleibt kaum Spielraum. Die zu ergreifenden Maßnahmen sind in ihrer Gesamtheit höchst komplex. Bereits kleine Fehler können zu massiven Auswirkungen führen. Insofern sollten die positiven Aussagen in Sachen Versorgungssicherheit (Stromausfall, aber auch Reservemarge) relativiert werden. Was heute noch gültig ist, kann und wird sich im Rahmen der geplanten Ausstiege und Abschaltungen bereits in den nächsten Jahren erheblich verschlechtern.

Verschärft wird der beschriebene Sachverhalt noch durch die Verzögerungen beim Ausbau der Transportnetze (Abbildung 6). Wenn denn die Stromversorgung dezentralisiert durch erneuerbare Energieträger erzeugt werden soll, muss der dezentral erzeugte Strom in die Gebiete, zu den Menschen und Firmen, die den Strom benötigen, transportiert werden. Ich halte das aus vielerlei Gründen für einen Irrweg, aber wenn man es denn will, dann muss man es auch tun. Deshalb ist es ein Armutszeugnis, dass der Netzausbau mit 36 Prozent Zielerfüllung aktuell so hinterherhinkt. Abbildung 6 belegt im Prinzip einen wesentlich höheren Rückstand. In gut 3 Monaten schreiben wir das Jahr 2020. Da sollten statt 2.513 (Stand Quartal 1 2019) bereits 3.582 km Transportnetz fertig sein.

Wenn die Transportnetze entsprechend ausgebaut sind, würde die Zahl der Netzeingriffe verhältnismäßig sinken oder entsprechend weniger zunehmen. Da zur Zeit die Energiewende – vor allem wegen des praktisch zum Stillstand gekommenen Windkraftausbaus – ziemlich auf der Stelle tritt, bleibt die Frage, ob man den Transportnetzausbau weiter voran treiben soll. Ganz sicher wäre es besser, die gesamte sogenannte Energiewende auf den Prüfstand zu stellen, auf dem nicht nur irgendwelche nebulösen Klimaziele und Vorbildfunktionen in den Vordergrund gestellt und gecheckt werden, sondern eine korrekte Kosten-/Nutzenanalyse vorgenommen wird.

Auch und gerade unter dem Aspekt, dass es für das Weltklima vollkommen egal ist, ob Deutschland CO2 ausstößt oder nicht. Dass hingegen die deutschen Energiewende-Anstrengungen den Industriestandort Deutschland weitgehend zugrunde richten und die konkreten Lebenswelten der Menschen in Deutschland massiv in Mitleidenschaft gezogen werden, ist sehr wahrscheinlich. 

Wirtschaftlichkeit

Dass die Energiewende Geld kostet war von vornherein klar. Eine Kugel Eis pro Haushalt sollte es pro Monat sein. Das wären bei 40 Millionen Haushalten 480 Millionen Euro pro Jahr. Von 2010 bis 2050 knapp 20 Milliarden €. 2016 schrieb Daniel Wetzel auf WELTonline

Das Institut für Wettbewerbsökonomik an der Uni Düsseldorf hat die Gesamtkosten der Energiewende bis 2015 berechnet. Das Ergebnis: Bis zum Jahr 2025 müssen geschätzt rund 520 Milliarden Euro aufgewendet werden. Eine vierköpfige Familie zahlt somit direkt und indirekt über 25.000 Euro für die Energiewende. Dabei reicht die Rechnung nur bis zum Jahr 2025.

Der Energiewende-Index macht die Wirtschaftlichkeit für den Stromkunden unter andere am Haushaltsstrompreis (Abbildung 7) und an der in diesem Strompreis enthaltenen EEG-Umlage (Abbildung 8) fest. Der Industriestrompreis enthält oft keine EEG-Umlage. Pikanterweise bei besonders hohem Strombedarf. Deshalb ist der Industriestrompreis laut Index auch im grünen Bereich. Genau wie die Entwicklung der Industriearbeitsplätze dank Energiewende.

Abbildung 7 belegt, dass die Haushaltsstrompreise mit einigen Dellen stark angestiegen sind. Das liegt auch am Anstieg der EEG-Umlage, mit der die Energiewende finanziert wird. Diese hat sich im 0,06 bis 0,0688 Euro Bereich eingependelt. 2020 wird es einen leichten Anstieg geben. Die EEG-Umlage macht etwa ein Viertel des Haushaltsstrompreises aus und ist laut Index vollkommen aus dem Ruder gelaufen. Ebenso wie der Haushaltsstrompreis. Ich kann jedem Stromkunden nur wärmstens empfehlen, jedes Jahr über ein Vergleichsprogramm den günstigsten – das ist nicht unbedingt der billigste – Stromanbieter und -tarif herauszufiltern und den Anbieter zu wechseln. Ein Risiko der Nichtversorgung selbst bei Insolvenz eines Anbieters gibt es nicht. Wichtig: Allein ein Tarifwechsel beim bisherigen Anbieter, wenn man diesem „treu" bleiben möchte, kann eine Ersparnis bringen. Deshalb: Informieren, Anbieter und/oder Tarif wechseln und eine Menge Geld sparen.

Der Fachbeitrag Energiewende am Scheideweg der Energiewende-Index Autoren kommt zu einer – wen wundert es? – ähnlichen, allerdings wesentlich ausführlicheren Bewertung der Lage, wie oben von mir beschrieben: Hier klicken.

Bemerkenswert ist, dass der Aspekt „Nachfragesteuerung" als Handlungsfeld hinzugenommen wird. McKinsey geht wohl bereits heute nicht mehr davon aus, dass eine sichere und nachhaltige Stromversorgung Deutschlands jederzeit möglich sein wird: 

Als zusätzliche Maßnahme zur Abmilderung von Versorgungsengpässen sollte die Nachfragesteuerung ausgebaut werden. Zwar wurde die Abschaltverordnung bereits 2016 novelliert, der Bedarf für abschaltbare Lasten blieb in den vergangenen Jahren aber weiterhin eher gering. Die Bundesnetzagentur schlägt sogar eine Absenkung der Gesamtabschaltleistung auf 750 MW vor. Im Zuge des Kernkraft- und Kohleausstiegs dürfte die Relevanz dieses Werkzeugs in den nächsten Jahren jedoch wieder steigen. 

Was nichts anderes bedeutet, dass ein Notinstrumentarium zum Steuerungsinstrument für Bürgerverhalten ausgebaut werden soll. 

Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.

CO2-Ausstoß von Ländern und pro Kopf interaktiv ermitteln: Hier klicken

Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de Aber bitte immer höflich. Ist klar, nicht wahr?

Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? mit jeweils einer kurzen Inhaltserläuterung finden Sie hier.

 

Rüdiger Stobbe betreibt seit über 3 Jahren den Politikblog  www.mediagnose.de.

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Sandra Müller / 10.09.2019

“Dass Frankreich und die Schweiz die Hauptlieferanten für den Teil des Stroms sind, der von Deutschland regelmäßig gewollt nicht produziert wird, sei nur am Rande erwähnt. Da lässt sich gut aus der Stromerzeugung mittels Kernenergie aussteigen, wenn gleichzeitig Atomstrom importiert wird.” Meines Wissens hat auch die Schweiz für sich langfristig den Atomstromausstieg entschieden. Woher wollen wir eigentlich dann den uns fehlenden Strom importieren, frage ich mich? Ausschließlich aus Frankreich? Oder wollen die Franzosen etwa auch aussteigen? Und dann? Ein einziges Desaster, diese sog. “Energiewende”, in das man uns hineinmanövriert hat!...

Michael Stoll / 10.09.2019

“Eine vierköpfige Familie zahlt somit direkt und indirekt über 25.000 Euro für die Energiewende.” Das ist eine große Kugel grünes Eis. Und den Verlust der Versorgungssicherheit gibt es sogar noch umsonst dazu, quasi geschenkt.

Alois Schlötterlig / 10.09.2019

Eine sehr wertvolle Serie, der unbedingt mehr Gehör geschenkt werden sollte. Heute allerdings ein Kritikpunkt: Warum sollten Atomkraftwerke in Frankreich (!) und der Schweiz (!!!) weniger sicher als deutsche sein? Frankreich ist die führende Nation in Sachen Atomkraftwerksbau, und die Schweiz ist auch nicht gerade für untalentierte Ingenieure und nachlässige Sicherheitsprotokolle bekannt.

Sarah Anyango / 10.09.2019

Laut Webseite des Bundesumweltministeriums wurden letztes Jahr 18 PetaJoule aus erneuerbaren Energien hergestellt Das sind Sage und Schreibe 14 % des jährlichen Gesamtenergiebedarfs der Bundesrepublik   !!!!!! Um auf diese 14 % zu kommen brauchte Deutschland ca. 30 Jahre Die restlichen 86 % sind fossile Energieträger und etwas Kernenergie

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